Drittes Buch. Der Gesammtprocess der kapitalistischen Produktion. › Erster Abschnitt. Die Verwandlung des Mehrwerths in Profit und der Rate des Mehrwerths in Profitrate.

Siebentes Kapitel. Nachträge.

1.286 Wörter · ≙ MEW 25, Kap. 7

Siebentes Kapitel. Nachträge.

Gesetzt, wie in diesem Abschnitt unterstellt, die in jeder besondren Produktionssphäre angeeignete Profitmasse sei gleich der Summe des Mehrwerths, den das in dieser Sphäre angelegte Gesammtkapital erzeugt. So wird der Bourgeois den Profit doch nicht als identisch mit dem Mehrwerth, d. h. mit unbezahlter Mehrarbeit, auffassen, und zwar aus folgenden Gründen nicht:

1) In dem Process der Cirkulation vergisst er den Produktionsprocess. Das Realisiren des Werths der Waaren — worin das Realisiren ihres Mehrwerths eingeschlossen — gilt ihm als Machen dieses Mehrwerths. [Eine leergelassene Lücke im Manuskript deutet an, dass Marx diesen Punkt näher zu entwickeln vorhatte. F. E.]

2) Denselben Exploitationsgrad der Arbeit vorausgesetzt, hat sich gezeigt, dass, abgesehn von allen durch das Kreditsystem hereingebrachten Modifikationen, von aller wechselseitigen Uebervortheilung und Prellerei der Kapitalisten unter einander, ferner von aller günstigen Wahl des Markts, die Profitrate sehr verschieden sein kann, je nachdem der Rohstoff wohlfeiler oder minder wohlfeil, mit mehr oder minder Sachkenntniss angekauft; je nachdem die angewandte Maschinerie produktiv, zweckmäßig und wohlfeil; je nachdem die Gesammteinrichtung der verschiednen Stufen des Produktionsprocesses mehr oder minder vollkommen, die Stoffvergeudung beseitigt, die Leitung und Aufsicht einfach und wirksam ist u. s. w. Kurz, den Mehrwerth für ein bestimmtes variables Kapital gegeben, so hängt es noch sehr von der individuellen Geschäftstüchtigkeit, sei es des Kapitalisten selbst, sei es seiner Unteraufseher und Kommis ab, ob sich dieser selbe Mehrwerth in einer grössern oder kleinern Profitrate ausdrückt, und daher ob er eine grössere oder kleinere Profitmasse liefert. Derselbe Mehrwerth von 1000 £, das Produkt von 1000 £ Arbeitslohn, sei im Geschäft A auf 9000 £, und in dem andern Geschäft B auf 11000 £ konstantes Kapital bezogen. Im Fall A haben wir p' = 100010000 = 10 %. In dem Fall B haben wir p' = 100012000 = 8⅓ %. Das Gesammtkapital producirt bei A verhältnissmäßig mehr Profit als bei B, weil dort die Profitrate höher als hier, obgleich in beiden Fällen das vorgeschossne variable Kapital = 1000, und der aus demselben geschlagne Mehrwerth ebenfalls = 1000 ist, also in beiden Fällen gleich grosse Exploitation von gleich vielen Arbeitern stattfindet. Diese Verschiedenheit der Darstellung derselben Masse Mehrwerths, oder die Verschiedenheit der Profitraten, und daher der Profite selbst, bei gleicher Exploitation der Arbeit, kann auch aus andren Quellen herstammen; sie kann aber auch einzig und allein entspringen aus der Verschiedenheit in dem Geschäftsgeschick, womit beide Geschäfte geführt sind. Und dieser Umstand verleitet den Kapitalisten — überzeugt ihn — dass sein Profit geschuldet ist, nicht der Exploitation der Arbeit, sondern wenigstens theilweise auch andern, davon unabhängigen Umständen, namentlich aber seiner individuellen That.

Aus dem in diesem ersten Abschnitt Entwickelten folgt die Falschheit der Ansicht (Rodbertus), wonach (im Unterschied von der Grundrente, wo z. B. das Bodenareal dasselbe bleibe während die Rente wachse) ein Grössenwechsel des Kapitals ohne Einfluss auf das Verhältniss zwischen Profit und Kapital, und daher auf die Profitrate bleibe, weil, wenn die Masse des Profits wächst, auch die Masse des Kapitals wächst, auf das er berechnet wird und umgekehrt.

Dies ist nur wahr in zwei Fällen. Erstens wenn, alle andern Umstände, also namentlich die Rate des Mehrwerths, als gleichbleibend vorausgesetzt, ein Werthwechsel der Waare eintritt, welche die Geldwaare ist. (Dasselbe findet statt bei dem nur nominellen Werthwechsel, Steigen oder Fallen von Werthzeichen bei sonst gleichen Umständen.) Das Gesammtkapital sei = 100 £, und der Profit = 20 £, die Profitrate also = 20 %. Steigt oder fällt das Gold nun um 100 %, so wird im ersten Fall dasselbe Kapital 200 £ werth sein, das früher 100 £ werth war, und der Profit wird einen Werth von 40 £ haben, d. h. sich in diesem Geldausdruck darstellen, statt früher in 20 £. Im zweiten Fall sinkt das Kapital auf einen Werth von 50 £, und der Profit stellt sich dar in einem Produkt zum Werth von 10 £. Aber in beiden Fällen ist 200 : 40 = 50 : 10 = 100 : 20 = 20 %. In allen diesen Fällen wäre jedoch in der That kein Grössenwechsel im Kapitalwerth, sondern nur im Geldausdruck desselben Werths und desselben Mehrwerths vorgegangen. Es könnte also auch mC oder die Profitrate nicht afficirt werden.

Der andre Fall ist der, wenn wirklicher Grössenwechsel des Werths stattfindet, aber dieser Grössenwechsel nicht begleitet ist von einem Wechsel im Verhältniss von v: c, d. h. wenn bei konstanter Rate des Mehrwerths das Verhältniss des in Arbeitskraft ausgelegten Kapitals (das variable Kapital als Index der in Bewegung gesetzten Arbeitskraft betrachtet) zu dem in Produktionsmitteln ausgelegten Kapital dasselbe bleibt. Unter diesen Umständen, ob wir C oder nC oder Cn haben, z. B. 1000 oder 2000 oder 500, wird der Profit, bei 20 % Profitrate, im ersten Fall = 200, im zweiten = 400, im dritten = 100 sein; aber 2001000 = 4002000 = 100500 = 20 %. D. h. die Profitrate bleibt hier unverändert, weil die Zusammensetzung des Kapitals dieselbe bleibt und von seinem Grössenwechsel nicht berührt wird. Zunahme oder Abnahme der Profitmasse zeigt daher hier nur an Zunahme oder Abnahme in der Grösse des angewandten Kapitals.

Im ersten Fall findet also nur ein scheinbarer Grössenwechsel des angewandten Kapitals statt, im zweiten Fall findet ein wirklicher Grössenwechsel statt, aber kein Wechsel in der organischen Zusammensetzung des Kapitals, in dem Verhältniss seines variablen Theils zu seinem konstanten. Aber diese beiden Fälle ausgenommen, ist der Grössenwechsel des angewandten Kapitals entweder Folge eines vorhergegangnen Werthwechsels in einem seiner Bestandtheile, und daher (sofern nicht mit dem variablen Kapital der Mehrwerth selbst wechselt) eines Wechsels in der relativen Grösse seiner Bestandtheile; oder dieser Grössenwechsel (wie bei Arbeiten auf grosser Stufenleiter, Einführung neuer Maschinerie etc.) ist die Ursache eines Wechsels in der relativen Grösse seiner beiden organischen Bestandtheile. In allen diesen Fällen muss daher bei sonst gleichen Umständen der Grössenwechsel des angewandten Kapitals begleitet sein von einem gleichzeitigen Wechsel der Profitrate.

Die Vermehrung der Profitrate stammt stets daher, dass der Mehrwerth relativ oder absolut im Verhältniss zu seinen Produktionskosten, d. h. zum vorgeschossnen Gesammtkapital, vermehrt wird, oder die Differenz zwischen Rate des Profits und Rate des Mehrwerths vermindert wird.

Schwankungen in der Rate des Profits, unabhängig vom Wechsel in den organischen Bestandtheilen des Kapitals oder von der absoluten Grösse des Kapitals, sind dadurch möglich, dass der Werth des vorgeschossnen Kapitals, in welcher Form, fix oder cirkulirend, es existire, steigt oder fällt in Folge einer, von dem schon existirenden Kapital unabhängigen, Erhöhung oder Erniedrigung der zu seiner Reproduktion nöthigen Arbeitszeit. Der Werth jeder Waare — also auch der Waaren, woraus das Kapital besteht — ist bedingt, nicht durch die in ihr selbst enthaltne nothwendige Arbeitszeit, sondern durch die gesellschaftlich nothwendige Arbeitszeit, die zu ihrer Reproduktion erheischt ist. Diese Reproduktion kann erfolgen unter erschwerenden oder unter erleichternden Umständen, verschieden von den Bedingungen der ursprünglichen Produktion. Bedarf es unter den veränderten Umständen allgemein doppelt so vieler, oder umgekehrt halb so vieler Zeit, um dasselbe sachliche Kapital zu reproduciren, so würde bei unverändertem Werth des Geldes, wenn es früher 100 £ werth, jetzt 200 £, bezw. 50 £ werth sein. Träfe diese Wertherhöhung oder Entwerthung alle Theile des Kapitals gleichmäßig, so würde sich auch der Profit entsprechend in der doppelten oder nur in der halben Geldsumme ausdrücken. Schliesst sie aber eine Aenderung in der organischen Zusammensetzung des Kapitals ein, steigert oder senkt sie das Verhältniss des variablen zum konstanten Kapitaltheil, so wird die Profitrate bei sonst gleichen Umständen wachsen mit relativ wachsendem, fallen bei relativ sinkendem variablem Kapital. Steigt oder fällt nur der Geldwerth (in Folge einer Werthänderung des Geldes) des vorgeschossnen Kapitals, so steigt oder fällt im selben Verhältniss der Geldausdruck des Mehrwerths. Die Profitrate bleibt unverändert.