Drittes Buch. Der Gesammtprocess der kapitalistischen Produktion. › Zweiter Abschnitt. Verwandlung des Profits in Durchschnittsprofit.

Neuntes Kapitel. Bildung einer allgemeinen Profitrate (Durchschnitts-Profit- rate) und Verwandlung der Waarenwerthe in Produktions- preise.

6.584 Wörter · 5 Fußnoten · ≙ MEW 25, Kap. 9

Neuntes Kapitel. Bildung einer allgemeinen Profitrate (Durchschnitts-Profitrate) und Verwandlung der Waarenwerthe in Produktionspreise.

Die organische Zusammensetzung des Kapitals hängt in jedem aktuellen Moment von zwei Umständen ab: Erstens vom technischen Verhältniss der angewandten Arbeitskraft zur Masse der angewandten Produktionsmittel; zweitens vom Preis dieser Produktionsmittel. Sie muss, wie wir gesehn, nach ihrem Procentverhältniss betrachtet werden. Die organische Zusammensetzung eines Kapitals, das aus ⅘ konstantem und ⅕ variablem Kapital besteht, drücken wir aus durch die Formel 80c + 20v. Ferner wird bei der Vergleichung eine unveränderliche Rate des Mehrwerths angenommen, und zwar eine irgend beliebige Rate, z. B. 100 %. Das Kapital von 80c + 20v wirft also einen Mehrwerth von 20m ab, was auf das Gesammtkapital eine Profitrate von 20 % bildet. Wie gross nun der wirkliche Werth seines Produkts, hängt davon ab, wie gross der fixe Theil des konstanten Kapitals, und wieviel davon als Verschleiss in das Produkt eingeht, wieviel nicht. Da dieser Umstand aber völlig gleichgültig für die Profitrate und also für die vorliegende Untersuchung, wird der Vereinfachung halber angenommen, dass das konstante Kapital überall gleichmäßig ganz in das jährliche Produkt dieser Kapitale eingeht. Es wird ferner angenommen, dass die Kapitale in den verschiednen Produktionssphären, im Verhältniss zur Grösse ihres variablen Theils, jährlich gleich viel Mehrwerth realisiren; es wird also vorläufig abgesehn von dem Unterschied, den die Verschiedenheit der Umschlagszeiten in dieser Beziehung hervorbringen kann. Dieser Punkt wird später behandelt.

Nehmen wir fünf verschiedne Produktionssphären mit jedesmal verschiedner organischer Zusammensetzung der in ihnen angelegten Kapitale, etwa wie folgt:

Wir haben hier für verschiedne Produktionssphären bei gleichmäßiger Exploitation der Arbeit sehr verschiedne Profitraten, entsprechend der verschiednen organischen Zusammensetzung der Kapitale.

Die Gesammtsumme der in den fünf Sphären angelegten Kapitale ist = 500; die Gesammtsumme des von ihnen producirten Mehr werths = 110; der Gesammtwerth der von ihnen producirten Waaren = 610. Betrachten wir die 500 als ein einziges Kapital, von dem I—V nur verschiedne Theile bilden (wie etwa in einer Baumwollfabrik in den verschiednen Abtheilungen, im Kardirraum, Vorspinnraum, Spinnsaal und Websaal verschiednes Verhältniss von variablem und konstantem Kapital existirt und das Durchschnittsverhältniss für die ganze Fabrik erst berechnet werden muss), so wäre erstens die Durchschnittszusammensetzung des Kapitals von 500 = 390c + 110v, oder procentig 78c + 22v. Jedes der Kapitale von 100 nur als ⅕ des Gesammtkapitals betrachtet, wäre seine Zusammensetzung diese durchschnittliche von 78c + 22v; ebenso fielen auf jedes 100 als durchschnittlicher Mehrwerth 22; daher wäre die Durchschnittsrate des Profits = 22 %, und endlich wäre der Preis von jedem Fünftel des von den 500 producirten Gesammtprodukts = 122. Das Produkt von jedem Fünftel des vorgeschossnen Gesammtkapitals müsste also zu 122 verkauft werden.

Es ist jedoch, um nicht zu ganz falschen Schlüssen zu kommen, nöthig, nicht alle Kostpreise = 100 anzurechnen.

Bei 80c + 20v und Mehrwerthsrate = 100 % wäre der Totalwerth der vom Kapital I = 100 producirten Waare = 80c + 20v + 20m = 120, wenn das gesammte konstante Kapital in das jährliche Produkt einginge. Nun kann dies wohl unter Umständen in gewissen Produktionssphären der Fall sein. Schwerlich jedoch da, wo das Verhältniss c:v = 4:1. Es ist also bei den Werthen der Waaren, die von je 100 der verschiednen Kapitale producirt werden zu erwägen, dass sie verschieden sein werden je nach der verschiednen Zusammensetzung von c aus fixen und cirkulirenden Bestandtheilen, und dass die fixen Bestandtheile verschiedner Kapitale selbst wieder rascher oder langsamer verschleissen, also in gleichen Zeiten ungleiche Werthquanta dem Produkt zusetzen. Für die Profitrate ist dies aber gleichgültig. Ob die 80c den Werth von 80 oder 50 oder 5 an das Jahresprodukt abgeben, ob also das jährliche Produkt = 80c + 20v + 20m = 120, oder = 50c + 20v + 20m = 90, oder = 5c + 20v + 20m = 45 ist, in allen diesen Fällen ist der Ueberschuss des Werths des Produkts über seinen Kostpreis = 20, und in allen diesen Fällen werden, bei Feststellung der Profitrate, diese 20 auf ein Kapital von 100 berechnet; die Profitrate des Kapital I ist also in allen Fällen = 20 %. Um dies noch deutlicher zu machen, lassen wir in der folgenden Tabelle für dieselben fünf Kapitale wie oben, verschiedne Theile des konstanten Kapitals in den Werth des Produkts eingehn.

Betrachtet man die Kapitale I—V wieder als ein einziges Gesammtkapital, so sieht man, dass auch in diesem Fall die Zusammensetzung der Summen der fünf Kapitale = 500 = 390c + 110v, also die Durchschnittszusammensetzung = 78c + 22v dieselbe bleibt; ebenso der Durchschnittsmehrwerth = 22 %. Diesen Mehrwerth gleichmäßig auf I—V vertheilt, kämen folgende Waarenpreise heraus:

Zusammengenommen werden die Waaren verkauft 2 + 7 + 17 = 26 über und 8 + 18 = 26 unter dem Werth, sodass die Preisabweichungen durch gleichmäßige Vertheilung des Mehrwerths oder durch Zuschlag des durchschnittlichen Profits von 22 auf 100 vorgeschossnes Kapital zu den respektiven Kostpreisen der Waaren I—V sich gegenseitig aufheben; in demselben Verhältniss, worin ein Theil der Waaren über, wird ein andrer unter seinem Werth verkauft. Und nur ihr Verkauf zu solchen Preisen ermöglicht, dass die Profitrate für I—V gleichmäßig ist, 22 %, ohne Rücksicht auf die verschiedne organische Komposition der Kapitale I—V. Die Preise, die dadurch entstehn, dass der Durchschnitt der verschiednen Profitraten der verschiednen Produktionssphären gezogen und dieser Durchschnitt den Kostpreisen der verschiednen Produktionssphären zugesetzt wird, sind die Produktionspreise. Ihre Voraussetzung ist die Existenz einer allgemeinen Profitrate, und diese setzt wiederum voraus, dass die Profitraten in jeder besondren Produktionssphäre für sich genommen, bereits auf ebensoviel Durchschnittsraten reducirt sind. Diese besondren Profitraten sind in jeder Produktionssphäre = mC, und sind, wie dies im ersten Ab schnitt dieses Buchs geschehn, aus dem Werth der Waare zu entwickeln. Ohne diese Entwicklung bleibt die allgemeine Profitrate (und daher auch der Produktionspreis der Waare) eine sinn- und begriffslose Vorstellung. Der Produktionspreis der Waare ist also gleich ihrem Kostpreis plus dem, entsprechend der allgemeinen Profitrate, procentig ihm zugesetzten Profit, oder gleich ihrem Kostpreis plus dem Durchschnittsprofit.

In Folge der verschiednen organischen Zusammensetzung der in verschiednen Produktionszweigen angelegten Kapitale; in Folge daher des Umstandes, dass je nach dem verschiednen Procentsatz, den der variable Theil in einem Gesammtkapital von gegebner Grösse hat, sehr verschiedne Quanta Arbeit von Kapitalen gleicher Grösse in Bewegung gesetzt werden, werden auch sehr verschiedne Quanta Mehrarbeit von ihnen angeeignet oder sehr verschiedne Massen Mehrwerth von ihnen producirt. Demgemäß sind die Profitraten, die in verschiednen Produktionszweigen herrschen, ursprünglich sehr verschieden. Diese verschiednen Profitraten werden durch die Konkurrenz zu einer allgemeinen Profitrate ausgeglichen, welche der Durchschnitt aller dieser verschiednen Profitraten ist. Der Profit, der entsprechend dieser allgemeinen Profitrate auf ein Kapital von gegebner Grösse fällt, welches immer seine organische Zusammensetzung, heisst der Durchschnittsprofit. Der Preis einer Waare, welcher gleich ist ihrem Kostpreis plus dem, im Verhältniss ihrer Umschlagsbedingungen auf sie fallenden Theil des jährlichen Durchschnittsprofits auf das in ihrer Produktion angewandte (nicht bloss das in ihrer Produktion konsumirte) Kapital, ist ihr Produktionspreis. Nehmen wir z. B. ein Kapital von 500, davon 100 fixes Kapital, wovon 10 % Verschleiss während einer Umschlagsperiode des cirkulirenden Kapitals von 400. Der Durchschnittsprofit für die Dauer dieser Umschlagsperiode sei 10 %. Dann wird der Kostpreis des während dieses Umschlags hergestellten Produkts sein: 10c für Verschleiss, plus 400 (c + v) cirkulirendes Kapital = 410, und ihr Produktionspreis: 410 Kostpreis plus (10 % Profit auf 500) 50 = 460.

Obgleich daher die Kapitalisten der verschiednen Produktionssphären beim Verkauf ihrer Waaren die in der Produktion dieser Waaren verbrauchten Kapitalwerthe zurückziehn, so lösen sie nicht den in ihrer eignen Sphäre bei der Produktion dieser Waaren producirten Mehrwerth und daher Profit ein, sondern nur soviel Mehrwerth und daher Profit, als vom Gesammtmehrwerth oder Gesammtprofit, der vom Gesammtkapital der Gesellschaft in allen Produktionssphären zusammengenommen, in einem gegebnen Zeitabschnitt producirt wird, bei gleicher Vertheilung auf jeden aliquoten Theil des Gesammtkapitals fällt. Pro 100 zieht jedes vorgeschossne Kapital, welches immer seine Zusammensetzung, in jedem Jahr oder andern Zeitabschnitt den Profit, der für diesen Zeitabschnitt auf 100 als den sovielsten Theil des Gesammtkapitals kommt. Die verschiednen Kapitalisten verhalten sich hier, soweit der Profit in Betracht kommt, als blosse Aktionäre einer Aktiengesellschaft, worin die Antheile am Profit gleichmäßig pro 100 vertheilt werden, und daher für die verschiednen Kapitalisten sich nur unterscheiden nach der Grösse des von jedem in das Gesammtunternehmen gesteckten Kapitals, nach seiner verhältnissmäßigen Betheiligung am Gesammtunternehmen, nach der Zahl seiner Aktien. Während sich also der Theil dieses Waarenpreises, der die in der Produktion der Waaren verzehrten Werththeile des Kapitals ersetzt, und mit dem daher diese verzehrten Kapitalwerthe rückgekauft werden müssen, während dieser Theil, der Kostpreis, sich ganz nach der Auslage innerhalb der respektiven Produktionssphären richtet, richtet sich der andre Bestandtheil des Waarenpreises, der auf diesen Kostpreis zugeschlagne Profit, nicht nach der Masse Profit, die von diesem bestimmten Kapital in dieser bestimmten Produktionssphäre während einer gegebnen Zeit producirt wird, sondern nach der Masse Profit, die auf jedes angewandte Kapital, als aliquoten Theil des in der Gesammtproduktion angewandten gesellschaftlichen Gesammtkapitals, während eines gegebnen Zeitraums im Durchschnitt fällt.1

Wenn ein Kapitalist also seine Waare zu ihrem Produktionspreis verkauft, so zieht er Geld zurück im Verhältniss zur Werthgrösse des in der Produktion von ihm verzehrten Kapitals und schlägt Profit heraus im Verhältniss zu seinem vorgeschossnen Kapital als blossem aliquoten Theil des gesellschaftlichen Gesammtkapitals. Seine Kostpreise sind specifisch. Der Profitzuschlag auf diesen Kostpreis ist unabhängig von seiner besondren Produktionssphäre, ist einfacher Durchschnitt pro 100 des vorgeschossnen Kapitals.

Unterstellen wir, die fünf verschiednen Kapitalanlagen I—V im vorigen Beispiel gehörten einem Mann. Wieviel in jeder einzelnen Anlage von I—V auf je 100 des angewandten Kapitals an variablem und konstantem Kapital konsumirt würde in der Produktion der Waaren, wäre gegeben, und dieser Werththeil der Waaren I—V würde selbstredend einen Theil ihres Preises bilden, da mindestens dieser Preis erheischt ist zum Ersatz des vorgeschossnen und konsumirten Kapitaltheils. Diese Kostpreise wären also für jede Waarengattung von I—V verschieden und würden als solche von dem Besitzer verschieden fixirt werden. Was aber die in I—V producirten verschiednen Massen von Mehrwerth oder Profit beträfe, so könnte der Kapitalist sie sehr gut als Profit seines vorgeschossnen Gesammtkapitals rechnen, sodass auf je 100 Kapital ein bestimmter aliquoter Theil fiele. Verschieden also wären bei den in den einzelnen Anlagen I—V producirten Waaren die Kostpreise; aber gleich bei allen diesen Waaren wäre der Theil des Verkaufspreises, der aus dem zugesetzten Profit von je 100 Kapital käme. Der Gesammtpreis der Waaren I—V wäre also gleich ihrem Gesammtwerth, d. h. gleich Summe der Kostpreise I—V plus Summe des in I—V producirten Mehrwerths oder Profits; in der That also Geldausdruck für das Gesammtquantum Arbeit, vergangner und neu zugesetzter, enthalten in den Waaren I—V. Und in dieser Weise ist in der Gesellschaft selbst — die Totalität aller Produktionszweige betrachtet — die Summe der Produktionspreise der producirten Waaren gleich der Summe ihrer Werthe.

Diesem Satz scheint die Thatsache zu widersprechen, dass in der kapitalistischen Produktion die Elemente des produktiven Kapitals in der Regel auf dem Markt gekauft sind, ihre Preise also einen bereits realisirten Profit enthalten und hiernach der Produktionspreis eines Industriezweigs sammt dem in ihm enthaltnen Profit, dass also der Profit des einen Industriezweigs in den Kostpreis des andern eingeht. Aber wenn wir die Summe der Kostpreise der Waaren des ganzen Landes auf die eine Seite, und die Summe seiner Profite oder Mehrwerthe auf die andre stellen, so ist klar, dass die Rechnung sich richtig stellen muss. Z. B. nehmen wir eine Waare A; ihr Kostpreis mag die Profite von B, C, D eingeschlossen enthalten, wie bei B, C, D etc. wieder die Profite von A in ihre Kostpreise eingehn mögen. Stellen wir also die Rechnung auf, so fehlt der Profit von A in seinem eignen Kostpreis und ebenso fehlen die Profite von B, C, D etc. in ihren eignen Kostpreisen. Keiner rechnet seinen eignen Profit in seinen Kostpreis ein. Gibt es also z. B. n Sphären der Produktion, und wird in jeder ein Profit gleich p gemacht, so ist in allen zusammen der Kostpreis = k—np. Die Gesammtrechnung betrachtet, soweit die Profite einer Produktionssphäre eingehn in den Kostpreis der andren, soweit sind also diese Profite bereits in Rechnung gebracht für den Gesammtpreis des schliesslichen Endprodukts, und können nicht zum zweiten Mal auf der Profitseite erscheinen. Erscheinen sie aber auf dieser Seite, so nur, weil die Waare selbst Endprodukt war, ihr Produktionspreis also nicht in den Kostpreis einer andern Waare eingeht.

Wenn in den Kostpreis einer Waare eine Summe eingeht = p für die Profite der Producenten der Produktionsmittel, und auf diesen Kostpreis ein Profit geschlagen wird = p1, so ist der Gesammtprofit P = p+p1. Der Gesammtkostpreis der Waare, abstrahirt von allen für Profit eingehenden Preistheilen, ist dann ihr eigner Kostpreis minus P. Heisst dieser Kostpreis k, so ist offenbar k + P = k + p + p1. Man hat bei Behandlung des Mehrwerths in Buch I, Kap. VII, 2, p. 211/203, gesehn, dass das Produkt jedes Kapitals so behandelt werden kann, als ob ein Theil bloss Kapital ersetzt, der andre nur Mehrwerth ausdrückt. Diese Berechnung auf das Gesammtprodukt der Gesellschaft angewandt, finden Rektifikationen statt, indem, die ganze Gesellschaft betrachtet, z. B. der im Preis des Flachses enthaltne Profit nicht zweimal figuriren kann, nicht als Theil zugleich des Preises der Leinwand und des Profits des Flachsproducenten.

Es findet insofern kein Unterschied statt zwischen Profit und Mehrwerth, als z. B. der Mehrwerth von A in das konstante Kapital von B eingeht. Für den Werth der Waaren ist es ja völlig gleichgültig, ob die in ihnen enthaltne Arbeit aus bezahlter oder unbezahlter Arbeit besteht. Dies zeigt nur, dass B den Mehrwerth von A zahlt. In der Gesammtrechnung kann der Mehrwerth von A nicht zweimal zählen.

Aber der Unterschied ist der: Ausser dass der Preis des Produkts z. B. von Kapital B abweicht von seinem Werth, weil der in B realisirte Mehrwerth grösser oder kleiner sein mag als der im Preis der Produkte von B zugeschlagne Profit, so gilt auch derselbe Umstand wieder für die Waaren, die den konstanten Theil des Kapitals B, und indirekt, als Lebensmittel der Arbeiter, auch seinen variablen Theil bilden. Was den konstanten Theil betrifft, so ist er selbst gleich Kostpreis plus Mehrwerth, also jetzt gleich Kostpreis plus Profit, und dieser Profit kann wieder grösser oder kleiner sein als der Mehrwerth, an dessen Stelle er steht. Was das variable Kapital angeht, so ist der durchschnittliche tägliche Arbeitslohn zwar stets gleich dem Werthprodukt der Stundenzahl, die der Arbeiter arbeiten muss, um die nothwendigen Lebensmittel zu produciren; aber diese Stundenzahl ist selbst wieder verfälscht durch die Abweichung der Produktionspreise der nothwendigen Lebensmittel von ihren Werthen. Indess löst sich dies immer dahin auf, dass was in der einen Waare zuviel, in der andren zu wenig für Mehrwerth eingeht, und dass daher auch die Abweichungen vom Werth, die in den Produktionspreisen der Waaren stecken, sich gegeneinander aufheben. Es ist überhaupt bei der ganzen kapitalistischen Produktion immer nur in einer sehr verwickelten und annähernden Weise, als nie festzustellender Durchschnitt ewiger Schwankungen, dass sich das allgemeine Gesetz als die beherrschende Tendenz durchsetzt.

Da die allgemeine Profitrate gebildet wird durch den Durchschnitt der verschiednen Profitraten auf je 100 vom vorgeschossnen Kapital in einem bestimmten Zeitraum, sage einem Jahr, so ist darin auch der durch den Unterschied der Umschlagszeiten für verschiedne Kapitale hervorgebrachte Unterschied ausgelöscht. Aber diese Unterschiede gehn bestimmend ein in die verschiednen Profitraten der verschiednen Produktionssphären, durch deren Durchschnitt die allgemeine Profitrate gebildet wird.

Es ist bei der vorigen Illustration zur Bildung der allgemeinen Profitrate jedes Kapital in jeder Produktionssphäre = 100 angesetzt, und zwar ist dies geschehn, um den procentigen Unterschied der Profitrate klarzumachen und daher auch den Unterschied in den Werthen der Waaren, die von gleich grossen Kapitalen producirt werden. Aber es versteht sich: die wirklichen Massen des Mehrwerths, die in jeder besondren Produktionssphäre erzeugt werden, hängen, da in jeder solchen gegebnen Produktionssphäre die Zusammensetzung des Kapitals gegeben ist, von der Grösse der angewandten Kapitale ab. Indess die besondre Profitrate einer einzelnen Produktionssphäre wird nicht davon berührt, ob ein Kapital von 100, m × 100 oder xm × 100 angewandt wird. Die Profitrate bleibt 10 %, ob der Gesammtprofit 10:100 oder 1000:10000 beträgt.

Da aber die Profitraten in den verschiednen Produktionssphären verschieden sind, indem in denselben, je nach dem Verhältniss des variablen Kapitals zum Gesammtkapital, sehr verschiedne Massen Mehrwerth und daher Profit producirt werden, so ist klar, dass der Durchschnittsprofit pro 100 des gesellschaftlichen Kapitals, und daher die Durchschnittsprofitrate oder allgemeine Profitrate sehr verschieden sein wird, je nach den respektiven Grössen der in den verschiednen Sphären angelegten Kapitale. Nehmen wir vier Kapitale A, B, C, D. Die Mehrwerthsrate sei für alle = 100 %. Auf jede 100 vom Gesammtkapital sei das variable Kapital für A = 25, für B = 40, für C = 15, für D = 10. Auf jede 100 vom Gesammtkapital fiele dann ein Mehrwerth oder Profit von A = 25, B = 40, C = 15, D = 10; zusammen = 90, also, wenn die vier Kapitale gleich gross sind, Durchschnittsprofitrate 904 = 22½ %.

Wenn aber die Gesammtkapitalgrössen sind wie folgt: A = 200, B = 300, C = 1000, D = 4000, so würden die producirten Profite sein resp. 50, 120, 150 und 400. Zusammen auf 5500 Kapital ein Profit von 720 oder eine Durchschnittsprofitrate von 13111 %.

Die Massen des producirten Gesammtwerths sind verschieden je nach den verschiednen Grössen der in A, B, C, D respektive vorgeschossnen Gesammtkapitale. Bei Bildung der allgemeinen Profitrate handelt es sich daher nicht nur um den Unterschied der Profitraten in den verschiednen Produktionssphären, deren einfacher Durchschnitt zu ziehn wäre, sondern um das relative Gewicht, womit diese verschiednen Profitraten in die Bildung des Durchschnitts eingehn. Dies aber hängt ab von der verhältnissmäßigen Grösse des in jeder besondren Sphäre angelegten Kapitals, oder davon, welchen aliquoten Theil des gesellschaftlichen Gesammtkapitals das in jeder besondren Produktionssphäre angelegte Kapital bildet. Es muss natürlich ein sehr grosser Unterschied stattfinden, je nachdem ein grössrer oder geringrer Theil des Gesammtkapitals eine höhere oder niedere Profitrate abwirft. Und dies hängt wieder davon ab, wie viel Kapital in den Sphären angelegt ist, wo das variable Kapital relativ zum Gesammtkapital gross oder klein ist. Es ist ganz damit wie mit dem Durchschnittszinsfuss, den ein Wucherer macht, der verschiedne Kapitalien zu verschiednen Zinsraten ausleiht, z. B. zu 4, 5, 6, 7 % etc. Die Durchschnittsrate hängt ganz davon ab, wieviel von seinem Kapital er zu jeder der verschiednen Zinsraten ausgeliehen hat.

Die allgemeine Profitrate ist also durch zwei Faktoren bestimmt:

1) Durch die organische Zusammensetzung der Kapitale in den verschiednen Sphären der Produktion, also durch die verschiednen Profitraten der einzelnen Sphären;

2) Durch die Vertheilung des gesellschaftlichen Gesammtkapitals auf diese verschiednen Sphären, also durch die relative Grösse des in jeder besondren Sphäre, und daher zu einer besondren Profitrate, angelegten Kapitals; d. h. durch den verhältnissmäßigen Massenantheil des gesellschaftlichen Gesammtkapitals, den jede besondre Produktionssphäre verschluckt.

Wir hatten es in Buch I und II nur mit den Werthen der Waaren zu thun. Einerseits hat sich jetzt abgesondert als ein Theil dieses Werths der Kostpreis, andrerseits hat sich entwickelt als eine verwandelte Form des Werths der Produktionspreis der Waare.

Gesetzt die Zusammensetzung des gesellschaftlichen Durchschnittskapitals sei 80c + 20v und die Rate des jährlichen Mehrwerths m' = 100 %, so wäre der jährliche Durchschnittsprofit für ein Kapital von 100 = 20, und die allgemeine jährliche Profitrate = 20 %. Welches nun immer der Kostpreis k der von einem Kapital von 100 jährlich producirten Waaren, ihr Produktionspreis wäre = k + 20. In den Produktionssphären, wo die Zusammensetzung des Kapitals = (80 — x)c + (20 + x)v, wäre der wirklich erzeugte Mehrwerth, resp. der innerhalb dieser Sphäre producirte jährliche Profit, = 20 + x, also grösser als 20, und der producirte Waarenwerth = k + 20 + x, grösser als k + 20 oder grösser als ihr Produktionspreis. In den Sphären wo die Zusammensetzung des Kapitals (80 + x)c + (20 — x)v, wäre der jährlich erzeugte Mehrwerth oder Profit = 20 — x, also kleiner als 20, und daher der Waarenwerth k + 20 — x kleiner als der Produktionspreis, der = k + 20. Abgesehn von etwaigen Unterschieden in der Umschlagszeit, wäre der Produktionspreis der Waaren gleich mit ihrem Werth nur in den Sphären, wo die Zusammensetzung des Kapitals zufällig = 80c + 20v wäre.

Die specifische Entwicklung der gesellschaftlichen Produktivkraft der Arbeit ist in jeder besondren Produktionssphäre dem Grade nach verschieden, höher oder niedriger, im Verhältniss wie das von einem bestimmten Quantum Arbeit, also bei gegebnem Arbeitstag von einer bestimmten Anzahl Arbeiter, in Bewegung gesetzte Quantum von Produktionsmitteln gross, und daher das, für ein bestimmtes Quantum Produktionsmittel erheischte Quantum Arbeit klein ist. Wir nennen daher Kapitale, die procentig mehr konstantes, also weniger variables, Kapital enthalten als das gesellschaftliche Durchschnittskapital: Kapitale von höherer Zusammensetzung. Umgekehrt solche, wo das konstante Kapital einen relativ kleinern, und das variable einen grössern Raum einnimmt als beim gesellschaftlichen Durchschnittskapital, nennen wir: Kapitale von niedrigerer Zusammensetzung. Kapitale von durchschnittlicher Zusammensetzung endlich nennen wir solche, deren Zusammensetzung mit der des gesellschaftlichen Durchschnittskapitals zusammenfällt. Ist das gesellschaftliche Durchschnitts kapital procentig zusammengesetzt aus 80c + 20v, so steht ein Kapital von 90c + 10v über, eins von 70c + 30v unter dem gesellschaftlichen Durchschnitt. Allgemein, bei Zusammensetzung des gesellschaftlichen Durchschnittskapitals = mc + nv, wo m und n konstante Grössen und m + n = 100, repräsentirt (m + x)c + (n — x)v die höhere, (m — x)c + (n + x)v die niedrigere Zusammensetzung eines einzelnen Kapitals oder einer Kapitalgruppe. Wie diese Kapitale fungiren, nach Herstellung der Durchschnittsprofitrate, unter Voraussetzung einmaligen Umschlags im Jahr, zeigt folgende Uebersicht, worin I die Durchschnittszusammensetzung vorstellt und die Durchschnittsprofitrate somit = 20 % ist:

  • I. 80c + 20v + 20m. Profitrate = 20 %. Preis des Produkts = 120. Werth = 120.
  • II. 90c + 10v + 10m. „ = 20 %. Preis des „ = 120. „ = 110.
  • III. 70c + 30v + 30m. „ = 20 %. Preis des „ = 120. „ = 130.

Für die von Kapital II producirten Waaren wäre also ihr Werth kleiner als ihr Produktionspreis, für die des Kapital III der Produktionspreis kleiner als der Werth, und nur für die Kapitale I der Produktionszweige, deren Zusammensetzung zufällig die des gesellschaftlichen Durchschnitts ist, wären Werth und Produktionspreis gleich. Uebrigens muss bei Anwendung dieser Bezeichnungen auf bestimmte Fälle natürlich in Rechnung gebracht werden, wie weit etwa, nicht ein Unterschied in der technischen Zusammensetzung, sondern blosser Werthwechsel der Elemente des konstanten Kapitals das Verhältniss zwischen c und v vom allgemeinen Durchschnitt abweichen macht.

Es ist durch die jetzt gegebne Entwicklung allerdings eine Modifikation eingetreten bezüglich der Bestimmung des Kostpreises der Waaren. Ursprünglich wurde angenommen, dass der Kostpreis einer Waare gleich sei dem Werth der in ihrer Produktion konsumirten Waaren. Der Produktionspreis einer Waare ist aber für den Käufer derselben ihr Kostpreis, und kann somit als Kostpreis in die Preisbildung einer andren Waare eingehn. Da der Produktionspreis abweichen kann vom Werth der Waare, so kann auch der Kostpreis einer Waare, worin dieser Produktionspreis andrer Waare eingeschlossen, über oder unter dem Theil ihres Gesammtwerths stehn, der durch den Werth der in sie eingehenden Produktionsmittel gebildet wird. Es ist nöthig sich an diese modificirte Bedeutung des Kostpreises zu erinnern und sich daher zu erinnern, dass wenn in einer besondren Produktionssphäre der Kostpreis der Waare dem Werth der in ihrer Produktion verbrauchten Produktionsmittel gleich gesetzt wird, stets ein Irrthum möglich ist. Für unsre gegenwärtige Untersuchung ist nicht nöthig, näher auf diesen Punkt einzugehn. Dabei bleibt immer der Satz richtig, dass der Kostpreis der Waaren stets kleiner als ihr Werth. Denn wie auch der Kostpreis der Waare von dem Werth der in ihr konsumirten Produktionsmittel abweichen mag, für den Kapitalisten ist dieser vergangne Irrthum gleichgültig. Der Kostpreis der Waare ist ein gegebner, ist eine von seiner, des Kapitalisten, Produktion unabhängige Voraussetzung, während das Resultat seiner Produktion eine Waare ist, die Mehrwerth enthält, also einen Werthüberschuss über ihren Kostpreis. Sonst hat der Satz, dass der Kostpreis kleiner ist als der Werth der Waare, sich jetzt praktisch in den Satz verwandelt, dass der Kostpreis kleiner ist als der Produktionspreis. Für das gesellschaftliche Gesammtkapital, wo Produktionspreis gleich Werth, ist dieser Satz identisch mit dem frühern, dass der Kostpreis kleiner ist als der Werth. Obgleich er für die besondren Produktionssphären abweichenden Sinn hat, so bleibt ihm immer die Thatsache zu Grunde liegen, dass, das gesellschaftliche Gesammtkapital betrachtet, der Kostpreis der von diesem producirten Waaren kleiner als der Werth oder der, hier, für die Gesammtmasse der producirten Waaren, mit diesem Werth identische Produktionspreis. Der Kostpreis einer Waare bezieht sich nur auf das Quantum der in ihr enthaltnen bezahlten Arbeit, der Werth auf das Gesammtquantum der in ihr enthaltnen bezahlten und unbezahlten Arbeit; der Produktionspreis auf die Summe der bezahlten Arbeit plus einem, für die besondre Produktionssphäre unabhängig von ihr selbst, bestimmten Quantum unbezahlter Arbeit.

Die Formel, dass der Produktionspreis einer Waare = k + p, gleich Kostpreis plus Profit ist, hat sich jetzt näher dahin bestimmt, dass p = kp' ist (wo p' die allgemeine Profitrate), und daher der Produktionspreis = k + kp'. Ist k = 300 und p' = 15 %, so ist der Produktionspreis k + kp' = 300 + 300 15100 = 345.

Der Produktionspreis der Waaren in jeder besondren Produktionssphäre kann Grössenwechsel erfahren.

1) bei gleichbleibendem Werth der Waaren (sodass also nach wie vor dasselbe Quantum todter und lebendiger Arbeit in ihre Produktion eingeht) in Folge eines von der besondren Sphäre unabhängigen Wechsels in der allgemeinen Profitrate.

2) bei gleichbleibender allgemeiner Profitrate durch Werthwechsel, sei es in der besondren Produktionssphäre selbst, in Folge technischer Aenderung, sei es in Folge eines Werthwechsels der Waaren, die als Bildungselemente in ihr konstantes Kapital eingehn;

3) endlich durch Zusammenwirkung dieser beiden Umstände.

Trotz der grossen Wechsel, die beständig — wie sich weiter zeigen wird — in den thatsächlichen Profitraten der besondren Produktionssphären vorgehn, ist eine wirkliche Aenderung in der allgemeinen Profitrate, soweit nicht durch ausserordentliche ökonomische Ereignisse ausnahmsweise ins Werk gesetzt, das sehr späte Werk einer Reihe über sehr lange Zeiträume sich erstreckender Schwingungen, d. h. von Schwingungen, die viel Zeit brauchen, bis sie sich zu einer Aenderung der allgemeinen Profitrate konsolidiren und ausgleichen. Bei allen kürzern Perioden (ganz abgesehn von Schwankungen der Marktpreise) ist daher eine Aenderung in den Produktionspreisen prima facie stets aus einem wirklichen Werthwechsel der Waaren zu erklären, d. h. aus einem Wechsel in der Gesammtsumme der zu ihrer Produktion nöthigen Arbeitszeit. Blosser Wechsel im Geldausdruck derselben Werthe kommt hier selbstredend gar nicht in Betracht.2

Es ist andrerseits klar: das gesellschaftliche Gesammtkapital betrachtet, ist die Werthsumme der von ihm producirten Waaren (oder in Geld ausgedrückt ihr Preis) = Werth des konstanten Kapitals + Werth des variablen Kapitals + Mehrwerth. Den Exploitationsgrad der Arbeit als konstant angenommen, kann die Profitrate hier nur wechseln, bei gleichbleibender Masse des Mehrwerths, wenn entweder der Werth des konstanten Kapitals wechselt, oder der Werth des variablen wechselt, oder beide wechseln, sodass C sich ändert und dadurch mC, die allgemeine Profitrate. In jedem Falle also unterstellt ein Wechsel in der allgemeinen Profitrate Wechsel im Werth der Waaren, die als Bildungselemente in das konstante Kapital, oder in das variable, oder in beide gleichzeitig eingehn.

Oder die allgemeine Profitrate kann wechseln bei gleichbleibendem Werth der Waaren, wenn der Exploitationsgrad der Arbeit wechselt.

Oder bei gleichbleibendem Exploitationsgrad der Arbeit kann die allgemeine Profitrate wechseln, wenn die Summe der angewandten Arbeit wechselt relativ zum konstanten Kapital, in Folge technischer Aenderungen im Arbeitsprocess. Aber solche technischen Aenderungen müssen sich stets zeigen in, und daher begleitet sein von, einem Werthwechsel der Waaren, deren Produktion jetzt gegen früher mehr oder minder viel Arbeit erfordern würde.

Man hat im ersten Abschnitt gesehn: Mehrwerth und Profit waren identisch, der Masse nach betrachtet. Die Profitrate jedoch ist von vornherein unterschieden von der Rate des Mehrwerths, was zunächst nur als andre Form der Berechnung erscheint; was aber ebenso von vornherein, da die Rate des Profits steigen oder fallen kann bei gleichbleibender Rate des Mehrwerths und umgekehrt, und da allein die Rate des Profits den Kapitalisten praktisch interessirt, durchaus den wirklichen Ursprung des Mehrwerths verdunkelt und mystificirt. Ein Grössenunterschied jedoch war nur zwischen Mehrwerthsrate und Profitrate, nicht zwischen Mehrwerth und Profit selbst. Da in der Profitrate der Mehrwerth auf das Gesammtkapital berechnet und auf es als sein Maß bezogen wird, so erscheint der Mehrwerth selbst dadurch als aus dem Gesammtkapital und zwar gleichmäßig aus allen seinen Theilen entsprungen, sodass der organische Unterschied zwischen konstantem und variablem Kapital im Begriff des Profits ausgelöscht ist; in der That daher, in dieser seiner verwandelten Gestalt als Profit, der Mehrwerth selbst seinen Ursprung verleugnet, seinen Charakter verloren hat, unerkennbar geworden ist. Soweit jedoch bezog sich der Unterschied zwischen Profit und Mehrwerth nur auf eine qualitative Aenderung, einen Formwechsel, während wirklicher Grössenunterschied auf dieser ersten Stufe der Verwandlung nur noch zwischen Profitrate und Mehrwerthsrate, noch nicht zwischen Profit und Mehrwerth existirt.

Anders verhält es sich, sobald eine allgemeine Profitrate, und durch selbe ein der, in den verschiednen Produktionssphären gegebnen, Grösse des angewandten Kapitals entsprechender Durchschnittsprofit hergestellt ist.

Es ist jetzt nur noch Zufall, wenn der in einer besondren Produktionssphäre wirklich erzeugte Mehrwerth und daher Profit mit dem im Verkaufspreis der Waare enthaltnen Profit zusammenfällt. In der Regel sind Profit und Mehrwerth, und nicht bloss ihre Raten nun wirklich verschiedne Grössen. Bei gegebnem Exploitationsgrad der Arbeit ist jetzt die Masse des Mehrwerths, die in einer besondren Produktionssphäre erzeugt wird, wichtiger für den Gesammt-Durchschnittsprofit des gesellschaftlichen Kapitals, also für die Kapitalistenklasse überhaupt, als direkt für den Kapitalisten innerhalb jedes besondren Produktionszweigs. Für ihn nur,3 sofern das in seiner Branche erzeugte Quantum Mehrwerth mitbestimmend eingreift in die Reglung des Durchschnittsprofits. Aber dies ist ein Process, der hinter seinem Rücken vorgeht, den er nicht sieht, nicht versteht, und der ihn in der That nicht interessirt. Der wirkliche Grössenunterschied zwischen Profit und Mehrwerth — nicht nur zwischen Profitrate und Mehrwerthsrate — in den besondren Produktionssphären versteckt nun völlig die wahre Natur und den Ursprung des Profits, nicht nur für den Kapitalisten, der hier ein besondres Interesse hat sich zu täuschen, sondern auch für den Arbeiter. Mit der Verwandlung der Werthe in Produktionspreise wird die Grundlage der Werthbestimmung selbst dem Auge entrückt. Endlich: wenn bei der blossen Verwandlung von Mehrwerth in Profit der Werththeil der Waaren, der den Profit bildet, dem andren Werththeil gegenübertritt als dem Kostpreis der Waare, so dass hier schon der Begriff des Werths dem Kapitalisten abhanden kommt, weil er nicht die Gesammtarbeit vor sich hat, die die Produktion der Waare kostet, sondern nur den Theil der Gesammtarbeit, den er in der Form von Produktionsmitteln, lebendigen oder todten, bezahlt hat, und ihm so der Profit als etwas ausserhalb des immanenten Werths der Waare stehendes erscheint — so wird jetzt diese Vorstellung vollständig bestätigt, befestigt, verknöchert, indem der zum Kostpreis zugeschlagne Profit in der That, wenn man die besondre Produktionssphäre betrachtet, nicht durch die Grenzen der in ihr selbst vorgehenden Werthbildung bestimmt, sondern ganz äusserlich dagegen festgesetzt ist.

Der Umstand, dass hier zum erstenmal dieser innere Zusammenhang enthüllt ist; dass wie man aus dem Folgenden und aus Buch IV sehn wird, die bisherige Oekonomie entweder gewaltsam von den Unterschieden zwischen Mehrwerth und Profit, Mehrwerthsrate und Profitrate abstrahirte, um die Werthbestimmung als Grundlage festhalten zu können, oder aber mit dieser Werthbestimmung allen Grund und Boden wissenschaftlichen Verhaltens aufgab, um an jenen in der Erscheinung auffälligen Unterschieden festzuhalten — diese Verwirrung der Theoretiker zeigt am besten, wie der im Konkurrenzkampf befangne, seine Erscheinungen in keiner Art durchdringende praktische Kapitalist durchaus unfähig sein muss, durch den Schein hindurch das innere Wesen und die innere Gestalt dieses Processes zu erkennen.

Alle im ersten Abschnitt entwickelten Gesetze über Steigen und Fallen der Profitrate haben in der That die folgende doppelte Bedeutung:

1) Einerseits sind sie die Gesetze der allgemeinen Profitrate. Bei den vielen verschiednen Ursachen, welche nach dem Entwickelten die Profitrate steigen oder fallen machen, sollte man glauben, dass die allgemeine Profitrate jeden Tag wechseln müsste. Aber die Bewegung in einer Produktionssphäre wird die in der andern aufheben, die Einflüsse kreuzen und paralysiren sich. Wir werden später untersuchen, nach welcher Seite die Schwankungen in letzter Instanz hinstreben; aber sie sind langsam; die Plötzlichkeit, Vielseitigkeit und verschiedne Dauer der Schwankungen in den einzelnen Produktionssphären macht, dass sie sich zum Theil in ihrer Reihenfolge in der Zeit kompensiren, sodass Preisfall auf Preissteigerung folgt und umgekehrt, dass sie also lokal, d. h. auf die besondre Produktionssphäre beschränkt bleiben; endlich dass die verschiednen lokalen Schwankungen sich wechselseitig neutralisiren. Es finden innerhalb jeder besondren Produktionssphäre Wechsel statt, Abweichungen von der allgemeinen Profitrate, die sich einerseits in einem bestimmten Zeitraum ausgleichen und daher nicht auf die allgemeine Profitrate zurückwirken; und die andrerseits wieder nicht auf sie zurückwirken, weil sie durch andre gleichzeitige lokale Schwankungen aufgehoben werden. Da die allgemeine Profitrate bestimmt ist nicht nur durch die Durchschnittsprofitrate in jeder Sphäre, sondern auch durch die Vertheilung des Gesammtkapitals auf die verschiednen besondren Sphären, und da diese Vertheilung beständig wechselt, so ist dies wieder eine beständige Ursache des Wechsels in der allgemeinen Profitrate — aber eine Ursache des Wechsels, die wiederum, bei der Unterbrochenheit und Allseitigkeit dieser Bewegung, grossentheils sich selbst wieder paralysirt.

2) Innerhalb jeder Sphäre ist ein Spielraum gegeben für kürzere oder längere Epoche, wo die Profitrate dieser Sphäre schwankt, bevor sich dies Schwanken, nach Steigen oder Fallen, hinreichend konsolidirt um Zeit zu gewinnen zur Einwirkung auf die allgemeine Profitrate, und daher zur Erreichung von mehr als lokaler Bedeutung. Innerhalb solcher räumlichen und zeitlichen Grenzen gelten daher ebenfalls die im ersten Abschnitt dieses Buchs entwickelten Gesetze der Profitrate.

Die theoretische Ansicht — bei der ersten Verwandlung des Mehrwerths in Profit — dass jeder Theil des Kapitals gleichmäßig Profit abwerfe,4 drückt eine praktische Thatsache aus. Wie immer das industrielle Kapital zusammengesetzt sei, ob es einviertel todte Arbeit und dreiviertel lebendige Arbeit, oder dreiviertel todte Arbeit und einviertel lebendige Arbeit in Bewegung setzt, ob es in dem einen Fall dreimal soviel Mehrarbeit einsaugt oder Mehrwerth producirt als in dem andren — bei gleichem Exploitationsgrad der Arbeit und abgesehn von individuellen Unterschieden, die ohnehin verschwinden, weil wir beidemale nur die Durchschnittszusammensetzung der ganzen Produktionssphäre vor uns haben — in beiden Fällen wirft es gleich viel Profit ab. Der einzelne Kapitalist (oder auch die Gesammtheit der Kapitalisten in jeder besondren Produktionssphäre) dessen Blick bornirt ist, glaubt mit Recht, dass sein Profit nicht allein aus der von ihm oder in seinem Zweig beschäftigten Arbeit herstamme. Es ist dies ganz richtig für seinen Durchschnittsprofit. Wie weit dieser Profit vermittelt ist durch die Gesammtexploitation der Arbeit durch das Gesammtkapital, d. h. durch alle seine Kapitalistengenossen, dieser Zusammenhang ist ihm ein vollständiges Mysterium, um so mehr als selbst die Bourgeoistheoretiker, die politischen Oekonomen, es bis jetzt nicht enthüllt hatten. Ersparung an Arbeit — nicht nur an der Arbeit, nothwendig um ein bestimmtes Produkt zu produciren, sondern auch an der Anzahl der beschäftigten Arbeiter — und grössre Anwendung todter Arbeit (konstantes Kapital), erscheint als ökonomisch ganz richtige Operation und scheint von vornherein in keiner Weise die allgemeine Profitrate und den Durchschnittsprofit anzugreifen. Wie sollte daher die lebendige Arbeit ausschliessliche Quelle des Profits sein, da Verminderung der zur Produktion nöthigen Menge Arbeit nicht nur nicht den Profit anzugreifen scheint, sondern vielmehr unter gewissen Umständen als nächste Quelle zur Vermehrung des Profits erscheint, wenigstens für den einzelnen Kapitalisten?

Wenn in einer gegebnen Produktionssphäre der Theil des Kostpreises steigt oder fällt, der den Werth des konstanten Kapitals repräsentirt, so kommt dieser Theil aus der Cirkulation her, und geht von vornherein vergrössert oder verkleinert in den Produktionsprocess der Waare ein. Wenn andrerseits die angewandte Arbeiteranzahl in derselben Zeit mehr oder weniger producirt, also bei gleichbleibender Arbeiteranzahl das zur Produktion einer be stimmten Waarenmenge erheischte Arbeitsquantum wechselt, so mag der Theil des Kostpreises, der den Werth des variablen Kapitals repräsentirt, derselbe bleiben, also mit gleicher Grösse in den Kostpreis des Gesammtprodukts eingehn. Aber auf jede einzelne von den Waaren, deren Summe das Gesammtprodukt ausmacht, fällt mehr oder weniger Arbeit (bezahlte und daher auch unbezahlte), also auch mehr oder weniger von der Ausgabe für diese Arbeit, grösseres oder kleineres Stück des Lohns. Der vom Kapitalisten gezahlte Gesammtlohn bleibt derselbe, aber er ist ein andrer, auf jedes Stück Waare berechnet. Hier träte also Aenderung ein in diesem Theil des Kostpreises der Waare. Ob nun der Kostpreis der einzelnen Waare in Folge solcher Werthveränderungen, sei es in ihr selbst, sei es in ihren Waarenelementen (oder auch der Kostpreis der Summe der von einem Kapital von gegebner Grösse producirten Waaren) steigt oder fällt: ist der Durchschnittsprofit z. B. 10 %, so bleibt er 10 %; obgleich 10 %, die einzelne Waare betrachtet, eine sehr verschiedne Grösse darstellt, je nach dem, durch den vorausgesetzten Werthwechsel hervorgebrachten, Grössenwechsel im Kostpreis der einzelnen Waare.5

Mit Bezug auf das variable Kapital — und dies ist das wichtigste, weil es die Quelle des Mehrwerths, und weil alles, was sein Verhältniss zur Bereicherung des Kapitalisten verdeckt, das ganze System mystificirt — vergröbert sich die Sache oder erscheint sie dem Kapitalisten so: ein variables Kapital von 100 £ stelle z. B. den Wochenlohn von 100 Arbeitern vor. Wenn diese 100, bei gegebnem Arbeitstag, ein wöchentliches Produkt von 200 Stück Waaren produciren = 200 W, so kostet 1 W — abstrahirt von dem Theil des Kostpreises, den das konstante Kapital zusetzt — da 100 £ = 200 W, 1 W = 100 £200 = 10 Schill. Gesetzt nun, es träte Wechsel in der Produktionskraft der Arbeit ein; sie verdopple sich, dieselbe Anzahl Arbeiter producire in derselben Zeit zweimal 200 W, worin sie früher 200 W producirte. In diesem Fall kostet (soweit der Kostpreis aus blossem Arbeitslohn besteht), da jetzt 100 £ = 400 W, 1 W = 100 £400 = 5 Schill. Verminderte sich die Produktivkraft um die Hälfte, so würde dieselbe Arbeit nur noch 200 W2 produciren; und da 100 £ = 200 W2, nun 1 W = 200 £200= 1 £. Die Wechsel in der zur Produktion der Waaren erheischten Arbeits zeit, und daher in ihrem Werth, erscheinen jetzt mit Bezug auf den Kostpreis und daher auch dem Produktionspreis, als verschiedne Vertheilung desselben Arbeitslohns über mehr oder weniger Waaren, je nachdem in derselben Arbeitszeit für denselben Arbeitslohn mehr oder weniger Waaren producirt werden. Was der Kapitalist, und daher auch der politische Oekonom sieht, ist, dass der Theil der bezahlten Arbeit, der auf die Waare per Stück fällt, sich mit der Produktivität der Arbeit ändert, und damit auch der Werth jedes einzelnen Stücks; er sieht nicht, dass dies ebenfalls der Fall ist mit der in jedem Stück enthaltnen unbezahlten Arbeit, um so weniger da der Durchschnittsprofit in der That durch die in seiner Sphäre absorbirte unbezahlte Arbeit nur zufällig bestimmt ist. Nur in solch vergröberter und begriffsloser Form scheint jetzt noch die Thatsache durch, dass der Werth der Waaren durch die in ihnen enthaltne Arbeit bestimmt ist.