Drittes Buch. › Sechster Abschnitt. Verwandlung von Surplusprofit in Grundrente.

Neununddreissigstes Kapitel. Erste Form der Differentialrente (Differentialrente I.)

8.427 Wörter · 1 Fußnoten · ≙ MEW 25, Kap. 39

Neununddreissigstes Kapitel. Erste Form der Differentialrente (Differentialrente I.)

Ricardo hat vollständig Recht in folgenden Sätzen:

„Rent“ [d. h. Differentialrente; er unterstellt, dass überhaupt keine Rente existirt ausser Differentialrente] „is always the difference between the produce obtained by the employment of two equal quantities of capital and labour.“ (Principles p. 59.) „Auf derselben Bodenquantität,“ hätte er hinzufügen müssen, soweit es sich um Grundrente und nicht um Surplusprofit überhaupt handelt.

In andern Worten: Surplusprofit, wenn normal und nicht durch zufällige Begebenheiten im Cirkulationsprocess erzeugt, wird immer producirt als Differenz zwischen dem Produkt von zwei gleichen Mengen Kapital und Arbeit, und dieser Surplusprofit verwandelt sich in Bodenrente, wenn zwei gleiche Mengen Kapital und Arbeit auf gleichen Bodenflächen mit ungleichen Resultaten beschäftigt werden. Es ist übrigens keineswegs unbedingt erforderlich, dass dieser Surplusprofit aus den ungleichen Resultaten gleicher Mengen von beschäftigtem Kapital entspringt. Es können auch in den verschiednen Anlagen ungleich grosse Kapitale beschäftigt sein; dies ist sogar meist die Voraussetzung; aber gleiche proportionelle Theile, also z. B. 100 £ von jedem, geben ungleiche Resultate; d. h. die Profitrate ist verschieden. Dies ist die allgemeine Voraussetzung für das Dasein des Surplusprofits in einer beliebigen Sphäre der Kapitalanlage überhaupt. Das zweite ist die Verwandlung dieses Surplusprofits in die Form der Grundrente (überhaupt der Rente, als einer vom Profit unterschiednen Form); es muss immer untersucht werden, wann, wie, unter welchen Umständen diese Verwandlung stattfindet.

Ricardo hat ferner Recht mit Bezug auf den folgenden Satz, sofern er auf Differentialrente eingeschränkt wird:

„Whatever diminishes the inequality in the produce obtained on the same or on new land, tends to lower rent; and whatever increases that inequality, necessarily produces an opposite effect, and tends to raise it.“ (p. 74.)

Unter diese Ursachen aber gehören nicht nur die allgemeinen (Fruchtbarkeit und Lage) sondern 1) die Steuervertheilung, je nachdem sie gleichmäßig wirkt oder nicht; das letztre ist immer der Fall, wenn sie, wie in England, nicht centralisirt ist und wenn die Steuer auf den Boden und nicht auf die Rente erhoben wird; 2) die Ungleichheiten, die aus der verschiednen Entwicklung der Agrikultur in verschiednen Landestheilen hervorgehn, indem sich dieser Industriezweig, seines traditionellen Charakters wegen, schwerer nivellirt als die Manufaktur, und 3) die Ungleichheit, worin Kapital unter die Pächter vertheilt ist. Da die Besitzergreifung der Agrikultur durch die kapitalistische Produktionsweise, die Verwandlung der selbstwirthschaftenden Bauern in Lohnarbeiter, in der That die letzte Eroberung dieser Produktionsweise über haupt ist, so sind diese Ungleichheiten hier grösser als in irgend einem andern Industriezweig.

Nach diesen Vorbemerkungen will ich erst ganz kurz zusammenstellen die Eigenthümlichkeiten meiner Entwicklung im Unterschied der von Ricardo etc.

Wir betrachten zuerst die ungleichen Ergebnisse gleicher Mengen von Kapital, angewandt auf verschiedne Ländereien von gleichem Umfang; oder, bei ungleichem Umfang, die Ergebnisse berechnet auf gleich grosse Bodenflächen.

Die zwei allgemeinen, vom Kapital unabhängigen Ursachen dieser ungleichen Ergebnisse sind 1) die Fruchtbarkeit. (Es ist zu diesem Punkt 1) auseinanderzusetzen, was alles und welche verschiednen Momente in der natürlichen Fruchtbarkeit der Ländereien einbegriffen sind.) 2) die Lage der Ländereien. Die letztre ist entscheidend bei Kolonien, und überhaupt entscheidend für die Reihenfolge, worin Ländereien nach einander in Bebauung genommen werden können. Ferner ist es klar, dass diese zwei verschiednen Gründe der Differentialrente, Fruchtbarkeit und Lage, in entgegengesetzter Richtung wirken können. Ein Boden kann sehr gut gelegen und sehr wenig fruchtbar sein, und umgekehrt. Dieser Umstand ist wichtig, denn er erklärt uns, warum bei der Urbarmachung des Bodens eines gegebnen Landes ebensowohl von besserm Land zu schlechterem, wie umgekehrt vorgeschritten werden kann. Endlich ist klar, dass der Fortschritt der socialen Produktion überhaupt einerseits nivellirend wirkt auf die Lage als Grund der Differentialrente, indem er lokale Märkte schafft und durch Herstellung der Kommunikations- und Transportmittel Lage schafft; andrerseits die Unterschiede der lokalen Lagen der Ländereien steigert, durch die Trennung der Agrikultur von der Manufaktur und durch Bildung grosser Centren der Produktion nach der einen, wie durch relative Vereinsamung des Landes nach andrer Seite hin.

Zunächst aber lassen wir diesen Punkt, die Lage, ausser Acht und betrachten bloss den der natürlichen Fruchtbarkeit. Abgesehn von klimatischen etc. Momenten, besteht der Unterschied der natürlichen Fruchtbarkeit im Unterschied der chemischen Zusammensetzung der Bodenoberfläche, d. h. in ihrem verschiednen Gehalt an den Nahrungsstoffen der Pflanzen. Indess, gleichen chemischen Gehalt, und in diesem Sinn gleiche natürliche Fruchtbarkeit zweier Bodenflächen vorausgesetzt, wird die wirkliche, effektive Fruchtbarkeit verschieden sein, je nachdem sich diese Nahrungsstoffe in einer Form befinden, worin sie mehr oder minder assimilirbar, unmittelbar verwerthbar für die Nahrung der Pflanzen sind. Es wird also theils von der chemischen, theils von der mechanischen Entwicklung der Agrikultur abhängen, wie weit auf natürlich gleich fruchtbaren Ländereien, dieselbe natürliche Fruchtbarkeit disponibel gemacht werden kann. Die Fruchtbarkeit, obgleich objektive Eigenschaft des Bodens, schliesst daher ökonomisch immer Relation ein, Relation zum gegebnen chemischen und mechanischen Entwicklungsstand der Agrikultur, und ändert sich daher mit diesem Entwicklungsstand. Sei es in Folge chemischer Mittel (z. B. Anwendung bestimmter flüssiger Dünger auf steifem Thonboden, oder auch Brennen von schwerem Thonboden) oder mechanischer Mittel (z. B. besondrer Pflüge für schweren Boden) können die Hindernisse beseitigt werden, welche gleich fruchtbaren Boden thatsächlich unergiebiger machten (auch die Drainirung gehört dazu). Oder selbst die Reihenfolge in der Bebauung der Bodenarten kann dadurch wechseln, wie dies z. B. zwischen leichtem Sandboden und schwerem Thonboden für eine Entwicklungsperiode der englischen Agrikultur der Fall war. Dies zeigt wieder, wie historisch — im successiven Lauf der Bebauung — ebensowohl von mehr fruchtbarem zu weniger fruchtbarem Boden übergegangen werden kann, wie umgekehrt. Dasselbe kann geschehn durch künstlich hervorgebrachte Verbesserung in der Zusammensetzung des Bodens, oder durch blosse Aenderung in der Agrikulturmethode. Endlich kann dasselbe Resultat hervorgehn aus Veränderung in der Hierarchie der Bodenarten in Folge verschiedner Verhältnisse des Untergrundes, sobald dieser ebenfalls in den Kulturbereich gezogen, und zur Ackerkrume geschlagen wird. Dies ist bedingt theils durch Anwendung neuer Agrikulturmethoden (wie Futterkräuter), theils durch mechanische Mittel, die entweder den Untergrund zum Obergrund machen, oder ihn damit vermischen, oder den Untergrund bebauen, ohne ihn in die Höhe zu werfen.

Alle diese Einflüsse auf die Differentialfruchtbarkeit verschiedner Ländereien kommen darauf hinaus, dass für die ökonomische Fruchtbarkeit der Stand der Produktivkraft der Arbeit, hier die Fähigkeit der Agrikultur, die natürliche Fruchtbarkeit des Bodens sofort ausbeutbar zu machen — eine Fähigkeit, die in verschiednen Entwicklungsstufen verschieden ist — ebenso sehr ein Moment der sogenannten natürlichen Fruchtbarkeit des Bodens ist, wie seine chemische Zusammensetzung und seine andren natürlichen Eigenschaften.

Wir setzen also eine gegebne Entwicklungsstufe der Agrikultur voraus. Wir setzen ferner voraus, dass die Hierarchie der Bodenarten mit Beziehung auf diese Entwicklungsstufe berechnet ist, wie es natürlich für gleichzeitige Kapitalanlagen auf den verschiednen Ländereien stets der Fall ist. Dann kann die Differentialrente sich in aufsteigender oder absteigender Reihenfolge darstellen, denn obgleich die Reihenfolge gegeben ist für die Totalität der wirklich bebauten Ländereien, hat stets eine successive Bewegung stattgefunden, worin sie gebildet wurde.

Unterstelle 4 Bodenarten, A, B, C, D. Unterstelle ferner den Preis eines Quarters Weizen = 3 £ oder 60 sh. Da die Rente blosse Differentialrente ist, ist dieser Preis von 60 sh. per Quarter für den schlechtesten Boden gleich den Produktionskosten, d. h. gleich Kapital plus Durchschnittsprofit.

A sei dieser schlechteste Boden und gebe für 50 sh. Auslage 1 Quarter = 60 sh.; also 10 sh. Profit, oder 20 %.

B gebe für dieselbe Auslage 2 Quarters = 120 sh. Es wäre dies 70 sh. Profit, oder ein Surplusprofit von 60 sh.

C gebe bei gleicher Auslage 3 qrs. = 180 sh.; Gesammtprofit = 130 sh. Surplusprofit = 120 sh.

D gebe 4 qrs. = 240 sh. = 180 sh. Surplusprofit.

Wir hätten dann folgende Reihenfolge.

Tabelle I.

Die respektiven Renten waren für D = 190 sh. — 10 sh. oder die Differenz zwischen D und A; für C = 130 — 10 sh. oder die Differenz zwischen C und A; für B = 70 sh. — 10 sh., oder die Differenz zwischen B und A; und die Gesammtrente für B, C, D = 6 qrs. = 360 sh., gleich der Summe der Differenzen von D und A, C und A, B und A.

Diese Reihenfolge, die ein gegebnes Produkt in einem gegebnen Zustand darstellt, kann ebensowohl, abstrakt betrachtet (und wir haben schon die Gründe angegeben, warum dies auch in der Wirklichkeit der Fall sein kann) in absteigender Reihenfolge (von D bis A herabsteigend, von fruchtbarem zu stets unfruchtbarerem Boden) wie in aufsteigender Stufenfolge (von A nach D heraufsteigend, von relativ unfruchtbarem zu immer fruchtbarerem Boden), endlich wechselnd, bald ab-, bald aufsteigend, z. B. von D auf C, von C auf A, von A auf B hervorgebracht sein.

Der Process bei der absteigenden Folge war der: der Preis des Quarters steigt allmälig von sage 15 sh. auf 60. Sobald die von D producirten 4 qrs. (worunter man sich Millionen denken kann), nicht mehr ausreichten, stieg der Weizenpreis soweit, dass die fehlende Zufuhr von C geschafft werden konnte. D. h. der Preis musste auf 20 sh. per qr. gestiegen sein. Sobald der Weizenpreis auf 30 sh. per qr. stieg, konnte B, sobald er auf 60 stieg, konnte A in Bebauung genommen werden, ohne dass das darauf verwandte Kapital sich mit einer geringern Profitrate als 20 % zu begnügen hatte. Es bildete sich so eine Rente für D, zuerst von 5 sh. per qr. = 20 sh. für die 4 qrs. die es producirt; dann von 15 sh. per qr. = 60 sh., dann von 45 sh. per qr. = 180 sh. für 4 qrs.

War die Profitrate von D ursprünglich ebenfalls = 20 %, so war sein Gesammtprofit auf die 4 qrs. auch nur 10 sh., was aber mehr Korn vorstellte bei einem Kornpreis von 15 sh. als bei dem von 60 sh. Da aber das Korn in die Reproduktion der Arbeitskraft eingeht, und von jedem Quarter ein Theil Arbeitslohn ersetzen muss und ein andrer konstantes Kapital, so war unter dieser Voraussetzung der Mehrwerth höher, also auch, bei sonst gleichbleibenden Umständen, die Profitrate. (Die Sache über die Profitrate noch besonders und mehr im Detail zu untersuchen.)

War dagegen die Reihenfolge umgekehrt, fing der Process von A an, so stieg, sobald neues Ackerland in Bebauung gesetzt werden musste, erst der Preis des Quarters über 60 sh.; da aber die nöthige Zufuhr von B geliefert wurde, die nöthige Zufuhr von 2 qrs., fiel er wieder auf 60 sh.; indem zwar B das qr. zu 30 sh. producirte, es aber zu 60 verkaufte, weil seine Zufuhr gerade nur hinreichte die Nachfrage zu decken. So bildete sich eine Rente, zunächst von 60 sh. für B, und in derselben Weise für C und D; immer vorausgesetzt dass, obgleich sie beide relativ das qr. zu 20 und zu 15 sh. wirklichem Werth lieferten, der Marktpreis auf 60 sh. bleibt, weil die Zufuhr des einen qr., welches A liefert, nach wie vor nothwendig ist, um den Gesammtbedarf zu befriedigen. In diesem Fall würde das Steigen der Nachfrage über den Bedarf, den erst A, dann A und B befriedigten, nicht bewirkt haben, dass B, C, D successive angebaut werden konnten, sondern dass überhaupt das Feld der Urbarmachung ausgedehnt wurde, und zufällig die fruchtbareren Ländereien erst später in seinen Bereich fielen.

In der ersten Reihe würde mit der Zunahme des Preises die Rente steigen und die Profitrate abnehmen. Diese Abnahme könnte durch entgegenwirkende Umstände ganz oder theilweis paralysirt werden; auf diesen Punkt ist später näher einzugehn. Es darf nicht vergessen werden, dass die allgemeine Profitrate nicht durch den Mehrwerth in allen Produktionssphären gleichmäßig bestimmt ist. Es ist nicht der agrikole Profit, der den industriellen bestimmt, sondern umgekehrt. Doch darüber später.

In der zweiten Reihe bliebe die Profitrate auf das ausgelegte Kapital dieselbe; die Masse des Profits würde sich in weniger Korn darstellen; aber der relative Preis des Korns, verglichen mit andren Waaren, wäre gestiegen. Nur würde die Zunahme des Profits, wo eine solche stattfindet, statt in die Taschen der industriellen Pächter zu fliessen und sich als wachsender Profit darzustellen, sich vom Profit abzweigen in der Form der Rente. Der Kornpreis bliebe aber unter der gemachten Voraussetzung stationär.

Entwicklung und Wachsthum der Differentialrente blieben dieselben, sowohl bei gleichbleibenden, wie bei steigenden Preisen, und sowohl bei dem kontinuirlichen Progress von schlechterm zu besserm Boden, wie bei kontinuirlichem Regress von besserm zu schlechterm Boden.

Bisher haben wir angenommen 1) dass der Preis in der einen Reihenfolge steigt, in der andern stationär bleibt, und 2) dass beständig vom besserm zum schlechterm oder umgekehrt von schlechterm zu besserm Boden fortgegangen wird.

Nehmen wir aber an, der Getreidebedarf steige von den ursprünglichen 10 auf 17 qrs.; ferner, der schlechteste Boden A werde verdrängt durch einen andern Boden A, der mit den Produktionskosten von 60 sh. (50 sh. Kost plus 10 sh. für 20 % Profit) 1⅓ qr. liefert, dessen Produktionspreis für den qr. also = 45 sh.; oder auch, der alte Boden A habe sich in Folge fortgesetzter rationeller Bebauung verbessert oder sei bei gleichbleibenden Kosten produktiver bebaut worden, z. B. durch Einführung von Klee etc., sodass sein Produkt bei gleichbleibendem Kapitalvorschuss auf 1⅓ qrs. steigt. Nehmen wir ferner an, die Bodenarten B, C, D lieferten nach wie vor dasselbe Produkt, aber es seien neue Boden arten A' von einer Fruchtbarkeit zwischen A und B, ferner B', B'' von einer Fruchtbarkeit zwischen B und C in Anbau gekommen; in diesem Falle würden folgende Phänomene stattfinden.

Erstens: Der Produktionspreis des qr. Weizen oder sein regulirender Marktpreis wäre gefallen von 60 auf 45 sh. oder um 25 %.

Zweitens: Es wäre gleichzeitig von fruchtbarerem zu unfruchtbarerem Boden und von weniger fruchtbarem zu fruchtbarerem fortgegangen worden. Der Boden A' ist fruchtbarer als A, aber unfruchtbarer als die bisher bebauten B, C, D; und B', B'' sind fruchtbarer als A, A' und B, aber unfruchtbarer als C und D. Es wäre also die Reihenfolge in Kreuz- und Querzügen gegangen; es wäre nicht zu absolut unfruchtbarerem Boden fortgegangen worden gegenüber A etc., aber zu relativ unfruchtbarerem, verglichen mit den bisher fruchtbarsten Bodenarten C und D; es wäre andrerseits nicht zu absolut fruchtbarerem Boden fortgegangen worden, aber zu relativ fruchtbarerem gegenüber den bisher unfruchtbarsten A, resp. A und B.

Drittens: Die Rente auf B wäre gefallen; ebenso die Rente von C und D; aber das Gesammtrental in Korn wäre gestiegen von 6 qrs. auf 7⅔; die Masse der bebauten und Rente tragenden Ländereien hätte zugenommen und die Masse des Produkts von 10 qrs. auf 17. Der Profit, wenn gleichbleibend für A, wäre in Korn ausgedrückt gestiegen; aber die Profitrate selbst hätte steigen können, weil der relative Mehrwerth. In diesem Fall wären wegen Verwohlfeilerung der Lebensmittel der Arbeitslohn, also die Auslage an variablem Kapital gefallen, also auch die Gesammtauslage. In Geld wäre das Gesammtrental gefallen von 360 sh. auf 345.

Wir wollen die neue Reihenfolge hierherstellen.

Tabelle II.

Waren endlich nur die Bodenarten A, B, C, D, nach wie vor kultivirt, aber ihre Ertragfähigkeit derart gesteigert worden, dass A statt 1 qrs. 2, B statt 2 qrs. 4, C statt 3 qrs. 7, und D statt 4 qrs. 10 producirt hätte, sodass also dieselben Ursachen verschieden auf die verschiednen Bodenarten gewirkt hätten, so wäre die Gesammtproduktion gestiegen von 10 qrs. auf 23. Nehmen wir an, dass die Nachfrage in Folge des Steigens der Bevölkerung und des Sinkens des Preises diese 23 qrs absorbirt hätte, so ergäbe sich folgendes Resultat: Tabelle III.

Die Zahlenverhältnisse sind hier, wie bei den übrigen Tabellen willkürlich, aber die Annahmen sind durchaus rationell.

Die erste und Hauptannahme ist, dass die Verbesserung in der Agrikultur auf verschiedne Bodenarten ungleichmäßig wirkt, und hier auf die besten Bodenarten C und D mehr wirkt als auf A und B. Die Erfahrung hat gezeigt, dass dies in der Regel sich so verhält, wenn auch der umgekehrte Fall eintreten kann. Wirkte die Verbesserung mehr auf den schlechtern Boden als auf den bessern, so wäre die Rente auf den letztren gefallen statt zu steigen. — Mit dem absoluten Wachsen der Fruchtbarkeit aller Bodenarten ist in der Tabelle aber zugleich vorausgesetzt das Wachsen der höhern relativen Fruchtbarkeit bei den bessern Bodenarten C und D, daher Wachsen der Differenz des Produkts bei gleicher Kapitalanlage, und daher Wachsen der Differentialrente.

Die zweite Voraussetzung ist, dass mit dem wachsenden Gesammtprodukt der Gesammtbedarf Schritt hält. Erstens braucht man sich das Wachsthum nicht als plötzlich erfolgt zu denken, sondern allmälig, bis die Reihe III hergestellt wird. Zweitens ist es falsch, dass der Konsum nothwendiger Lebensmittel nicht wächst mit ihrer Verwohlfeilerung. Die Abschaffung der Korngesetze in England (siehe Newman) hat das Gegentheil bewiesen, und die entgegengesetzte Vorstellung ist nur daher entstanden, dass grosse und plötzliche Unterschiede in den Ernten, die bloss dem Wetter geschuldet sind, in den Getreidepreisen bald unverhältnissmäßigen Fall, bald unverhältnissmäßiges Steigen hervor bringen. Wenn hier die plötzliche und kurzlebige Verwohlfeilerung nicht Zeit bekommt, ihre volle Wirkung auf Ausdehnung der Konsumtion auszuüben, so ist das Gegentheil der Fall, wo die Verwohlfeilerung aus dem Sinken des regulirenden Produktionspreises selbst hervorgeht, also von Dauer ist. Drittens: Ein Theil des Getreides kann als Branntwein oder Bier verzehrt werden. Und der steigende Konsum dieser beiden Artikel ist keineswegs in enge Grenzen gebunden. Viertens hängt die Sache theils vom Wachsthum der Bevölkerung ab, theils kann das Land ein Korn-Exportland sein, wie England bis über die Mitte des 18. Jahrhunderts hinaus noch war, sodass der Bedarf nicht durch die Grenzen der bloss nationalen Konsumtion regulirt ist. Endlich kann Vermehrung und Verwohlfeilerung der Produktion von Weizen die Folge haben, dass statt Roggen oder Hafer Weizen Hauptnahrungsmittel der Volksmasse wird, also schon dadurch der Markt dafür wächst, wie bei abnehmendem Produkt und zunehmendem Preis der umgekehrte Fall eintreten kann. — Unter diesen Voraussetzungen also und bei den angenommenen Zahlenverhältnissen gibt die Reihe III das Resultat, dass der Preis per qr. fällt von 60 auf 30 sh., also um 50 %, dass die Produktion, verglichen mit Reihe I, wächst von 10 auf 23 qrs., also um 130 %; dass die Rente auf Boden B stationär bleibt, auf C sich verdoppelt, und auf D sich mehr als verdoppelt, und dass das Gesammtrental steigt von 18 auf 22 £, also um 2219 %.

Es ergibt sich aus der Vergleichung der drei Tabellen (wovon Reihe I doppelt zu nehmen ist, von A zu D aufsteigend und von D zu A herabsteigend), die entweder als gegebne Abstufungen in einem gegebnen Zustand der Gesellschaft aufgefasst werden können — z. B. neben einander in drei verschiednen Ländern — oder als aufeinander folgend in verschiednen Zeitabschnitten der Entwicklung desselben Landes, es ergibt sich:

1) Dass die Reihe, wenn fertig — welches immer der Gang ihres Bildungsprocesses gewesen sein mag — immer so erscheint, dass sie absteigend ist; denn bei Betrachtung der Rente wird man immer zuerst ausgehn von dem Boden, der das Maximum von Rente trägt, und erst zuletzt zu dem kommen, der keine Rente trägt.

2) Der Produktionspreis des schlechtesten, keine Rente tragenden Bodens ist stets der regulirende Marktpreis, obgleich letztrer bei Tabelle I, wenn sie sich in aufsteigender Reihe bildete, nur dadurch stationär bliebe, dass immer besserer Boden bebaut würde. In diesem Falle ist der Preis des auf dem besten Boden produ cirten Korns in soweit regulirend, als es von dem davon producirten Quantum abhängt, wie weit der Boden A regulirend bleibt. Würden B, C, D über den Bedarf produciren, so hörte A auf regulirend zu sein. Dies schwebt Storch vor, wenn er die beste Bodenart zur regulirenden macht. In dieser Art regulirt der amerikanische Getreidepreis den englischen.

3) Die Differentialrente entspringt aus dem, für den jedesmal gegebnen Entwicklungsgrad der Kultur gegebnen Unterschied in der natürlichen Fruchtbarkeit der Bodenart (hier noch abgesehn von der Lage), also aus dem beschränkten Umfang der besten Ländereien, und dem Umstand, dass gleiche Kapitale angelegt werden müssen auf ungleiche Bodenarten, die also für dasselbe Kapital ungleiches Produkt abwerfen.

4) Das Vorhandensein einer Differentialrente und einer graduirten Differentialrente kann hervorgehn ebensogut in absteigender Stufenleiter, durch Fortgang von besserem Boden zu schlechterem, wie umgekehrt von schlechterem zu besserem, oder durch Kreuz- und Querzüge in abwechselnder Richtung. (Reihe I kann sich bilden durch Fortgang sowohl von D zu A wie von A zu D. Reihe II umfasst Bewegungen beider Art.)

5) Je nach ihrer Bildungsweise kann die Differentialrente bei stationärem, steigendem und fallendem Preis des Bodenprodukts sich ausbilden. Bei fallendem Preis kann die Gesammtproduktion und das Gesammtrental steigen, und sich Rente auf bisher rentelosen Ländereien bilden, obgleich der schlechteste Boden A durch bessern verdrängt oder selbst besser geworden ist, und obwohl die Rente auf andren bessren, und selbst den besten Bodenarten fällt (Tabelle II); dieser Process kann auch mit einem Fallen des Gesammtrentals (in Geld) verbunden sein. Endlich kann bei fallenden Preisen, die einer allgemeinen Verbesserung der Kultur geschuldet sind, sodass das Produkt und der Produktenpreis des schlechtesten Bodens fällt, die Rente auf einen Theil der bessern Bodenarten gleichbleiben oder fallen, aber auf den besten Bodenarten wachsen. Die Differentialrente jedes Bodens, verglichen mit dem schlechtesten Boden, hängt allerdings vom Preis z. B. des qr. Weizen ab, wenn die Differenz der Produktenmasse gegeben ist. Aber wenn der Preis gegeben ist, hängt sie ab von der Grösse der Differenz der Produktenmasse, und wenn bei steigender absoluter Fruchtbarkeit alles Bodens diejenige der bessern Bodensorten relativ mehr steigt als die der schlechtern, so wächst damit auch die Grösse dieser Differenz. So ist (Tabelle I) bei einem Preise von 60 sh. die Rente auf D bestimmt durch sein differentielles Produkt gegen A, also durch den Ueberschuss von 3 qrs.; die Rente ist daher = 3 × 60 = 180 sh. Aber in Tabelle III, wo der Preis = 30 sh., ist sie bestimmt durch die Masse des überschüssigen Produkts von D über A = 8 qrs.; aber 8 × 30 = 240 sh.

Es fällt hiermit die erste falsche Voraussetzung der Differentialrente fort, wie sie noch bei West, Malthus, Ricardo herrscht, dass sie nämlich nothwendig Fortgang zu stets schlechterm Boden voraussetzt oder stets abnehmende Fruchtbarkeit der Agrikultur. Sie kann, wie wir gesehn haben, stattfinden bei Fortgang zu stets besserm Boden; sie kann stattfinden, wenn ein besserer Boden, statt des frühern schlechtern, die unterste Stelle einnimmt; sie kann mit steigendem Fortschritt in der Agrikultur verbunden sein. Ihre Bedingung ist nur Ungleichheit der Bodenarten. Soweit die Entwicklung der Produktivität in Betracht kommt, unterstellt sie, dass die Steigerung der absoluten Fruchtbarkeit des Gesammtareals diese Ungleichheit nicht aufhebt, sondern sie entweder vermehrt oder stationär lässt oder nur vermindert.

Von Anfang bis Mitte des 18. Jahrhunderts herrschte in England, trotz des fallenden Preises von Gold oder Silber, fortwährendes Sinken der Getreidepreise neben gleichzeitigem (die ganze Periode betrachtet) Wachsen der Rente, des Rentals, des Umfangs der bebauten Ländereien, der agrikolen Produktion und der Bevölkerung. Dies entspricht der Tabelle I kombinirt mit Tabelle II in aufsteigender Linie, aber so, dass der schlechteste Boden A entweder verbessert oder aus der Bebauung mit Getreide hinausgeworfen wird; was jedoch nicht bedeutet, dass er nicht zu andern landwirthschaftlichen oder industriellen Zwecken benutzt wurde.

Von Anfang des 19. Jahrhunderts an (Datum näher anzugeben) bis 1815 fortwährendes Steigen der Getreidepreise, mit beständigem Wachsen der Rente, des Rentals, des Umfangs der bebauten Ländereien, der agrikolen Produktion und der Bevölkerung. Dies entspricht Tabelle I in absteigender Linie. (Es ist hier Citat anzuführen über die Bebauung schlechterer Ländereien in jener Zeit.)

Zu Petty’s und Davenants Zeit, Klagen der Landleute und Grundbesitzer über die Verbesserungen und Urbarmachungen; Fallen der Rente auf den bessern Ländereien, Steigen des Gesammtrentals durch Erweiterung des Rente tragenden Bodens.

(Zu diesen drei Punkten weitere Citate nachher zu geben; ebenso über die Differenz in der Fruchtbarkeit der verschiednen bebauten Bodentheile in einem Lande.)

Es ist bei der Differentialrente überhaupt zu bemerken, dass der Marktwerth immer über dem Gesammtproduktionspreis der Produktenmasse steht. Nehmen wir z. B. Tabelle I. Die 10 qrs. Gesammtprodukt werden verkauft zu 600 sh., weil der Marktpreis durch den Produktionspreis von A bestimmt ist, der 60 sh. per qr. beträgt. Der wirkliche Produktionspreis aber ist:

  • A 1 qrs. = 60 sh.; 1 qr. = 60 sh.
  • B 2 qrs. = 60 sh.; 1 qr. = 30 sh.
  • C 3 qrs. = 60 sh.; 1 qr. = 20 sh.
  • D 4 qrs. = 60 sh.; 1 qr. = 15 sh.
  • 10 qrs. = 240 sh.; Durchschnitt 1 qr. = 24 sh.

Der wirkliche Produktionspreis der 10 qrs. ist 240 sh.; sie werden verkauft zu 600, 250 % zu theuer. Der wirkliche Durchschnittspreis für 1 qr. ist 24 sh.; der Marktpreis 60 sh., ebenfalls 250 % zu theuer.

Es ist dies die Bestimmung durch den Marktwerth, wie er sich auf Basis der kapitalistischen Produktionsweise vermittelst der Konkurrenz durchsetzt; diese erzeugt einen falschen socialen Werth. Dies entspringt aus dem Gesetz des Marktwerths, dem die Bodenprodukte unterworfen werden. Die Bestimmung des Marktwerths der Produkte, also auch der Bodenprodukte, ist ein gesellschaftlicher Akt, wenn auch ein gesellschaftlich unbewusst und unabsichtlich vollzogner, der mit Nothwendigkeit auf dem Tauschwerth des Produkts beruht, nicht auf dem Boden und den Differenzen seiner Fruchtbarkeit. Denkt man sich die kapitalistische Form der Gesellschaft aufgehoben und die Gesellschaft als bewusste und planmäßige Association organisirt, so stellten die 10 qrs. ein Quantum selbständiger Arbeitszeit vor, gleich dem, das in 240 sh. enthalten ist. Die Gesellschaft würde also dies Bodenprodukt nicht erkaufen zu dem 2½ fachen der wirklichen Arbeitszeit die darin steckt; die Basis einer Klasse von Grundeigenthümern fiele damit weg. Es würde dies ganz ebenso wirken, wie eine Verwohlfeilerung des Produkts zu gleichem Betrag durch fremde Einfuhr. So richtig es daher ist zu sagen, dass — die jetzige Produktionsweise beibehalten, aber vorausgesetzt, dass die Differentialrente dem Staat zufiele — die Preise der Bodenprodukte bei sonst gleichbleibenden Umständen dieselben bleiben würden, so falsch ist es zu sagen, dass der Werth der Produkte derselbe bliebe bei Ersetzung der kapitalistischen Produktion durch Association. Die Dieselbigkeit des Marktpreises für Waaren derselben Art ist die Weise, worin sich der gesellschaftliche Charakter des Werths, auf Basis der kapitalistischen Produktionsweise, und überhaupt der auf Waarenaustausch zwischen Einzelnen beruhenden Produktion durchsetzt. Was die Gesellschaft, als Konsument betrachtet, zu viel zahlt für die Bodenprodukte, was ein Minus der Realisirung ihrer Arbeitszeit in Bodenproduktion bildet, bildet jetzt das Plus für einen Theil der Gesellschaft, die Grundeigenthümer.

Ein zweiter Umstand, wichtig für das unter II im nächsten Kapitel darzustellende, ist dieser:

Es handelt sich nicht nur um die Rente per Acre oder per Hektare, überhaupt um den Unterschied zwischen Produktionspreis und Marktpreis, oder zwischen individuellem und allgemeinem Produktionspreis per Acre, sondern es kommt auch darauf an, wie viel Acres von jeder Bodenart in Kultur sind. Die Wichtigkeit betrifft hier unmittelbar nur die Grösse des Rentals, d. h. der Totalrente der ganzen bebauten Fläche; es dient uns aber zugleich als Uebergang zur Entwicklung des Steigens der Rate der Rente, obgleich die Preise weder steigen, noch die Differenzen in der relativen Fruchtbarkeit der Bodenarten bei fallenden Preisen. Wir hatten oben: Tabelle I.

Nehmen wir nun an, die Zahl der bebauten Acres verdoppeln sich in jeder Klasse, so haben wir: Tabelle I a.

Wir wollen noch zwei Fälle annehmen, den ersten, dass die Pro duktion sich auf den beiden geringsten Bodenarten ausdehnt, also wie folgt: Tabelle I b. und schliesslich ungleiche Ausdehnung der Produktion und des bebauten Gebiets auf den vier Bodenklassen: Tabelle I c.

Zunächst bleibt in allen diesen Fällen I, I a, I b, I c die Rente per acre dieselbe; denn in der That ist das Ergebniss derselben Kapitalmasse auf je 1 Acre derselben Bodenart unverändert geblieben; es ist nur unterstellt, was in jedem Lande in jedem gegebnen Augenblick der Fall ist, nämlich dass die verschiednen Bodenarten in bestimmten Verhältnissen an dem gesammten bebauten Boden participiren; und was in zwei Ländern, verglichen mit einander, oder in demselben Lande in verschiednen Zeitpunkten, beständig der Fall ist, dass das Verhältniss wechselt, worin der bebaute Gesammtboden sich unter sie vertheilt.

Vergleichen wir I a mit I, so sehn wir, dass wenn der Anbau der Ländereien der vier Klassen in gleicher Proportion wächst, mit der Verdopplung der bebauten Acres sich die Gesammtproduktion verdoppelt, und ebenso Korn- und Geldrente.

Vergleichen wir aber I b und I c nacheinander mit I, so findet in beiden Fällen eine Verdreifachung in der der Kultur unterworfnen Bodenfläche statt. Sie steigt in beiden Fällen von 4 Acres auf 12, aber in I b nehmen Klasse a und b, von denen a keine Rente, und b die geringste Differentialrente trägt, den bedeutendsten Antheil am Zuwachs, nämlich von den 8 neubebauten Acres fallen je 3, zusammen 6, auf a und b, während nur je 1, zusammen 2, auf c und d fallen. In andren Worten: ¾ des Zuwachses fallen auf a und b, und nur ¼ auf c und d. Dies vorausgesetzt, entspricht in I b verglichen mit I, dem verdreifachten Umfang der Kultur kein verdreifachtes Produkt, denn das Produkt steigt von 10 nicht auf 30, sondern nur auf 26. Andrerseits, da ein bedeutender Theil des Zuwachses auf A stattfand, das keine Rente abwirft, und von dem Zuwachs auf die bessern Ländereien der Haupttheil auf Klasse B, so steigt die Kornrente nur von 6 auf 14 qrs. und die Geldrente von 18 auf 42 £.

Vergleichen wir dagegen I c mit I, wo der nicht Rente zahlende Boden gar nicht an Umfang wächst, der der Minimalrente nur schwach, während der Hauptzuwachs auf C und D fällt, so finden wir, dass mit der verdreifachten bebauten Bodenfläche die Produktion von 10 auf 36 qrs. gestiegen ist, also auf mehr als das Dreifache; die Kornrente von 6 auf 24 qrs., oder auf das Vierfache; und ebenso die Geldrente von 18 auf 72 £.

In allen diesen Fällen bleibt der Natur der Sache nach der Preis des Bodenprodukts stationär; in allen Fällen wächst das Gesammtrental mit der Ausdehnung der Kultur, soweit diese nicht ausschliesslich auf dem schlechtesten, keine Rente zahlenden Boden stattfindet. Aber dies Wachsen ist verschieden. Im Verhältniss, wie die Ausdehnung auf den bessern Bodenarten stattfindet und also die Produktenmasse nicht nur im Verhältniss zur Ausdehnung des Bodens, sondern rascher wächst, wächst Korn- und Geldrente. Im Verhältniss wie der schlechteste Boden und die ihm nächststehenden Bodenarten vorzugsweise an der Ausdehnung theilnehmen (wobei unterstellt, dass der schlechteste Boden konstante Klasse) steigt das Gesammtrental nicht im Verhältniss zur Ausdehnung der Kultur. Zwei Länder also gegeben, wo der keine Rente abwerfende Boden A von derselben Beschaffenheit ist, steht das Rental im umgekehrten Verhältniss zum aliquoten Theil, den die schlechteste und die minder guten Bodenarten im Gesammtareal des bebauten Bodens ausmachen, und daher auch im umgekehrten Verhältniss zur Masse des Produkts bei gleicher Kapitalanlage auf gleich grosse Gesammtflächen. Das Verhältniss zwischen der Quantität des schlechtesten bebauten Bodens und der des bessern, innerhalb der Gesammtbodenfläche eines Landes, wirkt also umgekehrt auf das Gesammtrental ein, wie das Verhältniss zwischen der Qualität des bebauten schlechtesten Bodens zu der des bessern und besten auf die Rente per Acre wirkt, und daher, bei sonst gleichen Umständen, auch auf das Rental. Die Verwechslung dieser beiden Momente hat zu allerlei verkehrten Einwürfen gegen die Differentialrente Anlass gegeben.

Das Gesammtrental wächst also durch blosse Ausbreitung der Kultur, und durch die damit verbundne ausgedehntere Anwendung von Kapital und Arbeit auf den Boden.

Aber der wichtigste Punkt ist dieser: Obgleich nach der Voraussetzung das Verhältniss der Renten der verschiednen Bodenarten, per Acre gerechnet, dasselbe bleibt, und daher auch die Rentrate, betrachtet mit Beziehung auf das für jeden Acre ausgelegte Kapital, so zeigt sich folgendes: Vergleichen wir I a mit I — den Fall wo die Zahl der bebauten Acres sich proportionell vermehrt hat und die Kapitalanlage auf denselben — so finden wir, dass wie die Gesammtproduktion proportionell zur vergrösserten Anbaufläche gewachsen ist, d. h. beide sich verdoppelt haben, dasselbe mit dem Rental der Fall ist. Es ist gestiegen von 18 auf 36 £, ganz wie die Zahl der acres von 4 auf 8.

Nehmen wir die Gesammtfläche von 4 Acres, so betrug das Gesammtrental darauf 18 £, also die Durchschnittsrente, eingerechnet den Boden, der keine Rente trägt, 4½ £. So könnte z. B. ein Grundeigenthümer rechnen, dem alle 4 Acres gehörten; und so wird die Durchschnittsrente auf ein ganzes Land statistisch berechnet. Das Gesammtrental von 18 £ ergibt sich bei Anwendung eines Kapitals von 10 £. Das Verhältniss dieser beiden Zahlen nennen wir die Rentrate; hier also 180 %.

Dieselbe Rentrate ergibt sich bei I a, wo 8 statt 4 Acres bebaut sind, aber alle Bodenarten im gleichen Verhältniss am Zuwachs theilgenommen haben. Das Gesammtrental von 36 £ ergibt bei 8 Acres und 20 £ angewandtem Kapital eine Durchschnittsrente von 4½ £ per Acre und eine Rentrate von 180 %.

Betrachten wir dagegen Ib, wo der Zuwachs hauptsächlich auf den beiden geringern Bodenarten stattgefunden, so haben wir eine Rente von 42 £ auf 12 Acres, also eine Durchschnittsrente von 3½ £ per Acre. Das ausgelegte Gesammtkapital ist 30 £, also die Rentrate = 140 %. Die Durchschnittsrente per Acre hat also abgenommen um 1 £, und die Rentrate ist gefallen von 180 auf 140 %. Es findet hier also, bei Wachsen des Gesammtrentals von 18 £ auf 42 £, Sinken der Durchschnittsrente statt, sowohl per Acre wie aufs Kapital berechnet; ebenso wie die Produktion wächst, aber nicht proportional. Es findet dies statt, obgleich die Rente auf allen Bodenarten, sowohl per Acre wie auf das ausgelegte Kapital berechnet, dieselbe bleibt. Es findet dies statt, weil ¾ des Zuwachses auf Boden A, der keine Rente trägt, und auf Boden B fallen, der nur die Minimalrente trägt.

Hätte im Fall Ib die Gesammtausdehnung nur auf Boden A stattgefunden, so hätten wir 9 Acres auf A, 1 auf B, 1 auf C und 1 auf D. Das Gesammtrental wäre nach wie vor 18 £, die Durchschnittsrente per Acre auf die 12 Acres also 1½ £; und 18 £ Rente auf 30 £ ausgelegtes Kapital, also eine Rentrate von 60 %. Die mittlere Rente, sowohl per Acre berechnet wie auf das angewandte Kapital, hätte sehr abgenommen, während das Gesammtrental nicht gewachsen wäre.

Vergleichen wir endlich I c mit I und I b. Verglichen mit I hat sich die Bodenfläche verdreifacht, und ebenso das ausgelegte Kapital. Das Gesammtrental ist 72 £ auf 12 Acres, also 6 £ per Acre gegen 4½ £ im Fall I. Die Rentrate auf das ausgelegte Kapital (72 £ : 30 £) ist 240 % statt 180 %. Das Gesammtprodukt ist gestiegen von 10 auf 36 qrs.

Verglichen mit Ib, wo die Gesammtzahl der bebauten Acres, das angewandte Kapital und die Differenzen zwischen den bebauten Bodenarten dieselben, aber die Vertheilung anders, ist das Produkt 36 qrs. statt 26 qrs., die Durchschnittsrente per Acre 6 £ statt 3½, und die Rentrate mit Bezug auf das vorgeschossne gleichgrosse Gesammtkapital 240 % statt 140 %.

Einerlei ob wir die verschiednen Zustände in Tabelle I a, I b, I c als gleichzeitig nebeneinander bestehende Zustände in verschiednen Ländern, oder als successive Zustände in demselben Land betrachten, ergibt sich aus dieser Darstellung: Bei stationärem Preis des Getreides, weil gleichbleibendem Ertrag des schlechtesten, rentelosen Bodens; bei gleichbleibender Differenz in der Fruchtbarkeit der verschiednen bebauten Bodenklassen; bei gleich grossem respektivem Produkt daher von gleichgrosser Kapitalanlage auf gleiche aliquote Theile (Acres) der in jeder Bodenklasse bebauten Flächen; bei konstantem Verhältniss daher zwischen den Renten per Acre jeder Bodenart und bei gleicher Rentrate auf das in jedem Bodentheil derselben Art angelegte Kapital: Erstens wächst das Rental stets mit Erweiterung der bebauten Fläche und daher mit vermehrter Kapitalanlage, mit Ausnahme des Falls, wo der ganze Zuwachs auf den rentelosen Boden käme. Zweitens kann sowohl die Durchschnittsrente per Acre (Gesammtrental dividirt durch Gesammtzahl der bebauten Acres) wie die Durchschnitts-Rentrate (Gesammtrental dividirt durch das ausgelegte Gesammtkapital) sehr bedeutend variiren; und zwar beide in derselben Richtung, aber unter sich selbst wieder in verschiednen Proportionen. Lässt man den Fall ausser Acht, wo der Zuwachs nur auf dem rentelosen Boden A stattfindet, so ergibt sich, dass die Durchschnittsrente per Acre und die Durchschnittsrentrate auf das in der Agrikultur angelegte Kapital abhängen von den proportionellen Antheilen, welche die verschiednen Bodenklassen in der bebauten Gesammtfläche ausmachen; oder was auf dasselbe hinauskommt, von der Vertheilung des angewandten Gesammtkapitals auf die Bodenarten von verschiedner Fruchtbarkeit. Ob viel oder wenig Land angebaut ist, und daher (mit Ausnahme des Falls, wo der Zuwachs nur auf A kommt) das Gesammtrental grösser oder kleiner ist, die Durchschnittsrente per Acre oder die Durchschnittsrentrate aufs angewandte Kapital bleibt dieselbe, so lange die Proportionen der Betheiligung der verschiednen Bodenarten an der Gesammtfläche konstant bleiben. Trotz des Steigens, und selbst des bedeutenden Steigens des Gesammtrentals mit Erweiterung der Kultur und wachsender Kapitalanlage, fällt die Durchschnittsrente per Acre und die Durchschnittsrentrate aufs Kapital, wenn die Ausdehnung der rentelosen und der nur geringe Differentialrente tragenden Ländereien mehr wächst als die der bessern, höhere Rente tragenden. Umgekehrt steigt die Durchschnittsrente per Acre und die Durchschnittsrentrate aufs Kapital, im Maß wie die bessern Ländereien einen verhältnissmäßig grössern Antheil der Gesammtfläche ausmachen, und daher verhältnissmäßig mehr Kapitalanlage auf sie fällt.

Betrachtet man also die Durchschnittsrente per Acre oder Hektare des gesammten bebauten Bodens, wie es meist geschieht in statistischen Werken, indem man entweder verschiedne Länder in derselben Epoche, oder verschiedne Epochen in demselben Lande vergleicht, so sieht man, dass die Durchschnittshöhe der Rente per Acre, und daher auch das Gesammtrental, in gewissen (wenn auch keineswegs gleichen, sondern vielmehr rascheren Schritt gehenden) Proportionen entspricht, nicht der relativen, sondern der absoluten Fruchtbarkeit der Agrikultur in einem Lande, d. h. der Masse der Produkte, die es durchschnittlich auf gleicher Fläche liefert. Denn je grössern Antheil der Gesammtfläche die bessern Bodenarten ausmachen, desto grösser ist die Produktenmasse bei gleicher Kapitalanlage und auf gleich grosser Bodenfläche; und desto grösser ist die Durchschnittsrente per Acre. Umgekehrt, umgekehrt. So scheint die Rente nicht durch das Verhältniss der Differential fruchtbarkeit, sondern durch die absolute Fruchtbarkeit bestimmt, und damit das Gesetz der Differentialrente aufgehoben. Es werden daher gewisse Phänomene geleugnet, oder auch wohl durch nicht existirende Unterschiede in den Durchschnitts-Getreidepreisen und der Differentialfruchtbarkeit der bebauten Ländereien zu erklären gesucht, Phänomene, die einfach ihren Grund darin haben, dass das Verhältniss des Gesammtrentals, sei es zur Gesammtfläche des angebauten Bodens, sei es zu dem im Boden angelegten Gesammtkapital, bei gleicher Fruchtbarkeit des rentelosen Bodens, daher gleichen Produktionspreisen, und bei gleicher Differenz zwischen den verschiednen Bodenarten, nicht nur bestimmt ist durch die Rente per Acre oder durch die Rentrate aufs Kapital, sondern ebenso sehr durch die verhältnissmäßige Anzahl der Acres jeder Bodenart in der Gesammtzahl der bebauten Acres; oder was auf dasselbe hinauskommt, durch die Vertheilung des angewandten Gesammtkapitals unter die verschiednen Bodenarten. Dieser Umstand ist bisher, sonderbarer Weise ganz übersehn worden. Jedenfalls zeigt sich, und dies ist für den Fortgang unsrer Untersuchung wichtig, dass die verhältnissmäßige Höhe der Durchschnittsrente per Acre, und die Durchschnittsrentrate, oder das Verhältniss des Gesammtrentals zu dem im Boden angelegten Gesammtkapital, steigen oder fallen kann bei gleichbleibenden Preisen, gleichbleibender Differenz in der Fruchtbarkeit der bebauten Ländereien, und gleichbleibender Rente per Acre, resp. Rentrate für das per Acre angelegte Kapital in jeder, wirklich Rente tragenden, Bodenklasse, resp. für alles wirklich Rente tragende Kapital, durch blosse extensive Ausdehnung der Kultur.

Es sind noch folgende Zusätze zu machen, die zum Theil auch auf II passen, mit Bezug auf die unter I betrachtete Form der Differentialrente.

Erstens: Man hat gesehn, wie die Durchschnittsrente per Acre oder die Durchschnittsrentrate aufs Kapital steigen kann bei Ausbreitung der Kultur, stationären Preisen und gleichbleibender Differentialfruchtbarkeit der bebauten Ländereien. Sobald aller Boden in einem Land angeeignet ist, Kapitalanlage auf den Boden, Kultur und Bevölkerung eine bestimmte Höhe erreicht haben — Umstände, die alle vorausgesetzt sind, sobald die kapitalistische Produktionsweise zur herrschenden wird und sich auch der Agrikultur bemächtigt, ist der Preis des nichtbebauten Bodens der verschiednen Qualitäten (bloss die Differentialrente vorausgesetzt) bestimmt durch den Preis der bebauten Ländereien von gleicher Bonität und äquivalenter Lage. Der Preis ist derselbe — nach Abzug der hinzukommenden Kosten der Urbarmachung — obgleich dieser Boden keine Rente trägt. Der Preis des Bodens ist zwar nichts als die kapitalisirte Rente. Aber auch bei den bebauten Ländereien werden im Preise nur künftige Renten bezahlt, z. B. zwanzigjährige Renten auf einen Schlag vorausbezahlt, wenn der maßgebende Zinsfuss 5 % ist. Sobald Boden verkauft wird, wird er als Rente tragender verkauft, und der prospektive Charakter der Rente (die hier als Bodenfrucht, was sie nur dem Schein nach ist, betrachtet wird) unterscheidet den unbebauten Boden nicht vom bebauten. Der Preis der unbebauten Ländereien, wie ihre Rente, deren zusammengezogne Formel er darstellt, ist rein illusorisch, solange die Ländereien nicht wirklich verwendet werden. Aber er ist so a priori bestimmt und wird realisirt, sobald sich Käufer finden. Wenn daher die wirkliche Durchschnittsrente eines Landes durch sein wirkliches durchschnittliches jährliches Rental und sein Verhältniss zu der gesammten bebauten Fläche bestimmt ist, so ist der Preis des nicht bebauten Bodentheils bestimmt durch den Preis des bebauten, und ist daher nur ein Reflex der Kapitalanlage und ihrer Resultate in den bebauten Ländereien. Da mit Ausnahme des schlechtesten Bodens alle Bodenarten Rente tragen (und diese Rente, wie wir unter II sehn werden, mit der Masse des Kapitals und der ihr entsprechenden Intensität der Kultur steigt), bildet sich so der nominelle Preis für die nicht bebauten Bodentheile, und werden sie so zu einer Waare, einer Quelle des Reichthums für ihre Besitzer. Es erklärt dies zugleich, warum der Bodenpreis des gesammten Gebiets, auch des nichtbebauten wächst. (Opdyke.) Die Landspekulation, z. B. in den Vereinigten Staaten, beruht nur auf diesem Reflex, den das Kapital und die Arbeit auf den unbebauten Boden werfen.

Zweitens. Der Fortgang in der Ausdehnung des bebauten Bodens überhaupt findet entweder statt zu schlechterm Boden, oder auf den verschiednen gegebnen Bodenarten in verschiednen Verhältnissen, je nachdem sie sich vorfinden. Der Fortgang zu schlechterm Boden geschieht natürlich nie aus freier Wahl, sondern kann — kapitalistische Produktionsweise vorausgesetzt — nur Folge steigender Preise, und bei jeder Produktionsweise, nur Folge der Nothwendigkeit sein. Dies jedoch nicht unbedingt. Schlechter Boden wird relativ besserm vorgezogen wegen der Lage, die bei aller Ausbreitung der Kultur in jungen Ländern entscheidend ist; dann aber auch weil, obgleich die Bodenformation eines gewissen Strichs im ganzen zu dem fruchtbareren gehört, dennoch im einzelnen besserer und geringerer Boden bunt durcheinander gewürfelt sind, und der geringre Boden, schon seines Zusammenhangs mit dem bessern halber, der Kultur unterworfen werden muss. Bildet der schlechtre Boden Einschlüsse in den bessern, so gibt ihm der bessre den Vortheil der Lage gegen fruchtbareres Land, das nicht im Zusammenhang mit dem bereits der Kultur unterworfnen oder zu unterwerfenden steht.

So war der Staat Michigan einer der ersten der westlichen Staaten, der kornausführend wurde. Sein Boden ist im ganzen arm. Aber seine Nachbarschaft zum Staate New-York und seine Wasserverbindungen vermittelst der Seen und des Erie-Kanals gaben ihm zunächst den Vorzug vor den von Natur fruchtbareren, weiter westlich gelegnen Staaten. Das Beispiel dieses Staats, im Vergleich zum Staat New-York zeigt uns auch den Uebergang von besserm zu schlechtern Boden. Der Boden des Staates New-York, namentlich der westliche Theil, ist ungleich fruchtbarer, besonders für den Weizenbau. Durch Raubbau wurde dieser fruchtbare Boden unfruchtbar gemacht, und nun erschien der Boden von Michigan fruchtbarer.

„1836 wurde Weizenmehl in Buffalo nach dem Westen verschifft, hauptsächlich von der Weizenregion von New-York und Ober-Canada. Gegenwärtig, nach nur 12 Jahren, werden ungeheure Vorräthe von Weizen und Mehl vom Westen hergebracht, den Erie-See entlang, und auf dem Erie-Kanal, in Buffalo und dem benachbarten Hafen Blackrock, nach Osten verschifft. Besonders wurde der Export von Weizen und Mehl stimulirt durch die europäische Hungersnoth von 1847. Dadurch wurde der Weizen im westlichen New-York wohlfeiler, und der Weizenbau weniger einträglich gemacht; dies veranlasste die New-Yorker Farmers sich mehr auf Viehzucht und Milchwirthschaft, Obstbau u. s. w. zu werfen, auf Zweige, worin nach ihrer Ansicht der Nordwesten ausser Stande sein wird, direkt mit ihnen zu konkuriren.“ (J. W. Johnston, Notes on North America. London 1851. I. p. 222.)

Drittens. Es ist eine falsche Voraussetzung, dass der Boden in Kolonien und überhaupt in jungen Ländern, die Korn zu wohlfeileren Preisen ausführen können, desswegen nothwendig von grösserer natürlicher Fruchtbarkeit ist. Das Getreide wird hier nicht nur unter seinem Werth, sondern unter seinem Produktionspreis verkauft, nämlich unter dem durch die Durchschnittsprofitrate in den ältern Ländern bestimmten Produktionspreis.

Wenn wir, wie Johnston sagt (p. 223) „gewohnt sind mit diesen neuen Staaten, von denen solche grosse Zufuhren von Weizen jährlich nach Buffalo kommen, die Vorstellung grosser natürlicher Fruchtbarkeit und endloser Gebiete reichen Bodens zu verknüpfen,“ so hängt dies ab zunächst von ökonomischen Zuständen. Die ganze Bevölkerung eines solchen Landes, wie z. B. Michigan, ist anfangs fast ausschliesslich mit der Landwirthschaft beschäftigt, und namentlich mit deren Massenprodukten, die allein sie gegen Industriewaaren und tropische Produkte austauschen kann. Ihr ganzes überschüssiges Produkt erscheint daher in der Gestalt von Korn. Es unterscheidet dies von vornherein die auf Grundlage des modernen Weltmarkts gegründeten Kolonialstaaten von denen früherer und speciell der antiken Zeit. Sie erhalten fertig, durch den Weltmarkt, Produkte, die sie unter andern Umständen selbst schaffen müssten, Kleidung, Werkzeuge etc. Nur auf solcher Grundlage konnten die südlichen Staaten der Union Baumwolle zu ihrem Hauptprodukt machen. Die Theilung der Arbeit auf dem Weltmarkt erlaubt ihnen das. Wenn sie daher, ihre Neuheit und die relativ schwache Zahl ihrer Bevölkerung betrachtet, ein sehr grosses überschüssiges Produkt zu produciren scheinen, so ist dies nicht der Fruchtbarkeit ihres Bodens geschuldet, auch nicht der Fruchtbarkeit ihrer Arbeit, sondern der einseitigen Form ihrer Arbeit, und daher des überschüssigen Produkts, worin diese sich darstellt.

Ferner aber hat relativ weniger fruchtbarer Ackerboden, der aber erst neu bebaut wird und noch durch keine Kultur beleckt war, bei nicht durchaus ungünstigen klimatischen Verhältnissen, wenigstens in den obern Schichten soviel leichtlösliche Pflanzennährstoffe aufgehäuft, dass er für längre Zeit Ernten ohne Düngung gibt, und zwar bei schon ganz oberflächlicher Bebauung. Bei den westlichen Prairien kommt hinzu, dass sie kaum irgend welche Urbarmachungskosten erheischen, sondern die Natur sie urbar gemacht hat.1 In minder fruchtbaren Gebieten dieser Art kommt der Ueberschuss heraus, nicht durch die hohe Fruchtbarkeit des Bodens, also durch den Ertrag per Acre, sondern durch die Masse der Acres, die in oberflächlicher Weise bebaut werden kann, da dieser Boden dem Bebauer nichts, oder, mit ältern Ländern verglichen, nur verschwindend wenig kostet. Z. B. wo der Metairie-Vertrag existirt, wie in Theilen von New-York, Michigan, Canada etc. Eine Familie bebaut oberflächlich, sage 100 Acres, und obgleich das Produkt per Acre nicht gross, gewährt das von 100 Acres einen bedeutenden Ueberschuss zum Verkauf. Dazu kommt noch die fast kostenlose Viehhaltung auf natürlichen Weiden, ohne künstliche Graswiesen. Was hier entscheidet, ist nicht die Qualität, sondern die Quantität des Bodens. Die Möglichkeit dieser oberflächlichen Bebauung wird natürlich mehr oder minder rasch erschöpft im umgekehrten Verhältniss zur Fruchtbarkeit des neuen Bodens, und im direkten Verhältniss zur Ausfuhr seines Produkts. „Und dennoch wird solch ein Land ausgezeichnete erste Ernten geben, selbst von Weizen; wer den ersten Rahm vom Boden abschöpft, wird einen reichlichen Ueberschuss von Weizen zu Markte senden können.“ (l. c., p. 224.) In Ländern älterer Kultur machen die Eigenthumsverhältnisse, der durch den Preis des bebauten Bodens bestimmte Preis des unbebauten u. s. w., derartige extensive Wirthschaft unmöglich.

Dass desswegen weder, wie Ricardo sich dies vorstellt, dieser Boden sehr fruchtbar sein muss, noch nur Bodenarten gleicher Fruchtbarkeit bebaut werden, ersieht man aus folgendem: Im Staat Michigan wurden 1848 mit Weizen besät 465900 Acres und producirten 4739300 Bushels, oder im Durchschnitt 10⅕ Bushels per Acre; dies ergibt nach Abzug des Saatkorns weniger als 9 Bushel per Acre. Von den 29 Counties des Staats producirten 2 durchschnittlich 7 Bush., 3—8, 2—9, 7—10, 6—11, 3—12, 4—13 Bush., und nur eine 16, und eine andre 18 Bush. per Acre. (l. c., p. 226.)

Für die praktische Kultur fällt höhere Fruchtbarkeit des Bodens zusammen mit höherer sofortiger Ausnutzbarkeit dieser Fruchtbarkeit. Die letztre kann bei einem von Natur armen Boden grösser sein als bei einem von Natur reichen; es ist aber die Sorte Boden, wozu der Kolonist zunächst greifen wird, und bei Ermanglung von Kapital greifen muss.

Endlich: Die Ausdehnung der Kultur auf grössre Bodenflächen — abgesehn von dem eben betrachteten Fall, wo zu schlechterem Boden Zuflucht genommen werden muss als dem bisher bebauten — auf den verschiednen Bodenarten von A bis D, also z. B. die Bebauung grösserer Flächen von B und C, setzt keineswegs vorheriges Steigen der Getreidepreise voraus, sowenig wie die jährlich vorangehende Erweiterung z. B. der Baumwollspinnerei ein fortwährendes Steigen der Garnpreise erheischt. Obgleich bedeutendes Steigen oder Fallen der Marktpreise auf den Produktionsumfang einwirkt, so findet doch, hiervon abgesehn, auch bei den Durchschnittspreisen, deren Stand auf die Produktion weder hemmend noch ausnahmsweis ermunternd wirkt, in der Agrikultur (wie in allen andren Produktionszweigen, die kapitalistisch betrieben werden) fortwährend jene relative Ueberproduktion statt, die an sich identisch ist mit der Akkumulation, und die bei andrer Produktionsweise direkt durch die Vermehrung der Bevölkerung, und in Kolonien durch fortwährende Einwanderung bewirkt wird. Der Bedarf wächst beständig, und in dieser Voraussicht wird fortwährend neues Kapital in neuem Boden angelegt; obgleich je nach Umständen für verschiedne Bodenprodukte. Es ist die Bildung neuer Kapitale, die dies an und für sich mit sich bringt. Was aber den einzelnen Kapitalisten betrifft, so misst er den Umfang seiner Produktion durch den seines disponiblen Kapitals, soweit er es noch selbst überwachen kann. Was er im Auge hat ist, soviel Platz wie möglich auf dem Markt einzunehmen. Wird überproducirt, so schiebt er die Schuld nicht sich, sondern seinen Konkurrenten zu. Der einzelne Kapitalist kann seine Produktion ausdehnen, ebensowohl indem er einen grössern aliquoten Theil des gegebnen Markts sich aneignet, als indem er den Markt selbst erweitert.