Fünfunddreissigstes Kapitel. Edelmetall und Wechselkurs.
I. Die Bewegung des Goldschatzes.
Mit Bezug auf die Aufspeicherung von Noten in Zeiten der Klemme ist zu bemerken, dass hier die Schatzbildung mit edlen Metallen, wie sie in den ursprünglichsten Zuständen der Gesellschaft in unruhigen Zeiten vorkommt, sich wiederholt. Der Akt von 1844 ist in seinen Wirkungen deswegen interessant, weil er alles im Land befindliche Edelmetall in Cirkulationsmittel verwandeln will; er sucht Goldabfluss mit Kontraktion des Umlaufsmittels und Goldzufluss mit Expansion des Umlaufsmittels gleichzusetzen. Dadurch ist dann experimentell der Beweis des Gegentheils geliefert worden. Mit einer einzigen Ausnahme, die wir gleich erwähnen werden, hat die Masse der cirkulirenden Noten der Bank von England seit 1844 nie das Maximum erreicht, das die Bank ausgeben durfte. Und die Krisis von 1857 bewies andrerseits, dass unter gewissen Umständen dies Maximum nicht ausreicht. Vom 13.—30. November 1857 cirkulirten im Durchschnitt täglich 488830 £ über dies Maximum hinaus. (B. A. 1858. p. XI.) Das gesetzliche Maximum war damals 14475000 £ plus dem Betrag des Metallschatzes in den Bankkellern.
Mit Bezug auf den Ab- und Zufluss von Edelmetall zu bemerken:
Erstens ist zu unterscheiden, zwischen dem Hin- und Herlaufen des Metalls innerhalb des Gebiets, das kein Gold und Silber producirt, einerseits, und andrerseits dem Strom des Golds und Silbers von ihren Produktionsquellen über die verschiednen andren Länder und der Vertheilung dieses Zuschusses unter die letztren.
Vor der Einwirkung der russischen, kalifornischen und australischen Goldminen, war seit Anfang dieses Jahrhunderts die Zufuhr nur hinreichend zum Ersatz der verschlissenen Münzen, zum gewöhnlichen Gebrauch als Luxusmaterial, und zur Ausfuhr von Silber nach Asien.
Seit jener Zeit jedoch wuchs erstens, mit dem asiatischen Handel Amerika’s und Europas, die Silberausfuhr nach Asien ausserordentlich. Das aus Europa ausgeführte Silber wurde zum grossen Theil ersetzt durch das zusätzliche Gold. Ferner wurde ein Theil des neuzugeführten Goldes von der innern Geldcirkulation absorbirt. Es wird geschätzt, dass bis 1857 ungefähr 30 Mill. Gold zusätzlich in die innere Cirkulation von England eingingen.1 Sodann ver mehrte sich seit 1844 die Durchschnittshöhe der Metallreserven in allen Centralbanken von Europa und Nordamerika. Das Wachsthum der inländischen Geldcirkulation brachte es zugleich mit sich, dass nach der Panik, in der darauffolgenden Stillstandsperiode, die Bankreserve schon rascher wuchs in Folge der grössern Masse der, von der inländischen Cirkulation abgestossnen und immobilisirten Goldmünze. Endlich stieg seit den neuen Goldentdeckungen der Konsum von Edelmetall für Luxusartikel in Folge des gewachsnen Reichthums.
Zweitens. Zwischen den nicht Gold und Silber producirenden Ländern fliesst Edelmetall beständig ab und zu; dasselbe Land importirt davon beständig, und exportirt ebenso beständig. Es ist nur das Ueberwiegen der Bewegung nach der einen oder andern Seite, welches entscheidet, ob schliesslich Abfluss oder Zufluss stattfindet, da die bloss oscillirenden und oft parallelen Bewegungen sich grossentheils neutralisiren. Aber deswegen wird auch, mit Rücksicht auf dies Resultat, die Beständigkeit und der im ganzen parallele Verlauf beider Bewegungen übersehn. Es wird immer nur so aufgefasst, als ob Mehr-Einfuhr und Mehr-Ausfuhr von Edelmetall nur Wirkung und Ausdruck des Verhältnisses von Einfuhr und Ausfuhr von Waaren, während es zugleich Ausdruck des Verhältnisses einer, vom Waarenhandel unabhängigen Einfuhr und Ausfuhr von Edelmetall selbst ist.
Drittens. Das Ueberwiegen der Einfuhr über die Ausfuhr und umgekehrt misst sich im ganzen an der Zu- oder Abnahme der Metallreserve in den Centralbanken. Wie weit dieser Gradmesser mehr oder minder exakt ist, hängt natürlich zunächst davon ab, wie weit das Bankwesen überhaupt centralisirt ist. Denn davon hängt es ab, wie weit das in der sog. Nationalbank aufgespeicherte 2 Edelmetall überhaupt den nationalen Metallschatz repräsentirt. Vorausgesetzt aber dass dies der Fall ist, ist der Gradmesser nicht exakt, weil zuschüssige Einfuhr unter gewissen Umständen aufgesogen wird durch inländische Cirkulation und wachsende Luxusverwendung von Gold und Silber; ferner aber, weil ohne zuschüssige Einfuhr ein Herausziehn von Goldmünze für inländische Cirkulation stattfinden, und so der Metallschatz abnehmen könnte, auch ohne gleichzeitige Vermehrung der Ausfuhr.
Viertens. Eine Metallausfuhr nimmt die Gestalt eines Abflusses (drain) an, wenn die Bewegung der Abnahme für längere Zeit fortdauert, sodass die Abnahme als Tendenz der Bewegung sich darstellt, und die Metallreserve der Bank bedeutend unter ihre mittlere Höhe herabdrückt, bis gegen das mittlere Minimum dieser Reserve hin. Dies letztre ist insofern mehr oder minder willkürlich festgesetzt, da es durch die Gesetzgebung über die Deckung für Baarzahlung der Noten etc. in jedem einzelnen Fall verschieden bestimmt ist. Ueber die quantitativen Grenzen, die ein solcher Abfluss in England erreichen kann, sagt Newmarch vor dem B. A. 1857, Evid. No. 1494: „Nach der Erfahrung zu urtheilen, ist es sehr unwahrscheinlich, dass der Metallabfluss in Folge irgend welcher Schwankung im auswärtigen Geschäft 3 oder 4 Millionen £ übersteigen wird.“ 1847 zeigt der niedrigste Stand der Goldreserve der B. of E. am 23. Okt. gegen den 26. Decbr. 1846 ein Minus von £ 5198156, und gegen den höchsten Stand von 1846 (29. August) ein Minus von £ 6453748.
Fünftens. Die Bestimmung der Metallreserve der sog. Nationalbank, eine Bestimmung, die aber keineswegs allein die Grösse des Metallschatzes regulirt, denn er kann wachsen durch blosse Lähmung des innern und äussern Geschäfts — ist dreifach: 1) Reservefonds für internationale Zahlungen, in einem Wort Reservefonds von Weltgeld. 2) Reservefonds für die abwechselnd expandirende und kontrahirende inländische metallische Cirkulation. 3) Was mit der Bankfunktion zusammenhängt und mit den Funktionen des Geldes als blossen Geldes nichts zu thun hat: Reservefonds für Depositenzahlung und für Konvertibilität von Noten. Er kann daher auch afficirt werden durch Verhältnisse, die jede einzelne dieser drei Funktionen berühren; also als internationaler Fonds durch die Zahlungsbilanz, von welchen Gründen diese auch immer bestimmt, und was auch immer ihr Verhältniss zur Handelsbilanz sei; als Reservefonds der inländischen metallischen Cirkulation, durch deren Ausdehnung oder Einschrumpfung. Die dritte Funktion, als Garantiefonds, bestimmt zwar nicht die selbständige Bewegung der Metallreserve, wirkt aber doppelt. Werden Noten ausgegeben, die das Metallgeld, (also auch Silbermünze in Ländern wo Silber das Werthmaß) in der inländischen Cirkulation ersetzen, so fällt die Funktion sub 2) des Reservefonds fort. Und ein Theil des Edelmetalls, der dazu gedient hat, wird dauernd ins Ausland wandern. In diesem Falle findet kein Herausziehn von metallischer Münze für inländische Cirkulation statt, und damit fällt zugleich die zeitweilige Verstärkung der Metallreserve durch Immobilisirung eines Theils des cirkulirenden gemünzten Metalls fort. Ferner: Muss ein Minimum von Metallschatz für Auszahlung von Depositen und Konvertibilität von Noten unter allen Umständen festgehalten werden, so afficirt dies in eigner Art die Wirkungen eines Gold-Abflusses oder -Zuflusses; es wirkt auf den Theil des Schatzes, den die Bank unter allen Umständen zu halten verbunden ist, oder auf den, den sie zu andrer Zeit als nutzlos loszuwerden sucht. Bei rein metallischer Cirkulation und koncentrirtem Bankwesen würde die Bank ihren Metallschatz ebenfalls als Garantie für Auszahlung ihrer Depositen zu betrachten haben, und bei einem Metallabfluss könnte dieselbe Panik eintreten wie 1857 in Hamburg.
Sechstens: Mit Ausnahme von etwa 1837, brach die wirkliche Krise immer los erst nach Wendung der Wechselkurse, d. h. sobald die Einfuhr von Edelmetall über die Ausfuhr wieder die Oberhand gewonnen.
1825 trat der wirkliche Krach ein, nachdem der Goldabfluss aufgehört hatte. 1839 fand Goldabfluss statt ohne dass es zum Krach kam. 1847 hörte der Goldabfluss auf im April, und der Krach kam im Oktober. 1857 hatte der Goldabfluss ins Ausland seit Anfang November aufgehört, erst später im November kam der Krach.
Besonders deutlich tritt dies hervor in der Krise von 1847, wo der Goldabfluss im April schon aufhörte, nachdem er eine relativ gelinde Vorkrise bewirkt, und dann die eigentliche Geschäftskrise erst im Oktober zum Ausbruch kam.
Die folgenden Aussagen sind abgegeben vor dem Secret Committee of the House of Lords on Commercial Distress 1848; die Zeugenaussagen (evidence) wurden erst gedruckt 1857 (auch citirt als: C. D. 1848/57).
Aussagen von Tooke. Im April 1847 entstand eine Klemme, die streng gesprochen einer Panik gleichkam, aber von verhältnissmäßig kurzer Dauer war, und nicht begleitet von kommerciellen Falliten von irgend welcher Bedeutung. Im Oktober war die Klemme weit intensiver als zu irgend einer Zeit im April, eine fast unerhörte Summe von kommerciellen Bankrotten fand statt. (2196.) — Im April legten uns die Wechselkurse, besonders mit Amerika, die Nothwendigkeit auf, eine beträchtliche Menge Gold zu exportiren, in Zahlung für ungewöhnlich grosse Importe; nur durch eine äusserst gewaltsame Anstrengung brachte die Bank den Goldabfluss zum Stocken und trieb den Kurs in die Höhe. (2197.) — Im Oktober waren die Wechselkurse zu Gunsten von England. (2198.) — Die Wendung in den Wechselkursen hatte begonnen in der dritten Aprilwoche. (3000.) — Sie schwankten im Juli und August; seit Anfang August waren sie stets für England. (3001.) — Der Goldabfluss im August entsprang der Nachfrage für innere Cirkulation.
J. Morris, Gouverneur der Bank v. England: Obwohl der Wechselkurs seit August 1847 für England günstig geworden und desshalb Goldeinfuhr stattgefunden hatte, nahm der Metallvorrath in der Bank dennoch ab. „2200000 £ in Gold gingen hinaus ins Land, in Folge inländischer Nachfrage.“ (137.) — Dies wird erklärt einerseits aus der vermehrten Beschäftigung von Arbeitern bei Eisenbahnbauten, andererseits aus dem „Wunsch der Bankiers, in Zeiten der Krise eine eigne Goldreserve zu besitzen.“ (147.)
Palmer, Exgouverneur und seit 1811 Direktor der B. of E.: „684. Während der ganzen Periode von Mitte April 1847 bis zum Tag der Suspension des Bankakts von 1844 waren die Wechselkurse zu Gunsten Englands.“
Der Metallabfluss der im April 1847 eine selbständige Geldpanik bewirkt, ist also hier wie immer nur Vorläufer der Krise und hat sich schon gewendet, ehe diese losbricht. 1839 fand bei grossem Geschäftsdruck sehr starker Metallabfluss statt — für Korn u. s. w. — aber ohne Krisis und Geldpanik.
Siebentens: Sobald die allgemeinen Krisen sich ausgebrannt haben, vertheilt sich — abgesehn von dem Zufluss von frischem Edelmetall aus den Produktionsländern — das Gold und Silber wieder in den Verhältnissen, worin es als besondrer Schatz der verschiednen Länder, im Zustand ihres Gleichgewichts, existirte. Bei sonst gleichbleibenden Umständen wird seine relative Grösse in jedem Land durch dessen Rolle auf dem Weltmarkt bestimmt sein. Von dem Land, das einen grössern als den normalen Theil hatte, fliesst es ab und dem andern zu; diese Bewegungen des Zu- und Abflusses stellen nur seine ursprüngliche Vertheilung unter die verschiednen nationalen Schätze wieder her. Diese Rückver theilung ist jedoch vermittelt durch die Wirkung verschiedner Umstände, die bei Behandlung der Wechselkurse erwähnt werden. Sobald die normale Vertheilung wieder da — über diesen Punkt hinaus — tritt zuerst Wachsthum ein, und dann wieder Abfluss. [Dieser letzte Satz gilt selbstredend nur für England, als Mittelpunkt des Welt-Geldmarkts. — F. E.]
Achtens: Die Metallabflüsse sind meistens Symptom einer Veränderung in der Lage des auswärtigen Handels, und diese Veränderung ist ihrerseits ein Vorzeichen, dass die Verhältnisse wieder zur Krise heranreifen.3
Neuntens: Die Zahlungsbilanz kann für Asien gegen Europa und Amerika sein.4
Einfuhr von Edelmetall findet statt vorwiegend in zwei Momenten. Einerseits in der ersten Phase niedrigen Zinsfusses, die der Krise folgt und Ausdruck der Einschränkung der Produktion ist; und dann in der zweiten Phase, wo der Zinsfuss steigt, aber noch nicht seine mittlere Höhe erreicht hat. Dies ist die Phase, worin die Rückflüsse sich leicht bewirken, der kommercielle Kredit gross ist, und daher die Nachfrage nach Leihkapital nicht im Verhältniss zur Ausdehnung der Produktion wächst. In beiden Phasen, wo Leihkapital verhältnissmäßig reichlich, muss der überschüssige Zufluss von Kapital, das in Form von Gold und Silber existirt, also in einer Form, worin es zunächst nur als Leihkapital fungiren kann, bedeutend auf den Zinsfuss und damit auf den Ton des ganzen Geschäfts wirken.
Andrerseits: Abfluss, fortgesetzte starke Ausfuhr von Edelmetall tritt ein, sobald die Eingänge nicht mehr flüssig, die Märkte überführt sind, und die scheinbare Prosperität nur noch durch den Kredit aufrecht erhalten wird; sobald also bereits eine sehr verstärkte Nachfrage nach Leihkapital existirt, und daher der Zinsfuss mindestens schon seine mittlere Höhe erreicht hat. Unter diesen, sich eben im Edelmetall-Abfluss wiederspiegelnden Umständen verstärkt sich bedeutend die Wirkung der fortgesetzten Entziehung von Kapital in einer Form, worin es direkt als leihbares Geldkapital existirt. Es muss dies direkt auf den Zinsfuss wirken. Statt aber dass das Steigen des Zinsfusses die Kreditgeschäfte einschränkte, erweitert es sie und führt zur Ueberanspannung aller ihrer Hülfsmittel. Diese Periode geht desshalb dem Krach voraus.
Newmarch wird gefragt (B. A. 1857): „1520. Der Betrag der cirkulirenden Wechsel steigt also mit dem Zinsfuss? — Es scheint so. — 1522. In ruhigen, gewöhnlichen Zeiten ist das Hauptbuch das wirkliche Instrument des Austausches; aber wenn Schwierigkeiten entstehn, wenn z. B. unter Umständen wie ich sie angeführt habe, die Diskontorate der Bank erhöht wird … dann lösen sich die Geschäfte ganz von selbst in Ziehen von Wechseln auf; diese Wechsel sind nicht nur geeigneter, als gesetzlicher Beweis des abgeschlossnen Geschäfts zu dienen, sondern sie passen auch besser für den Zweck, weitre Einkäufe zu machen, und sind vor allen Dingen brauchbar als Kreditmittel um Kapital aufzunehmen.“ — Es kommt hinzu, dass sobald bei einigermaßen drohenden Umständen die Bank ihre Diskontorate erhöht — womit zugleich die Wahrscheinlichkeit gegeben, dass die Bank die Laufzeit der von ihr zu diskontirenden Wechsel einer Beschränkung unterwerfen wird — die allgemeine Befürchtung eintritt, dass dies crescendo gehn wird. Jeder, und am ersten der Kreditritter, sucht also die Zukunft zu diskontiren und soviel Kreditmittel wie möglich im gegebnen Moment zu seiner Verfügung zu haben. Die eben angeführten Gründe kommen also darauf hinaus, dass die blosse Quantität, sei es des eingeführten, sei es des ausgeführten Edelmetalls nicht als solche wirkt, sondern dass sie wirkt erstens durch den specifischen Charakter des Edelmetalls als Kapital in Geldform, und dass sie zweitens wirkt wie die Feder, die, der Last auf der Wagschale hinzugefügt, hinreicht, die schwankende Wagschale nach der einen Seite endgültig zu senken; wirkt, weil sie in Umständen eintritt, wo irgend ein Excess nach dieser oder jener Seite den Ausschlag gibt. Ohne diese Gründe wäre es ganz und gar unbegreiflich, wie ein Goldabfluss sage von 5—8 Mill. £, und dies ist die Grenze der bisherigen Erfahrung, irgend bedeutende Wirkungen ausüben könnte; dies geringe Mehr oder Weniger von Kapital, das selbst gegenüber den 70 Mill. £ in Gold, die durchschnittlich in England cirkuliren, unbedeutend erscheint, ist in einer Produktion vom Umfang der englischen in der That eine verschwindende Grösse.5 Es ist aber eben die Entwicklung des Kredit- und Banksystems, das einerseits dahin treibt alles Geldkapital in den Dienst der Produktion zu pressen (oder was auf dasselbe hinauskommt, alles Geldeinkommen in Kapital zu verwandeln) und das andrerseits in einer gewissen Phase des Cyklus die Metallreserve auf ein Minimum reducirt, worin sie die ihr zukommenden Funktionen nicht mehr vollziehn kann — es ist dies ausgebildete Kredit- und Banksystem, das diese Ueberempfindlichkeit des ganzen Organismus erzeugt. Auf minder entwickelten Produktionsstufen ist Verringerung oder Vergrösserung des Schatzes, gegen sein Durchschnittsmaß, eine relativ gleichgültige Sache. Ebenso ist andrerseits selbst ein sehr bedeutender Goldabfluss relativ wirkungslos, wenn er nicht in der kritischen Periode des industriellen Cyklus eintritt.
Bei der gegebnen Erklärung ist abgesehn von Fällen, wo der Metallabfluss in Folge von Missernten u. s. w. eintritt. Hier macht die grosse und plötzliche Störung des Gleichgewichts der Produktion, deren Ausdruck der Abfluss ist, keine weitre Erklärung seiner Wirkung nöthig. Diese Wirkung ist um so grösser, je mehr solche Störung eintritt in einer Periode, wo die Produktion unter Hochdruck arbeitet.
Wir haben ferner abgesehn von der Funktion des Metallschatzes als Garanten der Konvertibilität der Banknoten und als Angelpunkt des ganzen Kreditsystems. Die Centralbank ist Angelpunkt des Kreditsystems. Und die Metallreserve ihrerseits ist Angelpunkt der Bank.6 Der Umschlag des Kreditsystems in das Monetarsystem ist nothwendig, wie ich schon in Buch I, Kap. III, beim Zahlungsmittel dargestellt habe. Dass die grössten Opfer an realem Reichthum nöthig sind, um im kritischen Moment die metallne Basis zu halten, ist von Tooke so gut zugegeben wie von Loyd-Overstone. Der Streit dreht sich nur um ein Plus oder Minus, und um die mehr oder minder rationelle Behandlung des Unvermeidlichen.7 Ein gewisses, im Vergleich mit der Gesammtproduktion unbedeutendes Quantum Metall ist als Angelpunkt des Systems anerkannt. Daher, abgesehn von der erschreckenden Exemplifikation dieses seines Charakters als Angelpunkt in den Krisen, der schöne theoretische Dualismus. Solange sie „von Kapital“ ex professo handelt, sieht die aufgeklärte Oekonomie mit der grössten Verachtung auf Gold und Silber herab als auf die in der That gleichgültigste und nutzloseste Form des Kapitals. Sobald sie vom Bankwesen handelt, dreht sich das alles um, und Gold und Silber werden das Kapital par excellence, für dessen Erhaltung jede andre Form von Kapital und Arbeit geopfert werden muss. Wodurch aber unterscheiden sich nun Gold und Silber von den andren Gestalten des Reichthums? Nicht durch die Werthgrösse, denn diese ist bestimmt durch die Menge der in ihnen vergegenständlichten Arbeit. Sondern als selbständige Inkarnationen, Ausdrücke des gesellschaftlichen Charakters des Reichthums. [Der Reichthum der Gesellschaft besteht nur als Reichthum Einzelner, die seine Privateigenthümer sind. Er bewährt sich nur dadurch als gesellschaftlicher, dass diese Einzelnen, zur Befriedigung ihrer Bedürfnisse, die qualitativ verschiednen Gebrauchswerthe gegen einander austauschen. In der kapitalistischen Produktion können sie dies nur vermittelst des Geldes. So wird nur vermittelst des Geldes der Reichthum des Einzelnen als gesellschaftlicher Reichthum verwirklicht; im Geld, in diesem Ding, ist die gesellschaftliche Natur dieses Reichthums verkörpert. — F. E.]. Dies sein gesellschaftliches Dasein erscheint also als Jenseits, als Ding, Sache, Waare, neben und ausserhalb der wirklichen Elemente des gesellschaftlichen Reichthums. Solange die Produktion flüssig, wird dies vergessen. Der Kredit, als ebenfalls gesellschaftliche Form des Reichthums, verdrängt das Geld, und usurpirt seine Stelle. Es ist das Vertrauen in den gesellschaftlichen Charakter der Produktion, welches die Geldform der Produkte als etwas nur Verschwindendes und Ideales, als blosse Vorstellung erscheinen lässt. Aber sobald der Kredit erschüttert wird — und diese Phase tritt immer nothwendig ein im Cyklus der modernen Industrie — soll nun aller reale Reichthum wirklich und plötzlich in Geld verwandelt werden, in Gold und Silber, eine verrückte Forderung, die aber nothwendig aus dem System selbst hervorwächst. Und alles Gold und Silber, das diesen ungeheuren Ansprüchen genügen soll, beläuft sich auf ein paar Millionen in den Kellern der Bank.8 In den Wirkungen des Goldabflusses tritt also der Umstand, dass die Produktion nicht wirklich als gesellschaftliche Produktion der gesellschaftlichen Kontrolle unterworfen ist, schlagend hervor in der Form, dass die gesellschaftliche Form des Reichthums als ein Ding ausser ihm existirt. Das kapitalistische System hat dies in der That gemein mit frühern Produktionssystemen, soweit sie auf Waarenhandel und Privataustausch beruhen. Es tritt aber erst in ihm am schlagendsten und in der grotesksten Form des absurden Widerspruchs und Widersinns hervor, weil 1) im kapitalistischen System am vollständigsten die Produktion für den unmittelbaren Gebrauchswerth, für den Selbstgebrauch der Producenten aufgehoben ist, also der Reichthum nur als gesellschaftlicher Process existirt, der sich als Verschlingung von Produktion und Cirkulation ausdrückt; 2) weil mit der Entwicklung des Kreditsystems die kapitalistische Produktion diese metallne Schranke, zugleich dingliche und phantastische Schranke des Reichthums und seiner Bewegung, beständig aufzuheben strebt, sich aber immer wieder den Kopf an dieser Schranke einstösst.
In der Krise tritt die Forderung ein, dass sämmtliche Wechsel, Werthpapiere, Waaren auf einmal gleichzeitig in Bankgeld konvertibel sein sollen, und dies sämmtliche Bankgeld wieder in Gold.
II. Der Wechselkurs.
[Der Barometer für die internationale Bewegung der Geldmetalle ist bekanntlich der Wechselkurs. Hat England mehr Zahlungen zu machen an Deutschland als Deutschland an England, so steigt in London der Preis von Mark, in Sterling ausgedrückt, und in Hamburg und Berlin fällt der Preis von Sterling, ausgedrückt in Mark. Gleicht sich dies Uebergewicht der Zahlungsverpflichtungen Englands an Deutschland nicht wieder aus, z. B. durch überwiegende Einkäufe Deutschlands in England, so muss der Sterlingpreis für Markwechsel auf Deutschland bis zu dem Punkt steigen, wo es sich lohnt, statt Wechseln Metall — Goldgeld oder Barren — aus England in Zahlung nach Deutschland zu schicken. Dies ist der typische Verlauf.
Nimmt dieser Export von Edelmetall stärkeren Umfang und längere Dauer an, so wird die englische Bankreserve angegriffen, und der englische Geldmarkt, voran die B. von E., muss Schutzmaßregeln ergreifen. Diese bestehn wesentlich, wie wir schon gesehn, in Heraufsetzung des Zinsfusses. Bei bedeutendem Goldabfluss ist der Geldmarkt regelmäßig schwierig, d. h. die Nachfrage nach Leihkapital in Geldform überwiegt bedeutend das Angebot, und der höhere Zinsfuss ergibt sich hieraus ganz von selbst; die von der B. von E. dekretirte Diskontorate entspricht der Sachlage und setzt sich im Markte durch. Es kommen aber auch Fälle vor, wo der Metallabfluss aus andern als den gewöhnlichen Geschäftskombinationen entspringt (z. B. durch Anleihen fremder Staaten, Kapitalanlage im Ausland u. s. w.), wo der londoner Geldmarkt als solcher eine wirksame Zinsraten-Erhöhung keineswegs rechtfertigt; die B. von E. hat dann durch starke Anleihen im „offnen Markt“ erst „Geld rar zu machen“, wie der Ausdruck lautet, um so künstlich die Lage zu schaffen, die eine Zinserhöhung rechtfertigt oder nöthig macht; ein Manöver, das ihr von Jahr zu Jahr schwerer wird. — F. E.].
Wie nun diese Heraufsetzung der Zinsrate auf die Wechselkurse wirkt, zeigen folgende Aussagen vor dem Unterhausausschuss über Bankgesetzgebung 1857 (citirt als B. A., oder B. C., 1857).
John Stuart Mill: „2176. Wenn das Geschäft schwierig geworden ist … tritt ein beträchtlicher Fall im Preis der Werthpapiere ein … Ausländer lassen hier in England Eisenbahnaktien kaufen, oder englische Eigner auswärtiger Eisenbahnaktien verkaufen sie im Ausland … um so viel wird die Uebertragung von Gold beseitigt. — 2182. Eine grosse und reiche Klasse von Bankiers und Händlern in Werthpapieren, durch welche die Ausgleichung des Zinsfusses und die Ausgleichung des kommerciellen Barometerstandes (pressure) zwischen den verschiednen Ländern gewöhn lich bewirkt wird … ist immer auf der Ausschau um Werthpapiere zu kaufen, die eine Preissteigerung versprechen … der richtige Ort für sie, zum Einkauf, wird das Land sein, das Gold ins Ausland schickt. — 2183. Diese Kapitalanlagen fanden 1847 in bedeutendem Maßstab statt, hinreichend den Goldabfluss zu vermindern.“
J. G. Hubbard, Ex-Gouverneur, und seit 1838 in der Direktion der B. of E.: „2545. Es gibt grosse Mengen europäischer Werthpapiere … die eine europäische Cirkulation haben in allen den verschiednen Geldmärkten, und diese Papiere, sobald sie in einem Markt um 1 oder 2 % fallen, werden sofort aufgekauft zur Uebersendung nach den Märkten, wo ihr Werth sich noch gehalten hat. — 2565. Stehn nicht auswärtige Länder in bedeutender Schuld gegenüber den Kaufleuten in England? — … Sehr bedeutend. — 2566. Die Einkassirung dieser Schulden könnte also allein hinreichen, eine sehr grosse Akkumulation von Kapital in England zu erklären? — Im Jahre 1847 wurde unsre Position schliesslich dadurch wieder hergestellt, dass wir einen Strich machten durch so und soviel Millionen, die Amerika und Russland früher an England schuldeten.“ [England schuldete eben denselben Ländern gleichzeitig „so und soviel Millionen“ für Korn und verfehlte nicht auch hierdurch grossentheils „einen Strich zu machen“ vermittelst Bankerotts der englischen Schuldner. Siehe den Bericht über die Bankakte von 1857, oben Kap. 30, S. 31.] — „2572. 1847 stand der Kurs zwischen England und Petersburg sehr hoch. Als der Regierungsbrief erlassen wurde, der die Bank bevollmächtigté, Banknoten auszugeben ohne sich an die vorgeschriebne Grenze von 14 Mill.“ [über die Goldreserve hinaus] „zu binden, war die Bedingung, dass der Diskonto auf 8 % gehalten werden müsse. In jenem Augenblick, und bei jener Diskontorate, war es ein profitliches Geschäft, Gold von Petersburg nach London verschiffen zu lassen und es bei seiner Ankunft zu 8 % auszuleihen bis zum Verfall der Dreimonatswechsel, die gegen das verkaufte Gold gezogen waren. — 2573. In allen Goldoperationen sind viele Punkte in Erwägung zu ziehn; es kommt auf den Wechselkurs an und auf den Zinsfuss, zu dem man das Geld anlegen kann bis zum Verfall des [dagegen gezognen] Wechsels“.
Wechselkurs mit Asien.
Die folgenden Punkte sind wichtig, einerseits weil sie zeigen, wie England, wenn sein Wechselkurs mit Asien ungünstig ist, sich bei andern Ländern erholen muss, deren Import aus Asien durch englische Vermittlung bezahlt wird. Zweitens aber, weil Herr Wilson hier wieder den thörichten Versuch macht, die Wirkung einer Ausfuhr von Edelmetall auf die Wechselkurse zu identificiren mit der Wirkung eines Exports von Kapital überhaupt auf diese Kurse; beides im Fall, wo es sich handelt um Export, nicht als Zahlungs- oder Kaufmittel, sondern für Kapitalanlage. Zunächst ist es selbstverständlich, dass, ob so und soviel Millionen £ in Edelmetall oder in Eisenschienen nach Indien geschickt werden, um sie dort in Eisenbahnen anzulegen, dies beides nur verschiedne Form ist, denselben Kapitalbelauf von einem Land auf ein andres zu übertragen; und zwar eine Uebertragung, die nicht in die Rechnung der gewöhnlichen merkantilen Geschäfte eingeht, und wofür das exportirende Land keinen andern Rückfluss erwartet als spätre jährliche Revenue aus den Einkünften dieser Eisenbahnen. Geschieht dieser Export in Form von Edelmetall, so wird er, weil Edelmetall, und als solches unmittelbar leihbares Geldkapital und Basis des ganzen Geldsystems, nicht nothwendig unter allen Umständen, aber unter früher entwickelten, direkt auf den Geldmarkt, und damit auf den Zinsfuss, des dies Edelmetall exportirenden Landes wirken. Er wirkt auch ebenso direkt auf den Wechselkurs. Es wird nämlich nur deshalb Edelmetall versandt, weil und soweit die Wechsel, z. B. auf Indien, die im Londoner Geldmarkt angeboten werden, nicht hinreichen um diese Extra-Rimessen zu machen. Es findet also eine das Angebot übersteigende Nachfrage für Wechsel auf Indien statt, und so wendet sich der Kurs momentan gegen England, nicht weil es an Indien verschuldet ist, sondern weil es ausserordentliche Summen nach Indien zu schicken hat. Auf die Dauer muss eine solche Versendung von Edelmetall nach Indien dahin wirken, die indische Nachfrage nach englischen Waaren zu vermehren, weil sie indirekt die Konsumtionsfähigkeit Indiens für europäische Waaren steigert. Wird dagegen das Kapital in der Form von Schienen u. s. w. verschickt, so kann es gar keinen Einfluss auf den Wechselkurs haben, da Indien keine Rückzahlung dafür zu machen hat. Eben desshalb braucht es auch keinen Einfluss auf den Geldmarkt zu haben. Einen solchen Einfluss sucht Wilson dadurch herauszubringen, dass solche Extra-Auslage eine Extra-Nachfrage nach Geldakkomodation hervorbringe und so auf den Zinsfuss wirken werde. Dies kann der Fall sein; aber zu behaupten, dass es unter allen Umständen stattfinden müsse, ist total verkehrt. Wo immer die Schienen hingeschickt und festgelegt werden, ob auf englischem Boden oder indischem, sie stellen nichts vor, als eine bestimmte Ausdehnung englischer Produktion in einer bestimmten Sphäre. Zu behaupten, dass eine Ausdehnung der Produktion, selbst innerhalb sehr weiter Grenzen, nicht stattfinden könne, ohne Herauftreibung des Zinsfusses, ist Thorheit. Die Geldakkomodation mag wachsen, d. h. die Summe der Geschäfte, worin Kreditoperationen eingehn; aber diese Operationen können zunehmen bei gleichbleibendem gegebnem Zinsfuss. Dies war wirklich der Fall während der Eisenbahnmanie in England in den 40er Jahren. Der Zinsfuss stieg nicht. Und es ist augenscheinlich, dass, soweit wirkliches Kapital, d. h. hier Waaren, in Betracht kommt, die Wirkung auf den Geldmarkt ganz dieselbe ist, ob diese Waaren für’s Ausland bestimmt sind oder für innern Verbrauch. Es könnte nur dann einen Unterschied machen, wenn Englands Kapitalanlagen im Ausland beschränkend auf seinen kommerciellen Export wirkten — den Export, der bezahlt werden muss, also einen Rückfluss bringt — oder soweit diese Kapitalanlagen überhaupt schon Symptom von Ueberanspannung des Kredits und beginnender Schwindeloperationen wären.
Im Folgenden fragt Wilson und antwortet Newmarch.
„1786. Sie sagten früher, mit Bezug auf die Silbernachfrage für Ostasien, dass nach Ihrer Ansicht die Wechselkurse mit Indien zu Gunsten Englands seien, trotz der fortwährend nach Ostasien gesandten bedeutenden Metallschätze; haben Sie Gründe hierfür? — Allerdings … Ich finde, dass der wirkliche Werth der Ausfuhren des Vereinigten Königreichs nach Indien 1851 sich auf 7,420,000 £ belief; hierzu ist zu addiren der Betrag der Wechsel des India House, d. h. der Fonds, die die Ostindische Kompagnie von Indien zieht zur Bestreitung ihrer eignen Ausgaben. Diese Tratten betrugen in jenem Jahr 3,200,000 £; sodass die Gesammtausfuhr des Vereinigten Königreichs nach Indien 10,620,000 £ betrug. 1855 … war der wirkliche Werth des Waarenexports gestiegen auf 10,350,000 £; die Tratten des India House waren 3,700,000 £; die Totalausfuhr also 14,050,000 £. Für 1851, glaube ich, haben wir kein Mittel den wirklichen Werth der Waareneinfuhr von Indien nach England festzustellen; wohl aber für 1854 und 55. 1855 war der gesammte wirkliche Werth der Waareneinfuhr von Indien nach England 12,670,000 £, und diese Summe, verglichen mit den 14,050,000 £, lässt eine Bilanz zu Gunsten Englands, im direkten Handel zwischen beiden Ländern, von 1,380,000 £.“
Hierauf bemerkt Wilson, dass die Wechselkurse auch durch den indirekten Handel berührt werden. So werden z. B. die Ausfuhren von Indien nach Australien und Nordamerika durch Tratten auf London gedeckt, und wirken daher auf den Wechselkurs ganz so, als ob die Waaren direkt von Indien nach England gingen. Ferner, wenn Indien und China zusammengenommen werden, so sei die Bilanz gegen England, da China fortwährend bedeutende Zahlungen für Opium an Indien, und England Zahlungen an China zu machen hat, und die Beträge auf diesem Umweg nach Indien gehn. (1787, 88.)
1789 fragt nun Wilson, ob der Effekt auf die Wechselkurse nicht derselbe sein werde, einerlei ob das Kapital „in Form von Eisenschienen und Lokomotiven, oder in Form von Metallgeld hinausginge.“ Hierauf antwortet Newmarch ganz richtig: die 12 Mill. £ die in den letzten Jahren für Eisenbahnbau nach Indien gesandt, hätten gedient zum Ankauf einer Jahresrente, die Indien in regelmäßigen Terminen an England zu zahlen habe. „Soweit unmittelbare Wirkung auf den Edelmetallmarkt in Betracht kommt, kann die Anlage der 12 Mill. £ eine solche nur ausüben, soweit Metall hinausgesandt werden musste für wirkliche Anlage in Geld.“
1797. [Weguelin fragt:] „Wenn kein Rückfluss erfolgt für dies Eisen (die Schienen), wie kann man sagen, dass es auf den Wechselkurs wirkt? — Ich glaube nicht, dass der Theil der Auslage, der in Form von Waaren hinausgeschickt wird, den Stand des Wechselkurses afficirt … der Stand des Kurses zwischen zwei Ländern wird, man kann sagen ausschliesslich, afficirt durch die Quantität der Obligationen oder Wechsel, die in dem einen Land angeboten werden, verglichen mit der Quantität, die im andern Land dagegen angeboten wird; das ist die rationelle Theorie des Wechselkurses. Was die Uebersendung der 12 Millionen betrifft, so sind diese 12 Millionen zunächst hier gezeichnet worden; wäre nun das Geschäft derart, dass diese gesammten 12 Mill. in Kalkutta, Bombay und Madras in Hartgeld niedergelegt werden … so würde diese plötzliche Nachfrage gewaltsam auf den Silberpreis und den Wechselkurs wirken, grade so gut als wenn die ostindische Kompagnie morgen ankündigte, dass sie ihre Tratten von 3 auf 12 Mill. erhöhe. Aber die Hälfte dieser 12 Mill. wird ausgelegt … im Ankauf von Waaren in England … Eisenschienen und Holz und andre Stoffe … es ist eine Auslage von englischem Kapital, in England selbst, für eine gewisse Waarensorte, die nach Indien geschickt wird, und damit hat die Sache ein Ende. — 1798. [Weguelin:] Aber die Produktion dieser für die Eisenbahnen nöthigen Waaren von Eisen und Holz producirt eine starke Konsumtion auswärtiger Waaren, und diese könnte doch den Wechselkurs afficiren? — Sicherlich.“
Wilson meint nun, das Eisen repräsentire zum grossen Theil Arbeit, und der für diese Arbeit gezahlte Lohn repräsentire grossentheils importirte Waaren (1799), und fragt dann weiter:
„1801. Aber ganz allgemein gesprochen: wenn man die Waaren, die producirt worden sind vermittelst der Konsumtion dieser importirten Waaren, derart hinausschickt, dass wir keine Retour dafür erhalten, sei es in Produkten oder sonst wie; würde dies nicht die Wirkung haben, die Kurse ungünstig für uns zu machen? — Dieses Princip ist genau, was stattfand in England während der Zeit der grossen Eisenbahnanlagen [1845]. Drei oder vier oder fünf Jahre hintereinander haben Sie auf Eisenbahnen 30 Mill. £ ausgelegt und fast das ganze in Arbeitslohn. Sie haben während drei Jahren im Bau von Eisenbahnen, Lokomotiven, Wagen und Bahnhöfen eine stärkre Volkszahl unterhalten als in allen Fabrikdistrikten zusammen. Diese Leute … legten ihren Lohn aus im Ankauf von Thee, Zucker, Spirituosen und andren auswärtigen Waaren; diese Waaren mussten importirt werden; aber es steht fest, dass während der Zeit, wo diese grosse Auslage vor sich ging, die Wechselkurse zwischen England und andren Ländern nicht wesentlich gestört wurden. Es fand kein Abfluss von Edelmetall statt, im Gegentheil, eher ein Zufluss.“
1802. Wilson besteht darauf, dass bei ausgeglichener Handelsbilanz und Parikurs zwischen England und Indien die Extrasendung des Eisens und der Lokomotiven „den Wechselkurs mit Indien afficiren müsse.“ Newmarch kann dies nicht einsehn, solange die Schienen als Kapitalanlage hinausgeschickt werden, und Indien sie nicht in dieser oder jener Form zu bezahlen hat; er fügt hinzu: „Ich stimme mit dem Princip überein, dass kein Land auf die Dauer einen ungünstigen Wechselkurs haben kann mit allen Ländern, womit es handelt; ein ungünstiger Wechselkurs mit einem Land producirt nothwendig einen günstigen mit einem andern.“ Hierauf wirft ihm Wilson die Trivialität ein: „1803. Würde aber nicht eine Kapitalübertragung dieselbe sein, ob das Kapital in dieser oder jener Form geschickt wird? — Soweit die Schuldverpflichtung in Betracht kommt, jawohl. — 1804. Ob Sie also Edelmetall herausschicken oder Waaren, die Wirkung des Eisenbahnbaus in Indien auf den Kapitalmarkt hier würde also dieselbe sein, und würde den Werth des Kapitals ebenso erhöhen, als ob das Ganze in Edelmetall hinausgesandt wäre?“
Wenn die Eisenpreise nicht stiegen, so war das jedenfalls ein Beweis, dass der „Werth“ des in Schienen steckenden „Kapitals“ nicht vermehrt war. Warum es sich handelt, ist der Werth des Geldkapitals, der Zinsfuss. Wilson möchte Geldkapital und Kapital überhaupt identificiren. Die einfache Thatsache ist zunächst die, dass in England 12 Mill. für indische Eisenbahnen gezeichnet waren. Dies ist eine Sache, die direkt nichts mit den Wechselkursen zu thun hat, und die Bestimmung der 12 Mill. ist für den Geldmarkt ebenfalls gleichgültig. Ist der Geldmarkt in günstiger Lage, so braucht dies überhaupt keine Wirkung zu produciren, wie die englischen Eisenbahnzeichnungen 1844 und 45 den Geldmarkt ebenfalls unberührt liessen. Ist der Geldmarkt schon einigermaßen schwierig, so könnte der Zinsfuss allerdings dadurch betroffen werden, aber doch nur in der Richtung der Steigerung, und dies müsste ja nach Wilson’s Theorie günstig auf die Kurse für England wirken, d. h. die Tendenz zur Ausfuhr von Edelmetall hemmen; wenn nicht nach Indien, so doch wo andershin. Herr Wilson springt von einem zum andern. In Frage 1802 sollten die Wechselkurse afficirt werden; in No. 1804 der „Werth des Kapitals“, zwei sehr verschiedne Dinge. Der Zinsfuss mag auf die Wechselkurse, und die Kurse mögen auf den Zinsfuss wirken, aber bei wechselnden Kursen kann der Zinsfuss, und bei wechselndem Zinsfuss können die Kurse konstant sein. Es will Wilson nicht in den Kopf, dass bei der Kapitalversendung ins Ausland, die blosse Form, in der es versandt wird, einen solchen Unterschied in der Wirkung macht, d. h. dass die Formverschiedenheit des Kapitals diese Wichtigkeit hat, und nun gar erst seine Geldform, was der ökonomischen Aufklärung gar sehr widerspricht. Newmarch antwortet dem Wilson sofern einseitig, als er ihn gar nicht aufmerksam macht, dass er so plötzlich und ohne Grund vom Wechselkurs auf den Zinsfuss übergesprungen ist. Newmarch antwortet auf jene Frage 1804 unsicher und schwankend: „Kein Zweifel, wenn 12 Mill. aufgebracht werden sollen, so ist es unwesentlich, soweit der allgemeine Zinsfuss in Betracht kommt, ob diese 12 Mill. in Edelmetall oder in Materialien herausgeschickt werden sollen. Ich glaube jedoch“ [schöner Uebergang dies jedoch, um nun das direkte Gegentheil zu sagen] „dies ist nicht ganz unwesentlich“ [es ist unwesentlich, aber jedoch ist es nicht unwesentlich] „weil in dem einen Fall die 6 Mill. £ sofort zurückfliessen würden; in dem andern Fall würden sie nicht so rasch zurückfliessen. Deshalb würde es einigen“ [welche Bestimmtheit!] „Unterschied machen, ob die 6 Mill. hier im Lande ausgelegt werden oder ob sie ganz herausgeschickt werden.“ Was soll das heissen, dass die 6 Mill. sofort zurückfliessen würden? Soweit die 6. Mill. £ in England verausgabt sind, existiren sie in Schienen, Lokomotiven etc., die nach Indien geschickt werden, von wo sie nicht zurückkehren, und ihr Werth erst durch Amortisation, also sehr langsam, während die 6 Mill. Edelmetall vielleicht sehr rasch in natura retourniren. Soweit die 6 Mill. in Arbeitslohn verausgabt sind, sind sie aufgegessen; aber das Geld, worin sie vorgeschossen waren, cirkulirt nach wie vor im Lande oder bildet Reserve. Dasselbe gilt von den Profiten der Schienenproducenten und dem Theil der 6 Mill., der ihr konstantes Kapital ersetzt. Die zweideutige Phrase vom Rückfluss wird also von Newmarch nur gebraucht, um nicht direkt zu sagen: Das Geld ist im Lande geblieben, und soweit es als leihbares Geldkapital fungirt, ist der Unterschied für den Geldmarkt (abgesehn davon, dass etwa die Cirkulation mehr Hartgeld verschluckt haben könnte) nur der, dass es für Rechnung von A, statt von B verausgabt wird. Anlage dieser Art, wo das Kapital in Waaren, nicht in Edelmetall in fremde Länder übertragen wird, kann nur auf die Wechselkurse wirken (und zwar nicht mit dem Land, worin angelegt wird), soweit die Produktion dieser exportirten Waaren Extra-Import andrer auswärtiger Waaren erheischt. Diese Produktion ist dann nicht bestimmt, diesen Extra-Import zu liquidiren. Dasselbe findet aber bei jedem Export auf Kredit statt, einerlei ob als Kapitalanlage oder für gewöhnliche Handelszwecke. Ausserdem kann dieser Extra-Import auch rückwirkend Extranachfrage nach englischen Waaren z. B. auf Seiten der Kolonien oder der Vereinigten Staaten hervorrufen.
Vorher sagte Newmarch, in Folge der Tratten der ostindischen Kompagnie seien die Ausfuhren von England nach Indien grösser als die Einfuhren. Sir Charles Wood nimmt ihn über diesen Punkt ins Kreuzverhör. Dieser Ueberschuss englischer Ausfuhr nach, über die Einfuhr von, Indien wird thatsächlich zu Stande gebracht durch eine Einfuhr von Indien, wofür England kein Aequivalent zahlt: die Tratten der ostindischen Kompagnie (jetzt der ostindischen Regierung) lösen sich auf in einen Tribut, der von Indien erhoben wird. Z. B. 1855: die Einfuhr von Indien nach England von 12670000 £; die englischen Ausfuhren nach Indien 10350000 £. Bilanz zu Gunsten Indiens 2250000 £. „Wenn hiermit die Sach lage erschöpft wäre, so würden diese 2250000 £ in irgend einer Form nach Indien zu remittiren sein. Aber dann kommen die Aufforderungen vom India House. Das India House annoncirt, dass es in der Lage ist, Tratten auf die verschiednen Präsidentschaften in Indien auszugeben zum Betrage von 3250000 £. [Dieser Betrag wurde erhoben für die Londoner Unkosten der ostindischen Kompagnie und für die an die Aktionäre zu zahlenden Dividenden.] Und dies liquidirt nicht nur die Bilanz von 2250000 £, die im Handelsweg entstand, sondern ergibt noch eine Million Ueberschuss.“ (1917.)
1922. [Wood:] „Dann ist also die Wirkung dieser Tratten des India House nicht die Ausfuhren nach Indien zu vermehren, sondern sie pro tanto zu vermindern?“ [Soll heissen die Nothwendigkeit zu vermindern, die Einfuhr von Indien durch Ausfuhr ebendorthin zu diesem Betrag zu decken.] Dies erklärt Herr Newmarch dadurch, dass die Engländer für diese 3700000 £ „gute Regierung“ nach Indien importiren. (1925.) Richtig und ironisch sagt Wood, der als Minister für Indien die von den Engländern importirte Sorte „guter Regierung“ sehr gut kannte, 1926: „Dann ist die Ausfuhr, die wie Sie sagen, durch die India House Tratten verursacht wird, eine Ausfuhr von guter Regierung und nicht von Waaren.“ Da England viel exportirt „in dieser Weise“ für „gute Regierung“ und für Kapitalanlagen in auswärtigen Ländern — also Einfuhren erhält, die ganz unabhängig sind vom gewöhnlichen Gang des Geschäfts, Tribute, theils für exportirte „gute Regierung“, theils als Revenue von in den Kolonien und anderswo angelegtem Kapital, Tribute, wofür es kein Aequivalent zu zahlen hat — so ist klar, dass die Wechselkurse nicht afficirt werden, wenn England diese Tribute einfach aufisst, ohne Gegenexport; es ist also auch klar, dass die Kurse nicht afficirt werden, wenn es diese Tribute wieder anlegt, nicht in England, sondern produktiv oder unproduktiv im Ausland; wenn es z. B. Munition dafür nach der Krim schickt. Zudem, soweit die Einfuhren vom Ausland in die Revenue von England eingehn — bezahlt müssen sie natürlich sein, entweder als Tribut, wo kein Aequivalent nöthig, oder durch Austausch gegen diese nicht bezahlten Tribute, oder im gewöhnlichen Gang des Handels — kann England sie entweder konsumiren oder sie als Kapital wieder neu anlegen. Weder das eine noch das andre berührt die Wechselkurse, und dies übersieht der weise Wilson. Ob einheimisches oder fremdes Produkt einen Theil der Revenue bildet, wo der letztere Fall nur Austausch heimischer Produkte gegen auswärtige voraussetzt, — der Konsum dieser Revenue, produktiv oder unproduktiv, ändert nichts an den Wechselkursen, wenn auch an der Stufenleiter der Produktion. Danach ist das Folgende zu beurtheilen.
1934. Wood fragt ihn, wie die Sendung von Kriegsvorräthen nach der Krim den Wechselkurs mit der Türkei afficiren würde. Newmarch antwortet: „Ich sehe nicht ein, wie die blosse Versendung von Kriegsvorräthen den Wechselkurs nothwendig afficiren würde, aber die Versendung von Edelmetall würde den Kurs sicherlich afficiren.“ Hier unterscheidet er also Kapital in Geldform von andrem Kapital. Aber nun fragt Wilson:
„1935. Wenn Sie einen Export veranstalten in grosser Ausdehnung von irgend einem Artikel, wofür kein korrespondirender Import stattfindet“ [Herr Wilson vergisst, dass in Beziehung auf England sehr bedeutender Import stattfindet, wofür nie ein entsprechender Export stattgefunden hat, ausgenommen in der Form von „guter Regierung“ oder von früher exportirtem Anlagekapital; jedenfalls kein Import, der in die regelmäßige Handelsbewegung eingeht. Aber dieser Import wird wieder ausgetauscht z. B. mit amerikanischem Produkt, und dass amerikanisches Produkt exportirt wird ohne entsprechenden Import, ändert nichts an der Sache, dass der Werth dieses Imports konsumirt werden kann ohne einen äquivalenten Abfluss nach aussen; es ist empfangen worden ohne Gegenexport, und es kann daher auch verbraucht werden ohne in die Handelsbilanz einzugehn] „so bezahlen Sie nicht die auswärtige Schuld, die Sie durch Ihre Einfuhr kontrahirt haben“. [Aber wenn Ihr diesen Import schon vorher bezahlt habt, z. B. durch den im Ausland gegebnen Kredit, so wird keine Schuld dadurch kontrahirt, und die Frage hat gar nichts zu thun mit der internationalen Bilanz; sie löst sich auf in produktive oder unproduktive Ausgabe, einerlei ob die so verbrauchten Produkte inländisches oder ausländisches Produkt sind] „und desshalb müssen Sie durch diese Transaktion die Wechselkurse afficiren, indem die ausländische Schuld nicht bezahlt wird, weil Ihr Export keinen korrespondirenden Import hat. — Das ist richtig von Ländern im allgemeinen.“
Der Vortrag des Wilson kommt darauf hinaus, dass jeder Export ohne entsprechenden Import zugleich ein Import ohne entsprechenden Export ist; weil in die Produktion des exportirten Artikels fremde, also importirte Waaren eingehn. Die Unterstellung ist, dass jeder solcher Export begründet ist auf einen nicht bezahlten Import, oder ihn erzeugt, — also Schuld ans Ausland. Dies ist falsch, selbst abgesehn von den zwei Umständen, dass England 1) Gratis-Importe hat, wofür es kein Aequivalent zahlt; z. B. einen Theil seiner indischen Importe. Es kann diese austauschen gegen amerikanische Importe, und letztre exportiren ohne Gegenimport; jedenfalls, was den Werth betrifft, hat es nur exportirt, was ihm nichts gekostet hat. Und 2) es mag Importe bezahlt haben, z. B. amerikanische, die zuschüssiges Kapital bilden; wenn es diese unproduktiv, z. B. in Kriegsmunition konsumirt, so bildet dies keine Schuld gegen Amerika, und afficirt nicht den Wechselkurs mit Amerika. Newmarch widerspricht sich 1934 und 35 und wird hierauf aufmerksam gemacht durch Wood, 1938: „Wenn kein Theil der Waaren, angewandt in der Anfertigung der Artikel, die wir ausführen ohne dass Rückfluss erfolgt“ [Kriegsausgabe], „herkommt von dem Lande, wohin diese Artikel geschickt werden, wie berührt dies den Wechselkurs mit diesem Lande? Angenommen, der Handel mit der Türkei sei im gewöhnlichen Zustand des Gleichgewichts; wie wird der Wechselkurs zwischen England und der Türkei afficirt durch die Ausfuhr von Kriegsvorräthen nach der Krim?“ — Hier verliert Newmarch seinen Gleichmuth; er vergisst dass er dieselbe einfache Frage unter No. 1934 bereits richtig beantwortet hat und sagt: „Wir haben, scheint mir, die praktische Frage erschöpft, und kommen jetzt in eine sehr erhabne Region metaphysischer Diskussion.“
[Wilson hat noch eine andre Fassung seiner Behauptung, dass der Wechselkurs afficirt werde durch jede Kapitalübertragung von einem Land auf ein andres, gleichviel ob diese stattfinde in Form von Edelmetall oder von Waaren. Wilson weiss natürlich, dass der Wechselkurs afficirt wird durch den Zinsfuss, speciell durch das Verhältniss der in den beiden Ländern, deren gegenseitiger Wechselkurs in Frage ist, geltenden Zinsraten. Kann er nun nachweisen, dass Ueberschuss an Kapital überhaupt, also zunächst an Waaren aller Art, mit Einschluss von Edelmetall, eine mitbestimmende Wirkung auf den Zinsfuss ansübt, so kommt er seinem Ziel schon einen Schritt näher; Uebertragung eines bedeutenden Theils dieses Kapitals auf ein andres Land muss dann in beiden Ländern den Zinsfuss ändern, und zwar in entgegengesetzter Richtung, und damit in zweiter Instanz auch den Wechselkurs zwischen beiden Ländern. — F. E.]
Er sagt nun in dem, damals von ihm redigirten „Economist“ 1847, p. 475:
„Es ist klar, dass ein solcher Ueberschuss von Kapital, angezeigt durch grosse Vorräthe aller Art, Edelmetall eingeschlossen, nothwendig führen muss nicht allein zu niedrigen Preisen der Waaren überhaupt, sondern zu einem niedrigeren Zinsfuss für den Gebrauch von Kapital.1) Wenn wir einen Vorrath von Waaren zur Hand haben, hinreichend dem Land für zwei kommende Jahre zu dienen, so wird Kommando über diese Waaren für eine gegebne Periode zu viel niedrigerer Rate erhalten, als wenn der Vorrath kaum für zwei Monate ausreicht.2) Alle Anleihen von Geld, in welcher Form immer gemacht, sind nur Uebertragung des Kommandos über Waaren von dem einen auf den andern. Sind Waaren daher überflüssig vorhanden, so muss der Geldzins niedrig, sind sie selten, so muss er hoch sein.3) Wenn die Waaren reichlicher zufliessen, wird die Zahl der Verkäufer im Vergleich mit der Zahl der Käufer zunehmen, und im Maß wie die Quantität die Bedürfnisse der unmittelbaren Konsumtion übersteigt, muss ein stets grösserer Theil für spätern Gebrauch aufbewahrt werden. Unter diesen Umständen wird ein Waarenbesitzer zu niedrigeren Bedingungen auf künftige Zahlung oder auf Kredit verkaufen, als wenn er sicher wäre, dass sein ganzer Vorrath in wenigen Wochen zum Verkauf käme.“4)
Zu dem Satz ad 1) ist zu bemerken, dass ein starker Zufluss von Edelmetall stattfinden kann gleichzeitig mit einer Einschränkung der Produktion, wie dies stets der Fall ist in der Zeit nach einer Krise. In der folgenden Phase mag Edelmetall zufliessen von Ländern, die vorwiegend Edelmetall produciren; die Einfuhr der andern Waaren wird in dieser Periode gewöhnlich durch die Ausfuhr ausgeglichen. In diesen beiden Phasen ist der Zinsfuss niedrig und nur langsam steigend; warum, haben wir gesehn. Dieser niedrige Zinsfuss liess sich überall erklären ohne irgend welche Einwirkung irgend welcher „grossen Vorräthe aller Art.“ Und wie soll diese Einwirkung stattfinden? Der niedrige Preis von Baumwolle z. B. ermöglicht hohe Profite der Spinner u. s. w. Warum ist nun der Zinsfuss niedrig? Sicher nicht, weil der Profit, der mit geliehenem Kapital gemacht werden kann, hoch ist. Sondern einzig und allein, weil unter den bestehenden Umständen die Nachfrage nach Leihkapital nicht wächst im Verhältniss zu diesem Profit; also das Leihkapital andre Bewegung hat als das industrielle Kapital. Was der Economist beweisen will, ist gerade das um gekehrte: dass seine Bewegung identisch sei mit der Bewegung des industriellen Kapitals.
Der Satz ad 2), wenn wir die absurde Voraussetzung eines Vorraths für zwei Jahre im Voraus, bis zur Ermöglichung eines Sinn’s herabmindern, unterstellt eine Ueberführung des Waarenmarkts. Dies würde ein Sinken der Preise verursachen. Es wäre weniger zu zahlen für einen Ballen Baumwolle. Daraus folgt keineswegs, dass das Geld, um einen Ballen Baumwolle zu kaufen, wohlfeiler aufzunehmen wäre. Dies hängt ab vom Stand des Geldmarkts. Wenn es wohlfeiler aufzunehmen ist, dann nur, weil der kommercielle Kredit in solcher Lage ist, dass er den Bankkredit weniger in Anspruch zu nehmen genöthigt ist als gewöhnlich. Die den Markt überführenden Waaren sind Lebensmittel oder Produktionsmittel. Der niedrige Preis beider erhöht den Profit des industriellen Kapitalisten. Warum soll er den Zins erniedrigen, ausser durch den Gegensatz, statt der Identität, zwischen Reichlichkeit von industrieldem Kapital und Nachfrage nach Geldakkomodation? Die Umstände liegen so, dass der Kaufmann und der Industrielle einander leichter Kredit geben können; wegen dieser Erleichterung des kommerciellen Kredits braucht der Industrielle wie der Kaufmann weniger Bankkredit; daher kann der Zinsfuss niedrig sein. Dieser niedrige Zinsfuss hat nichts zu thun mit dem Zufluss von Edelmetall, obgleich beide neben einander gehn können, und dieselben Ursachen, die die niedrigen Preise der Einfuhrartikel, auch den Ueberschuss des zugeführten Edelmetalls produciren mögen. Wäre der Importmarkt wirklich überführt, so bewiese dies Abnahme der Nachfrage für Importwaaren, die bei niedrigen Preisen unerklärlich wäre, ausser als Folge von Einschränkung der heimischen industriellen Produktion; dies aber wäre wieder unerklärlich bei übergrossen Einfuhren zu niedrigen Preisen. Lauter Absurditäten, um zu beweisen, dass Fallen der Preise = Fallen des Zinses. Beides mag gleichzeitig nebeneinander bestehn. Dann aber als Ausdruck des Gegensatzes der Richtungen, worin die Bewegung von industriellem Kapital und die Bewegung von leihbarem Geldkapital erfolgt, nicht als Ausdruck ihrer Identität.
Warum, ad 3), der Geldzins niedrig sein soll, wenn Waaren im Ueberfluss vorhanden, ist auch nach dieser weiteren Ausführung nicht abzusehn. Sind Waaren wohlfeil, so brauche ich, um ein bestimmtes Quantum zu kaufen, sage 1000 £ statt früher 2000. Vielleicht aber lege ich auch jetzt £ 2000 an und kaufe dafür das Doppelte der Waaren gegen früher und erweitre mein Geschäft durch Vorschuss desselben Kapitals, das ich vielleicht aufnehmen muss. Ich kaufe jetzt wie früher für 2000 £. Meine Nachfrage auf dem Geldmarkt bleibt also dieselbe, wenn auch meine Nachfrage auf dem Waarenmarkt mit dem Sinken der Waarenpreise steigt. Fällt aber diese letztre, d. h. erweitert sich die Produktion nicht mit dem Sinken der Waarenpreise, was allen Gesetzen des Economist widersprechen würde, so nähme die Nachfrage nach leihbarem Geldkapital ab, obgleich der Profit zunähme; dieser zunehmende Profit würde aber Nachfrage nach Leihkapital schaffen. Uebrigens mag die Niedrigkeit der Waarenpreise aus drei Ursachen herrühren. Erstens aus Mangel an Nachfrage. Dann ist der Zinsfuss niedrig, weil die Produktion gelähmt, nicht weil die Waaren wohlfeil, da diese Wohlfeilheit bloss Ausdruck jener Lähmung. Oder weil die Zufuhr übergross im Verhältniss zur Nachfrage. Dies mag der Fall sein in Folge von Ueberführung der Märkte etc., die zur Krise führt, und mag in der Krise selbst zusammenfallen mit hohem Zinsfuss; oder es mag der Fall sein, weil der Werth der Waaren gesunken, also dieselbe Nachfrage zu niedrigerem Preis befriedigt werden kann. Warum soll im letzten Fall der Zinsfuss sinken? Weil der Profit wächst? Wenn, weil weniger Geldkapital nöthig, um dasselbe produktive oder Waarenkapital zu erhalten, so bewiese dies nur, dass Profit und Zins in umgekehrtem Verhältniss zu einander stehn. Jedenfalls ist der allgemeine Satz des Economist falsch. Niedrige Geldpreise der Waaren und niedriger Zinsfuss gehören nicht nothwendig zusammen. Sonst müsste in den ärmsten Ländern, wo die Geldpreise der Produkte am niedrigsten, auch der Zinsfuss am niedrigsten, und in den reichsten Ländern, wo die Geldpreise der Agrikulturprodukte am höchsten, auch der Zinsfuss am höchsten stehn. Im allgemeinen gibt der Economist zu: fällt der Werth des Geldes, so übt das keinen Einfluss auf den Zinsfuss. 100 £ bringt nach wie vor 105 £; sind die 100 weniger werth, so auch die 5 Zins. Das Verhältniss wird nicht afficirt durch Werthsteigerung oder Entwerthung der Originalsumme. Als Werth betrachtet, ist ein bestimmtes Waarenquantum gleich einer gewissen Geldsumme. Steigt sein Werth, so ist er gleich einer grössern Geldsumme; umgekehrt, wenn er fällt. Ist er = 2000, so 5 % = 100; ist er = 1000, so 5 % = 50. Dies ändert aber nichts am Zinssatz. Das Rationale an der Sache ist nur, dass mehr Geldakkommodation erheischt, wenn 2000 £ nöthig, um dasselbe Quantum Waaren zu verkaufen, als wenn nur 1000 £ nöthig. Aber dies zeigt hier nur umgekehrtes Verhältniss zwischen Profit und Zins. Denn der Profit wächst mit der Wohlfeilheit der Elemente des konstanten und variablen Kapitals, und der Zins fällt. Aber das Umgekehrte kann auch der Fall sein, und ist häufig der Fall. Baumwolle z. B. kann wohlfeil sein, weil keine Nachfrage für Garn und Gewebe besteht; sie kann relativ theuer sein, weil grosser Profit in der Baumwollindustrie grosse Nachfrage für sie erzeugt. Andrerseits kann der Profit der Industriellen hoch sein, grade weil der Preis von Baumwolle niedrig ist. Die Liste von Hubbard beweist, dass der Zinsfuss und die Waarenpreise durchaus von einander unabhängige Bewegungen vollführen; während die Bewegungen des Zinsfusses sich genau den Bewegungen des Metallschatzes und der Wechselkurse anpassen.
„Sind Waaren daher im Ueberfluss vorhanden, so muss der Geldzins niedrig sein,“ sagt der Economist. Grade das Umgekehrte findet statt in den Krisen; die Waaren sind überschüssig, inkonvertibel in Geld, und daher der Zinsfuss hoch; in einer andren Phase des Cyklus herrscht grosse Nachfrage nach Waaren, daher leichte Rückflüsse, aber zugleich Steigen der Waarenpreise, und wegen der leichten Rückflüsse niedriger Zinsfuss. „Sind sie [die Waaren] selten, so muss er hoch sein.“ Wieder findet das Umgekehrte statt in Zeiten der Abspannung nach der Krise. Waaren sind selten, absolut gesprochen, nicht mit Rücksicht auf die Nachfrage; und der Zinsfuss ist niedrig.
Dass, ad4), bei überführtem Markt ein Waarenbesitzer wohlfeiler losschlagen wird — wenn er überhaupt verkaufen kann — als bei voraussichtlich rascher Erschöpfung der vorhandnen Vorräthe, ist ziemlich klar. Weniger aber, wesshalb desswegen der Zinsfuss fallen soll.
Ist der Markt mit der importirten Waare überführt, so mag der Zinsfuss steigen, in Folge gesteigerter Nachfrage nach Leihkapital von Seiten der Eigner, um die Waaren nicht auf den Markt werfen zu müssen. Er mag fallen, weil die Flüssigkeit des kommerciellen Kredits die Nachfrage für Bankkredit noch relativ niedrig hält.
Der Economist erwähnt die rasche Wirkung auf die Kurse 1847 in Folge der Erhöhung des Zinsfusses und andern Drucks auf den Geldmarkt. Aber es ist nicht zu vergessen, dass trotz der Wendung der Kurse das Gold fortfuhr abzufliessen bis Ende April; die Wendung tritt hier erst ein mit Anfang Mai.
Am 1. Januar 1847 war der Metallschatz der Bank 15066691 £; Zinsfuss 3½ %; Dreimonatskurs auf Paris, 25.75; auf Hamburg 13.10; auf Amsterdam 12.3¼. Am 5. März war der Metallschatz gefallen auf 11595535 £; Diskonto gestiegen auf 4 %; der Wechselkurs fiel auf Paris 25.67½, Hamburg 13.9¼, Amsterdam 12.2½. Goldabfluss dauert fort; s. folgende Tabelle:
Im Jahr 1847 betrug der Gesammtexport von Edelmetall aus England £ 8602597.
- Davon ging nach den Vereinigten Staaten £ 3226411.
- „ „ „ Frankreich „ 2479892.
- „ „ „ „ Hansestädten „ 958781.
- „ „ „ Holland „ 247743.
Trotz der Wendung der Kurse Ende März dauert der Goldabfluss noch einen vollen Monat fort; wahrscheinlich nach den Vereinigten Staaten.
„Wir sehn hier,“ [sagt der Economist 1847, p. 984] wie schnell und schlagend die Wirkung eines gesteigerten Zinsfusses und der darauf folgenden Geldklemme war in der Korrektion eines ungünstigen Kurses und in der Wendung der Goldflut, sodass sie wieder nach England floss. Die Wirkung wurde hervorgebracht ganz unabhängig von der Zahlungsbilanz. Ein höherer Zinsfuss erzeugte einen niedrigern Preis der Werthpapiere, englischer wie auswärtiger, und veranlasste grosse Einkäufe davon für ausländische Rechnung. Dies vermehrte die Summe der von England aus gezogenen Wechsel, während andrerseits bei hohem Zinsfuss die Schwierigkeit Geld zu erhalten so gross war, dass die Nachfrage nach diesen Wechseln fiel, während ihre Summe stieg. Es geschah aus derselben Ursache, dass Aufträge für fremde Waaren annullirt und englische Kapitalanlagen in auswärtigen Werthpapieren realisirt und das Geld nach England zur Anlage gebracht wurde. So lesen wir z. B. im Rio de Janeiro Prices Current vom 10. Mai: „Der Wechselkurs“ [auf England] „hat einen neuen Rückgang erfahren, verursacht hauptsächlich durch einen Druck auf den Markt für Rimessen gegen den Erlös bedeutender Verkäufe von [brasilischen] Staatsfonds für englische Rechnung.“ Englisches Kapital, das im Ausland in verschiednen Werthpapieren angelegt worden, als der Zinsfuss hier sehr niedrig, wurde so zurückgebracht, als der Zinsfuss gestiegen war.
Handelsbilanz von England.
Indien allein hat an 5 Mill. Tribut zu zahlen, für „gute Regierung“, Zinsen und Dividenden von britischem Kapital etc., wobei gar nicht berechnet sind die Summen, die jährlich heimgesandt werden, theils von Beamten als Ersparnisse aus ihrem Gehalt, theils durch englische Kaufleute als Theil ihrer Profite, um in England angelegt zu werden. Von jeder britischen Kolonie sind aus denselben Gründen fortwährend grosse Rimessen zu machen. Die meisten Banken in Australien, Westindien, Kanada sind mit britischem Kapital gegründet, die Dividenden sind in England zu zahlen. Ebenso besitzt England viel auswärtige Staatspapiere, europäische, nord- und südamerikanische, wovon es die Zinsen zu empfangen hat. Dazu kommt dann noch seine Betheiligung bei ausländischen Eisenbahnen, Kanälen, Bergwerken etc., mit den entsprechenden Dividenden. Die Rimessen gegen alle diese Posten werden fast ausschliesslich in Produkten gemacht, über den Betrag der englischen Ausfuhr hinaus. Was andrerseits von England ins Ausland geht an Besitzer englischer Werthpapiere und an Verzehr für Engländer im Ausland, ist dagegen verschwindend.
Die Frage, soweit sie die Handelsbilanz und die Wechselkurse betrifft, ist „in jedem gegebnen Moment eine Frage der Zeit. In der Regel … gibt England lange Kredite auf seine Ausfuhr, während die Einfuhren baar bezahlt werden. In gewissen Momenten hat dieser Unterschied der Usance eine bedeutende Wirkung auf die Kurse. Zu einer Zeit wo unsre Ausfuhren sehr beträchtlich zunehmen, wie 1850, muss eine fortwährende Ausdehnung der Anlage von britischem Kapital im Gang sein … so können die Rimessen von 1850 gegen Waaren gemacht werden, die 1849 exportirt wurden. Aber wenn 1850 die Ausfuhren die von 1849 um 6 Mill. übersteigen, so muss die praktische Wirkung sein, dass mehr Geld ausser Landes gesandt ist, zu diesem Betrag, als im selben Jahr zurückgeflossen; und in dieser Weise wird eine Wirkung hervorgebracht auf die Kurse und den Zinsfuss. Sobald dagegen unser Geschäft in einer Krise deprimirt, und unsre Ausfuhr sehr einge schränkt ist, so übersteigen die für die grössren Exporte früherer Jahre verfallenden Rimessen sehr bedeutend den Werth unsrer Einfuhr; die Kurse drehn sich dementsprechend zu unsern Gunsten, das Kapital akkumulirt rasch im Inland, und der Zinsfuss fällt.“ (Economist, 11. Januar 1851.)
Der auswärtige Wechselkurs kann sich ändern
1) in Folge der augenblicklichen Zahlungsbilanz, durch welche Ursachen immer diese bestimmt sei: durch rein merkantilische, durch Kapitalanlage im Ausland, oder aber durch Staatsausgaben, bei Kriegen u. s. w., soweit Baarzahlungen im Ausland dabei gemacht werden.
2) In Folge von Entwerthung des Geldes in einem Land, sei dies nun Metall- oder Papiergeld. Dies ist rein nominell. Wenn 1 £ nur noch halb soviel Geld repräsentirte wie früher, würde es selbstredend zu 12½ Fr. statt zu 25 Fr. berechnet.
3) Wo es sich um den Kurs zwischen Ländern handelt, von denen das eine Silber, das andre Gold als „Geld“ verwendet, ist der Wechselkurs abhängig von den relativen Werthschwankungen dieser beiden Metalle, da diese Schwankungen offenbar das Pari zwischen beiden alteriren. Ein Beispiel vom letztren waren die Kurse 1850; sie waren gegen England, obgleich sein Export enorm stieg; aber dennoch fand kein Goldabfluss statt. Es war Wirkung des momentanen Steigens des Silberwerths gegen den Goldwerth. (Siehe Economist, 30. November 1857.)
Das Pari des Wechselkurses ist für 1 £ Sterling: auf Paris 25 Fr. 20 cent.; Hamburg 13 Mark Banko 10½ Sch.; Amsterdam 11 fl.. 97 cents. Im Verhältniss wie der Wechselkurs auf Paris über 25.20 steigt, wird er günstiger für den englischen Schuldner an Frankreich oder den Käufer französischer Waaren. In beiden Fällen braucht er weniger Pfund Sterling um seinen Zweck zu erreichen. — In entlegneren Ländern, wo Edelmetall nicht leicht zu erlangen, wenn Wechsel selten und ungenügend sind für die nach England zu machenden Rimessen, ist die natürliche Wirkung Herauftreibung der Preise derjenigen Produkte, die gewöhnlich nach England verschifft werden, indem für diese nun grössre Nachfrage entsteht, um sie anstatt Wechsel nach England zu senden; dies ist oft der Fall in Indien.
Ein ungünstiger Wechselkurs und selbst ein Goldabfluss kann stattfinden, wenn in England sehr grosser Ueberfluss an Geld, niedriger Zinsfuss, und hoher Preis der Werthpapiere herrscht.
Im Laufe von 1848 erhielt England grosse Quantitäten Silber von Indien, da gute Wechsel selten waren und mittelmäßige ungern genommen wurden, in Folge der Krisis von 1847 und der grossen Kreditlosigkeit im indischen Geschäft. Dies ganze Silber, kaum angekommen, fand bald den Weg nach dem Kontinent, wo die Revolution Schatzbildung an allen Ecken herbeiführte. Dasselbe Silber machte 1850 grossentheils die Reise nach Indien zurück, da der Stand des Wechselkurses dies nun profitlich machte.
Das Monetarsystem ist wesentlich katholisch, das Kreditsystem wesentlich protestantisch. „The Scotch hate gold.“ Als Papier hat das Gelddasein der Waaren ein nur gesellschaftliches Dasein. Es ist der Glaube, der selig macht. Der Glaube in den Geldwerth als immanenten Geist der Waaren, der Glaube in die Produktionsweise und ihre prädestinirte Ordnung, der Glaube in die einzelnen Agenten der Produktion als blosse Personifikationen des sich selbst verwerthenden Kapitals. So wenig aber der Protestantismus von den Grundlagen des Katholicismus sich emancipirt, so wenig das Kreditsystem von der Basis des Monetarsystems.
