Erstes Kapitel. Waare und Geld.
1) Die Waare.
Der Reichthum der Gesellschaften, in welchen kapitalistische Produktionsweise herrscht, erscheint als eine „ungeheure Waarensammlung“1, die einzelne Waare als seine Elementarform. Unsere Untersuchung beginnt daher mit der Analyse der Waare.
Die Waare ist zunächst ein äusserer Gegenstand, ein Ding, das durch seine Eigenschaften menschliche Bedürfnisse irgend einer Art befriedigt. Die Natur dieser Bedürfnisse, ob sie z. B. dem Magen oder der Phantasie entspringen, ändert nichts an der Sache2. Es handelt sich hier auch nicht darum, wie die Sache das menschliche Bedürfniss befriedigt, ob unmittelbar als Lebensmittel, d. h. als Gegenstand des Genusses, oder auf einem Umweg, als Produktionsmittel.
Jedes nützliche Ding, wie Eisen, Papier u. s. w., ist unter doppeltem Gesichtspunkt zu betrachten, nach Qualität und Quantität. Jedes solche Ding ist ein Ganzes vieler Eigenschaften und kann daher nach verschiedenen Seiten nützlich sein. Diese verschiedenen Seiten und daher die mannigfachen Gebrauchsweisen der Dinge zu entdecken, ist geschichtliche That3. So ist die Findung gesellschaftlicher Masse für die Quantität der nützlichen Dinge. Die Verschiedenheit der Waarenmasse entspringt theils aus der verschiedenen Natur der zu messenden Gegenstände, theils aus Convention.
Die Nützlichkeit eines Dings für das menschliche Leben macht es zum Gebrauchswerth4. Abkürzend nennen wir das nützliche Ding selbst oder den Waarenkörper, wie Eisen, Weizen, Diamant u. s. w., Gebrauchswerth, Gut, Artikel. Bei Betrachtung der Gebrauchswerthe wird stets quantitative Bestimmtheit vorausgesetzt, wie Dutzend Uhren, Elle Leinwand, Tonne Eisen u. s. w. Die Gebrauchswerthe der Waaren liefern das Material einer eignen Disciplin, der Waarenkunde5. Der Gebrauchswerth verwirklicht sich nur im Gebrauch oder der Consumtion. Gebrauchswerthe bilden den stofflichen Inhalt des Reichthums, welches immer seine gesellschaftliche Form sei. In der von uns zu betrachtenden Gesellschaftsform bilden sie zugleich die stofflichen Träger des — Tauschwerths.
Der Tauschwerth erscheint zunächst als das quantitative Verhältniss, die Proportion, worin sich Gebrauchswerthe einer Art gegen Gebrauchswerthe anderer Art austauschen6, ein Verhältniss, das beständig mit Zeit und Ort wechselt. Der Tauschwerth scheint daher etwas Zufälliges und rein Relatives, ein der Waare innerlicher, immanenter Tauschwerth (valeur intrinsèque) also eine contradictio in adjecto 7. Betrachten wir die Sache näher.
Eine einzelne Waare, ein Quarter Weizen z. B. tauscht sich in den verschiedensten Proportionen mit andern Artikeln aus. Dennoch bleibt sein Tauschwerth unverändert, ob in x Stiefelwichse, y Seide, z Gold u. s. w. ausgedrückt. Er muss also von diesen seinen verschiedenen Ausdrucksweisen unterscheidbar sein.
Nehmen wir ferner zwei Waaren, z. B. Weizen und Eisen. Welches immer ihr Austauschverhältniss, es ist stets darstellbar in einer Gleichung, worin ein gegebenes Quantum Weizen irgend einem Quantum Eisen gleichgesetzt wird, z. B. 1 Quarter Weizen = a Ctr. Eisen. Was besagt diese Gleichung? Dass derselbe Werth in zwei verschiednen Dingen, in 1 Qrtr. Weizen und ebenfalls in a Ctr. Eisen existirt. Beide sind also gleich einem Dritten, das an und für sich weder das eine, noch das andere ist. Jedes der beiden, soweit es Tauschwerth, muss also, unabhängig von dem andern, auf diess Dritte reducirbar sein.
Ein einfaches geometrisches Beispiel veranschauliche diess. Um den Flächeninhalt aller gradlinigen Figuren zu bestimmen und zu vergleichen, löst man sie in Dreiecke auf. Das Dreieck selbst reducirt man auf einen von seiner sichtbaren Figur ganz verschiednen Ausdruck — das halbe Produkt seiner Grundlinie mit seiner Höhe. Ebenso sind die Tauschwerthe der Waaren zu reduciren auf ein Gemeinsames, wovon sie ein Mehr oder Minder darstellen.
Dass die Substanz des Tauschwerths ein von der physisch-handgreiflichen Existenz der Waare oder ihrem Dasein als Gebrauchswerth durchaus Verschiednes und Unabhängiges, zeigt ihr Austauschverhältniss auf den ersten Blick. Es ist charakterisirt eben durch die Abstraktion vom Gebrauchswerth. Dem Tauschwerth nach betrachtet ist nämlich eine Waare grade so gut als jede andre, wenn sie nur in richtiger Proportion vorhanden ist8.
Unabhängig von ihrem Austauschverhältniss oder von der Form, worin sie als Tausch-Werthe erscheinen, sind die Waaren daher zunächst als Werthe schlechthin zu betrachten9.
Als Gebrauchsgegenstände oder Güter sind die Waaren körperlich verschiedne Dinge. Ihr Werth sein bildet dagegen ihre Einheit. Diese Einheit entspringt nicht aus der Natur, sondern aus der Gesellschaft. Die gemeinsame gesellschaftliche Substanz, die sich in verschiednen Gebrauchswerthen nur verschieden darstellt, ist — die Arbeit.
Als Werthe sind die Waaren nichts als krystallisirte Arbeit. Die Masseinheit der Arbeit selbst ist die einfache Durchschnittsarbeit, deren Charakter zwar in verschiednen Ländern und Kulturepochen wechselt, aber in einer vorhandnen Gesellschaft gegeben ist. Komplicirtere Arbeit gilt nur als potenzirte oder vielmehr multiplicirte einfache Arbeit, so dass z. B. ein kleineres Quantum komplicirter Arbeit gleich einem grösseren Quantum einfacher Arbeit. Wie diese Reduktion geregelt wird, ist hier gleichgültig. Dass sie beständig vorgeht, zeigt die Erfahrung. Eine Waare mag das Produkt der komplicirtesten Arbeit sein. Ihr Werth setzt sie dem Produkt einfacher Arbeit gleich und stellt daher selbst nur ein bestimmtes Quantum einfacher Arbeit dar.
Ein Gebrauchswerth oder Gut hat also nur einen Werth, weil Arbeit in ihm vergegenständlicht oder materialisirt ist. Wie nun die Grösse seines Werthes messen? Durch das Quantum der in ihm enthaltenen „werthbildenden Substanz“, der Arbeit. Die Quantität der Arbeit selbst misst sich an ihrer Zeitdauer und die Arbeitszeit besitzt wieder ihren Massstab an bestimmten Zeittheilen, wie Stunde, Tag u. s. w.
Es könnte scheinen, dass wenn der Werth einer Waare durch das während ihrer Produktion verausgabte Arbeitsquantum bestimmt ist, je fauler oder ungeschickter ein Mann, desto werthvoller seine Waare, weil er desto mehr Arbeitszeit zu ihrer Verfertigung braucht. Aber nur die gesellschaftlich nothwendige Arbeitszeit zählt als werthbildend. Gesellschaftlich nothwendige Arbeitszeit ist Arbeitszeit, erheischt um irgend einen Gebrauchswerth mit den vorhandnen gesellschaftlich - normalen Produktionsbedingungen und dem gesellschaftlichen Durchschnittsgrad von Geschick und Intensivität der Arbeit herzustellen. Nach der Einführung des Dampfwebstuhls in England z. B. genügte vielleicht halb so viel Arbeit als vorher, um ein gegebenes Quantum Garn in Gewebe zu verwandeln. Der englische Handweber brauchte zu dieser Verwandlung in der That nach wie vor dieselbe Arbeitszeit, aber das Produkt seiner individuellen Arbeitsstunde stellte jetzt nur noch eine halbe gesellschaftliche Arbeitsstunde dar und fiel daher auf die Hälfte seines früheren Werths.
Es ist also nur das Quantum gesellschaftlich nothwendiger Arbeit oder die zur Herstellung eines Gebrauchswerths gesellschaftlich nothwendige Arbeitszeit, welche seine Werthgrösse bestimmt. Die einzelne Waare gilt hier überhaupt als Durchschnittsexemplar ihrer Art10. Waaren, worin gleich grosse Arbeitsquanta enthalten sind, oder die in derselben Arbeitszeit hergestellt werden können, haben daher dieselbe Werthgrösse. Der Werth einer Waare verhält sich zum Werth jeder andern Waare, wie die zur Produktion der einen nothwendige Arbeitszeit zu der für die Produktion der andern nothwendigen Arbeitszeit. „Als Werthe sind alle Waaren nur bestimmte Masse festgeronnener Arbeitszeit“11.
Die Werthgrösse einer Waare bliebe daher constant, wäre die zu ihrer Produktion erheischte Arbeitszeit constant. Letztere wechselt aber mit jedem Wechsel in der Produktivkraft der Arbeit. Die Produktivkraft der Arbeit ist durch mannigfache Umstände bestimmt, unter andern durch den Durchschnittsgrad des Geschickes der Arbeiter, die Entwicklungsstufe der Wissenschaft und ihrer technologischen Anwendbarkeit, die gesellschaftliche Combination des Produktionsprozesses, den Umfang und die Wirkungsfähigkeit der Produktionsmittel, und durch Naturverhältnisse. Dasselbe Quantum Arbeit stellt sich z. B. mit günstiger Jahreszeit in 8 Bushel Weizen dar, mit ungünstiger in nur 4. Dasselbe Quantum Arbeit liefert mehr Metalle in reichhaltigen, als in armen Minen u. s. w. Diamanten kommen selten in der Erdrinde vor und ihre Findung kostet daher im Durchschnitt viel Arbeitszeit. Folglich stellen sie in wenig Volumen viel Arbeit dar. Jacob bezweifelt, dass Gold jemals seinen vollen Werth bezahlt hat. Noch mehr gilt diess vom Diamant. Nach Eschwege hatte 1823 die achtzigjährige Gesammtausbeute der brasilischen Diamantgruben noch nicht den Werth des 1½jährigen Durchschnittsprodukts der brasilischen Zucker- oder Kaffeepflanzungen erreicht. Mit reichhaltigeren Gruben würde dasselbe Arbeitsquantum sich in mehr Diamanten darstellen und ihr Werth sinken. Gelingt es mit wenig Arbeit Kohle in Diamant zu verwandeln, so kann sein Werth unter den von Ziegelsteinen fallen. Allgemein: Je grösser die Produktivkraft der Arbeit, desto kleiner die zur Herstellung eines Artikels erheischte Arbeitszeit, desto kleiner die in ihm krystallisirte Arbeitsmasse, desto kleiner sein Werth. Umgekehrt, je kleiner die Produktivkraft der Arbeit, desto grösser die zur Herstellung eines Artikels nothwendige Arbeitszeit, desto grösser sein Werth. Die Werthgrösse einer Waare wechselt also direkt wie das Quantum und umgekehrt wie die Produktivkraft der sich in ihr verwirklichenden Arbeit.
Wir kennen jetzt die Substanz des Werths. Es ist die Arbeit. Wir kennen sein Grössenmass. Es ist die Arbeitszeit. Seine Form, die den Werth eben zum Tausch-Werth stempelt, bleibt zu analysiren. Vorher jedoch sind die bereits gefundenen Bestimmungen etwas näher zu entwickeln.
Ein Ding kann Gebrauchswerth sein, ohne Tauschwerth zu sein. Es ist diess der Fall, wenn sein Dasein für den Menschen nicht durch Arbeit vermittelt ist. So Luft, jungfräulicher Boden, natürliche Wiesen, wildwachsendes Holz u. s. w. Ein Ding kann nützlich und Produkt menschlicher Arbeit sein, ohne Waare zu sein. Wer durch sein Produkt sein eignes Bedürfniss befriedigt, schafft zwar Gebrauchswerth, aber nicht Waare. Um Waare zu produciren, muss er nicht nur Gebrauchswerth produciren, sondern Gebrauchswerth für andre, gesellschaftlichen Gebrauchswerth. Endlich kann kein Ding Werth sein, ohne Gebrauchsgegenstand zu sein. Ist es nutzlos, so ist auch die in ihm enthaltene Arbeit nutzlos, zählt nicht als Arbeit und bildet daher keinen Werth.
Ursprünglich erschien uns die Waare als ein Zwieschlächtiges, Gebrauchswerth und Tauschwerth. Näher betrachtet wird sich zeigen, dass auch die in der Waare enthaltene Arbeit zwieschlächtig ist. Dieser Punkt, der von mir zuerst kritisch entwickelt wurde12, ist der Springpunkt, um den sich das Verständniss der politischen Oekonomie dreht.
Nehmen wir zwei Waaren, etwa einen Rock und 10 Ellen Leinwand. Der erstere habe den zweifachen Werth der letzteren, so dass wenn 10 Ellen Leinwand = W, der Rock = 2 W.
Der Rock ist ein Gebrauchswerth, der ein besondres Bedürfniss befriedigt. Um ihn hervorzubringen, bedarf es einer bestimmten Art zweckmässig produktiver Thätigkeit. Sie ist bestimmt nach Zweck, Operationsweise, Gegenstand, Mitteln und Resultat. Die Arbeit, deren Nützlichkeit sich so im Gebrauchswerth ihres Produkts oder darin darstellt, dass ihr Produkt ein Gebrauchswerth ist, heisse hier der Vereinfachung halber kurzweg nützliche Arbeit. Unter diesem Gesichtspunkt ist sie stets betrachtet in Bezug auf den Nutzeffekt, dessen Hervorbringung sie bezweckt.
Wie Rock und Leinwand qualitativ verschiedne Gebrauchswerthe, so sind die ihr Dasein vermittelnden Arbeiten qualitativ verschieden — Schneiderarbeit und Weberei. Wären jene Dinge nicht qualitativ verschiedne Gebrauchswerthe und daher Produkte qualitativ verschiedner nützlicher Arbeiten, so könnten sie sich über haupt nicht als Waaren gegenübertreten. Rock tauscht sich nicht aus gegen Rock, derselbe Gebrauchswerth nicht gegen denselben Gebrauchswerth.
In der Gesammtheit der verschiedenartigen Gebrauchswerthe oder Waarenkörper erscheint eine Gesammtheit eben so mannigfaltiger, nach Gattung, Art, Familie, Unterart, Varietät verschiedner nützlicher Arbeiten — eine gesellschaftliche Theilung der Arbeit. Sie ist Existenzbedingung der Waarenproduktion, obgleich Waarenproduktion nicht umgekehrt Existenzbedingung gesellschaftlicher Arbeitstheilung. In der altindischen Gemeinde ist die Arbeit gesellschaftlich getheilt, ohne dass die Produkte zu Waaren werden. Oder, ein näher liegendes Beispiel, in jeder Fabrik ist die Arbeit systematisch getheilt, aber diese Theilung nicht dadurch vermittelt, dass die Arbeiter ihre individuellen Produkte austauschen. Nur Produkte selbstständiger und von einander unabhängiger Privatarbeiten treten einander als Waaren gegenüber.
Man hat also gesehn : In dem Gebrauchswerth jeder Waare steckt eine bestimmte zweckmässig produktive Thätigkeit oder nützliche Arbeit. Gebrauchswerthe können sich nicht als Waaren gegenübertreten, wenn nicht qualitativ verschiedne nützliche Arbeiten in ihnen stecken. In einer Gesellschaft, deren Produkte allgemein die Form der Waare annehmen, d. h. in einer Gesellschaft von Waarenproducenten, entwickelt sich dieser qualitative Unterschied der nützlichen Arbeiten, welche unabhängig von einander als Privatgeschäfte selbstständiger Producenten betrieben werden, zu einem vielgliedrigen System, zu einer gesellschaftlichen Theilung der Arbeit.
Dem Rock ist es übrigens gleichgültig, ob er vom Schneider oder vom Kunden des Schneiders getragen wird. In beiden Fällen wirkt er als Gebrauchswerth. Ebensowenig ist das Verhältniss zwischen dem Rock und der ihn producirenden Arbeit an und für sich dadurch verändert, dass die Schneiderarbeit eigne Profession wird, selbstständiges Glied der gesellschaftlichen Theilung der Arbeit. Wo ihn das Kleidungsbedürfniss zwang, hat der Mensch Jahrtausende lang geschneidert, bevor aus einem Menschen ein Schneider ward. Aber das Dasein von Rock, Leinwand, jedem nicht von Natur vorhandnen Element des stofflichen Reichthums, musste immer vermittelt sein durch eine spezielle, zweckmässig produktive Thätigkeit, die besondere Naturstoffe besondern menschlichen Bedürfnissen assimilirt. Als Bildnerin von Gebrauchswerthen, als nützliche Arbeit, ist die Arbeit daher von allen Gesellschaftsformen unabhängige Existenzbedingung des Menschen, ewige Naturnothwendigkeit, um den Stoffwechsel zwischen Mensch und Natur, also das menschliche Leben zu vermitteln.
Die Gebrauchswerthe Rock, Leinwand u. s. w., kurz die Waarenkörper, sind Verbindungen von zwei Elementen, Naturstoff und Arbeit. Zieht man die Gesammtsumme aller verschiedenen nützlichen Arbeiten ab, die in Rock, Leinwand u. s. w. stecken, so bleibt stets ein materielles Substrat zurück, das ohne Zuthun des Menschen von Natur vorhanden ist. Der Mensch kann in seiner Produktion nur verfahren, wie die Natur selbst, d. h. nur die Formen der Stoffe ändern13. Noch mehr. In dieser Arbeit der Formung selbst wird er beständig unterstützt von Naturkräften. Arbeit ist also nicht die einzige Quelle der von ihr producirten Gebrauchswerthe, des stofflichen Reichthums. Die Arbeit ist sein Vater, wie William Petty sagt, und die Erde seine Mutter.
Gehn wir nun von der Waare, so weit sie Gebrauchsgegenstand, über zum Waaren-Werth.
Nach unsrer Unterstellung hat der Rock den doppelten Werth der Leinwand. Diess ist aber nur ein quantitativer Unterschied, der uns zunächst noch nicht interessirt. Wir erinnern daher, dass wenn der Werth eines Rockes doppelt so gross als der von 10 Ellen Leinwand, 20 Ellen Leinwand dieselbe Werthgrösse haben wie ein Rock. Als Werthe sind Rock und Leinwand Dinge von gleicher Substanz, objektive Ausdrücke gleichartiger Arbeit. Aber Schneiderarbeit und Weberei sind qualitativ verschiedne Arbeiten. Es giebt jedoch Gesellschaftszustände, worin derselbe Mensch abwechselnd schneidert und webt, diese beiden verschiednen Arbeitsweisen daher nur Modificationen der Arbeit desselben Individuums und noch nicht besondre feste Functionen verschiedner Individuen sind, ganz wie der Rock, den unser Schneider heute, und die Hosen, die er morgen macht, nur Variationen derselben individuellen Arbeit voraussetzen. Der Augenschein lehrt ferner, dass in unsrer kapitalistischen Gesellschaft, je nach der wechselnden Richtung der Arbeitsnachfrage, eine gegebene Portion menschlicher Arbeit abwechselnd in der Form von Schneiderei oder in der Form von Weberei zugeführt wird. Dieser Formwechsel der Arbeit mag nicht ohne Friction abgehn, aber er muss gehn. Sieht man ab von der Bestimmtheit der produktiven Thätigkeit und daher vom nützlichen Charakter der Arbeit, so bleibt das an ihr, dass sie eine Verausgabung menschlicher Arbeitskraft ist. Schneiderarbeit und Weberei, obgleich qualitativ verschiedne produktive Thätigkeiten, sind beide produktive Verausgabung von menschlichem Hirn, Muskel, Nerv, Hand u. s. w., und in diesem Sinn beide menschliche Arbeit. Es sind nur zwei verschiedne Formen, menschliche Arbeitskraft zu verausgaben. Allerdings muss die menschliche Arbeitskraft selbst mehr oder minder entwickelt sein, um in dieser oder jener Form verausgabt zu werden. Der Werth der Waaren aber stellt menschliche Arbeit schlechthin dar, Verausgabung menschlicher Arbeitskraft überhaupt. Wie nun in der bürgerlichen Gesellschaft ein General oder Banquier eine grosse, der Mensch schlechthin dagegen eine sehr schäbige Rolle spielt14, so steht es hier auch mit der menschlichen Arbeit. Sie ist Verausgabung einfacher Arbeitskraft, die jeder gewöhnliche Mensch, ohne besondere Entwicklung, in seinem leiblichen Organismus besitzt. Die Arbeitskraft eines Bauernknechts gelte z. B. für einfache Arbeitskraft, ihre Verausgabung daher für einfache Arbeit oder menschliche Arbeit ohne weitern Schnörkel, Schneiderarbeit dagegen für Verausgabung höher entwickelter Arbeitskraft. Während sich der Arbeitstag des Bauernknechts daher etwa im Werthausdruck von ½ W, stellt sich der Arbeitstag des Schneiders im Werthausdrucke von W dar15. Dieser Unterschied ist jedoch nur quantitativ. Wenn der Rock das Produkt eines Arbeitstags des Schneiders, hat er denselben Werth wie das Produkt von 2 Arbeitstagen des Bauernknechts. So zählt aber die Schneiderarbeit immer nur als multiplicirte Bauernarbeit. Die verschiednen Proportionen, worin verschiedne Arbeitsarten auf einfache Arbeit als ihre Masseinheit reducirt sind, werden durch einen gesellschaftlichen Prozess hinter dem Rücken der Produzenten festgesetzt und scheinen ihnen daher durch das Herkommen gegeben. Der Vereinfachung halber gilt uns im Folgenden jede Art Arbeitskraft unmittelbar für einfache Arbeitskraft, wodurch nur die Mühe der Reduktion erspart wird.
Wie also in den Werthen Rock und Leinwand von dem Unterschied ihrer Gebrauchswerthe abstrahirt ist, so in der Arbeit, die diese Werthe darstellen, von dem Unterschied der nützlichen Formen, worin sie das einemal Schneiderarbeit ist, das andremal Weberei. Wie die Gebrauchswerthe Rock und Leinwand Verbindungen zweckbestimmter, produktiver Thätigkeiten mit Tuch und Garn sind, die Werthe Rock und Leinwand dagegen blosse gleichartige Arbeitsgallerten, so gilt auch die in diesen Werthen enthaltene Arbeit nicht durch ihr produktives Verhalten zu Tuch und Garn, sondern nur als Verausgabung menschlicher Arbeitskraft. Bildungselemente der Gebrauchswerthe Rock und Leinwand sind Schneiderarbeit und Weberei eben durch ihre verschiednen Qualitäten, Substanz des Rockwerths und Leinwandwerths sind sie nur, soweit von ihrer besondern Qualität abstrahirt wird und beide gleiche Qualität besitzen, die Qualität menschlicher Arbeit.
Rock und Leinwand sind aber nicht nur Werthe überhaupt, sondern Werthe von bestimmter Grösse und nach unsrer Unterstellung ist der Rock doppelt so viel werth, als 10 Ellen Leinwand. Woher diese Verschiedenheit ihrer Werthgrössen? Daher dass die Leinwand nur halb so viel Arbeit enthält, als der Rock, sodass zur Produktion des letztern die Arbeitskraft während doppelt soviel Zeit verausgabt werden muss, als zur Produktion der erstern.
Wenn also mit Bezug auf den Gebrauchswerth die in der Waare enthaltne Arbeit nur qualitativ gilt, gilt sie mit Bezug auf die Werthgrösse nur quantitativ, nachdem sie bereits auf menschliche Arbeit ohne weitere Qualität reducirt ist. Dort handelt es sich um das Wie und Was der Arbeit, hier um ihr Wie Viel, ihre Zeitdauer. Da die Werthgrösse einer Waare nur das Quantum der in ihr enthaltnen Arbeit misst, müssen Waaren in gewisser Proportion stets gleich grosse Werthe sein.
Bleibt die Produktivkraft sage aller zur Produktion eines Rocks erheischten nützlichen Arbeiten unverändert, so steigt die Werthgrösse der Röcke mit ihrer eignen Quantität. Wenn 1 Rock x, stellen 2 Röcke 2 x Arbeitstage dar u. s. w. Nimm aber an, die zur Produktion eines Rocks nothwendige Arbeitszeit steige auf das Doppelte oder falle um die Hälfte. Im ersten Fall hat ein Rock soviel Werth als vorher zwei Röcke, im letztern Fall haben zwei Röcke nur so viel Werth, als vorher einer, obgleich in beiden Fällen ein Rock nach wie vor dieselben Dienste leistet und die in ihm enthaltne nützliche Arbeit nach wie vor von derselben Güte bleibt. Aber das in seiner Produktion verausgabte Arbeits quantum hat sich verändert.
Ein grössres Quantum Gebrauchswerth bildet an und für sich grössern stofflichen Reichthum, zwei Röcke mehr als einer. Mit zwei Röcken kann man zwei Menschen kleiden, mit einem Rock nur einen Menschen u. s. w. Dennoch kann der steigenden Masse des stofflichen Reichthums ein gleichzeitiger Fall seiner Werthgrösse entsprechen. Diese gegensätzliche Bewegung entspringt aus der zwieschlächtigen Bestimmung der Arbeit. Produktivkraft ist natürlich stets Produktivkraft nützlicher, konkreter Arbeit. Sie drückt in der That nur den Wirkungsgrad zweckbestimmter produktiver Thätigkeit in gegebnem Zeitraum aus. Die nützliche Arbeit wird daher reichere oder dürftigere Produktenquelle im direkten Verhältniss zum Steigen oder Fallen ihrer Produktivkraft. Dagegen trifft ein Wechsel der Produktivkraft die im Werth dargestellte Arbeit an und für sich gar nicht. Da die Produktivkraft der konkreten nützlichen Form der Arbeit angehört, kann sie natürlich die Arbeit nicht mehr berühren, sobald von ihrer konkreten nützlichen Form abstrahirt wird. Dieselbe Arbeit stellt sich daher in denselben Zeiträumen stets in derselben Werthgrösse dar, wie immer die Produktivkraft wechsle. Aber sie liefert in demselben Zeitraum verschiedne Quanta Gebrauchswerthe, mehr wenn die Produktivkraft steigt, weniger, wenn sie sinkt. Im erstern Fall kann es geschehn, dass 2 Röcke weniger Arbeit enthalten als früher einer. Derselbe Wechsel der Produktivkraft, der die Fruchtbarkeit der Arbeit und daher die Masse der von ihr gelieferten Gebrauchswerthe vermehrt, kann also die Werthgrösse selbst der vermehrten Gesammtmasse vermindern, wenn er nämlich die zu ihrer Produktion nothwendige Arbeitszeit abkürzt. Ebenso umgekehrt.
Aus dem Bisherigen folgt, dass in der Waare zwar nicht zwei verschiedene Sorten Arbeit stecken, wohl aber dieselbe Arbeit verschieden und selbst entgegengesetzt bestimmt ist, je nachdem sie auf den Gebrauchswerth der Waare als ihr Produkt oder auf den Waaren-Werth als ihren bloss gegenständlichen Ausdruck bezogen wird. Wie die Waare vor allem Gebrauchsgegenstand sein muss, um Werth zu sein, so muss die Arbeit vor allem nützliche Arbeit, zweckbestimmte produktive Thätigkeit sein, um als Verausgabung menschlicher Arbeitskraft und daher als menschliche Arbeit schlechthin zu zählen.
Da bisher nur noch Werthsubstanz und Werthgrösse bestimmt, wenden wir uns jetzt zur Analyse der Werthform.
Kehren wir zunächst wieder zurück zur ersten Erscheinungsform des Waarenwerths.
Wir nehmen zwei Quanta Waaren, die gleichviel Arbeitszeit zu ihrer Produktion kosten, also gleiche Werthgrössen sind, und wir haben 40 Ellen Leinwand = 2 Röcke, oder 40 Ellen Leinwand sind zwei Röcke werth. Wir sehn, dass der Werth der Leinwand in einem bestimmten Quantum von Röcken ausgedrückt ist. Der Werth einer Waare, so dargestellt im Gebrauchswerth einer andern Waare, heisst ihr relativer Werth.
Der relative Werth einer Waare kann wechseln, obgleich ihr Werth constant bleibt. Umgekehrt kann ihr relativer Werth constant bleiben, obgleich ihr Werth wechselt. Die Gleichung: 40 Ellen Leinwand = 2 Röcke setzt nämlich voraus, dass beide Waaren gleich viel Arbeit kosten. Mit jedem Wechsel in der Produktivkraft der sie hervorbringenden Arbeiten wechselt aber die zu ihrer Produktion nothwendige Arbeitszeit. Betrachten wir den Einfluss solcher Wechsel auf den relativen Werth.
I. Der Werth der Leinwand wechsle, während der Rockwerth constant bleibt. Verdoppelt sich die zur Produktion der Leinwand verausgabte Arbeitszeit, etwa in Folge zunehmender Unfruchtbarkeit des flachstragenden Bodens, so verdoppelt sich ihr Werth. Statt 40 Ellen Leinwand = 2 Röcke, hätten wir: 40 Ellen Leinwand = 4 Röcke, da 2 Röcke jetzt nur halb so viel Arbeitszeit enthalten als 40 Ellen Leinwand. Nimmt dagegen die zur Produktion der Leinwand nothwendige Arbeitszeit um die Hälfte ab, etwa in Folge verbesserter Webstühle, so sinkt der Leinwandwerth um die Hälfte. Demgemäss jetzt: 40 Ellen Leinwand = 1 Rock. Der relative Werth der Waare A, d. h. ihr Werth ausgedrückt in der Waare B, steigt und fällt also direkt wie der Werth der Waare A, bei gleichbleibendem Werth der Waare B.
II. Der Werth der Leinwand bleibe constant, während der Rock- werth wechsle. Verdoppelt sich unter diesen Umständen die zur Produktion des Rockes nothwendige Arbeitszeit, etwa in Folge ungünstiger Wollschur, so haben wir statt 40 Ellen Leinwand = 2 Röcke jetzt: 40 Ellen Leinwand = 1 Rock. Fällt dagegen der Werth des Rocks um die Hälfte, so 40 Ellen Leinwand = 4 Röcke. Bei gleichbleibendem Werth der Waare A, fällt oder steigt daher ihr relativer, in der Waare B ausgedrückter Werth im umgekehrten Verhältniss zum Werthwechsel von B.
Vergleicht man die verschiedenen Fälle sub I und II, so ergiebt sich, dass derselbe Wechsel des relativen Werths aus ganzentgegengesetzten Ursachen entspringen kann. So wird aus 40 Ellen Leinwand = 2 Röcke 1) die Gleichung 40 Ellen Leinwand = 4 Röcke, entweder weil der Werth der Leinwand sich verdoppelt oder der Werth der Röcke um die Hälfte fällt, und 2) die Gleichung 40 Ellen Leinwand = 1 Rock, entweder weil der Werth der Leinwand um die Hälfte sinkt oder der Werth des Rockes auf das Doppelte steigt.
III. Die zur Produktion von Leinwand und Rock nothwendigen Arbeitsquanta wechseln gleichzeitig, in derselben Richtung und derselben Proportion. In diesem Falle nach wie vor 40 Ellen Leinwand = 2 Röcke, wie immer ihre Werthe verändert seien. Man entdeckt ihren Werthwechsel, sobald man sie mit einer dritten Waare vergleicht, deren Werth constant blieb. Stiegen oder fielen die Werthe aller Waaren gleichzeitig und in derselben Proportion, so blieben ihre relativen Werthe unverändert. Ihren wirklichen Werthwechsel ersähe man daraus, dass in derselben Arbeitszeit nun allgemein ein grösseres oder kleineres Waarenquantum als vorher geliefert würde.
IV. Die zur Produktion von Leinwand und Rock resp. nothwendigen Arbeitszeiten, und daher ihre Werthe, mögen gleichzeitig in derselben Richtung wechseln, aber in ungleichem Grad, oder in entgegengesetzter Richtung u. s. w. Der Einfluss aller möglichen derartigen Combinationen auf den relativen Werth einer Waare ergiebt sich einfach durch Anwendung der Fälle I., II. und III.
Wir haben eben untersucht, wie weit Wechsel in der relativen Werthgrösse einer Waare, der Leinwand, einen Wechsel ihrer eignen Werthgrösse wiederspiegelt, und überhaupt den relativen Werth nur nach seiner quantitativen Seite betrachtet. Wir wenden uns jetzt zu seiner Form. Wenn der relative Werth Darstellungsform des Werths, ist der Ausdruck der Aequivalenz zweier Waaren, wie x Waare A = y Waare B oder 20 Ellen Leinwand = 1 Rock, die einfache Form desrelativen Werths.
I. Erste oder einfache Form des relativen Werths: 20 Ellen Leinwand = 1 Rock. (x Waare A = y Waare B.)
Diese Form ist etwas schwierig zu analysiren, weil sie einfach ist16. Die in ihr enthaltenen unterschiedenen Bestimmungen sind verhüllt, unentwickelt, abstrakt und daher nur durch einige Anstrengung der Abstraktionskraft auseinander- und festzuhalten. So viel ergiebt sich aber auf den ersten Blick, dass die Form dieselbe bleibt, ob 20 Ellen Leinwand = 1 Rock oder 20 Ellen Leinwand = x Röcke17.
Leinwand kömmt auf die Welt in Gestalt eines Gebrauchswerths oder nützlichen Dings. Ihre steifleinene Körperlichkeit oder Naturalform ist daher nicht ihre Werthform, sondern deren grades Gegentheil. Ihr eignes Werthsein zeigt sie zunächst dadurch, dass sie sich auf eine andre Waare, den Rock, als ihr Gleichesbezieht. Wäre sie nicht selbst Werth, so könnte sie sich nicht auf den Rock als Werth, als Ihresgleichen, beziehn. Qualitativ setzt sie sich den Rock gleich, indem sie sich auf ihn bezieht als Vergegenständlichung gleichartiger menschlicher Arbeit, d. h. ihrer eignen Werthsubstanz, und sie setzt sich nur einen Rock gleich statt x Röcke, weil sie nicht nur Werth überhaupt, sondern Werth von bestimmter Grösse ist, ein Rock aber grade soviel Arbeit enthält als 20 Ellen Leinwand. Durch diese Beziehung auf den Rock schlägt die Leinwand verschiedne Fliegen mit einer Klappe. Indem sie die andre Waare sich als Werth gleichsetzt, bezieht sie sich auf sich selbst als Werth. Indem sie sich auf sich selbst als Werth bezieht, unterscheidet sie sich zugleich von sich selbst als Gebrauchswerth. Indem sie ihre Werthgrösse — und Werthgrösse ist beides, Werth überhaupt und quantitativ gemessner Werth — im Rocke ausdrückt, giebt sie ihrem Werthsein eine von ihrem unmittelbaren Dasein unterschiedne Werthform. Indem sie sich so als ein in sich selbst Differenzirtes darstellt, stellt sie sich erst wirklich als Waare dar — nützliches Ding, das zugleich Werth ist. Soweit die Leinwand Gebrauchswerth, ist sie ein selbstständiges Ding. Ihr Werth erscheint dagegen nur im Verhältniss zu andrer Waare, dem Rocke z. B., ein Verhältniss, worin die Waarenart Rock ihr qualitativ gleichgesetzt wird und daher in bestimmter Quantität gleichgilt, sie ersetzt, mit ihr austauschbar ist. Eigne, vom Gebrauchswerth unterschiedne Form erhält der Werth daher nur durch seine Darstellung als Tauschwerth.
Der Ausdruck des Leinwandwerths im Rocke prägt dem Rocke selbst eine neue Form auf. In der That, was besagt die Werthform der Leinwand? Dass der Rock mit ihr austauschbar ist. Wie er geht oder liegt, mit Haut und Haaren, in seiner Naturalform Rock besitzt er jetzt die Form unmittelbarer Austauschbarkeit mit andrer Waare, die Form eines austauschbaren Gebrauchswerths oder Aequivalents. Die Bestimmung des Aequivalents enthält nicht nur, dass eine Waare Werth überhaupt ist, sondern dass sie in ihrer dinglichen Gestalt, in ihrer Gebrauchsform, andrer Waare als Werth gilt und daher unmittelbar als Tauschwerth für die andre Waare da ist.
Als Werth besteht die Leinwand nur aus Arbeit, bildet eine durchsichtig krystallisirte Arbeitsgallerte. In der Wirklichkeit ist dieser Krystall jedoch sehr trüb. Soweit Arbeit in ihm zu entdecken, und nicht jeder Waarenkörper zeigt die Spur der Arbeit, ist es nicht unterschiedslose menschliche Arbeit, sondern Weberei, Spinnerei u. s. w., die auch keineswegs seine einzige Substanz bilden, vielmehr mit Naturstoffen verquickt sind. Um Leinwand als bloss dinglichen Ausdruck menschlicher Arbeit festzuhalten, muss man von allem absehn, was sie wirklich zum Ding macht. Gegenständlichkeit der menschlichen Arbeit, die selbst abstrakt ist, ohne weitere Qualität und Inhalt, ist nothwendig abstrakte Gegenständlichkeit, ein Gedankending. So wird das Flachsgewebe zum Hirngespinnst. Aber Waaren sind Sachen. Was sie sind, müssen sie sachlich sein oder in ihren eignen sachlichen Beziehungen zeigen. In der Produktion der Leinwand ist ein bestimmtes Quantum menschlicher Arbeitskraft verausgabt worden. Ihr Werth ist der bloss gegenständliche Reflex der so verausgabten Arbeit, aber er reflektirt sich nicht in ihrem Körper. Er offenbart sich, erhält sinnlichen Ausdruck durch ihr Werthverhältniss zum Rock. Indem sie ihn als Werth sich gleichsetzt, während sie sich zugleich als Gebrauchsgegenstand von ihm unterscheidet, wird der Rock die Erscheinungsform des Leinwand-Werths im Gegensatz zum Leinwand-Körper, ihre Werthform im Unterschied von ihrer Naturalform18.
In dem relativen Werthausdruck: 20 Ellen Leinwand = 1 Rock oder x Leinwand ist y Rockwerth, gilt der Rock zwar nur als Werth oder Arbeitsgallerte, aber eben dadurch gilt die Arbeitsgallerte als Rock, der Rock als die Form, worin menschliche Arbeit gerinnt19. Der Gebrauchswerth Rock wird nur zur Erscheinungsform des Leinwand-Werths, weil sich die Leinwand auf das Rockmaterial als unmittelbare Materiatur abstrakter menschlicher Arbeit bezieht, also Arbeit gleicher Art wie die in ihr selbst vergegenständlichte. Der Gegenstand Rock gilt ihr als sinnlich handgreifliche Gegenständlichkeit gleichartiger menschlicher Arbeit, daher als Werth in Naturalform. Da sie als Werth gleichen Wesens mit dem Rock ist, wird die Naturalform Rock so zur Erscheinungsform ihres eignen Werths. Aber die im Gebrauchswerth Rock dargestellte Arbeit ist nicht menschliche Arbeit schlechthin, sondern eine bestimmte, nützliche Arbeit, Schneiderarbeit. Menschliche Arbeit schlechthin, Verausgabung menschlicher Arbeitskraft, ist zwar jeder Bestimmung fähig, aber an und für sich unbestimmt. Verwirklichen, vergegenständlichen kann sie sich nur, sobald die menschliche Arbeitskraft in bestimmter Form verausgabt wird, als bestimmte Arbeit, denn nur der bestimmten Arbeit steht ein Naturstoff gegenüber, ein äusseres Material, worin sie sich vergegenständlicht. Bloss der Hegel’sche „Begriff“ bringt es fertig, sich ohne äussern Stoff zu objektiviren20.
Die Leinwand kann sich nicht auf den Rock als Werth oder incarnirte menschliche Arbeit beziehn, ohne sich auf Schneiderarbeit als die unmittelbare Verwirklichungsform menschlicher Arbeit zu beziehen. Was jedoch die Leinwand am Gebrauchswerth Rock interessirt, ist weder seine wollne Behäbigkeit, noch sein zugeknöpftes Wesen, noch irgend eine andre nützliche Qualität, die ihn zum Gebrauchswerth stempelt. Er dient ihr nur dazu, ihre Werthgegenständlichkeit im Unterschied von ihrer steifleinenen Gebrauchsgegenständlichkeit darzustellen. Sie hätte denselben Zweck erreicht, wenn sie ihren Werth in Assa Fötida oder Poudrette oder Stiefelwichse ausgedrückt. Die Schneiderarbeit gilt ihr daher ebenfalls nicht, sofern sie zweckmässig produktive Thätigkeit, nützliche Arbeit, sondern nur sofern sie als bestimmte Arbeit Verwirklichungsform, Vergegenständlichungsweise menschlicher Arbeit überhaupt ist. Drückte die Leinwand ihren Werth statt im Rock in Stiefelwichse aus, so gälte ihr auch statt Schneidern Wichsen als die unmittelbare Verwirklichungsform abstrakter menschlicher Arbeit21. Erscheinungsform des Werths oder Aequivalent wird ein Gebrauchswerth oder Waarenkörper also nur dadurch, dass sich eine andere Waare auf die in ihm enthaltne konkrete, nützliche Arbeitsart als die unmittelbare Verwirklichungsform abstrakter menschlicher Arbeit bezieht.
Wir stehn hier bei dem Springpunkt aller Schwierigkeiten, welche das Verständniss der Werthform hindern. Es ist relativ leicht, den Werth der Waare von ihrem Gebrauchswerth zu unterscheiden, oder die den Gebrauchswerth formende Arbeit von derselben Arbeit, so weit sie bloss als Verausgabung mensehlicher Arbeitskraft im Waarenwerth berechnet wird. Betrachtet man Waare oder Arbeit in der einen Form, so nicht in der andern und vice versa. Diese abstrakten Gegensätze fallen von selbst auseinander und sind daher leicht auseinander zu halten. An- 22 ders mit der Werthform, die nur im Verhältniss von Waare zu Waare existirt. Der Gebrauchswerth oder Waarenkörper spielt hier eine neue Rolle. Er wird zur Erscheinungsform des Waarenwerths, also seines eignen Gegentheils. Ebenso wird die im Gebrauchswerth enthaltene konkrete nützliche Arbeit zu ihrem eignen Gegentheil, zur blossen Verwirklichungsform abstrakter menschlicher Arbeit. Statt auseinanderzufallen, reflektiren sich die gegensätzlichen Bestimmungen der Waare hier in einander. So befremdlich diess auf ersten Blick, erweist es sich bei weiterem Nachdenken als nothwendig. Die Waare ist von Haus aus ein zwieschlächtig Ding, Gebrauchswerth und Werth, Produkt nützlicher Arbeit und abstrakte Arbeitsgallerte. Um sich darzustellen als das was sie ist, muss sie daher ihre Form verdoppeln. Die Form eines Gebrauchswerths besitzt sie von Natur. Es ist ihre Naturalform. Werthform erwirbt sie erst im Umgang mit andren Waaren. Aber ihre Werthform muss selbst wieder gegenständliche Form sein. Die einzigen gegenständlichen Formen der Waaren sind ihre Gebrauchsgestalten, ihre Naturalformen. Da nun die Naturalform einer Waare, der Leinwand z. B., das grade Gegentheil ihrer Werthform ist, muss sie eine andre Naturalform, die Naturalform einer andern Waare zu ihrer Werthform machen. Was sie nicht unmittelbar für sich selbst, kann sie unmittelbar für andre Waare und daher auf einem Umweg für sich selbst thun. Sie kann ihren Werth nicht in ihrem eignen Körper oder in ihrem eignen Gebrauchswerth ausdrücken, aber sie kann sich auf einen andern Gebrauchswerth oder Waarenkörper als unmittelbares Werthdasein beziehn. Sie kann sich nicht zu der in ihr selbst, wohl aber zu der in andrer Waarenart enthaltenen konkreten Arbeit als blosser Verwirklichungsform abstrakter menschlicher Arbeit verhalten. Sie braucht dazu nur die andre Waare sich als Aequivalent gleichzusetzen. Der Gebrauchswerth einer Waare existirt überhaupt nur für eine andre Waare, soweit er in dieser Weise zur Erscheinungsform ihres Werths dient. Betrachtet man in dem einfachen relativen Werthausdrucke: x Waare A = y Waare B nur das quantitative Verhältniss, so findet man auch nur die oben entwickelten Gesetze über die Bewegung des relativen Werths, die alle darauf beruhn, dass die Werthgrösse der Waaren durch die zu ihrer Produktion nothwendige Arbeitszeit bestimmt ist. Betrachtet man aber das Werthverhältniss der beiden Waaren nach seiner qualitativen Seite, so entdeckt man in jenem einfachen Werthausdruck das Geheimniss der Werthform und daher, in nuce, des Geldes23.
Unsre Analyse hat gezeigt, dass der relative Werthausdruck einer Waare zwei verschiedne Werthformen einschliesst. Die Leinwand drückt ihren Werth und ihre bestimmte Werthgrösse im Rock aus. Sie stellt ihren Werth dar im Werthverhältniss zu einer andern Waare, daher als Tauschwerth. Andrerseits die andre Waare, der Rock, worin sie ihren Werth relativ ausdrückt, erhält eben dadurch die Form eines mit ihr unmittelbar austauschbaren Gebrauchswerths oder Aequivalents. Beide Formen, relative Werthform der einen Waare, Aequivalentform der andern, sind Formen des Tauschwerths. Beide sind in der That nur Momente, wechselseitig durcheinander bedingte Bestimmungen, desselben relativen Werthausdrucks, aber polarisch vertheilt auf die zwei gleichgesetzten Waarenextreme.
Quantitative Bestimmtheit ist nicht in der Aequivalentform einer Waare eingeschlossen. Das bestimmte Verhältniss z. B., worin Rock Aequivalent von Leinwand ist, entspringt nicht aus seiner Aequivalentform, der Form seiner unmittelbaren Austauschbarkeit mit der Leinwand, sondern aus der Bestimmung der Werthgrösse durch Arbeitszeit. Die Leinwand kann ihren eignen Werth nur in Röcken darstellen, indem sie sich auf ein bestimmtes Rockquantum als gegebenes Quantum krystallisirter menschlicher Arbeit bezieht. Aendert sich der Rockwerth, so ändert sich auch diese Beziehung. Damit sich aber der relative Werth der Leinwand ändere, muss er vorhanden sein, und er kann nur gebildet werden bei gegebenem Rockwerth. Ob die Leinwand ihren eignen Werth nun in 1, 2 oder x Röcken darstellt, hängt unter dieser Voraussetzung ganz von der Werthgrösse einer Elle Leinwand und der Ellenanzahl ab, deren Werth in Rockform dargestellt werden soll. Die Werthgrösse einer Waare kann sich nur im Gebrauchswerth einer andern Waare ausdrücken, als relativer Werth. Die Form eines unmittelbar austauschbaren Gebrauchswerths oder Aequivalents erhält eine Waare dagegen umgekehrt nur als das Material, worin der Werth einer andern Waare ausgedrückt wird.
Diese Unterscheidung ist getrübt durch eine charakteristische Eigenthümlichkeit des relativen Werthausdrucks in seiner einfachen oder ersten Form. Die Gleichung: 20 Ellen Leinwand = 1 Rock, oder 20 Ellen Leinwand sind einen Rock werth, schliesst nämlich offenbar die identische Gleichung ein: 1 Rock = 20 Ellen Leinwand, oder 1 Rock ist 20 Ellen Leinwand werth. Der relative Werthausdruck der Leinwand, worin der Rock als Aequivalent figurirt, enthält also rückbezüglich den relativen Werthausdruck des Rocks, worin die Leinwand als Aequivalent figurirt.
Obgleich beide Bestimmungen der Werthform oder beide Darstellungsweisen des Waarenwerths als Tauschwerth nur relativ sind, scheinen beide nicht in demselben Grad relativ. Im relativen Werth der Leinwand: 20 Ellen Leinwand = 1 Rock, ist der Tauschwerth der Leinwand ausdrücklich als ihre Beziehung auf eine andre Waare dargestellt. Der Rock seinerseits ist zwar auch nur Aequivalent, so weit sich die Leinwand auf ihn als Erscheinungsform ihres eignen Werths und daher mit ihr unmittelbar Austauschbares bezieht. Nur innerhalb dieser Beziehung ist er Aequivalent. Aber er verhält sich passiv. Er ergreift keine Initiative. Er findet sich in Beziehung, weil sich auf ihn bezogen wird. Der Charakter, der ihm aus dem Verhältniss mit der Leinwand erwächst, erscheint daher nicht als Resultat seiner Beziehung, sondern ohne sein Zuthun vorhanden. Noch mehr. Die bestimmte Art und Weise, wie sich die Leinwand auf ihn bezieht, ist ganz dazu gemacht, es ihm „anzuthun“, wäre er auch noch so bescheiden und keineswegs das Produkt eines „tailor run mad with pride“. Die Leinwand bezieht sich nämlich auf den Rock als sinnlich existirende Materiatur der menschlichen Arbeit in abstracto und daher als vorhandnen Werthkörper. Er ist diess nur, weil und sofern sich die Leinwand in dieser bestimmten Weise auf ihn bezieht. Sein Aequivalentsein ist so zu sagen nur eine Reflexionsbestimmung der Leinwand. Aber es scheint grade umgekehrt. Einerseits giebt er sich selbst nicht die Mühe sich zu beziehn. Andrerseits bezieht sich die Leinwand auf ihn, nicht um ihn zu etwas zu machen, sondern weil er ohne sie etwas ist. Das fertige Produkt der Beziehung der Leinwand auf den Rock, seine Aequivalentform, seine Bestimmtheit als unmittelbar austauschbarer Gebrauchswerth, scheint ihm daher auch ausserhalb der Beziehung zur Leinwand dinglich anzugehören, ganz wie etwa seine Eigenschaft warm zu halten. In der ersten oder einfachen Form des relativen Werths: 20 Ellen Leinwand = 1 Rock, ist dieser falsche Schein noch nicht befestigt, weil sie unmittelbar auch das Gegentheil aussagt, dass der Rock Aequivalent der Leinwand und dass jede der beiden Waaren diese Bestimmtheit nur besitzt, weil und sofern die andre sie zu ihrem relativen Werthausdruck macht24.
In der einfachen Form des relativen Werths oder dem Ausdrucke der Aequivalenz zweier Waaren, ist die Form entwicklung des Werths für beide Waaren gleichmässig, obgleich jedesmal in entgegengesetzter Richtung. Der relative Werthausdruck ist ferner mit Bezug auf jede der beiden Waaren einheitlich, denn die Leinwand stellt ihren Werth nur in einer Waare dar, dem Rocke und vice versa, aber für beide Waaren ist dieser Werthausdruck doppelt, verschieden für jede derselben. Endlich ist jede der beiden Waaren nur Aequivalent für die andre einzelne Waarenart. also nur einzelnes Aequivalent.
Solche Gleichung, wie 20 Ellen Leinwand = 1 Rock, oder zwanzig Ellen Leinwand sind einen Rock werth, drückt offenbar den Werth der Waare nur ganz beschränkt und einseitig aus. Vergleiche ich die Leinwand z. B., statt mit Röcken, mit andern Waaren, so erhalte ich auch andre relative Werthausdrücke, andre Gleichungen, wie 20 Ellen Leinwand = u Kaffee, 20 Ellen Leinwand = v Thee u. s. w. Die Leinwand hat eben so viele verschiedne relative Werthausdrücke, als es von ihr verschiedne Waaren giebt und die Zahl ihrer relativen Werthausdrücke wächst beständig mit der Zahl neu auftretender Waarenarten25.
Die erste Form 20 Ellen Leinwand = 1 Rock gab zwei relative Ausdrücke für den Werth zweier Waaren. Diese zweite Form giebt für den Werth derselben Waare die bunteste Mosaik relativer Ausdrücke. Auch scheint weder für den Ausdruck der Werth- grösse irgend etwas gewonnen, denn in 20 Ellen Leinwand = 1 Rock ist die Werthgrösse der Leinwand, die ja in jedem Ausdrucke dieselbe bleibt, eben so erschöpfend dargestellt als in 20 Ellen Leinwand = u Thee u. s. w., noch für die Formbestimmung des Aequivalents, denn in 20 Ellen Leinwand = u Kaffee u. s. w., sind Kaffee u. s. w. nur einzelne Aequivalente, ganz wie es der Rock war.
Dennoch birgt diese zweite Form eine wesentliche Fortentwicklung. Es liegt darin nämlich nicht nur, dass die Leinwand ihren Werth zufällig bald in Rücken ausdrückt, bald in Kaffee u. s. w., sondern dass sie ihn sowohl in Röcken als in Kaffee u. s. w. ausdrückt, entweder in dieser Waare oder jener oder der dritten u. s. w. Die Weiterbestimmung zeigt sich, sobald diese zweite oder entfaltete Form des relativen Werthausdrucks in ihrem Zusammenhang dargestellt wird. Wir erhalten dann:
II. Zweite oder entfaltete Form des relativen Werths:
- 20 Ellen Leinwand = 1 Rock oder = u Kaffee oder = v Thee oder = x Eisen oder = y Weizen oder = u. s. w. u. s. w.
- z Waare A = u Waare B oder = v Waare C oder = w Waare D oder = x Waare E oder = y Waare F oder = u. s. w.
Zunächst bildet offenbar die erste Form das Grundelement der 26 zweiten, denn letztere besteht aus vielen einfachen relativen Werthausdrücken, wie 20 Ellen Leinwand = 1 Rock, 20 Ellen Leinwand = u Kaffee u. s. w.
In der ersten Form: 20 Ellen Leinwand = 1 Rock kann es zufällige Thatsache scheinen, dass diese zwei Waaren in diesem bestimmten quantitativen Verhältnisse austauschbar sind. In der zweiten Form leuchtet dagegen sofort ein von der zufälligen Erscheinung wesentlich unterschiedner und sie bestimmender Hintergrund durch. Der Werth der Leinwand bleibt gleich gross, ob in Rock oder Kaffee oder Eisen u. s. w. dargestellt, in zahllos verschiednen Waaren, den verschiedensten Besitzern angehörig. Das zufällige Verhältniss zweier individueller Waarenbesitzer fällt fort. Es wird offenbar, dass nicht der Austausch die Werthgrösse der Waare, sondern umgekehrt die Werthgrösse der Waare ihre Austauschverhältnisse regulirt.
In dem Ausdruck: 20 Ellen Leinwand = 1 Rock galt der Rock als Erscheinungsform der in der Leinwand vergegenständlichten Arbeit. So wurde die in der Leinwand enthaltene Arbeit der im Rock enthaltnen gleichgesetzt und daher als gleichartige menschliche Arbeit bestimmt. Indess trat diese Bestimmung nicht ausdrücklich hervor. Unmittelbar setzt die erste Form die in der Leinwand enthaltne Arbeit nur der Schneiderarbeit gleich. Anders die zweite Form. In der endlosen, stets verlängerbaren Reihe ihrer relativen Werthausdrücke bezieht sich die Leinwand auf alle möglichen Waarenkörper als blosse Erscheinungsformen der in ihr selbst enthaltenen Arbeit. Hier ist der Leinwand- Werth daher erst wahrhaft dargestellt als Werth, d. h. Krystall menschlicher Arbeit überhaupt.
Die zweite Form besteht aus einer Summe von lauter Gleichungen der ersten Form. Jede dieser Gleichungen, wie 20 Ellen Leinwand = 1 Rock schliesst aber auch die Rückbeziehung ein: 1 Rock = 20 Ellen Leinwand, wo der Rock seinen Werth in der Leinwand und eben dadurch die Leinwand als Aequivalent darstellt. Da diess nun von jedem der zahllosen relativen Werthausdrücke der Leinwand gilt, erhalten wir:
III. Dritte, umgekehrte oder rückbezogene zweite Form des relativen Werths:
- 1 Rock = 20 Ellen Leinwand.
- u Kaffee = 20 Ellen Leinwand.
- v Thee = 20 Ellen Leinwand.
- x Eisen = 20 Ellen Leinwand.
- y Weizen = 20 Ellen Leinwand.
- u. s. w. = 20 Ellen Leinwand.
Der relative Werthausdruck der Waaren kehrt hier zurück in seiner ursprünglichen Gestalt: 1 Rock = 20 Ellen Leinwand. Jedoch ist diese einfache Gleichung jetzt weiter entwickelt. Ursprünglich enthielt sie nur, dass der Rockwerth durch seinen Ausdruck in einer andern Waare eine vom Gebrauchswerth Rock oder dem Rockkörper selbst unterschiedne und unabhängige Form erhält. Jetzt stellt dieselbe Form den Rock auch allen andern Waaren gegenüber als Werth dar und ist daher seine allgemein gültige Werthform. Nicht nur der Rock, sondern Kaffee, Eisen, Weizen, kurz alle andern Waaren drücken ihren Werth jetzt im Material Leinwand aus. Alle stellen sich so einander als dieselbe Materiatur menschlicher Arbeit dar. Sie sind nur noch quantitativ verschieden, wesswegen 1 Rock, u Kaffee, x Eisen u. s. w., d. h. verschiedne Quanta dieser verschiednen Dinge = 20 Ellen Leinwand, gleich demselben Quantum vergegenständlichter menschlicher Arbeit. Durch ihren gemeinschaftlichen Werthausdruck im Material Leinwand unterscheiden sich also alle Waaren als Tauschwerthe von ihren eignen Gebrauchswerthen und beziehn sich zugleich auf einander als Werthgrössen, setzen sich qualitativ gleich und vergleichen sich quantitativ. Erst in diesem einheitlichen relativen Werthausdruck erscheinen sie alle für einander als Werthe und erhält ihr Werth daher erst seine entsprechende Erscheinungsform als Tauschwerth. Im Unterschied zur entfalteten Form des relativen Werths (Form II), die den Werth einer Waare im Umkreis aller andern Waaren darstellt, nennen wir diesen einheitlichen Werthausdruck die allgemeine relative Werthform.
In der Form II: 20 Ellen Leinwand = 1 Rock oder = u Kaffee oder = v Thee oder = x Eisen u. s. w., worin die Leinwand ihren relativen Werthausdruck entfaltet, bezieht sie sich auf jede einzelne Waare, Rock, Kaffee u. s. w. als ein besondres Aequivalent und auf alle zusammen als den Umkreis ihrer besondern Aequivalentformen. Ihr gegenüber gilt keine einzelne Waarenart noch als Aequivalent schlechthin, wie im einzelnen Aequivalent, sondern nur als besondres Aequivalent, wovon das eine das andre ausschliesst. In der Form III, welche die rückbezogene zweite Form und also in ihr eingeschlossen ist, erscheint die Leinwand dagegen als die Gattungsform des Aequivalents für alle andern Waaren. Es ist als ob neben und ausser Löwen, Tigern, Hasen und allen andern wirklichen Thieren, die gruppirt die verschiednen Geschlechter, Arten, Unterarten, Familien u. s. w. des Thierreichs bilden, auch noch das Thier existirte, die individuelle Incarnation des ganzen Thierreichs. Ein solches Einzelne, das in sich selbst alle wirklich vorhandenen Arten derselben Sache einbegreift, ist ein Allgemeines, wie Thier, Gott u. s. w. Wie die Leinwand daher einzelnes Aequivalent wurde, dadurch dass sich eine andre Waare auf sie als Erscheinungsform des Werths bezog, so wird sie als allen Waaren gemeinschaftliche Erscheinungsform des Werths das allgemeine Aequivalent, allgemeiner Werthleib, allgemeine Materiatur der abstrakten menschlichen Arbeit. Die in ihr materialisirte besondre Arbeit gilt daher jetzt als allgemeine Verwirklichungsform der menschlichen Arbeit, als allgemeine Arbeit.
Bei der Darstellung des Werths der Waare A in der Waare B, wodurch die Waare B einzelnes Aequivalent wird, war es gleichgültig, von welcher besondern Sorte die Waare B. Nur musste die Körperlichkeit der Waare B andrer Art sein als die der Waare A, daher auch Produkt andrer nützlicher Arbeit. Indem der Rock seinen Werth in Leinwand darstellte, bezog er sich auf Leinwand als die verwirklichte menschliche Arbeit, und eben dadurch auf Leineweberei als die Verwirklichungsform der menschlichen Arbeit, aber die besondre Bestimmtheit, welche Leineweberei von andern Arbeitsarten unterscheidet, war durchaus gleichgültig. Sie musste nur andrer Art sein als die Schneiderarbeit und im übrigen eine bestimmte Arbeitsart. Anders sobald die Leinwand allgemeines Aequivalent wird. Dieser Gebrauchswerth in seiner besondern Bestimmtheit, wodurch er Leinwand im Unterschied von allen andern Waarenarten, Kaffee, Eisen u. s. w., wird jetzt die allgemeine Werthform aller andern Waaren und daher allgemeines Aequivalent. Die in ihm dargestellte besondre nützliche Arbeitsart gilt daher jetzt als allgemeine Verwirklichungsform der menschlichen Arbeit, als allgemeine Arbeit, grade soweit sie Arbeit von besondrer Bestimmtheit ist, Leineweberei im Unterschied nicht nur von Schneiderarbeit, sondern von Kaffeebau, Minenarbeit und allen andern Arbeits- arten. Umgekehrt gelten alle andren Arbeitsarten, im relativen Werthausdruck der Leinwand, des allgemeinen Aequivalents (Form II), nur noch als besondre Verwirklichungsformen der menschlichen Arbeit.
Als Werthe sind die Waaren Ausdrücke derselben Einheit, der abstrakten menschlichen Arbeit. In der Form des Tauschwerths erscheinen sie einander als Werthe und beziehn sich auf einander als Werthe. Sie beziehn sich damit zugleich auf die abstrakte menschliche Arbeit als ihre gemeinsame gesellschaftliche Substanz. Ihr gesellschaftliches Verhältniss besteht ausschliesslich darin einander als nur quantitativ verschiedne, aber qualitativ gleiche und daher durch einander ersetzbare und mit einander vertauschbare Ausdrücke dieser ihrer gesellschaftlichen Substanz zu gelten. Als nützliches Ding besitzt eine Waare gesellschaftliche Bestimmtheit, soweit sie Gebrauchswerth für andre ausser ihrem Besitzer ist, also gesellschaftliche Bedürfnisse befriedigt. Aber gleichgültig, auf wessen Bedürfnisse ihre nützlichen Eigenschaften sie beziehn, sie wird durch dieselben immer nur auf menschliche Bedürfnisse bezogener Gegenstand, nicht Waare für andre Waaren. Nur was blosse Gebrauchsgegenstände in Waaren verwandelt, kann sie als Waaren auf einander beziehn und daher in gesellschaftlichen Rapport setzen. Es ist diess aber ihr Werth. Die Form, worin sie sich als Werthe, als menschliche Arbeitsgallerte gelten, ist daher ihre gesellschaftliche Form. Gesellschaftliche Form der Waare und Werthform oder Form der Austauschbarkeit sind also eins und dasselbe. Ist die Naturalform einer Waare zugleich Werthform, so besitzt sie die Form unmittelbarer Austauschbarkeit mit andern Waaren und daher unmittelbar gesellschaftliche Form.
Die einfache relative Werthform (Form I) 1 Rock = 20 Ellen Leinwand unterscheidet sich von der allgemeinen relati ven Werthform 1 Rock = 20 Ellen Leinwand nur dadurch, dass diese Gleichung jetzt ein Glied der Reihe bildet
- 1 Rock = 20 Ellen Leinwand
- u Kaffee = 20 Ellen Leinwand
- v Thee = 20 Ellen Leinwand
- u. s. w.
Sie unterscheidet sich also in der That nur dadurch, dass die Leinwand aus einem einzelnen zum allgemeinen Aequivalent fortentwickelt ist. Wenn also im einfachen relativen Werthausdrucke nicht die Waare, die ihre Werthgrösse ausdrückt, sondern die Waare, worin Werthgrösse ausgedrückt wird, die Form unmittelbarer Austauschbarkeit, Aequivalentform, also unmittelbar gesellschaftliche Form erhält, so gilt dasselbe für den allgemeinen relativen Werthausdruck. Aber in der einfachen relativen Werthform ist dieser Unterschied nur noch formell und verschwindend. Wenn in 1 Rock = 20 Ellen Leinwand der Rock seinen Werth relativ, nämlich in Leinwand ausdrückt und die Leinwand dadurch Aequivalentform erhält, so schliesst dieselbe Gleichung unmittelbar die Rückbeziehung ein: 20 Ellen Leinwand = 1 Rock, worin der Rock die Aequivalentform erhält und der Werth der Leinwand relativ ausgedrückt wird. Diese gleichmässige und gegenseitige Entwicklung der Werthform beider Waaren als relativer Werth und als Aequivalent findet jetzt nicht länger statt. Wird die allgemeine relative Werthform 1 Rock = 20 Ellen Leinwand, wo die Leinwand allgemeines Aequivalent, umgekehrt in 20 Ellen Leinwand = 1 Rock, so wird der Rock dadurch nicht allgemeines Aequivalent für alle andern Waaren, sondern nur ein besondres Aequivalent der Leinwand. Allgemein ist die relative Werthform des Rocks nur, weil sie zugleich die relative Werthform aller andern Waaren. Was vom Rock, gilt vom Kaffee u. s. w. Es folgt daher, dass die allgemeine relative Werthform der Waaren sie selbst von der allgemeinen Aequivalentform ausschliesst. Umgekehrt ist eine Waare, wie Leinwand, sobald sie die allgemeine Aequivalentform besitzt, von der allgemeinen relativen Werthform ausgeschlossen. Die allgemeine, mit den andern Waaren einheitliche relativc Werthform der Leinwand wäre: 20 Ellen Leinwand = 20 Ellen Leinwand. Diess ist aber eine Tautologie, welche die Werthgrösse dieser in allgemeiner Aequivalentform und daher in stets austauschbarer Form befindlichen Waare nicht ausdrückt. Vielmehr wird die entfaltete relative Werthform: 20 Ellen Leinwand = 1 Rock oder = u Kaffee oder = v Thee oder = u. s. w. jetzt zum specifischen relativen Werthausdrucke des allgemeinen Aequivalents.
In dem allgemeinen relativen Werthausdruck der Waaren besitzt jede Waare, Rock, Kaffee, Thee u. s. w. eine von ihrer Naturalform verschiedne Werthform, nämlich die Form Leinwand. Und eben in dieser Form beziehn sie sich auf einander als Austauschbare und in quantitativ bestimmten Verhältnissen Austauschbare, denn wenn 1 Rock = 20 Ellen Leinwand, u Kaffee = 20 Ellen Leinwand u. s. w., so ist auch 1 Rock = u Kaffee u. s. w. Indem alle Waaren sich in einer und derselben Waare als Werthgrössen bespiegeln, wiederspiegeln sie sich wechselseitig als Werthgrössen. Aber die Naturalformen, die sie als Gebrauchsgegenstände besitzen, gelten ihnen wechselseitig nur auf diesem Umweg, also nicht unmittelbar als Erscheinungsformen des Werths. Sowie sie unmittelbar sind, sind sie daher nicht unmittelbar austauschbar. Sie besitzen also nicht die Form unmittelbarer Austauschbarkeit für einander oder ihre gesellschaftlich gültige Form ist eine vermittelte. Umgekehrt. Indem alle andern Waaren auf Leinwand als Erscheinungsform des Werths sich beziehen, wird die Naturalform der Leinwand die Form ihrer unmittelbaren Austauschbarkeit mit allen Waaren, daher unmittelbar ihre allgemein gesellschaftliche Form.
Eine Waare erhält nur die allgemeine Aequivalentform, weil und sofern sie allen andern Waaren zur Darstellung ihrer allgemeinen relativen, daher nicht unmittelbaren Werthform dient. Waaren müssen sich aber relative Werthform überhaupt geben, weil ihre Naturalformen nur ihre Gebrauchswerthformen, und sie müssen sich einheitliche, daher allgemeine relative Werthform geben, um sich alle als Werthe, als gleichartige Gallerten menschlicher Arbeit auf einander zu beziehen. Eine Waare befindet sich daher nur in der Form unmittelbarer Austauschbarkeit mit allen andern Waaren und daher in unmittelbar gesellschaftlicher Form, weil und sofern alle andern Waaren sich nicht darin befinden, oder weil die Waare überhaupt sich von Haus aus nicht in unmittelbar austauschbarer oder gesellschaftlicher Form befindet, indem ihre unmittelbare Form die Form ihres Gebrauchswerths, nicht ihres Werthes.
Man sieht es der Form allgemeiner unmittelbarer Austauschbarkeit in der That keineswegs an, dass sie eine gegensätzliche Waarenform ist, von der Form nicht unmittelbarer Austauschbarkeit ebenso unzertrennlich, wie die Positivität eines Magnetpols von der Negativität des andern. Man kann sich daher einbilden, man könne allen Waaren zugleich den Stempel unmittelbarer Austauschbarkeit aufdrücken, wie man sich auch einbilden kann, man könne alle Arbeiter zu Kapitalisten machen. In der That aber sind allgemeine relative Werthform und allgemeine Aequivalentform die gegensätzlichen, sich wechselweis voraussetzenden und wechselweis abstossenden Pole derselben gesellschaftlichen Form der Waaren27.
Als unmittelbar gesellschaftliche Materiatur der Arbeit ist die Leinwand, das allgemeine Aequivalent, Materiatur unmittelbar gesellschaftlicher Arbeit, während die andern Waarenkörper, welche ihren Werth in Leinwand darstellen, Materiaturen nicht unmittelbar gesellschaftlicher Arbeiten sind.
In der That sind alle Gebrauchswerthe nur Waaren, weil Produkte von einander unabhängiger Privatarbeiten, Privatarbeiten, die jedoch als besondere, wenn auch verselbständigte, Glieder des naturwüchsigen Systems der Theilung der Arbeit stofflich von einander abhängen. Sie hängen so gesellschaftlich zusammen grade durch ihre Verschiedenheit, ihre besondre Nützlichkeit. Eben desswegen produciren sie qualitativ verschiedne Gebrauchswerthe. Wenn nicht, so würden diese Gebrauchswerthe nicht zu Waaren für einander. Andrerseits macht diese verschiedne nützliche Qualität Produkte noch nicht zu Waaren. Producirt eine bäuerliche Familie für ihren eignen Consum Rock und Leinwand und Weizen, so treten diese Dinge der Familie als verschiedne Produkte ihrer Familienarbeit gegenüber, aber nicht sich selbst wechselseitig als Waaren. Wäre die Arbeit unmittelbar gesellschaftliche, d. h. gemeinsame Arbeit, so erhielten die Produkte den unmittelbar gesellschaftlichen Charakter eines Gemeinprodukts für ihre Producenten, aber nicht den Charakter von Waaren für einander. Indess haben wir hier nicht weit zu suchen, worin die gesellschaftliche Form der in den Waaren enthaltenen und von einander unabhängigen Privatarbeiten besteht. Sie ergab sich bereits aus der Analyse der Waare. Ihre gesellschaftliche Form ist ihre Beziehung auf einander als gleiche Arbeit, also, da die Gleichheit toto coelo verschiedner Arbeiten nur in einer Abstraktion von ihrer Ungleichheit bestehen kann, ihre Beziehung auf einander als menschliche Arbeit überhaupt, Verausgabungen menschlicher Arbeitskraft, was alle menschlichen Arbeiten, welches immer ihr Inhalt und ihre Operationsweise, in der That sind. In jeder gesellschaftlichen Arbeitsform sind die Arbeiten der verschiednen Individuen auch als menschliche auf einander bezogen, aber hier gilt diese Beziehung selbst als die specifisch gesellschaftliche Form der Arbeiten. Nun besitzt aber keine dieser Privatarbeiten in ihrer Naturalform diese specifisch gesellschaftliche Form abstrakter menschlicher Arbeit, so wenig wie die Waare in ihrer Naturalform die gesellschaftliche Form blosser Arbeitsgallerte, oder des Werthes, besitzt. Dadurch aber dass die Naturalform einer Waare, hier der Leinwand, allgemeine Aequivalentform wird, weil sich alle andern Waaren auf dieselbe als Erscheinungsform ihres eignen Werths beziehn, wird auch die Leinweberei zur allgemeinen Verwirklichungsform abstrakter menschlicher Arbeit oder zu Arbeit in unmittelbar gesellschaftlicher Form. Der Massstab der „Gesellschaftlichkeit“ muss aus der Natur der jeder Produktionsweise eigenthümlichen Verhältnisse, nicht aus ihr fremden Vorstellungen entlehnt werden. Wie vorhin gezeigt ward, dass die Waare von Natur die unmittelbare Form allgemeiner Austauschbarkeit ausschliesst und die allgemeine Aequivalentform daher nur gegensätzlich entwickeln kann, so gilt dasselbe für die in den Waaren steckenden Privatarbeiten. Da sie nicht unmittelbar gesellschaftliche Arbeit sind, so ist erstens die gesellschaftliche Form eine von den Naturalformen der wirklichen nützlichen Arbeiten unterschiedne, ihnen fremde, und abstrakte Form, und zweitens erhalten alle Arten Privatarbeit ihren gesellschaftlichen Charakter nur gegensätzlich, indem sie alle einer ausschliesslichen Art Privatarbeit, hier der Leineweberei, gleichgesetzt werden. Dadurch wird letztere die unmittelbare und allgemeine Erscheinungsform abstrakter menschlicher Arbeit und so Arbeit in unmittelbar gesellschaftlicher Form. Sie stellt sich daher auch unmittelbar in einem gesellschaftlich geltenden und allgemein austauschbaren Produkt dar.
Der Schein, als ob die Aequivalentform einer Waare aus ihrer eignen dinglichen Natur entspringe, statt blosser Reflex der Beziehungen der andern Waaren zu sein, befestigt sich mit der Fortbildung des einzelnen Aequivalents zum allgemeinen, weil die gegensätzlichen Momente der Werthform sich nicht mehr gleichmässig für die auf einander bezognen Waaren entwickeln, weil die allgemeine Aequivalentform eine Waare als etwas ganz apartes von allen andern Waaren scheidet und endlich weil diese ihre Form in der That nicht mehr das Produkt der Beziehung irgend einer einzelnen andern Waare ist.
Indess ist auf unserm jetzigen Standpunkt das allgemeine Aequivalent noch keineswegs verknöchert. Wie wurde in der That die Leinwand in das allgemeine Aequivalent verwandelt? Dadurch, dass sie ihren Werth erst in einer einzelnen Waare (Form I), dann in allen andern Waaren der Reihe nach relativ darstellte (Form II), und so rückbezüglich alle andern Waaren in ihr ihre Werthe relativ darstellten (Form III). Der einfache relative Werthausdruck war der Keim, woraus sich die allgemeine Aequivalentform der Leinwand entwickelte. Innerhalb dieser Entwicklung ändert sie die Rolle. Sie beginnt damit, ihre Werthgrösse in einer andern Waare darzustellen und endet damit zum Material für den Werthausdruck aller andern Waaren zu dienen. Was von der Leinwand, gilt von jeder Waare. In ihrem entfalteten relativen Werthausdrucke (Form II), der nur aus ihren vielen, einfachen Werthausdrücken besteht, figurirt die Leinwand noch nicht als allgemeines Aequivalent. Vielmehr bildet hier jeder andre Waarenkörper ihr Aequivalent, ist daher unmittelbar austauschbar mit ihr und kann also die Stelle mit ihr wechseln.
Wir erhalten daher schliesslich:
Form IV:
- 20 Ellen Leinwand = 1 Rock oder = u Kaffee oder = v Thee oder = x Eisen oder = y Weizen oder = u. s. w.
- 1 Rock = 20 Ellen Leinwand oder = u Kaffee oder = v Thee oder = x Eisen oder = y Weizen oder = u. s. w.
- u Kaffee = 20 Ellen Leinwand oder = 1 Rock oder = v Thee oder = x Eisen oder = y Weizen oder = u. s. w.
- v Thee = u. s. w.
Aber jede dieser Gleichungen rückbezogen ergiebt Rock, Kaffee, Thee u. s. w. als allgemeines Aequivalent, daher den Werthausdruck in Rock, Kaffee, Thee u. s. w. als allgemeine relative Werthform aller andern Waaren. Die allgemeine Aequivalentform kommt immer nur einer Waare zu im Gegensatz zu allen andern Waaren; aber sie kommt jeder Waare im Gegensatz zu allen andern zu. Stellt aber jede Waare ihre eigne Naturalform allen andern Waaren gegenüber als allgemeine Aequivalentform, so schliessen alle Waaren alle von der allgemeinen Aequivalentform aus und daher sich selbst von der gesellschaftlich gültigen Darstellung ihrer Werthgrössen.
Man sieht: die Analyse der Waare ergiebt alle wesentlichen Bestimmungen der Werthform und die Werthform selbst in ihren gegensätzlichen Momenten, die allgemeine relative Werthform, die allgemeine Aequivalentform, endlich die nie abschliessende Reihe einfacher relativer Werthausdrücke, welche erst eine Durchgangsphase in der Entwicklung der Werthform bildet, um schliesslich in die specifisch relative Werthform des allgemeinen Aequivalents umzuschlagen. Aber die Analyse der Waare ergab diese Formen als Waarenformen überhaupt, die also auch jeder Waare zukommen, nur gegensätzlich, so dass wenn die Waare A sich in der einen Formbestimmung befindet, die Waaren B, C u. s. w. ihr gegenüber die andere annehmen. Das entscheidend Wichtige aber war den inneren nothwendigen Zusammenhang zwischen Werthform, Werthsubstanz und Werthgrösse zu entdecken, d. h. ideell ausgedrückt, zu beweisen, dass die Werthform aus dem Werthbegriff entspringt28.
Eine Waare scheint auf den ersten Blick ein selbstverständliches, triviales Ding. Ihre Analyse ergiebt, dass sie ein sehr vertracktes Ding ist, voller metaphysischer Spitzfindigkeit und theologischer Mucken. Als blosser Gebrauchswerth ist sie ein sinnliches Ding, woran nichts Mysteriöses, ob ich sie nun unter dem Gesichtspunkt betrachte, dass ihre Eigenschaften menschliche Bedürfnisse befriedigen oder dass sie erst als Produkt menschlicher Arbeit diese Eigenschaften erhält. Es liegt absolut nichts räthselhaftes darin, dass der Mensch durch seine Thätigkeit die Formen der Naturstoffe in einer ihm nützlichen Weise verändert. Die Form des Holzes z. B. wird verändert, wenn man aus ihm einen Tisch macht. Nichtsdestoweniger bleibt der Tisch Holz, ein ordinäres sinn- 29 liches Ding. Aber sobald er als Waare auftritt, verwandelt er sich in ein sinnlich übersinnliches Ding. Er steht nicht nur mit seinen Füssen auf dem Boden, sondern er stellt sich allen andern Waaren gegenüber auf den Kopf und entwickelt aus seinem Holzkopf Grillen, viel wunderlicher, als wenn er aus freien Stücken zu tanzen begänne30.
Der mystische Charakter der Waare entspringt also nicht aus ihrem Gebrauchswerth. Er entspringt ebensowenig aus den Werth bestimmungen, für sich selbst betrachtet. Denn erstens, wie verschieden die nützlichen Arbeiten oder produktiven Thätigkeiten sein mögen, es ist eine physiologische Wahrheit, dass sie Funktionen eines specifisch menschlichen Organismus im Unterschied von andern Organismen sind, und dass jede solche Funktion, welches immer ihr Inhalt und ihre Form, wesentlich Verausgabung von menschlichem Hirn, Nerv, Muskel, Sinnesorgan u. s. w. ist. Was zweitens der Bestimmung der Werthgrösse zu Grunde liegt, die Zeitdauer jener Verausgabung oder die Quantität der Arbeit, so ist die Quantität sogar sinnfällig von der Qualität der Arbeit unterscheidbar. In allen Zuständen musste die Arbeitszeit, welche die Produktion der Lebensmittel kostet, den Menschen interessiren, obgleich nicht gleichmässig auf verschiednen Entwicklungsstufen. Endlich, sobald die Menschen in irgend einer Weise für einander arbeiten, erhält ihre Arbeit auch eine gesellschaftliche Form.
Nehmen wir den Robinson auf seiner Insel. Bescheiden, wie er von Haus aus ist, hat er doch verschiedenartige Bedürfnisse zu befriedigen und muss daher nützliche Arbeiten verschiedner Art verrichten, Werkzeuge machen, Möbel fabriciren, Lama zähmen, fischen, jagen u. s. w. Vom Beten u. dgl. sprechen wir hier nicht, da unser Robinson daran sein Vergnügen findet und derartige Thätigkeit als Erholung betrachtet. Trotz der Verschiedenheit seiner produktiven Funktionen weiss er, dass sie nur verschiedne Bethätigungsformen desselben Robinson, also nur verschiedne Weisen menschlicher Arbeit sind. Die Noth selbst zwingt ihn, seine Zeit genau zwischen seinen verschiednen Funktionen zu vertheilen. Ob die eine mehr, die andre weniger Raum in seiner Gesammtthätigkeit ein nimmt, hängt ab von der grössern oder geringern Schwierigkeit, die zur Erzielung des bezweckten Nutzeffekts zu überwinden ist. Die Erfahrung lehrt ihm das und unser Robinson, der Uhr, Hauptbuch, Tinte und Feder aus dem Schiffbruch gerettet, beginnt als guter Engländer bald Buch über sich selbst zu führen. Sein Inventarium enthält ein Verzeichniss der Gebrauchsgegenstände, die er besitzt, der verschiednen Verrichtungen, die zu ihrer Produktion erheischt sind, endlich der Arbeitszeit, die ihm bestimmte Quanta dieser verschiednen Produkte im Durchschnitt kosten. Alle Beziehungen zwischen Robinson und den Dingen, die seinen selbstgeschaffnen Reichthum bilden, sind hier so einfach und durchsichtig, dass selbst Herr M. Wirth sie ohne besondre Geistesanstrengung verstehn dürfte. Und dennoch sind darin alle wesentlichen Bestimmungen des Werths enthalten.
Setzen wir nun an die Stelle Robinson’s einen Verein freier Menschen, die mit gemeinschaftlichen Produktionsmitteln arbeiten und ihre vielen individuellen Arbeitskräfte selbstbewusst als eine gesellschaftliche Arbeitskraft verausgaben. Alle Bestimmungen von Robinson’s Arbeit wiederholen sich, nur gesellschaftlich, statt individuell. Ein wesentlicher Unterschied tritt jedoch ein. Alle Produkte Robinson’s waren sein ausschliesslich persönliches Produkt und daher unmittelbar Gebrauchsgegenstände für ihn. Das Gesammtprodukt des Vereins ist ein gesellschaftliches Produkt. Ein Theil dieses Produkts dient wieder als Produktionsmittel. Er bleibt gesellschaftlich. Aber ein anderer Theil wird als Lebensmittel von den Vereinsgliedern verzehrt. Er muss daher unter sie vertheilt werden. Die Art dieser Vertheilung wird wechseln mit der besondern Art des gesellschaftlichen Produktionsorganismus selbst und der entsprechenden geschichtlichen Entwicklungshöhe der Produzenten. Nur zur Parallele mit der Waarenproduktion setzen wir voraus, der Antheil jedes Produzenten an den Lebensmitteln sei bestimmt durch seine Arbeitszeit. Die Arbeitszeit würde also eine doppelte Rolle spielen. Ihre gesellschaftlich planmässige Vertheilung regelt die richtige Proportion der verschiednen Arbeitsfunktionen zu den verschiednen Bedürfnissen. Andrerseits dient die Arbeitszeit zugleich als Mass des individuellen Antheils des Produzenten an der Gemeinarbeit und daher auch an dem individuell verzehrbaren Theil des Gemeinprodukts. Die gesellschaftlichen Beziehungen der Menschen zu ihren Arbeiten und ihren Ar beitsprodukten blieben hier durchsichtig einfach, in der Produktion sowohl als in der Distribution.
Woher also der räthselhafte Charakter des Arbeitsprodukts, sobald es die Form der Waare annimmt?
Wenn die Menschen ihre Produkte auf einander als Werthe beziehn, sofern diese Sachen für bloss sachliche Hüllen gleichartig menschlicher Arbeit gelten, so liegt darin zugleich umgekehrt, dass ihre verschiednen Arbeiten nur als gleichartige menschliche Arbeit gelten in sachlicher Hülle. Sie beziehn ihre verschiednen Arbeiten auf einander als menschliche Arbeit, indem sie ihre Produkte auf einander als Werthe beziehn. Die persönliche Beziehung ist versteckt durch die sachliche Form. Es steht daher dem Werth nicht auf der Stirn geschrieben, was er ist. Um ihre Produkte auf einander als Waaren zu beziehn, sind die Menschen gezwungen, ihre verschiednen Arbeiten abstrakt menschlicher Arbeit gleichzusetzen. Sie wissen das nicht, aber sie thun es, indem sie das materielle Ding auf die Abstraktion Werth reduciren. Es ist diess eine naturwüchsige und daher bewusstlos instinktive Operation ihres Hirns, die aus der besondern Weise ihrer materiellen Produktion und den Verhältnissen, worin diese Produktion sie versetzt, nothwendig herauswächst. Erst ist ihr Verhältniss praktisch da. Zweitens aber, weil sie Menschen sind, ist ihr Verhältniss als Verhältniss für sie da. Die Art, wie es für sie da ist, oder sich in ihrem Hirn reflektirt, entspringt aus der Natur des Verhältnisses selbst. Später suchen sie durch die Wissenschaft hinter das Geheimniss ihres eignen gesellschaftlichen Produkts zu kommen, denn die Bestimmung eines Dings als Werth ist ihr Produkt, so gut wie die Sprache. Was nun ferner die Werthgrösse betrifft, so werden die unabhängig von einander betriebenen, aber, weil Glieder der naturwüchsigen Theilung der Arbeit, allseitig von einander abhängigen Privatarbeiten dadurch fortwährend auf ihr gesellschaftlich proportionelles Mass reducirt, dass sich in den zufälligen und stets schwankenden Austauschverhältnissen ihrer Produkte die zu deren Produktion gesellschaftlich nothwendige Arbeitszeit als regelndes Naturgesetz gewaltsam durchsetzt, wie etwa das Gesetz der Schwere, wenn einem das Haus über dem Kopf zusammenpurzelt31. Die Bestimmung der Werthgrösse durch die Arbeitszeit ist daher unter den erscheinenden Bewegungen der relativen Waarenwerthe verstecktes Geheimniss. Die eigne gesellschaftliche Bewegung der Produzenten besitzt für sie die Form einer Bewegung von Sachen, unter deren Controle sie stehn, statt sie zu controliren. Was nun endlich die Werthform betrifft, so ist es ja grade diese Form, welche die gesellschaftlichen Beziehungen der Privatarbeiter und daher die gesellschaftlichen Bestimmtheiten der Privatarbeiten sachlich verschleiert, statt sie zu offenbaren. Wenn ich sage, Rock, Stiefel u. s. w. beziehn sich auf Leinwand als allgemeine Materiatur abstrakter menschlicher Arbeit, so springt die Verrücktheit dieses Ausdrucks ins Auge. Aber wenn die Produzenten von Rock, Stiefel u. s. w. diese Waaren auf die Leinwand als allgemeines Aequivalent beziehn, erscheint ihnen die gesellschaftliche Beziehung ihrer Privatarbeiten genau in dieser verrückten Form.
Derartige Formen bilden eben die Kategorien der bürgerlichen Oekonomie. Es sind gesellschaftlich gültige, also objektive Gedankenformen für Produktionsverhältnisse dieser historisch bestimmten gesellschaftlichen Produktionsweise.
Die Privatproduzenten treten erst in gesellschaftlichen Contakt vermittelst ihrer Privatprodukte, der Sachen. Die gesellschaftlichen Beziehungen ihrer Arbeiten sind und erscheinen daher nicht als unmittelbar gesellschaftliche Verhältnisse der Personen in ihren Arbeiten, sondern als sachliche Verhältnisse der Personen oder gesellschaftliche Verhältnisse der Sachen. Die erste und allgemeinste Darstellung der Sache als eines gesellschaftlichen Dings ist aber die Verwandlung des Arbeitsprodukts in Waare.
Der Mysticismus der Waare entspringt also daraus, dass den Privatproduzenten die gesellschaftlichen Bestimmungen ihrer Privat- arbeiten als gesellschaftliche Naturbestimmtheiten der Arbeitsprodukte, dass die gesellschaftlichen Produktionsverhältnisse der Personen als gesellschaftliche Verhält- 32 nisse der Sachen zu einander und zu den Personen erscheinen. Die Verhältnisse der Privatarbeiter zur gesellschaftlichen Gesammtarbeit vergegenständlichen sich ihnen gegenüber und existiren daher für sie in den Formen von Gegenständen. Für eine Gesellschaft von Waarenproducenten, deren allgemein gesellschaftliches Produktionsverhältniss darin besteht, sich zu ihren Produkten als Waaren, also als Werthen zu verhalten, und in dieser sachlichen Form ihre Privatarbeiten auf einander zu beziehn als gleiche menschliche Arbeit, ist das Christenthum, mit seinem Kultus des abstrakten Menschen, namentlich in seiner bürgerlichen Entwicklung, dem Protestantismus, Deismus u. s. w., die entsprechendste Religionsform. In den altasiatischen, antiken u. s. w. Produktionsweisen spielt die Verwandlung des Produkts in Waare, und daher das Dasein der Menschen als Waarenproduzenten, eine untergeordnete Rolle, die jedoch um so bedeutender wird, je mehr die Gemeinwesen in das Stadium ihres Untergangs treten. Eigentliche Handelsvölker existiren nur in den Intermundien der alten Welt, wie Epikurs Götter, oder wie Juden in den Poren der polnischen Gesellschaft. Jene alten gesellschaftlichen Produktionsorganismen sind ausserordentlich viel einfacher und durchsichtiger als der bürgerliche, aber sie beruhen entweder auf der Unreife des individuellen Menschen, der sich von der Nabelschnur des natürlichen Gattungszusammenhangs mit Andern noch nicht losgerissen hat, oder auf unmittelbaren Herrschafts- und Knechtschaftsverhältnissen. Sie sind bedingt durch eine niedrige Entwicklungsstufe der Produktivkräfte der Arbeit und entsprechend befangene Verhältnisse der Menschen innerhalb ihres materiellen Lebenserzeugungsprozesses, daher zu einander und zur Natur. Diese wirkliche Befangenheit spiegelt sich ideell wieder in den alten Natur- und Volksreligionen. Der religiöse Wiederschein der wirklichen Welt kann nur verschwinden, sobald die Verhältnisse des praktischen Werkeltagslebens den Menschen tagtäglich durchsichtig vernünftige Beziehungen zu einander und zur Natur darstellen. Die Verhältnisse können sich aber nur als das darstellen, was sie sind. Die Gestalt des gesellschaftlichen Lebensprozesses, d. h. des materiellen Produktionsprozesses, streift nur ihren mystischen Nebelschleier ab, sobald sie als Produkt frei vergesellschafteter Menschen unter deren bewusster planmässiger Controle steht. Dazu ist jedoch eine materielle Grundlage der Gesellschaft erheischt oder eine Reihe materieller Existenzbedingungen, welche selbst wieder das naturwüchsige Produkt einer langen und qualvollen Entwicklungsgeschichte sind.
Die politische Oekonomie hat nun zwar, wenn auch unvollkommen33, Werth und Werthgrösse analysirt. Sie hat niemals auch nur die Frage gestellt, warum sich die Arbeit im Werth und das Mass der Arbeit durch ihre Zeitdauer in der Werthgrösse darstellt? Formen, denen es auf der Stirn geschrieben steht, dass sie einer Gesellschaftsformation angehören, worin der Produktionsprozess die Menschen, der Mensch noch nicht den Produktionsprozess bemeistert, gelten ihrem bürgerlichen Bewusstsein für eben so selbstverständliche Naturnothwendigkeit als die produktive Arbeit selbst. Vorbürgerliche Formen des gesellschaftlichen Produktionsorganismus werden daher von ihr behandelt, wie etwa von den Kirchenvätern vorchristliche Religionen34.
Wie sehr ein Theil der Oekonomen von dem der Waarenwelt anklebenden Fetischismus oder dem gegenständlichen Schein der gesellschaftlichen Arbeitsbestimmungen getäuscht wird, beweist u. a. der langweilig abgeschmackte Zank über die Rolle der Natur in der Bildung des Tauschwerths. Da Tauschwerth eine bestimmte gesellschaft liche Manier ist, die auf ein Ding verwandte Arbeit auszudrücken, kann er nicht mehr Naturstoff enthalten als etwa der Wechselkurs.
Als allgemeinste und unentwickeltste Form der bürgerlichen Produktion, welche desswegen auch schon in früheren Produktionsperioden erscheint, obgleich nicht in derselben herrschenden, also charakteristischen Weise, war die Waarenform noch relativ leicht zu durchschauen. Aber konkretere Formen, wie das Kapital z. B.? Der Fetischismus der klassischen Oekonomie wird hier handgreiflich.
Um jedoch nicht vorzugreifen, genüge hier noch ein Beispiel bezüglich der Waarenform selbst. Man hat gesehn, dass in der Beziehung von Waare auf Waare, z. B. von Stiefel auf Stiefelknecht, der Gebrauchswerth des Stiefelknechts, also die Nützlichkeit seiner wirklichen dinglichen Eigenschaften dem Stiefel durchaus gleichgültig ist. Nur als Erscheinungsform ihres eignen Werths interessirt die Stiefelwaare der Stiefelknecht. Könnten die Waaren also sprechen, so würden sie sagen, unser Gebrauchswerth mag den Menschen interessiren. Er kömmt uns nicht als Dingen zu. Was uns aber dinglich zukömmt, ist unser Werth. Unser eigner Verkehr als Waarendinge beweist das. Wir beziehn uns nur als Tauschwerthe auf einander. Man höre nun, wie der Oekonom aus der Waarenseele heraus spricht: „Werth (Tauschwerth) ist Eigenschaft der Dinge, Reichthum (Gebrauchswerth) des Menschen. Werth in diesem Sinn schliesst nothwendig Austausch ein, Reichthum nicht35.“ 36 „Reichthum (Gebrauchswerth) ist ein Attribut des Menschen, Werth ein Attribut der Waaren. Ein Mensch oder ein Gemeinwesen ist reich; eine Perle oder Diamant ist werthvoll … Eine Perle oder Diamant hat Werth als Perle oder Diamant37.“ Bisher hat noch kein Chemiker Tauschwerth in Perle oder Diamant entdeckt. Unsere Verfasser, die besondern Anspruch auf kritische Tiefe machen, finden aber, dass der Gebrauchswerth der Sachen unabhängig von ihren sachlichen Eigenschaften, dagegen ihr Tauschwerth ihnen als Sachen zukömmt. Was sie hierin bestätigt, ist der sonderbare Umstand, dass der Gebrauchswerth der Dinge sich für den Menschen ohne Austausch realisirt, also im unmittelbaren Verhältniss zwischen Ding und Mensch, ihr Werth umgekehrt nur im Austausch, d. h. in einem gesellschaftlichen Prozess. Wer erinnert sich hier nicht des guten Dogberry, der den Nachtwächter Seacoal belehrt: „Ein gut aussehender Mann zu sein, ist eine Gabe der Umstände, aber Lesen und Schreiben zu können, kömmt von Natur38“.
Die Waare ist unmittelbare Einheit von Gebrauchswerth und Tauschwerth, also zweier Entgegengesetzten. Sie ist daher ein unmittelbarer Widerspruch. Dieser Widerspruch muss sich entwickeln, sobald sie nicht wie bisher analytisch bald unter dem Gesichtspunkt des Gebrauchswerths, bald unter dem Gesichtspunkt des Tauschwerths betrachtet, sondern als ein Ganzes wirklich auf andere Waaren bezogen wird. Die wirkliche Beziehung der Waaren aufeinander ist aber ihr Austauschprozess.
2) Der Austauschprozess der Waaren.
Die Waaren können nicht selbst zu Markte gehn und sich nicht selbst austauschen. Wir müssen uns also nach ihren Hütern umsehn, den Waarenbesitzern. Die Waaren sind Dinge und daher widerstandslos gegen den Menschen. Wenn sie nicht willig, kann er Gewalt brauchen, in andern Worten sie nehmen39. Um diese Dinge als Waaren auf einander zu beziehn, müssen die Waarenhüter sich aufeinander als Personen beziehn, deren Willen ein Dasein in jenen Dingen hat, sodass Jeder nur mit seinem Willen und dem Willen des andern, beide also nur mit ihrem gemeinschaftlichen Willen sich die fremde Waare aneignen, indem sie die eigne veräussern und die eigne veräussern, um sich die fremde anzueignen. Sie müssen sich daher wechselseitig als Privateigenthümer anerkennen. Diess Rechtsverhältniss, dessen Form der Vertrag ist, ob nun legal entwickelt oder nicht, ist nur das Willensverhältniss, worin sich das ökonomische Verhältniss wiederspiegelt. Der Inhalt dieses Rechts- oder Willensverhältnisses ist durch das ökonomische Verhältniss selbst gegeben40. Die Personen beziehn sich hier nur auf einander, indem sie gewisse Sachen als Waaren auf einander beziehn. Alle Bestimmungen dieser Beziehung sind also in der Bestimmung der Sache als Waare enthalten. Der eine Mensch existirt hier nur für den andern als Repräsentant von Waare und daher als Waarenbesitzer. Wir werden überhaupt im Fortgang der Entwicklung finden, dass die ökonomischen Charaktermasken der Personen nur die Personifikationen der ökonomischen Verhältnisse sind, als deren Träger sie sich gegenübertreten.
Was den Waarenbesitzer namentlich von der Waare unterscheidet, ist der Umstand, dass ihr der Gebrauchswerth jeder andern Waare nur als Erscheinungsform ihres eignen Werths gilt. Geborner Leveller und Cyniker steht sie daher stets auf dem Sprung mit jeder andern Waare, sei selbe auch ausgestattet mit mehr Unannehmlichkeiten als Maritorne, nicht nur die Seele, sondern den Leib zu wechseln. Diesen der Waare mangelnden Sinn für das Konkrete des Waarenkörpers ergänzt der Waarenbesitzer durch seine eignen fünf und mehr Sinne. Seine Waare hat für ihn keinen unmittelbaren Gebrauchswerth. Sonst führte er sie nicht zu Markt. Sie hat Gebrauchswerth für andre. Für ihn hat sie unmittelbar nur den Gebrauchswerth Träger von Tauschwerth und so Tauschmittel zu sein41. Darum will er sie veräussern für Waare, deren Gebrauchswerth ihm genüge thut. Alle Waaren sind Nicht-Gebrauchswerthe für ihre Besitzer, Gebrauchswerthe für ihre Nicht-Besitzer. Sie müssen also allseitig die Hände wechseln. Aber dieser Händewechsel bildet ihren Austausch und ihr Austausch bezieht sie als Werthe auf einander und realisirt sie als Werthe. Die Waaren müssen sich daher als Werthe realisiren, bevor sie sich als Gebrauchswerthe realisiren können.
Andrerseits müssen sie sich als Gebrauchswerthe bewähren, bevorsie sich als Werthe realisiren können. Denn die auf 42 sie verausgabte menschliche Arbeit zählt nur, soweit sie in nützlicher Form verausgabt und zwar nützliche Arbeit für andre ist. Ob sie andern nützlich, ihr Produkt daher fremde Bedürfnisse befriedigt, kann aber nur ihr Austausch beweisen.
Jeder Waarenbesitzer will seine Waare nur veräussern gegen andre Waare, deren Gebrauchswerth sein Bedürfniss befriedigt. Sofern ist der Austausch für ihn nur individueller Prozess. Andrerseits will er seine Waare als Werth realisiren, also in jeder ihm beliebigen andern Waare von demselben Werth, ob seine eigne Waare nun für den Besitzer der andern Waare Gebrauchswerth habe oder nicht. Sofern ist der Austausch für ihn allgemein gesellschaftlicher Prozess. Aber derselbe Prozess kann nicht gleichzeitig für alle Waarenbesitzer nur individuell und zugleich nur allgemein gesellschaftlich sein.
Sehn wir näher zu, so gilt jedem Waarenbesitzer jede fremde Waare als besondres Aequivalent seiner Waare, seine Waare daher als allgemeines Aequivalent aller andern Waaren. Da aber alle Waarenbesitzer dasselbe thun, ist keine Waare allgemeines Aequivalent und besitzen die Waaren daher auch keine allgemeine relative Werthform, worin sie sich als Werthe gleichsetzen und als Werthgrössen vergleichen. Sie stehn sich daher überhaupt nicht gegenüber als Waaren, sondern nur als Produkte oder Gebrauchswerthe.
In ihrer Verlegenheit denken unsre Waarenbesitzer wie Faust. Im Anfang war die That. Sie haben daher schon gehandelt, bevor sie gedacht haben. Die Gesetze der Waarennatur bethätigen sich im Naturinstinkt der Waarenbesitzer. Sie können ihre Waaren nur als Werthe und darum nur als Waaren auf einander beziehn, indem sie dieselben gegensätzlich auf irgend eine andre Waare als allgemeines Aequivalent beziehn. Das ergab die Analyse der Waare. Aber nur die gesellschaftliche That kann eine bestimmte Waare zum allgemeinen Aequivalent machen. Die gesellschaftliche Action aller andern Waaren schliesst daher eine bestimmte Waare aus, worin sie allseitig ihre Werthe darstellen. Dadurch wird die Naturalform dieser Waare gesellschaftlich gültige Aequivalentform. Allgemeines Aequivalent zu sein wird durch den gesellschaftlichen Prozess zur specifisch gesellschaftlichen Funktion der ausgeschlossenen Waare. So wird sie — Geld. „Illi unum consilium habent et virtutem et potestatem suam bestiae tradunt. Et ne quis possit emere aut vendere, nisi qui habet characterem aut nomen bestiae, aut numerum nominis ejus.“ (Apocalypse.)
Der Geldkrystall ist nothwendiges Produkt des Austauschprozesses der Waaren. Der immanente Widerspruch der Waare als unmittelbarer Einheit von Gebrauchswerth und Tauschwerth, als Produkt nützlicher Privatarbeit, die ein nur vereinzeltes Glied eines naturwüchsigen Gesammtsystems der nützlichen Arbeiten oder der Theilung der Arbeit bildet, und als unmittelbar gesellschaftliche Materiatur abstrakter menschlicher Arbeit — dieser Widerspruch ruht und rastet nicht, bis er sich zur Verdopplung der Waare in Waare und Geld gestaltet hat. In demselben Masse daher, worin sich die Verwandlung der Arbeitsprodukte in Waaren, vollzieht sich die Verwandlung von Waare in Geld43.
Der unmittelbare Produktenaustausch hat einerseits die Form des einfachen relativen Werthausdrucks und hat sie andrerseits noch nicht. Jene Form war: x Waare A = y Waare B. Die Form des unmittelbaren Produktenaustauschs ist: x Gebrauchsgegenstand A = y Gebrauchsgegenstand B44. Die Dinge A und B sind hier nicht Waaren vor dem Austausch, sondern werden es erst durch denselben. Die erste Weise, worin ein Gebrauchsgegenstand der Möglichkeit nach Tauschwerth ist, ist sein Dasein als Nicht-Gebrauchswerth, als die unmittelbaren Bedürfnisse seines Besitzers überschiessendes Quantum von Gebrauchswerth. Dinge sind an und für sich dem Menschen äusserlich und daher veräusserlich. Damit diese Veräusserung wechselseitig, brauchen Menschen nur stillschweigend als Privateigenthümer jener ver äusserlichen Dinge und eben dadurch als von einander unabhängige Personen einander gegenübertreten. Solch ein Verhältniss wechselseitiger Fremdheit existirt jedoch nicht für die Glieder eines naturwüchsigen Gemeinwesens, habe es nun die Form einer patriarchalischen Familie, einer altindischen Gemeinde, eines Inkastaates u. s. w. Der Waarenaustausch beginnt, wo die Gemeinwesen enden, an den Punkten ihres Contakts mit fremden Gemeinwesen oder Gliedern fremder Gemeinwesen. Sobald Dinge aber einmal im auswärtigen, werden sie auch rückschlagend im innern Gemeinleben zu Waaren. Ihr quantitatives Austauschverhältniss ist zunächst ganz zufällig. Austauschbar sind sie durch den Willensakt ihrer Besitzer sie wechselseitig zu veräussern. Sie erhalten daher die Form Austauschbarer, bevor sie als Werthe entwickelt sind. Indess setzt sich das Bedürfniss für fremde Gebrauchsgegenstände allmälig fest. Die beständige Wiederholung des Austauschs macht ihn zu einem regelmässigen gesellschaftlichen Prozess. Im Laufe der Zeit muss daher wenigstens ein Theil der Arbeitsprodukte absichtlich zum Behuf des Austauschs producirt werden. Von diesem Augenblick befestigt sich einerseits die Scheidung zwischen der Nützlichkeit der Dinge für den unmittelbaren Bedarf und ihrer Nützlichkeit zum Austausch. Ihr Gebrauchswerth scheidet sich von ihrem Tauschwerthe. Andrerseits wird das quantitative Verhältniss, worin sie sich austauschen, von ihrer Produktion selbst abhängig. Die Gewohnheit fixirt sie als Werthgrössen.
Im unmittelbaren Produktenaustausch ist jede Waare unmittelbar Tauschmittel für ihren Besitzer, Aequivalent für ihren Nichtbesitzer, jedoch nur so weit sie Gebrauchswerth für ihn. Der Tauschartikel erhält also noch keine von seinem eignen Gebrauchswerth oder dem individuellen Bedürfniss der Austauscher unabhängige Werthform. Die Nothwendigkeit dieser Form entwickelt sich mit der wachsenden Anzahl und Mannigfaltigkeit der in den Austauschprozess eintretenden Waaren. Die Aufgabe entspringt gleichzeitig mit den Mitteln ihrer Lösung. Ein Verkehr, welcher die Waarenbesitzer treibt, ihre eigenen Artikel mit verschiedenen andern Artikeln auszutauschen und daher zu vergleichen, findet niemals statt, ohne dass verschiedene Waaren von verschiedenen Waarenbesitzern innerhalb ihres Verkehrs mit einer und derselben dritten Waarenart ausgetauscht und als Werthe verglichen werden. Solche dritte Waare, indem sie Aequivalent für verschiedene andere Waaren wird, erhält unmittelbar, wenn auch in engen Grenzen, allgemeine oder gesellschaftliche Aequivalentform. Diese allgemeine Aequivalentform entsteht und vergeht mit dem augenblicklichen gesellschaftlichen Contakt, der sie ins Leben rief. Abwechselnd und flüchtig kommt sie dieser und jener Waare zu. Mit der Entwicklung des Waarenaustauschs heftet sie sich aber ausschliesslich fest an besondere Waarenarten, oder krystallisirt zur Geldform. An welcher Waarenart sie kleben bleibt, ist zunächst zufällig. Jedoch entscheiden im Grossen und Ganzen zwei Umstände. Die Geldform heftet sich entweder an die wichtigsten Eintauschartikel aus der Fremde, welche in der That naturwüchsige Erscheinungsformen des Tauschwerths der einheimischen Produkte sind. Oder an den Gebrauchsgegenstand, welcher das Hauptelement des einheimischen veräusserlichen Besitzthums bildet, wie Vieh z. B. Nomadenvölker entwickeln zuerst die Geldform, weil all ihr Hab und Gut sich in beweglicher, daher unmittelbar veräusserlicher Form befindet, und weil ihre Lebensweise sie beständig mit fremden Gemeinwesen in Contakt bringt, daher zum Produktenaustausch sollicitirt. Die Menschen haben oft den Menschen selbst in der Gestalt des Sklaven zum ursprünglichen Geldmaterial gemacht, aber niemals den Grund und Boden. Solche Idee konnte nur in bereits ausgebildeter bürgerlicher Gesellschaft aufkommen. Sie datirt vom letzten Drittheil des 17. Jahrhunderts und ihre Ausführung, auf nationalem Massstab, wurde erst ein Jahrhundert später in der bürgerlichen Revolution der Franzosen versucht.
In demselben Verhältniss, worin der Waarenaustausch seine nur lokalen Bande sprengt, der Waarenwerth sich daher zur Materiatur menschlicher Arbeit überhaupt ausweitet, geht die Geldform auf Waaren über, die von Natur zur gesellschaftlichen Funktion eines allgemeinen Aequivalents taugen, auf die edlen Metalle.
Dass nun, „obgleich Gold und Silber nicht von Natur Geld, Geld von Natur Gold und Silber ist“45, zeigt die Congruenz ihrer Natureigenschaften mit seinen Funktionen46. Bisher kennen wir aber nur die eine Funktion des Geldes, als Erscheinungsform des Waarenwerths zu dienen oder als das Material, worin die Werthgrössen der Waaren sich gesellschaftlich ausdrücken. Adäquate Erscheinungsform von Werth oder Materiatur abstrakter und daher gleicher menschlicher Arbeit kann nur eine Materie sein, deren sämmtliche Exemplare dieselbe gleichförmige Qualität besitzen. Andrerseits, da der Unterschied der Werthgrössen rein quantitativ ist, verschiedne Quanta geronnener Arbeitszeit ausdrückt, muss die Geldwaare rein quantitativer Unterschiede fähig, also nach Willkühr theilbar und aus ihren Theilen wieder zusammensetzbar sein. Gold und Silber besitzen aber diese Eigenschaften von Natur.
Der Gebrauchswerth der Geldwaare verdoppelt sich. Neben ihrem besondern Gebrauchswerth als Waare, wie Gold z. B. zum Ausstopfen hohler Zähne, Rohmaterial von Luxusartikeln u. s. w. dient, erhält sie einen formalen Gebrauchswerth, der aus ihren specifischen gesellschaftlichen Funktionen entspringt.
Da alle andern Waaren nur besondere Aequivalente des Geldes, das Geld ihr allgemeines Aequivalent, verhalten sie sich als besondre Waaren zum Geld als der allgemeinen Waare47.
Man hat gesehn, dass die Geldform nur der an einer Waare festhaftende Reflex der Beziehungen aller andern Waaren. Dass Geld Waare ist48, ist also nur eine Entdeckung für den, der von seiner fertigen Gestalt ausgeht, um sie hinterher zu analysiren. Der Austauschprozess giebt der Waare, die er in Geld verwandelt, nicht ihren Werth, sondern ihre spezifische Werthform. Die Verwechslung beider Bestimmungen verleitete dazu, den Werth von Gold und Silber für imaginär zu halten49. Weil Geld in bestimmten Funktionen durch blosse Zeichen seiner selbst ersetzt werden kann, entsprang der andere Irrthum, es sei ein blosses Zeichen. Andrerseits lag darin die Ahnung, dass die Geldform des Dings ihm selbst äusserlich und blosse Erscheinungsform dahinter versteckter menschlicher Verhältnisse. In diesem Sinn wäre jede Waare ein Zeichen, weil als Werth nur sachliche Hülle der auf sie verausgabten menschlichen Arbeit50. Indem man aber die gesellschaft lichen Charaktere, welche Sachen oder die sachlichen Charaktere, welche gesellschaftliche Bestimmungen der Arbeit auf Grundlage einer bestimmten Produktionsweise erhalten, für blosse Zeichen, erklärt man sie zugleich für willkührliches Reflexionsprodukt der Menschen. Es war diess beliebte Aufklärungsmanier des 18. Jahrhunderts, um den räthselhaften Gestalten menschlicher Verhältnisse, deren Entstehungsprozess es noch nicht entziffern konnte, vorläufig wenigstens den Schein der Fremdheit abzustreifen.
Es ward vorhin bemerkt, dass die Aequivalentform einer Waare die quantitative Bestimmung ihrer Werthgrösse nicht einschliesst. Weiss man, dass Gold Geld, daher mit allen andern Waaren unmittelbar austauschbar ist, so weiss man desswegen nicht, wie viel z. B. 10 Pfund Gold werth sind. Wie jede Waare kann das Geld seine eigne Werthgrösse nur relativ in andern Waaren ausdrücken. Sein eigner Werth ist bestimmt durch die zu seiner Produktion erheischte Arbeitszeit und drückt sich in dem Quantum jeder andern Waare aus, worin gleichviel Arbeitszeit geronnen ist51. Diese Festsetzung seiner relativen Werthgrösse findet statt an seiner Produktionsquelle in unmittelbarem Tauschhandel. Sobald es als Geld in den Austauschprozess eintritt, ist sein Werth bereits gegeben. Wenn es schon in den letzten Decennien des 17. Jahrhunderts weit überschrittener Anfang der Geldanalyse, zu wissen, dass Geld Waare ist, so aber auch nur der Anfang. Die Schwierigkeit 52 liegt nicht darin zu begreifen, dass Geld Waare, sondern wie, warum, wodurch Waare Geld ist53.
Wir sahen, wie schon in dem einfachsten Ausdruck des Tauschwerths: x Waare A = y Waare B, das Ding, worin die Werthgrösse eines andern Dings dargestellt wird, seine Aequivalentform unabhängig von dieser Beziehung als gesellschaftliche Natureigenschaft zu besitzen scheint. Wir verfolgten die Befestigung dieses falschen Scheins. Er ist vollendet, sobald die allgemeine Aequivalentform mit der Naturalform einer besondern Waarenart verwachsen oder zur Geldform krystallisirt ist. Eine Waare scheint nicht erst Geld zu werden, weil die andern Waaren allseitig ihre Werthe in ihr darstellen, sondern sie scheinen umgekehrt allgemein ihre Werthe in ihr darzustellen, weil sie Geldist. Die vermittelnde Bewegung verschwindet in ihrem eignen Resultat und lässt keine Spur zurück. Ohne ihr Zuthun finden die Waaren ihre eigne Werthgestalt fertig vor als einen ausser und neben ihnen existirenden Waarenkörper. Diese Dinge, Gold und Silber, wie sie aus den Eingeweiden der Erde herauskommen, sind zugleich die unmittelbare Incarnation aller menschlichen Arbeit. Daher die Magie des Geldes. Das bloss atomistische Verhalten der Menschen in ihrem gesellschaftlichen Produktionsprozess und daher die von ihrer Controle und ihrem bewussten individuellen Thun unabhängige, sachliche Gestalt ihrer eignen Produk tionsverhältnisse erscheinen zunächst darin, dass ihre Arbeitsprodukte allgemein die Waarenform annehmen. Das Räthsel des Geldfetischs ist daher nur das sichtbar gewordne, die Augen blendende Räthsel des Waarenfetischs selbst.
3) Das Geld oder die Waarencirculation.
A. Mass der Werthe.
Ich setze überall in dieser Schrift, der Vereinfachung halber, Gold als die Geldwaare voraus.
Dadurch dass sich die Waaren in Gold ihren allgemeinen relativen Werthausdruck geben, funktionirt das Gold ihnen gegenüber als Mass der Werthe. Die Waaren werden nicht durch das Geld commensurabel. Umgekehrt. Weil alle Waaren als Werthe vergegenständlichte menschliche Arbeit, daher an und für sich commensurabel sind, können sie sich alle in irgend einer dritten Waare messen und diese dadurch in ihr gemeinschaftliches Werthmass oder Geld verwandeln. Geld als Werthmass ist aber nothwendige Erscheinungsform des immanenten Werthmasses der Waaren, der Arbeitszeit54.
Der einfache relative Werthausdruck der Waaren in Geld — x Waare A = y Geldwaare — ist ihr Preis. In ihren Preisen erscheinen die Waaren erstens als Werthe, qualitativ Gleiche, Materiatur derselben Arbeit oder dieselbe Materiatur der Arbeit, Gold, zweitens als quantitativ bestimmte Werthgrössen, denn in der Proportion, worin sie gleich bestimmten Goldquanta, sind sie einander gleich oder stellen gleiche Arbeitsquanta vor. Andrerseits wird der entfaltete relative Werthausdruck oder die endlose Reihe relativer Werthausdrücke zur spezifisch relativen Werthform der Geldwaare. Diese Reihe ist aber jetzt schon gegeben in den Waarenpreisen. Man lese die Quotationen eines Preiscourants rückwärts und man findet die Werthgrösse des Geldes in allen möglichen Waaren dargestellt. Die Reihe hat auch neuen Sinn erhalten. Das Gold, weil Geld, besitzt bereits in seiner Naturalform die allgemeine Aequivalentform oder die Form allgemeiner unmittelbarer Austauschbarkeit unabhängig von seinen relativen Werthausdrücken. Ihre Reihe stellt jetzt daher zugleich, ausser seiner Werthgrösse, die entfaltete Welt des stofflichen Reichthums oder der Gebrauchswerthe vor, worin es unmittelbar umsetzbar ist. Geld hat dagegen keinen Preis. Um an dieser einheitlichen relativen Werthform der andern Waaren theilzunehmen, müsste es auf sich selbst als sein eignes Aequivalent bezogen werden.
Für die Bewegung der Waarenpreise gelten die früher gegebnen Gesetze des einfachen relativen Werthausdrucks. Die Waarenpreise können nur allgemein steigen, bei gleichbleibendem Geldwerth, wenn die Waarenwerthe steigen, bei gleichbleibenden Waarenwerthen, wenn der Geldwerth fällt. Umgekehrt. Die Waarenpreise können nur allgemein fallen, bei gleichbleibendem Geldwerth, wenn die Waarenwerthe fallen, bei gleichbleibenden Waarenwerthen, wenn der Geldwerth steigt. Es folgt daher keineswegs, dass steigender Geldwerth proportionelles Sinken der Waarenpreise und fallender Geldwerth proportionelles Steigen der Waarenpreise bedingt. Diess gilt nur für Waaren von unverändertem Werth. Solche Waaren z. B., deren Werth gleichmässig und gleichzeitig steigt mit dem Geldwerth, behalten dieselben Preise. Steigt ihr Werth langsamer oder rascher als der Geldwerth, so wird der Fall oder das Steigen ihrer Preise beschränkt durch die Differenz zwischen ihrer Werthbewegung und der des Geldes u. s. w.
Die preisbestimmte Waare hat doppelte Form, reelle und vorgestellte oder ideelle. Ihre wirkliche Gestalt ist die eines Ge brauchsgegenstandes, eines Produkts konkreter nützlicher Arbeit, z. B. Eisen. Ihre Werthgestalt, ihre Erscheinungsform als Materiatur eines bestimmten Quantums gleichartiger menschlicher Arbeit, ist ihr Preis, ein Quantum Gold. Aber Gold ist vom Eisen verschiednes Ding und in seinem Preise bezieht das Eisen sich selbst auf Gold als ein andres Ding, das jedoch ihm Werth-Gleiches ist. Der Preis oder die Geldform der Waare existirt nur in dieser gleichsetzenden Beziehung, also so zu sagen nur in ihrem Kopfe, und ihr Besitzer muss seine Zunge in ihren Kopf stecken oder ihr Papierzettel anhängen, um ihren Preis für die Aussenwelt vorzustellen55. Die Form ihres Werths ist daher vorgestellte, ideelle Geldform im Unterschied zur handgreiflich reellen Körperform ihres Gebrauchswerths. Da die Waaren so ihre Werthe nur ideell im Geld ausdrücken, drücken sie dieselben auch in nur vorgestelltem oder ideellem Geld aus. Mass der Werthe ist das Geld daher nur als vorgestelltes ideelles Geld. Jeder Waarenbesitzer weiss, dass er kein wirkliches Gold verbraucht, wenn er Waaren in Gold schätzt oder dem Waarenwerth die Form des Waarenpreises giebt. Obgleich nun das Geld als Werthmass nur ideell funktionirt, hängt der Preis dennoch ganz vom reellen Geldmaterial ab. Denn eine Waare, eine Tonne Eisen z. B., wird in ihrem Preise als Materiatur eines bestimmten Quantums Arbeit auf bestimmtes Quantum Geldmaterial als Materiatur desselben Quantums Arbeit bezogen, aber dasselbe Quantum Arbeit materialisirt sich in ganz verschiednen Quanta Gold, Sil ber oder Kupfer. Der Werth einer Tonne Eisen erhält also ganz verschiedne Preisausdrücke, je nachdem Gold, Silber oder Kupfer als Werthmass funktionirt.
Die preisbestimmten Waaren stellen sich alle dar in der Form: a Waare A = x Gold; b Waare B = z Gold, c Waare C = y Gold u. s. w., wo a, b, c bestimmte Masse der Waarenarten A, B, C, x, z, y bestimmte Masse des Goldes. Die Waarenwerthe sind daher verwandelt in vorgestellte Goldquanta von verschiedner Grösse, also, trotz der wirren Buntheit der Waarenkörper, in gleichnamige Grössen, Goldgrössen. Verschiedne Goldquanta, weil gleichnamige Grössen, vergleichen und messen sich unter einander, indem sie auf ein fixirtes Quantum Gold als ihre Masseinheit bezogen werden. Diese Masseinheit selbst wird durch weitere Eintheilung in aliquote Theile zum Massstab fortentwickelt. Solche Massstäbe besassen Gold, Silber, Kupfer bereits in ihren Metallgewichten, bevor sie Geld wurden. Ihr vorgefundener metallischer Gewichtmassstab dient daher ursprünglich auch stets in ihrer Geldfunktion.
Die Geldnamen der Metallgewichte trennen sich jedoch nach und nach von ihren ursprünglichen Gewichtnamen aus verschiedenen Gründen, darunter historisch entscheidend: 1) Einführung fremden Geldes bei minder entwickelten Völkern, wie z. B. im alten Rom Silber- und Goldmünzen zuerst als ausländische Waaren circulirten. Die Namen dieses fremden Gelds sind von den einheimischen Gewichtnamen verschieden. 2) Mit der Entwicklung des Reichthums wird das minder edle Metall durch das edlere aus der Funktion des Werthmasses verdrängt, Kupfer durch Silber, Silber durch Gold, so sehr diese Reihenfolge aller poetischen Chronologie widersprechen mag56. Pfund war nun z. B. Geldname für ein wirkliches Pfund Silber. Sobald Gold das Silber als Werthmass verdrängt, hängt sich derselbe Name vielleicht an 115 u. s. w. Pfund Gold, je nach dem Werthverhältniss von Gold und Silber. Pfund als Geldname und als gewöhnlicher Gewichtname des Goldes sind jetzt getrennt. 3) Die Jahrhunderte lang fortgesetzte Geldfälschung der Fürsten, welche vom ursprünglichen Gewicht der Geldmünzen in der That nur den Namen zurückliess.
Diese historischen Prozesse machen die Trennung des Geldnamens der Metallgewichte von ihrem gewöhnlichen Gewichtnamen zur Volksgewohnheit. Bei definitiver Reglung des Geldmassstabs, die einerseits rein conventionell ist, andrerseits gesetzlicher Allgemeinheit und Zwangsgültigkeit bedarf, versteht es sich zuletzt von selbst, dass die Staatsautorität einen bestimmten Gewichttheil des edlen Metalls, z. B. eine Unze Gold, als Gewichteinheit fixirt und diese abtheilt in aliquote Theile, denen sie beliebige legale Taufnamen beilegt, wie Pfund, Thaler u. s. w. Solcher aliquote Theil, der dann als die eigentliche Masseinheit des Geldes gilt, wird weiter getheilt und untergetheilt in andre aliquote Theile, die ihrerseits gesetzliche Taufnamen erhalten, wie Shilling, Penny u. s. w. Nach wie vor bleiben bestimmte Metallgewichte Massstab des Metallgelds. Was sich geändert, ist Eintheilung und Namengebung.
Die Waaren verwandeln Gold in das Mass der Werthe, indem sie allseitig ihre Werthe in ihm ausdrücken. So erhalten ihre Werthgrössen die Form der Preise oder vorgestellter Goldquanta. Diese Verwandlung von Werth in Preis einmal vollbracht, wird es technisch nothwendig, das Mass der Werthe weiter zu bestimmen zum Massstab der Preise. Beide Funktionen sind durchaus verschieden. Als Massstab der Preise kann und muss ein bestimmtes Quantum Gold fixirt werden, grade wie der Massstab andrer gleichnamiger Grössen. Der Werthwechsel des Goldes ändert nichts am Werthverhältniss seiner verschiednen Gewichttheile unter einander und die gesetzlich fixirten Taufnamen dieser Theile ändern nichts an ihrem Gewicht. Der Massstab der Preise misst aber nur verschiedne Quanta Gold an einem fixirten Goldquantum, nicht den Werth eines Goldquantums durch das Gewicht des andern.
Der Werthwechsel des Goldes verhindert auch nicht seine Funktion als Werthmass. Er trifft alle Waaren gleichzeitig, lässt also, caeteris paribus, ihre wechselseitigen relativen Werthe unverändert, obgleich sie sich nun alle in höheren oder niedrigeren Goldpreisen als zuvor ausdrücken.
Die Waaren stellen ihre Werthe jetzt nicht nur gleichnamig als Gold, sondern in denselben gesellschaftlich gültigen Rechennamen des Goldmassstabs, wie Pfd. St. s. d. u. s. w., dar. Das Geld dient als Rechengeld, so oft es gilt eine Sache als Werth und daher in Geldform zu fixiren.
Der Name einer Sache ist ihrer Natur ganz äusserlich und daher erlischt auch ihre Begriffsbestimmung in ihm. Ich weiss nichts vom Menschen, wenn ich weiss, dass ein Mensch Jakobus heisst. Ebenso verschwindet in den Geldnamen Pfund, Thaler, Frank, Dukat u. s. w. jede Spur des Werthverhältnisses. Die Wirre über den Geheimsinn dieser kabbalistischen Zeichen ist um so grösser als die Geldnamen zugleich den Werth der Waaren und aliquote Theile eines Goldgewichts, des Geldmassstabs, und das eine nur darstellen, weil das andre57. Andrerseits ist es nothwendig, dass der Werth im Unterschied von den bunten Körpern der Waaren sich zu dieser begriffslos sachlichen, aber auch einfach gesellschaftlichen Form fortentwickle.
Der Preis ist der Geldname der in der Waare vergegenständlichten Arbeitszeit. Die Aequivalenz der Waare und des Geldquantums, dem ihr Preis sie gleichsetzt, ist daher eine Tautologie58, wie ja überhaupt der relative Werthausdruck einer Waare stets der Ausdruck der Aequivalenz zweier Waaren ist. Wenn aber der Preis als Exponent der Werthgrösse der Waare Exponent ihres Austauschverhältnisses mit Geld ist, so folgt nicht umgekehrt, dass der Exponent ihres Austauschverhältnisses mit Geld nothwendig der Exponent ihrer Werthgrösse ist. Gesellschaftlich nothwendige Arbeitszeit von gleicher Grösse stelle sich in 1 Quarter Weizen und in 2 Pfd. St. (ungefähr ½ Unze Gold) dar. Die 2 Pfd. St. sind Geldausdrücke der Werthgrösse des Quarter Weizen, oder sein Preis. Erlauben nun die Umstände, ihn zu 3 Pfd. St., oder zwingen sie ihn zu 1 Pfd. St. zu notiren, so sind 1 Pfd. St. und 3 Pfd. St. als Ausdrücke der Werthgrösse des Weizens zu klein oder zu gross, aber sie sind dennoch Preise desselben, denn erstens sind sie seine Werthform, Geld, und zweitens Exponente seines Austauschverhältnisses mit Geld. Bei gleichbleibenden Produktionsbedingungen oder gleichbleibender Produktivkraft der Arbeit muss nach wie vor zur Reproduktion des Quarter Weizen gleich viel gesellschaftliche Arbeitszeit verausgabt werden. Dieser Umstand hängt weder vom Willen des Weizenproduzenten noch der andern Waarenbesitzer ab. Die Werthgrösse der Waare drückt also ein nothwendiges, ihrem Bildungsprozess immanentes Verhältniss zur gesellschaftlichen Arbeitszeit aus. Mit der Verwandlung der Werthgrösse in Preis erscheint diess nothwendige Verhältniss als Austauschverhältniss der Waare mit einer andern ausser ihr existirenden Waare. Diese Form kann aber ebensowohl die Werthgrösse der Waare als das zufällige Verhältniss ausdrücken, worin sie unter gegebnen Umständen veräusserlich ist. Die Möglichkeit quantitativer Incongruenz zwischen Preis und Werthgrösse, oder der Abweichung des Preises von der Werthgrösse, ist also in der Preisform selbst gegeben. Es ist diess kein Mangel dieser Form, sondern macht sie umgekehrt zur adäquaten Form einer Produktionsweise, worin sich die Regel nur als blindwirkendes Durchschnittsgesetz der Regellosigkeit durchsetzen kann.
Die Preisform lässt jedoch nicht nur die Möglichkeit quantitativer Incongruenz zwischen Werthgrösse und Preis, d. h. zwischen der Werthgrösse und ihrem eignen Geldausdruck zu, sondern kann einen qualitativen Widerspruch beherbergen, so dass der Preis überhaupt aufhört, Werthausdruck zu sein, obgleich Geld nur die Werthform der Waaren ist. Dinge, die an und für sich keine Waaren sind, z. B. Gewissen, Ehre u. s. w., können ihren Besitzern gegen Geld veräusserlich sein und so durch ihren Preis die Waarenform erhalten. Ein Ding kann daher formell einen Preis haben, ohne einen Werth zu haben. Der Preisausdruck wird hier imaginär, wie gewisse Grössen der Mathematik oder das „unendliche Urtheil“ der Logik. Wo wir jedoch für wesentliche Produktionsverhältnisse derartige imaginäre Preisform finden, wie z. B. Preis des Grund und Bodens, obgleich der Boden, weil keine menschliche Arbeit in ihm vergegenständlicht ist, auch keinen Werth hat, wird die tiefere Analyse unter der imaginären Form stets ein wirkliches Werthverhältniss oder von ihm abgeleitete Beziehung verborgen finden.
Doch kehren wir zurück zum normalen Waarenpreis, der uns hier allein noch bekannt ist. Der Preis ist die nurideelle Werthgestalt der Waare. Er drückt also zugleich aus, dass sie noch nicht reelle Werthgestalt besitzt oder dass ihre Naturalform nicht ihre allgemeine Aequivalentform ist. Die ideelle Werthgestalt der Waare ist ferner Preis, d. h. nur vorgestellte oder ideelle Goldgestalt. Er drückt also aus, dass, um die Wirkung eines Tauschwerths oder allgemeinen Aequivalents auf andre Waaren auszuüben, sie ihren natürlichen Leib abstreifen, sich aus nur vorgestelltem Gold in wirkliches Gold verwandeln muss, obgleich diese Transsubstantiation ihr „saurer“ ankommen mag als dem hegel’schen „Begriff“ der Uebergang aus der Nothwendigkeit in die Freiheit oder einem Hummer das Sprengen seiner Schale, oder dem Kirchenvater Hieronymus das Abstreifen des alten Adam59. Neben ihrer reellen Gestalt, Eisen z. B., kann die Waare im Preis ideelle Werthgestalt oder vorgestellte Goldgestalt besitzen, aber sie kann nicht zugleich wirklich Eisen und wirklich Gold sein. Für ihre Preisgebung genügt es, vorgestelltes Gold ihr gleichzusetzen. Durch Gold ist sie zu ersetzen, damit sie ihrem Besitzer den Dienst eines allgemeinen Aequivalents leiste. Träte der Besitzer des Eisens z. B. dem Besitzer einer weltlustigen Waare gegenüber, und verwiese ihn auf den Eisen- preis, der Geldform sei, so würde der Weltlustige antworten, wie im Himmel der heilige Petrus dem Dante, der ihm die Glaubensformeln hergesagt: „Assai bene è trascorsa D’esta moneta già la lega e’l peso, Ma dimmi se tu l’hai nella tua borsa.“
Die Preisform schliesst die Veräusserlichkeit der Waaren gegen Geld und die Nothwendigkeit dieser Veräusserung ein. Die Preisbestimmung der Waaren hat andrerseits eine im Austauschprozess befindliche Waare, das Gold, bereits zu Geld gemacht. Im ideellen Mass der Werthe lauert daher das harte Geld.
B. Circulationsmittel.
a) Die Metamorphose der Waaren.
Man sah, dass der Austauschprozess der Waaren widersprechende und einander ausschliessende Beziehungen einschloss. Die Entwicklung der Waare, die wir eben betrachtet, hebt diese Widersprüche nicht auf, aber sie schafft die Form, worin sie sich bewegen können. Diess ist überhaupt die Methode, wodurch sich wirkliche Widersprüche lösen. Es ist z. B. ein Widerspruch, dass ein Körper beständig in einen andern fällt und eben so beständig von ihm weg flieht. Die Ellipse ist eine der Bewegungsformen, worin dieser Widerspruch sich eben so sehr verwirklicht als löst.
Soweit der Austauschprozess der Waaren sie aus der Hand, worin sie Nicht-Gebrauchswerthe, in die Hand überträgt, worin sie Gebrauchswerthe, ist er gesellschaftlicher Stoffwechsel. Das Produkt einer nützlichen Arbeitsweise ersetzt das der andern. Einmal angelangt zur Stelle, wo sie als Gebrauchswerth gilt, dient die Waare als Gebrauchsgegenstand oder fällt in die Sphäre der Consumtion aus der Sphäre des Waarenaustauschs. Letztre allein interessirt uns hier. Wir haben also den ganzen Prozess nach der Formseite zu betrachten, also nur den Formwechsel oder die Metamorphose der Waaren, welche den gesellschaftlichen Stoffwechsel vermittelt.
Die durchaus mangelhafte Auffassung dieses Formwechsels, der Funktionen des Geldes, der daraus entspringenden verschiednen Formbestimmtheiten, die das Geld aus seinen verschiednen Funktionen schöpft, ist, abgesehn von Unklarheit über den Werthbegriff selbst, dem Umstand geschuldet, dass jeder Formwechsel einer Waare sich im Austausch zweier Waaren, der Waare und der Geldwaare, darstellt. Hält man an diesem stofflichen Moment, dem Austausch von Waare und Gold, allein fest, so übersieht man grade, was man sehn soll, nämlich was sich mit der Form zuträgt. Man übersieht, dass die Bestimmung des Goldes als Geld bereits eine Formbestimmung ist, die ihm nicht als blosser Waare gehört, dass die andern Waaren sich in ihren Preisen selbst auf das Gold als ihre eigne Geldgestalt beziehn, und dass es seinerseits nur die allgemeine unmittelbare Aequivalentform erhält, weil die Waaren überhaupt sich eine allgemeine relative Werthform geben müssen.
Die Waaren gehn zunächst unvergoldet, unverzuckert, wie der Kamm ihnen gewachsen ist, den Austauschprozess ein. Er produzirt die Verdopplung der Waare in Waare und Geld, ein äusserer Gegensatz, worin sie ihren immanenten Gegensatz von Gebrauchswerth und Tauschwerth darstellen. In diesem Gegensatz treten die Waaren als Gebrauchswerthe dem Geld als Tauschwerth gegenüber. Andrerseits sind beide Seiten des Gegensatzes Waaren, also Einheiten von Gebrauchswerth und Werth. Aber diese Einheit von Unterschieden stellt sich auf jedem der beiden Pole umgekehrt dar und stellt dadurch zugleich deren Wechselbeziehung dar. Die Waare ist reell Gebrauchswerth, ihr Werthdasein erscheint nur ideell im Preis, der sie auf das gegenüberstehende Gold als ihre reelle Werthgestalt bezieht. Umgekehrt gilt das Goldmaterial nur als Werthmateriatur Geld. Es ist reell daher all gemeines Aequivalent, Tauschwerth. Sein Gebrauchswerth erscheint nur noch ideell in der Reihe der relativen Werthausdrücke, worin es sich auf die gegenüberstehenden Waaren als den Umkreis seiner reellen Gebrauchsgestalten bezieht. Diese gegensätzlichen Formen der Waaren sind die wirklichen Bewegungsformen ihres Austauschprozesses.
Begleiten wir nun irgend einen Waarenbesitzer, unsern altbekannten Leinweber z. B., zur Scene des Austauschprozesses, dem Waarenmarkt. Seine Waare, 20 Ellen Leinwand, ist preisbestimmt. Ihr Preis ist 2 Pfd. St. Er tauscht sie aus gegen 2 Pfd. St., und, Mann von altem Schrot und Korn, tauscht die 2 Pfd. St. wieder aus gegen eine Familienbibel vom selben Preis. Die Leinwand, für ihn nur Waare, Werthträger, wird entäussert gegen Gold, ihre Werthgestalt, und aus dieser Gestalt rückveräussert gegen eine andere Waare, die Bibel, die aber als Gebrauchsgegenstand in’s Weberhaus wandern und dort Erbauungsbedürfnisse befrie digen soll. Der Austauschprozess der Waare vollzieht sich also in zwei entgegengesetzten und einander ergänzenden Metamorphosen — Verwandlung der Waare in Geld und ihre Rückverwandlung aus Geld in Waare60. Die Momente der Waarenmetamorphose sind zugleich Händel des Waarenbesitzers — Verkauf, Austausch der Waare mit Geld, Kauf, Austausch des Gelds mit Waare, und Einheit beider Akte: Verkaufen um zu kaufen.
Besieht sich der Leinweber nun das Endresultat des Handels, so besitzt er Bibel statt Leinwand, statt seiner ursprünglichen Waare eine andre vom selben Werth, aber verschiedner Nützlichkeit. In gleicher Weise eignet er sich seine verschiednen Lebens- und Produktionsmittel an. Von seinem Standpunkt vermittelt der ganze Prozess, die Geldwerdung der Leinwand und die Waarenwerdung des Geldes, Verkauf und Kauf, nur den Austausch seines Arbeitsprodukts mit fremdem Arbeitsprodukt, den Produktenaustausch.
Der Austauschprozess der Waare vollzieht sich also in folgendem Formwechsel: Waare — Geld — Waare. W — G — W.
Nach ihrem stofflichen Inhalt ist die Bewegung W — W, Austausch von Waare gegen Waare, Stoffwechsel der gesellschaftlichen Arbeit, in dessen Resultat der Prozess selbst erlischt.
W — G. Erste Metamorphose der Waare oder Verkauf: Das Ueberspringen des Waarenwerths aus dem Waarenleib in den Goldleib ist, wie ich es anderswo bezeichnet, der salto mortale der Waare. Misslingt er, so ist zwar nicht die Waare geprellt, wohl aber der Waarenbesitzer. Die gesellschaftliche Theilung der Arbeit macht seine Arbeit ebenso einseitig als seine Bedürfnisse vielseitig. Eben desswegen dient ihm sein Produkt nur als Tauschwerth, allgemeines Aequivalent. Allgemeine, gesellschaftlich gültige Aequivalentform erhält es aber nur im Geld und das Geld befindet sich in fremder Tasche. Um es herauszuziehn, muss die Waare vor allem Gebrauchswerth für den Geldbesitzer sein, die auf sie verausgabte Arbeit also in gesellschaftlich nützlicher Form verausgabt sein oder sich als Glied der gesellschaftlichen Theilung der Arbeit bewähren. Aber die Theilung der Arbeit ist ein naturwüchsiger Produktionsorganismus, dessen Fäden hinter dem Rücken der Waarenproducenten gewebt wurden und sich fortweben. Vielleicht ist die Waare Produkt einer neuen Arbeitsweise, die ein neu aufgekommenes Bedürfniss zu befriedigen vorgiebt oder auf eigne Faust ein Bedürfniss erst hervorrufen will. Gestern noch eine Funktion unter den vielen Funktionen eines und desselben Waarenproducenten, reisst sich eine besondre Arbeitsverrichtung heute vielleicht los von diesem Zusammenhang, verselbstständigt sich und schickt eben desswegen ihr Theilprodukt als selbstständige Waare zu Markt. Die Umstände mögen reif oder unreif sein für diesen Scheidungsprozess. Das Produkt befriedigt heute ein gesellschaftliches Bedürfniss. Morgen wird es vielleicht ganz oder theilweise von einer ähnlichen Produktenart aus seinem Platze verdrängt. Ist auch die Arbeit, wie die unsres Leinwebers, patentirtes Glied der gesellschaftlichen Arbeitstheilung, so ist damit noch keineswegs der Gebrauchswerth grade seiner 20 Ellen Leinwand garantirt. Wenn das gesellschaftliche Bedürfniss für Leinwand, und es hat sein Mass, wie alles andre, bereits durch nebenbuhlerische Leinweber gesättigt ist, wird das Produkt unsres Freundes überschüssig, überflüssig und damit nutzlos. Einem geschenkten Gaul sieht man nicht ins Maul, aber er beschreitet nicht den Markt, um Präsente zu machen. Gesetzt aber der Gebrauchswerth seines Produkts bewähre sich und Geld werde daher angezogen von der Waare. Aber nun fragt sich’s, wie viel Geld? Die Antwort ist allerdings schon anticipirt im Preis der Waare, dem Exponenten ihrer Werthgrösse. Wir sehn ab von etwaigen rein subjektiven Rechenfehlern des Waarenbesitzers, die auf dem Markt sofort objectiv corrigirt werden. Er soll auf sein Produkt nur den gesellschaftlich nothwendigen Durchschnitt von Arbeitszeit verausgabt haben. Der Preis der Waare ist also nur Geldname des in ihr vergegenständlichten Quantums gesellschaftlicher Arbeit. Aber ohne Erlaubniss und hinter dem Rücken unsres Leinwebers geriethen die altverbürgten Produktionsbedingungen der Leinweberei in Gährung. Was gestern zweifelsohne gesellschaftlich nothwendige Ar beitszeit zur Produktion einer Elle Leinwand war, hört heute auf es zu sein, wie der Geldbesitzer eifrigst demonstrirt aus den Preisquotationen verschiedner Nebenbuhler unsres Freundes. Zu seinem Unglück giebt’s viele Weber auf der Welt. Gesetzt endlich jedes auf dem Markt vorhandne Stück Leinwand enthalte nur gesellschaftlich nothwendige Arbeitszeit. Trotzdem kann die Gesammtsumme dieser Stücke überflüssig verausgabte Arbeitszeit enthalten. Vermag der Marktmagen das Gesammtquantum Leinwand, zum Normalpreis von 2 Sh. per Elle, nicht zu absorbiren, so beweist das, dass ein zu grosser Theil der gesellschaftlichen Gesammtarbeitszeit in der Form der Leinweberei verausgabt wurde. Die Wirkung ist dieselbe als hätte jeder einzelne Leinweber mehr als die gesellschaftlich nothwendige Arbeitszeit auf sein individuelles Produkt verwandt. Hier heisst’s: Mitgefangen, mitgehangen. Alle Leinwand auf dem Markt gilt nur als ein Handelsartikel, jedes Stück nur als aliquoter Theil. Und in der That ist der Werth jeder individuellen Elle ja auch nur die Materiatur desselben gesellschaftlich bestimmten Quantums gleichartiger menschlicher Arbeit.
Man sieht, die Waare liebt das Geld, aber „the course of true love runs never smooth.“ Ebenso naturwüchsig zufällig, wie die qualitative, ist die quantitative Gliederung des gesellschaftlichen Produktionsorganismus, der seine membra disjecta im System der Theilung der Arbeit darstellt. Unsere Waarenbesitzer entdecken daher, dass dieselbe Theilung der Arbeit, die sie zu unabhängigen Privatproducenten, den gesellschaftlichen Produktionsprozess und ihre Verhältnisse in diesem Prozess von ihnen selbst unabhängig macht, dass die Unabhängigkeit der Personen von einander sich in einem System allseitiger sachlicher Abhängigkeit ergänzt.
Die Theilung der Arbeit verwandelt das Arbeitsprodukt in Waare und macht dadurch seine Verwandlung in Geld nothwendig. Sie macht es zugleich zufällig, ob diese Transsubstantiation gelingt. Hier ist jedoch das Phänomen rein zu betrachten, sein normaler Vorgang also vorauszusetzen. Wenn es übrigens überhaupt vorgeht, die Waare also nicht unverkäuflich ist, findet stets ihr Formwechsel statt, obgleich abnormal in diesem Formwechsel Substanz — Werthgrösse — eingebüsst oder zugesetzt werden mag.
Dem einen Waarenbesitzer ersetzt Gold seine Waare und dem an dern Waare sein Gold. Das sinnfällige Phänomen ist der Hände- oder Stellenwechsel von Waare und Gold, von 20 Ellen Leinwand und 2 Pfd. St., d. h. ihr Austausch. Aber womit tauscht sich die Waare aus? Mit ihrer eignen allgemeinen Werthgestalt. Und womit das Gold? Mit einer besondern Gestalt seines Gebrauchswerths. Warum tritt Gold der Leinwand als Geld gegenüber? Weil ihr Preis von 2 Pfd. St. oder ihr Geldname sie bereits auf Gold als Geld bezieht. Die Entäusserung der ursprünglichen Waarenform vollzieht sich durch die Veräusserung der Waare, d. h. in dem Augenblicke, wo ihr Gebrauchswerth das in ihrem Preis nur vorgestellte Gold wirklich anzieht. Die Realisirung des Preises oder der nur ideellen Werthform der Waare ist daher zugleich umgekehrt Realisirung des nur ideellen Gebrauchswerths des Geldes, die Verwandlung von Waare in Geld zugleich Verwandlung von Geld in Waare. Der eine Prozess ist zweiseitiger Prozess, vom Pol des Waarenbesitzers Verkauf, vom Gegenpol des Geldbesitzers Kauf. Oder Verkauf ist Kauf, W — G zugleich G — W61.
Wir kennen bisher kein andres ökonomisches Verhältniss der Menschen zu einander ausser dem von Waarenbesitzern, ein Verhältniss, worin sie fremdes Arbeitsprodukt nur aneignen, indem sie eignes entfremden. Einem Waarenbesitzer kann der andre daher nur als Geldbesitzer gegenübertreten, entweder weil sein Arbeitsprodukt von Natur die Geldform besitzt, also Geldmaterial ist, Gold u. s. w., oder weil seine eigne Waare sich bereits gehäutet und ihre ursprüngliche Gebrauchsform abgestreift hat. Um als Geld zu funktioniren, muss das Gold natürlich an irgend einem Punkt in den Waarenmarkt eintreten. Dieser Punkt liegt an seiner Produktionsquelle, wo es sich als unmittelbares Arbeitsprodukt mit anderm Arbeitsprodukt von demselben Werth austauscht. Aber von diesem Augenblick funktionirt es nur als wirkliches Geld, weil es beständig realisirter Waarenpreis ist62. Abgesehn vom Austausch des Golds mit Waare an seiner Produktionsquelle, ist das Gold in der Hand jedes Waarenbesitzers die entäusserte Gestalt seiner veräusserten Waare, Produkt des Verkaufs oder der ersten Waarenmetamorphose W — G63. Ideelles Geld oder Werthmass wurde das Gold, weil alle Waaren ihre Werthe in ihm massen und es so vorstellungsweise zu ihrer entäusserten Gebrauchsgestalt oder Werthgestalt machten. Reelles Geld wird es, weil die Waaren durch ihre allseitige Veräusserung es zu ihrer wirklich entäusserten oder verwandelten Gebrauchsgestalt und daher zu ihrer wirklichen Werthgestalt machen. In ihrer Werthgestalt streift die Waare jede Spur ihres naturwüchsigen Gebrauchswerths und der besondern nützlichen Arbeit ab, welcher sie den Ursprung verdankt, um sich in die gleichförmige gesellschaftliche Materiatur unterschiedsloser menschlicher Arbeit zu verpuppen. Man sieht dem Geld daher nicht an, welchen Schlags die in es verwandelte Waare. Eine sieht in ihrer Geldform grade aus wie die andre. Geld mag daher Dreck sein, obgleich Dreck nicht Geld ist. Wir wollen annehmen, dass die zwei Goldfüchse, wogegen unser Leineweber seine Waare veräussert, die verwandelte Gestalt eines Quarters Weizen sind. Der Verkauf der Leinwand, W — G, ist zugleich ihr Kauf, G — W. Aber als Verkauf der Leinwand beginnt dieser Prozess eine Bewegung, die mit seinem Gegentheil endet, mit dem Kauf der Bibel; als Kauf der Leinwand endet er eine Bewegung, die mit seinem Gegentheil begann, mit dem Verkauf des Weizens. W — G (Leinwand — Geld), die erste Phase von W — G — W (Leinwand — Geld — Bibel), ist zugleich G — W (Geld — Leinwand), die letzte Phase einer andern Bewegung W — G — W (Weizen — Geld — Leinwand). Die erste Metamorphose einer Waare, ihre Verwandlung aus der Waarenform in Geld, ist stets zugleich zweite entgegengesetzte Metamorphose einer andern Waare, ihre Rückverwandlung aus der Geldform in Waare64.
65
G — W. Zweite oder Schlussmetamorphose der Waare. Kauf. — Weil die entäusserte Gestalt aller andern Waaren oder das Produkt ihrer allgemeinen Veräusserung, ist Geld die absolut veräusserliche Waare. Es liest alle Preise rückwärts und spiegelt sich so in allen Waarenleibern als dem hingebenden Material seiner eignen Waarenwerdung. Zugleich zeigen die Preise, die Liebesaugen, womit ihm die Waaren winken, die Schranke seiner Verwandlungsfähigkeit, nämlich seine eigne Quantität. Da die Waare in ihrer Geldwerdung verschwindet, sieht man dem Geld nicht an, wie es in die Hände seines Besitzers gelangt oder was in es verwandelt ist. Non olet, wessen Ursprungs auch immer. Als entäusserte Gestalt steht es den Waaren, ihm als der absolut veräusserlichen Waarengestalt steht die Waarenwelt gegenüber66.
G — W, der Kauf ist zugleich Verkauf, W — G, die letzte Metamorphose einer Waare daher zugleich die erste Metamorphose einer andern Waare. Für unsern Leinweber schliesst der Lebenslauf seiner Waare mit der Bibel, worin er die 2 Pfd. St. rückverwandelt hat. Aber der ursprüngliche Bibelbesitzer setzt die vom Leineweber gelösten 2 Pfd. St. in Kornbranntwein um, G — W, die Schlussphase von W — G — W (Leinwand — Geld — Bibel) ist zugleich W — G, die erste Phase von W — G — W (Bibel — Geld — Kornbranntwein). Da der Waarenproduzent nur ein einseitiges Produkt liefert, verkauft er es oft in grösseren Massen, während seine vielseitigen Bedürfnisse ihn zwingen, den realisirten Preis oder die gelöste Geldsumme beständig in zahlreiche Käufe zu zersplittern. Ein Verkauf mündet daher in viele Käufe verschiedner Waaren. Die Schlussmetamorphose einer Waare bildet so eine Summe von ersten Metamorphosen andrer Waaren.
Betrachten wir nun die Gesammtmetamorphose einer Waare, z. B. der Leinwand, so sehn wir zunächst, dass sie aus zwei entgegengesetzten und einander ergänzenden Bewegungen besteht, W — G und G — W. Die zwei entgegengesetzten Wandlungen vollziehn sich in zwei entgegengesetzten gesellschaftlichen Prozessen des Waarenbesitzers und reflektiren sich in zwei entgegengesetzten ökonomischen Charakteren dessel ben. Als Agent des Verkaufs wird er Verkäufer, als Agent des Kaufs Käufer. Wie aber in jeder Wandlung der Waare ihre beiden Formen, Waarenform und Geldform, gleichzeitig existiren, nur auf entgegengesetzten Polen, so steht demselben Waarenbesitzer als Verkäufer ein andrer Käufer und als Käufer ein andrer Verkäufer gegenüber. Wie dieselbe Waare die zwei umgekehrten Wandlungen successiv durchläuft, aus Waare Geld und aus Geld Waare wird, so wechselt derselbe Waarenbesitzer die Rollen von Verkäufer und Käufer. Es sind diess also keine festen, sondern im Tauschprozess der Waaren beständig die Person wechselnden Charaktere.
Die Gesammtmetamorphose einer Waare unterstellt, in ihrer einfachsten Form, vier Extreme und drei Personae dramatis. Erst tritt der Waare das Geld als ihre entäusserte Gestalt gegenüber, die jenseits, in fremder Tasche, sachlich harte Realität besitzt. So tritt dem Waarenbesitzer ein Geldbesitzer gegenüber. Sobald die Waare nun in Geld verwandelt, wird letztres zu ihrer verschwindenden Aequivalentform, deren Gebrauchswerth oder Inhalt diesseits in andern Waarenkörpern existirt. Als Endpunkt der ersten Waarenwandlung ist das Geld zugleich Ausgangspunkt der zweiten. So der Verkäufer im ersten Act Käufer im zweiten, wo ihm ein dritter Waarenbesitzer als Verkäufer gegenübertritt67.
Die beiden umgekehrten Bewegungsphasen der Waarenmetamorphose bilden einen Kreislauf: Waarenform, Abstreifung der Waarenform, Rückkehr zur Waarenform. Allerdings ist die Waare selbst hier gegensätzlich bestimmt, am Ausgangspunkt Nicht-Gebrauchswerth, am Endpunkt Gebrauchswerth für ihren Besitzer, wie das Geld die Waare erst als festen Werthkrystall darstellt, um hinterher als ihre blosse Aequivalentform zu zerrinnen.
Die zwei Metamorphosen, die den Kreislauf einer Waare, bilden zugleich die umgekehrten Theilmetamorphosen zweier andren Waaren. Dieselbe Waare (Leinwand) eröffnet die Reihe ihrer eignen Metamorphosen und schliesst die Gesammtmetamorphose einer andern Waare (des Weizens). Während ihrer ersten Wandlung, dem Verkauf, spielt sie diese zwei Rollen in eigner Person. Als Goldchrysalide dagegen, worin sie selbst den Weg alles Fleisches wandert, endet sie zugleich die erste Metamorphose einer dritten Waare. Der Kreislauf, den die Metamorphosenreihe jeder Waare bildet, verschlingt sich also unentwirrbar mit den Kreisläufen andrer Waaren. Der Gesammtprozess stellt sich dar als Waarencirculation.
Die Waarencirculation ist nicht nur formell, sondern wesentlich vom unmittelbaren Produktenaustausch unterschieden. Man werfe nur einen Rückblick auf den Vorgang. Der Leineweber hat unbedingt Leinwand mit Bibel vertauscht, eigne Waare mit fremder. Aber diess Phänomen ist nur wahr für ihn. Der Bibelagent, der dem Kühlen Heisses vorzieht, dachte nicht daran, Leinwand für Bibel einzutauschen, wie der Leineweber nicht davon weiss, dass Weizen gegen seine Leinwand eingetauscht worden ist u. s. w. Die Waare des B ersetzt die Waare des A, aber A und B tauschen nicht wechselseitig ihre Waaren aus. Es kann in der That vorkommen, dass A und B wechselweis von einander kaufen, aber solche besondre Beziehung ist keineswegs durch die allgemeinen Verhältnisse der Waarencirculation bedingt. Einerseits sieht man hier, wie der Waarenaustausch die individuellen und lokalen Schranken des unmittelbaren Produktenaustauschs durchbricht und den Stoffwechsel der menschlichen Arbeit entwickelt. Andrerseits entwickelt sich ein ganzer Kreis von den handelnden Personen uncontrolirbarer, gesellschaftlicher Naturzusammenhänge. Der Weber kann nur Leinwand verkaufen, weil der Bauer Weizen, Heisssporn nur die Bibel, weil der Weber Leinwand, der Destillateur nur gebranntes Wasser, weil der andre das Wasser des ewigen Lebens bereits verkauft hat u. s. w.
Der Circulationsprozess erlischt desswegen auch nicht, wie der unmittelbare Produktenaustausch, in dem Stellen - oder Händewechsel der Gebrauchswerthe. Das Geld verschwindet nicht, weil es schliesslich aus der Metamorphosenreihe einer Waare herausfällt. Es schlägt immer nieder auf eine durch die Waaren geräumte Circulationsstelle. Z. B. in der Gesammtmetamorphose der Leinwand: Leinwand — Geld — Bibel fällt erst die Leinwand aus der Circulation, Geld tritt an ihre Stelle, fällt dann die Bibel aus der Circulation, Geld tritt an ihre Stelle. Der Ersatz von Waare durch Waare lässt zugleich an dritter Hand die Geldwaare hängen. Die Circulation schwitzt beständig Geld aus.
Nichts kann alberner sein als das Dogma, die Waarencirculation bedinge ein nothwendiges Gleichgewicht der Verkäufe und Käufe, weil jeder Verkauf Kauf und vice versa. Meint diess, dass die Zahl der wirklich vollzognen Verkäufe gleich derselben Zahl von Käufen, so ist es platte Tautologie. Aber es soll beweisen, dass der Verkäufer seinen eignen Käufer zu Markt führt. Verkauf und Kauf sind ein identischer Act als Wechselbeziehung zweier polarisch entgegengesetzter Personen, des Waarenbesitzers und des Geldbesitzers. Sie bilden zweipolarisch entgegengesetzte Akte als Handlungen derselben Person. Die Identität von Verkauf und Kauf schliesst daher ein, dass die Waare nutzlos wird, wenn sie, in die alchymistische Retorte der Circulation geworfen, nicht als Geld herauskommt, nicht vom Waarenbesitzer verkauft, also vom Geldbesitzer gekauft wird. Jene Identität enthält ferner, dass der Prozess, wenn er gelingt, einen Ruhepunkt, einen Lebensabschnitt der Waare bildet, der länger oder kürzer währen kann. Da die erste Metamorphose der Waare zugleich Verkauf und Kauf, ist dieser Theilprozess zugleich selbstständiger Prozess. Der Käufer hat die Waare, der Verkäufer hat das Geld, d. h. eine Waare, die circulationsfähige Form bewahrt, ob sie früher oder später wieder auf dem Markt erscheine. Keiner kann verkaufen, ohne dass ein Andrer kauft. Aber keiner braucht unmittelbar zu kaufen, weil er selbst verkauft hat. Die Circulation sprengt die zeitlichen, örtlichen und individuellen Schranken des Produktenaustauschs eben dadurch, dass sie die hier vorhandne unmittelbare Identität zwischen dem Austausch des eignen und dem Eintausch des fremden Arbeitsprodukts in den Gegensatz von Verkauf und Kauf spaltet. Dass die selbstständig einander gegenübertretenden Prozesse eine innere Einheit bilden, heisst eben so sehr, dass ihre innere Einheit sich in äusseren Gegensätzen bewegt. Geht die äusserliche Verselbstständigung der innerlich Unselbstständigen, weil einander ergänzenden, bis zu einem gewissen Punkt fort, so macht sich die Einheit gewaltsam geltend durch eine — Krise. Der der Waare immanente Gegensatz von Gebrauchswerth und Tauschwerth, von Privatarbeit, die sich zugleich als unmittelbar gesellschaftliche Arbeit darstellen muss, von besondrer konkreter Arbeit, die zugleich nur als abstrakt allgemeine Arbeit gilt, von Personificirung der Sache und Versachlichung der Personen — dieser immanente Widerspruch erhält in den Gegensätzen der Waarenmetamorphose seine entwickelten Bewegungsformen. Diese Formen schliessen daher die Möglichkeit, aber auch nur die Möglichkeit der Krisen ein. Die Entwicklung dieser Möglichkeit zur Wirklichkeit erfordert einen ganzen Umkreis von Verhältnissen, die vom Standpunkt der einfachen Waarencirculation noch gar nicht existiren68.
Als Vermittler der Waarencirculation erhält das Geld die Funktion des Circulationsmittels.
b) Der Umlauf des Geldes.
Der Formwechsel, worin sich der Stoffwechsel der Arbeitsprodukte vollzieht, W — G — W, bedingt, dass derselbe Werth als Waare den Ausgangspunkt des Prozesses bildet und zu demselben Punkt zurückkehrt als Waare. Diese Bewegung der Waaren ist daher Kreislauf. Andrerseits schliesst dieselbe Form den Kreislauf des Geldes aus. Ihr Resultat ist beständige Entfernung des Geldes von seinem Ausgangspunkt, nicht Rückkehr zu demselben. So lange der Verkäufer die verwandelte Gestalt seiner Waare festhält, das Geld, befindet sich die Waare im Stadium der ersten Metamorphose oder hat nur ihre erste Circulationshälfte zurückgelegt. Ist der Prozess, Verkaufen um zu kaufen, vervollständigt, so ist auch das Geld wieder aus der Hand ihres ursprünglichen Besitzers entfernt. Allerdings, wenn der Leinweber, nachdem er die Bibel gekauft, von neuem Leinwand verkauft, kehrt auch das Geld in seine Hand zurück. Aber es kehrt nicht zurück durch den Circulationsprozess der ersten 20 Ellen Leinwand. Er hat es vielmehr aus den Händen des Leinwebers in die des Bibelverkäufers entfernt. Es kehrt nur zurück durch die Erneuerung oder Wiederholung desselben Circulationsprozesses für neue Waare, und endet hier wie dort mit demselben Resultat. Die dem Geld durch die Waarencirculation unmittelbar ertheilte Bewegungsform ist daher seine beständige Entfernung vom Ausgangspunkt, sein Lauf aus der Hand eines Waarenbesitzers in die eines andern, oder sein Umlauf (currency, cours de la monnaie).
Der Umlauf des Geldes zeigt beständige, eintönige Wiederholung desselben Prozesses. Die Waare steht stets auf Seite des Verkäufers, das Geld stets auf Seite des Käufers, als Kaufmittel. Es funktionirt als Kaufmittel, indem es den Preis der Waare realisirt. Indem es ihn realisirt, überträgt es die Waare aus der Hand des Verkäufers in die des Känfers, während es sich gleichzeitig aus der Hand des Käufers in die des Verkäufers entfernt, um denselben Prozess mit einer andern Waare zu wiederholen. Dass diese einseitige Form der Geldbewegung aus der doppelseitigen Formbewegung der Waare entspringt, ist verhüllt. Die Natur der Waarencirculation selbst erzeugt den entgegengesetzten Schein. Die erste Metamorphose der Waare ist nicht nur als Bewegung des Geldes, sondern als ihre eigne Bewegung sichtbar, aber ihre zweite Metamorphose ist nur als Bewegung des Geldes sichtbar. In ihrer ersten Circulationshälfte wechselt die Waare den Platz mit dem Geld. Damit fällt zugleich ihre Gebrauchsgestalt aus der Circulation heraus, in die Consumtion69. Ihre Werthgestalt oder Geldlarve tritt an ihre Stelle. Die zweite Circulationshälfte durchläuft sie nicht mehr in ihrer eignen Naturalhaut, sondern in ihrer Goldhaut. Die Continuität der Bewegung fällt damit ganz auf die Seite des Geldes und dieselbe Bewegung, die für die Waare zwei entgegengesetzte Prozesse einschliesst, schliesst als eigne Bewegung des Geldes stets denselben Prozess ein, seinen Stellenwechsel mit stets andrer Waare. Das Resultat der Waarencirculation, Ersatz von Waare durch andre Waare, erscheint daher nicht durch ihren eignen Formwechsel vermittelt, sondern durch die Funktion des Geldes als Circulationsmittel, welches die an und für sich bewegungslosen Waaren circulirt, sie aus der Hand, worin sie Nicht-Gebrauchswerthe, in die Hand überträgt, worin sie Gebrauchswerthe, stets in entgegengesetzter Richtung zu seinem eignen Lauf. Es entfernt die Waaren beständig aus der Circulationssphäre, indem es beständig an ihre Circulationsstelle tritt und sich damit von seinem eignen Ausgangspunkt entfernt. Obgleich daher die Geldbewegung nur Ausdruck der Waarencirculation, erscheint umgekehrt die Waarencirculation nur als Resultat der Geldbewegung70.
Andrerseits kommt dem Geld nur die Funktion des Circulationsmittels zu, weil es die verselbstständigte Werthgestalt der Waaren ist. Seine Bewegung als Circulationsmittel ist daher in der That nur ihre eigne Formbewegung. Diese muss sich daher auch sinnlich im Umlauf des Geldes wiederspiegeln. Der doppelte Formwechsel der Waare spiegelt sich wieder im zweimaligen Stellenwechsel desselben Geldstücks, wenn wir die Gesammtmetamorphose einer Waare, in der mehrmaligen Wiederholung seines Stellenwechsels, wenn wir die Verschlingung der zahllosen Metamorphosen in einander betrachten. Dieselben Geldstücke kommen als entäusserte Gestalt der Waare in die Hand des Verkäufers und verlassen sie als absolut veräusserliche Gestalt der Waare. Das Geld wirkt in derselben Weise als Kaufmittel, jedesmal gegenüber andrer Waare, in beiden Prozessen. Aber ihr innerer Zusammenhang, oder die doppelte Formbestimmtheit, die es in beiden Prozessen für dieselbe Waare hat, erscheint in der doppelten und gegensätzlichen Bewegung, die denselben Geldstücken aufgedrückt wird. Dieselben 2 Pfd. St., die beim Verkauf der Leinwand aus der Tasche des Weizenbauers in die Tasche des Leinwebers einwandern, wandern von ihr aus beim Kauf der Bibel. Es ist doppelter Stellenwechsel, und die Leinwand oder ihren Repräsentanten als Centrum betrachtet, in entgegengesetzter Richtung, positiver bei Einnahme des Geldes, negativer bei seiner Ausgabe. Finden dagegen nur einseitige Waarenmetamorphosen statt, blosse Verkäufe oder blosse Käufe, wie man will, so wechselt das selbe Geld auch nur einmal den Platz. Sein zweiter Stellenwechsel drückt stets die zweite Metamorphose der Waare aus, ihre Rückverwandlung aus Geld. Es versteht sich übrigens ganz von selbst, dass alles diess nur für die hier betrachtete Form der einfachen Waarencirculation gilt.
Jede Waare, bei ihrem ersten Schritt in die Circulation, ihrem ersten Formwechsel, fällt aus der Circulation heraus, während stets neue Waare in sie eintritt. Das Geld dagegen als Circulationsmittel haust beständig in der Circulationssphäre und treibt sich beständig in ihr um. Es entsteht also die Frage, wie viel Geld diese Sphäre beständig absorbirt.
In einem Lande geht jeden Tag gleichzeitig, daher räumlich neben einander, eine ungeheure Anzahl einseitiger Waarenmetamorphosen vor, oder eine zahllose Masse zersplitterter Verkäufe, welche die von einander unabhängigen Waarenbesitzer vollziehen. In ihren Preisen sind die Waaren bereits bestimmten vorgestellten Geldquantis gleichgesetzt. Da nun die hier betrachtete, unmittelbare Circulationsform Waare und Geld einander stets leiblich gegenüberstellt, die eine auf den Pol des Verkaufs, das andre auf den Gegenpol des Kaufs, ist die für den Circulationsprozess der Waarenwelt erheischte Masse von Circulationsmitteln bereits durch die Preissumme der Waaren bestimmt. In der That stellt das Geld nur reell die in der Preissumme der Waaren bereits ideell ausgedrückte Goldsumme dar. Die Gleichheit dieser Summen versteht sich daher von selbst. Wir wissen jedoch, dass bei gleichbleibenden Werthen der Waaren ihre Preise mit dem Werthe des Goldes (des Geldmaterials) selbst wechseln, verhältnissmässig steigen, wenn er fällt, und fallen, wenn er steigt. Ob die Preissumme der Waaren so steige oder falle, die Masse des circulirenden Geldes muss gleichmässig steigen oder fallen. Der Wechsel in der Masse der Circulationsmittel entspringt hier allerdings aus dem Geld selbst, aber nicht aus seiner Funktion als Circulationsmittel, sondern aus seiner Funktion als Werthmass. Der Preis der Waaren wechselt erst umgekehrt wie der Werth des Geldes und dann wechselt die Masse der Circulationsmittel direkt wie der Preis der Waaren. Ganz dasselbe Phänomen würde sich ereignen, wenn z. B. nicht der Werth des Goldes sänke, sondern Silber es als Werthmass ersetzte, oder nicht der Werth des Silbers stiege, sondern Gold es aus der Funktion des Werthmasses verdrängte. In dem einen Fall müsste mehr Silber circuliren als vorher Gold, in dem andern weniger Gold als vorher Silber. In beiden Fällen hätte sich der Werth des Geldmaterials verändert, d. h. der Waare, die als Mass der Werthe funktionirt, daher der Preisausdruck der Waarenwerthe, daher die Masse des circulirenden Geldes, das zur Realisirung dieser Preise dient. Man hat gesehn, dass die Circulationssphäre der Waaren ein Loch hat, wodurch Gold (Silber, kurz das Geldmaterial) in sie eintritt als Waare von gegebnem Werth. Dieser Werth ist vorausgesetzt bei der Funktion des Geldes als Werthmass, also bei der Preisbestimmung. Sinkt nun z. B. der Werth des Werthmasses selbst, so erscheint diess zunächst im Preiswechsel der Waaren, die unmittelbar an den Produktionsquellen der edlen Metalle mit ihnen als Waaren ausgetauscht werden. Namentlich in minder entwickelten Zuständen der bürgerlichen Gesellschaft wird ein grosser Theil der andern Waaren noch längere Zeit in dem nun illusorisch gewordnen, veralteten Werth des Werthmasses geschätzt werden. Indess inficirt eine Waare die andre durch ihr relatives Werthverhältniss zu derselben, die Gold- oder Silberpreise der Waaren gleichen sich allmählig aus in den durch ihre Werthe selbst bestimmten Proportionen, bis schliesslich alle Waarenwerthe dem neuen Werth des Geldmetalls entsprechend geschätzt werden. Dieser Ausgleichungsprozess ist begleitet von dem fortwährenden Wachsthum der edlen Metalle, welche im Ersatz für die direkt mit ihnen ausgetauschten Waaren einströmen. In demselben Mass daher, worin die berichtigte Preisgebung der Waaren sich verallgemeinert, oder ihre Werthe dem neuen, gesunkenen und bis zu einem gewissen Punkt fortsinkenden Werth des Metalls gemäss geschätzt werden, ist auch bereits seine zu ihrer Realisirung nothwendige Mehrmasse vorhanden. Einseitige Beobachtung der Thatsachen, welche der Entdeckung der neuen Gold- und Silberquellen folgten, verleitete im 17. und namentlich im 18. Jahrhundert zum Trugschluss, die Waarenpreise seien gestiegen, weil mehr Gold und Silber als Circulationsmittel funktionirten. Im Folgenden wird der Werth des Goldes als gegeben vorausgesetzt, wie er in der That im Augenblick der Preisschätzung gegeben ist.
Unter dieser Voraussetzung also ist die Masse der Circulationsmittel durch die zu realisirende Preissumme der Waaren bestimmt. Setzen wir nun ferner den Preis jeder Waarenart als gegeben voraus, so hängt die Preissumme der Waaren offenbar von der in Circulation befindlichen Waarenmasse ab. Es gehört wenig Kopfbrechens dazu, um zu begreifen, dass wenn 1 Quarter Weizen 2 Pfd. St., 100 Quarter 200 Pfd. St., 200 Quarter 400 Pfd. St. u. s. w. kosten, mit der Masse des Weizens daher die Geldmasse wachsen muss, die beim Verkauf den Platz mit ihm wechselt.
Die Waarenmasse als gegeben vorausgesetzt, fluthet die Masse des circulirenden Geldes auf und ab mit den Preisschwankungen der Waaren. Sie steigt und fällt, weil die Preissumme der Waaren in Folge ihres Preiswechsels zu- oder abnimmt. Dazu ist keineswegs nöthig, dass die Preise aller Waaren gleichzeitig steigen oder fallen. Die Preissteigerung einer gewissen Anzahl leitender Artikel in dem einen, oder ihre Preissenkung in dem andern Fall, reicht hin, um die zu realisirende Preissumme aller circulirenden Waaren zu erhöhn oder zu senken, also auch mehr oder weniger Geld in Circulation zu setzen. Ob der Preiswechsel der Waaren wirkliche Werthwechsel wiederspiegelt oder blosse Schwankungen der Marktpreise, die Wirkung auf die Masse der Circulationsmittel bleibt dieselbe.
Es sei gegeben eine Anzahl zusammenhangsloser, gleichzeitiger und daher räumlich neben einander fallender Verkäufe oder Theilmetamorphosen, z. B. von 2 Quarter Weizen, 20 Ellen Leinwand, 1 Bibel, 4 Gallons Kornbranntwein. Wenn der Preis jedes Artikels 2 Pfd. St., die zu realisirende Preissumme daher 8 Pfd. St., so muss eine Geldmasse von 8 Pfd. St. in die Circulation eingehn. Bilden dieselben Waaren dagegen Glieder der uns bekannten Metamorphosenreihe: 1 Quarter Weizen — 2 Pfd. St. — 20 Ellen Leinwand — 2 Pfd. St. — 1 Bibel — 2 Pfd. St. — 4 Gallons Kornbranntwein — 2 Pfd. St., so circuliren dieselben 2 Pfd. St. die verschiedenen Waaren der Reihe nach, indem sie deren Preise der Reihe nach, also auch die Preissumme von 8 Pfd. St. realisiren, um schliesslich in der Hand des Destillateurs auszuruhn. Sie vollbringen vier Umläufe. Dieser wiederholte Stellenwechsel derselben Geldstücke stellt den doppelten Formwechsel der Waare dar, ihre Bewegung durch zwei entgegengesetzte Circulationsstadien und die Verschlingung der Metamorphosen verschiedner Waaren71. Die gegensätzlichen und einander ergänzenden Phasen, wodurch dieser Prozess verläuft, können nicht räumlich neben einander fallen, sondern nur zeitlich auf einander folgen. Zeitabschnitte bilden daher das Mass seiner Dauer, oder die Anzahl der Umläufe derselben Geldstücke in gegebner Zeit misst die Geschwindigkeit des Geldumlaufs. Der Circulationsprozess jener vier Waaren dauere z. B. einen Tag. So ist die zu realisirende Preissumme: 8 Pfd. St., die Anzahl der Umläufe desselben Geldstücks während des Tags: 4 und die Masse des circulirenden Geldes: 2 Pfd. St., oder für einen gegebnen Zeitabschnitt des Circulationsprozesses: Preissumme der WaarenUmlaufsanzahl eines Geldstücks = Masse des als Circulationsmittel funktionirenden Geldes. Dies Gesetz gilt allgemein. Der Circulationsprozess eines Landes in einem gegebnen Zeitabschnitt umfasst zwar einerseits viele zersplitterte, gleichzeitige und räumlich neben einander fallende Verkäufe (resp. Käufe) oder Theilmetamorphosen, worin dieselben Geldstücke nur einmal die Stelle wechseln oder nur einen Umlauf vollziehn, andrerseits viele theils neben einander herlaufende, theils sich in einander verschlingende mehr oder minder gliederreiche Metamorphosenreihen, worin dieselben Geldstücke mehr oder minder zahlreiche Umläufe zurücklegen. Die Gesammtzahl der Umläufe aller in Circulation befindlichen gleichnamigen Geldstücke ergiebt jedoch die Durchschnittsanzahl der Umläufe des einzelnen Geldstücks oder die Durchschnittsgeschwindigkeit des Geldumlaufs. Die Geldmasse, die bei Beginn z. B. des täglichen Circulationsprozesses in ihn hineingeworfen wird, ist natürlich bestimmt durch die Preissumme der gleichzeitig und räumlich neben einander circulirenden Waaren. Aber innerhalb des Prozesses wird ein Geldstück so zu sagen für das andre verantwortlich gemacht. Beschleunigt das eine seine Umlaufsgeschwindigkeit, so erlahmt die des andern, oder es fliegt ganz aus der Circulationssphäre heraus, da diese nur eine Goldmasse absorbiren kann, welche multiplicirt mit der mittlern Umlaufsanzahl ihres einzelnen Elements gleich der zu realisirenden Preissumme ist. Wächst daher die Anzahl der Umläufe der Geldstücke, so nimmt ihre circulirende Masse ab. Nimmt die Anzahl ihrer Umläufe ab, so wächst ihre Masse. Weil die Masse des Geldes, die als Circulationsmittel funktioniren kann, bei gegebner Durchschnittsgeschwindigkeit gegeben ist, hat man daher z. B. nur eine bestimmte Quantität von Ein-Pfund-Noten in die Cirkulation hinein zu werfen, um eben so viele Sovereigns hinaus zu werfen, ein allen Banken wohlbekanntes Kunststück.
Wie im Geldumlauf überhaupt nur der Circulationsprozess der Waaren erscheint, so in der Geschwindigkeit des Geldumlaufs die Geschwindigkeit ihres Formwechsels, das continuirliche Ineinandergreifen der Metamorphosenreihen, die Hast des Stoffwechsels, das rasche Verschwinden der Waaren aus der Circulationssphäre und ihr ebenso rascher Ersatz durch neue Waaren. In der Geschwindigkeit des Geldumlaufs erscheint also die flüssige Einheit der entgegengesetzten und sich ergänzenden Phasen, Verwandlung der Gebrauchsgestalt in Werthgestalt und Rückverwandlung der Werthgestalt in Gebrauchsgestalt, oder der beiden Prozesse des Verkaufs und Kaufs. Umgekehrt erscheint in der Verlangsamung des Geldumlaufs die Trennung und gegensätzliche Verselbstständigung dieser Prozesse, die Stockung des Formwechsels und daher des Stoffwechsels. Woher diese Stockung entspringt, ist natürlich der Circulation selbst nicht anzusehn. Sie zeigt nur das Phänomen selbst. Der populären Anschauung, welche mit verlangsamtem Geldumlauf das Geld minder häufig auf allen Punkten der Circulationsperipherie erscheinen und verschwinden sieht, liegt es nah das Phänomen aus mangelnder Quantität der Circulationsmittel zu deuten72.
Das Gesammtquantum des in jedem Zeitabschnitt als Circulationsmittel functionirenden Geldes ist also bestimmt einerseits durch die Preissumme der circulirenden Waarenwelt, andrerseits durch den langsamern oder raschern Fluss ihrer gegensätzlichen Circulationsprozesse, von dem es abhängt, der wievielte Theil jener Preissumme durch dieselben Geldstücke realisirt werden kann. Die Preissumme der Waaren hängt aber ab sowohl von der Masse als den Preisen jeder Waarenart. Die drei Faktoren der Preisbewegung, der circulirenden Waarenmasse und endlich der Umlaufsgeschwindigkeit des Geldes können aber in verschiedner Richtung und verschiednen Verhältnissen wechseln, die zu realisirende Preissumme, daher die durch sie bedingte Masse der Circulationsmittel, also sehr zahlreiche Combinationen untergehn. Wir zählen hier nur die in der Geschichte der Waarenpreise wichtigsten auf.
Bei gleichbleibenden Waarenpreisen kann die Masse der Circulationsmittel wachsen, weil die Masse der circulirenden Waaren zunimmt oder die Umlaufsgeschwindigkeit des Geldes abnimmt, oder beides zusammenwirkt. Die Masse der Circulationsmittel kann umgekehrt abnehmen mit abnehmender Waarenmasse oder zunehmender Circulationsgeschwindigkeit.
Bei allgemein steigenden Waarenpreisen kann die Masse der Circulationsmittel gleichbleiben, wenn die Masse der circulirenden Waaren in demselben Verhältniss abnimmt, worin ihr Preis zunimmt, oder die Umlaufsgeschwindigkeit des Geldes eben so rasch zunimmt als die Preiserhöhung, während die cirkulirende Waarenmasse constant bleibt. 73 Die Masse der Circulationsmittel kann fallen, weil die Waarenmasse rascher ab- oder die Umlaufsgeschwindigkeit rascher zunimmt als die Preise.
Bei allgemein fallenden Waarenpreisen kann die Masse der Circulationsmittel gleichbleiben, wenn die Waarenmasse in demselben Verhältniss wächst, worin ihr Preis fällt, oder die Umlaufsgeschwindigkeit des Geldes in demselben Verhältniss abnimmt wie die Preise. Sie kann wachsen, wenn die Waarenmasse rascher wächst oder die Circulationsgeschwindigkeit rascher abnimmt als die Waarenpreise fallen.
Die Variationen der verschiedenen Faktoren können sich wechselseitig compensiren, so dass ihrer beständigen Unstätigkeit zum Trotz die zu realisirende Gesammtsumme der Waarenpreise constant bleibt, also auch die circulirende Geldmasse. Man findet daher, namentlich bei Betrachtung etwas längerer Perioden, ein viel constanteres Durchschnittsniveau der in jedem Lande circulirenden Geldmasse und, mit Ausnahme starker Perturbationen, die periodisch aus den Produktions- und Handelskrisen, seltner aus einem Wechsel im Geldwerth selbst entspringen, viel geringere Abweichungen von diesem Durchschnittsniveau als man nach dem Augenschein erwarten sollte.
Das Gesetz, dass die Quantität der Circulationsmittel bestimmt ist durch die Preissumme der circulirenden Waaren und die Durchschnittsgeschwindigkeit des Geldumlaufs74, kann auch so ausgedrückt werden, dass bei gegebner Werthsumme der Waaren und gegebner Durchschnittsgeschwindigkeit ihrer Metamorphosen, die Quantität des umlaufenden Geldes oder des Geldmaterials von seinem eignen Werth abhängt. Die Illusion, dass umgekehrt die Waarenpreise durch die Masse der Circulationsmittel und letztre ihrerseits durch die Masse des in einem Lande befindlichen Geldmaterials bestimmt werden75, wurzelt bei ihren ursprünglichen Vertretern in der abgeschmackten Hypothese, dass Waaren ohne Preis und Geld ohne Werth in den Circulationsprozess eingehn, 76 wo sich dann ein aliquoter Theil des Waarenbreis mit einem aliquoten Theil des Metallbergs austausche77.
c) Die Münze. Das Werthzeichen.
Aus der Funktion des Geldes als Circulationsmittel entspringt seine Münzgestalt. Der in dem Preise oder Geldnamen der Waaren vorgestellte Gewichtstheil Gold muss ihnen in der Circulation als gleichnamiges Goldstück oder Münze gegenübertreten. Wie die Feststellung des Massstabs der Preise, fällt das Geschäft der Münzung dem Staat anheim. In den verschiedenen Nationaluniformen, die Gold und Silber als Münzen tragen, auf dem Weltmarkt aber wieder ausziehn, erscheint die Scheidung zwischen den innern oder nationalen Sphären der Waarencirculation und ihrer allgemeinen Weltmarktssphäre.
Goldmünze und Barrengold unterscheiden sich also von Haus aus nur durch die Figur, und das Gold ist beständig aus einer Form in die andre verwandelbar78. Der Weg aus der Münze ist aber zugleich der Gang zum Schmelztiegel. Im Umlauf verschleissen nämlich die Goldmünzen, die eine mehr, die andre weniger. Goldtitel und Goldsubstanz, Nominalgehalt und Realgehalt beginnen ihren Scheidungsprozess. Gleichnamige Goldmünzen werden von ungleichem Werth, weil verschiednem Gewicht. Das Gold als Circulationsmittel weicht ab vom Gold als Massstab der Preise, und hört damit auch auf wirkliches Aequivalent der Waaren zu sein, deren Preise es realisirt. Die Geschichte dieser Wirren bildet die Münzgeschichte des Mittelalters und der Neuzeit bis ins 18. Jahrhundert. Die naturwüchsige Tendenz des Cirkulationsprozesses, das Goldsein der Münze in Goldschein oder die Münze in ein Symbol ihres officiellen Metallgehalts zu verwandeln, ist selbst anerkannt durch die modernsten Gesetze über den Grad des Metallverlustes, der ein Goldstück kursunfähig macht oder demonetisirt.
Wenn der Geldumlauf selbst den Realgehalt vom Nominalgehalt der Münze scheidet, ihr Metalldasein von ihrem funktionellen Dasein, so enthält er die Möglichkeit latent, das Metallgeld in seiner Münzfunktion durch Marken aus andrem Material oder Symbole zu ersetzen. Die technischen Hindernisse der Münzung ganz diminutiver Gewichtstheile des Goldes, resp. Silbers, und der Umstand, dass niedrigere Metalle ursprünglich statt der edleren, Silber statt des Goldes, Kupfer statt des Silbers, zum Werthmass dienen und daher als Geld circuliren im Augenblick, wo das edlere Metall sie entthront, erklären historisch die Rolle von Silber- und Kupfermarken als Substitute der Goldmünze. Sie ersetzen das Gold in den Kreisen der Waarencirculation, worin die Münze am schnellsten circulirt und sich daher am schnellsten abnutzt, d. h. wo Käufe und Verkäufe unaufhörlich im kleinsten Massstab erneuert werden. Um die Festsetzung dieser Trabanten an der Stelle des Goldes selbst zu verhindern, werden gesetzlich die sehr niedrigen Proportionen bestimmt, worin sie allein an Zahlungsstatt für Gold angenommen werden müssen. Die besondern Kreise, worin die verschiednen Münzsorten umlaufen, laufen natürlich in einander. Die Scheidemünze erscheint neben dem Gold zur Zahlung von Bruchtheilen der kleinsten Goldmünze; das Gold tritt beständig in die Detailcirculation ein, wird aber durch Auswechslung mit Scheidemünze ebenso beständig herausgeworfen79.
Der Metallgehalt der Silber- oder Kupfermarken ist willkührlich durch das Gesetz bestimmt. Im Umlauf verschleissen sie noch rascher als die Goldmünze. Ihre Münzfunktion wird daher faktisch durchaus unabhängig von ihrem Gewicht, d. h. von allem Werth. Das Münzdasein des Goldes scheidet sich völlig von seiner Werthsubstanz. Relativ werthlose Dinge, Papierzettel, können also an seiner Statt als Münze funktioniren. In den metallischen Geldmarken ist der rein symbolische Charakter noch einigermassen versteckt. Im Papiergeld tritt er augenscheinlich hervor. Man sieht: ce n’est que le premier pas qui coûte.
Es handelt sich hier nur von Staatspapiergeld mit Zwangskurs. Es wächst unmittelbar aus der metallischen Circulation heraus. Creditgeld unterstellt dagegen Verhältnisse, die uns vom Standpunkt der einfachen Waarencirculation noch durchaus unbekannt sind. Im Vorbeigehn sei jedoch bemerkt, dass, wie eigentliches Papiergeld aus der Funktion des Geldes als Circulationsmittel entspringt, das Creditgeld in der Funktion des Geldes als Zahlungsmittel seine naturwüchsige Wurzel besitzt80.
Papierzettel, denen Geldnamen, wie 1 Pfd. St., 5 Pfd. St. u. s. w. aufgedruckt sind, werden vom Staat äusserlich in den Circulationsprozess hineingeworfen. Soweit sie wirklich an der Stelle der gleichnamigen Goldsumme circuliren, spiegeln sich in ihrer Bewegung nur die Gesetze des Geldumlaufs selbst wieder. Ein spezifisches Gesetz der Papiercirculation kann nur aus ihrem Repräsentationsverhältniss zum Gold entspringen. Und diess Gesetz ist einfach diess, dass die Ausgabe des Papiergelds auf die Quantität zu beschränken ist, worin das von ihm symbolisch dargestellte Gold (resp. Silber) wirklich circuliren müsste. Nun schwankt zwar das Goldquantum, welches die Circulationssphäre absorbiren kann, beständig über oder unter ein gewisses Durchschnittsniveau. Jedoch sinkt die Mass des circulirenden Mediums in einem gegebnen Land nie unter ein gewisses Minimum, das sich erfahrungsmässig feststellt. Dass diese Minimalmasse fortwährend ihre Bestandtheile wechselt, d. h. aus stets andern Goldstücken besteht, ändert natürlich nichts an ihrem Umfang und ihrem constanten Umtrieb in der Circulationssphäre. Sie kann daher durch Papiersymbole ersetzt werden. Werden dagegen heute alle Circulationskanäle zum vollen Grad ihrer Geldabsorptionsfähigkeit mit Papiergeld gefüllt, so können sie in Folge der Schwankungen der Waarencirculation morgen übervoll sein. Alles Mass geht verloren. Ueberschreitet aber das Papier sein Mass, d. h. die Quantität von Goldmünze gleicher Denomination, welche circuliren könnte, so stellt es, von der Gefahr allgemeiner Discreditirung abgesehn, innerhalb der Waarenwelt dennoch nur die durch ihre immanenten Gesetze bestimmte, also auch allein repräsentirbare Goldquantität vor. Stellt die Papierzettelmasse z. B. je 2 Unzen Gold, statt je 1 Unze dar, so werden ihre Geldnamen faktisch, sage etwa von 1 Pfd. St. per ¼ Unze, zu Namen von ⅛ Unzen herabgesetzt. Die Wirkung ist dieselbe, als wäre das Gold in seiner Funktion als Mass der Preise verändert worden. Dieselben Werthe, die sich daher vorher im Preise von 1 Pfd. St., drücken sich jetzt im Preise von 2 Pfd. St. aus.
Das Papiergeld ist Goldzeichen oder Geldzeichen. Sein Verhältniss zu den Waaren werthen besteht nur darin, dass sie ideell in denselben Goldquanta ausgedrückt sind, welche vom Papier symbolisch sinnlich dargestellt werden. Nur sofern das Papiergeld Goldquanta repräsentirt, die, wie alle andern Waarenquanta, auch Werthquanta, ist es Werthzeichen.
Es fragt sich schliesslich, warum das Gold durch blosse werthlose Zeichen seiner selbst ersetzt werden kann? Es ist aber, wie man gesehn, nur so ersetzbar, soweit es in seiner Funktion als Münze oder Circulationsmittel isolirt oder verselbstständigt wird. Nun findet die Verselbststän digung dieser Funktion zwar nicht für die einzelnen Goldmünzen statt, obgleich sie in dem Fortcirculiren verschlissener Goldstücke erscheint. Blosse Münze oder Circulationsmittel sind die Goldstücke grade nur so lang sie sich wirklich im Umlauf befinden. Was aber nicht für die einzelne Goldmünze, gilt für die vom Papiergeld ersetzbare Minimalmasse Gold. Sie haust beständig in der Circulationssphäre, funktionirt fortwährend als Circulationsmittel und existirt daher ausschliesslich als Träger dieser Funktion. Ihre Bewegung stellt also nur das fortwährende Ineinanderumschlagen der entgegengesetzten Prozesse der Waarenmetamorphose W — G — W dar, worin der Waare ihre Werthgestalt nur gegenübertritt, um sofort wieder zu verschwinden. Die selbstständige Darstellung des Tauschwerths der Waare ist hier nur flüchtiges Moment. Sofort wird sie wieder durch andere Waare ersetzt. Daher genügt auch die bloss symbolische Existenz des Geldes in einem Prozess, der es beständig aus einer Hand in die andre entfernt. Sein funktionelles Dasein absorbirt so zu sagen sein materielles. Verschwindend objektivirter Reflex der Waarenpreise funktionirt es nur noch als Zeichen seiner selbst und kann daher auch durch Zeichen ersetzt werden81. Nur bedarf das Zeichen des Geldes seiner eignen objektiv gesellschaftlichen Gültigkeit und diese erhält das Papiersymbol durch den Zwangskurs. Nur innerhalb der von den Grenzen eines Gemeinwesens umschriebnen oder innern Circulationssphäre gilt dieser Staatszwang, aber auch nur hier geht das Geld völlig auf in seine Funktion als Circulationsmittel oder Münze, und kann daher im Papiergeld eine von seiner Metallsubstanz äusserlich getrennte und bloss funktionelle Existenzweise erhalten.
C. Geld.
Die Waare, welche als Werthmass und daher auch, persönlich oder durch Stellvertreter, als Circulationsmittel funktionirt, ist Geld. Gold (resp. Silber) ist daher Geld. Als Geld funktionirt es, einerseits wo es in seiner goldnen (resp. silbernen) Leiblichkeit erscheinen muss, daher als Geldwaare, also weder bloss ideell, wie im Werthmass, noch repräsentationsfähig, wie im Circulationsmittel; andrerseits, wo seine Funktion, ob es selbe nun in eigner Person oder durch Stellvertreter vollziehe, es als alleinige Werthgestalt oder allein adäquates Dasein des Tauschwerths allen andern Waaren als blossen Gebrauchswerthen gegenüber fixirt.
a) Schatzbildung.
Der continuirliche Kreislauf der zwei entgegengesetzten Waarenmetamorphosen oder der flüssige Umschlag von Verkauf und Kauf erscheint im rastlosen Umlauf des Geldes oder seiner Funktion als perpetuum mobile der Circulation. Es wird immobilisirt, oder verwandelt sich, wie Boisguillebert sagt, aus meuble in immeuble, aus Münze in Geld, sobald die Metamorphosenreihe unterbrochen, der Verkauf nicht durch nachfolgenden Kauf ergänzt wird.
Mit der ersten Entwicklung der Waarencirculation selbst entwickelt sich die Nothwendigkeit und die Leidenschaft, das Produkt der ersten Metamorphose, die verwandelte Gestalt der Waare oder ihre Goldpuppe festzuhalten82. Waare wird verkauft, nicht um Waare zu kaufen, sondern um Waarenform durch Geldform zu ersetzen. Aus blosser Vermittlung des Stoffwechsels wird dieser Formwechsel zum Selbstzweck. Die entäusserte Gestalt der Waare wird verhindert als ihre absolut veräusserliche Gestalt oder nur verschwindende Geldform zu funktioniren. Das Geld versteinert damit zum Schatz, und der Waarenverkäufer wird Schatzbildner.
Grade in den Anfängen der Waarencirculation verwandelt sich nur der Ueberschuss an Gebrauchswerthen in Geld. Gold und Silber werden so von selbst zu gesellschaftlichen Ausdrücken des Ueberflusses oder des Reichthums. Diese naive Form der Schatzbildung verewigt sich bei Völkern, wo der traditionellen und auf Selbstbedarf gerichteten Produktionsweise ein fest abgeschlossner Kreis von Bedürfnissen entspricht. So bei den Asiaten, namentlich den Indern. Vanderlint, der die Waarenpreise durch die Masse des in einem Land befindlichen Goldes und Silbers bestimmt wähnt, fragt sich, warum die indischen Waaren so wohlfeil? Antwort: Weil die Inder das Geld vergraben. Von 1602—1734, bemerkt er, vergruben sie 150 Millionen Pfd. St. Silber, die ursprünglich von Amerika nach Europa kamen83. Von 1856—1866, also in 10 Jahren, exportirte England nach Indien und China (das nach China exportirte Metall fliesst grossentheils wieder nach Indien) 120 Millionen Pfd. St. in Silber, welches vorher gegen australisches Gold eingewechselt wurde.
Mit mehr entwickelter Waarenproduktion muss jeder Waarenproducent sich den nexus rerum, das „gesellschaftliche Faustpfand“ sichern84. Seine Bedürfnisse erneuern sich unaufhörlich und gebieten unaufhörlichen Kauf fremder Waare, während Produktion und Verkauf seiner eignen Waare Zeit kosten und von Zufällen abhängen. Um zu kaufen, ohne zu verkaufen, muss er vorher verkauft haben, ohne zu kaufen. Diese Operation, auf allgemeiner Stufenleiter ausgeführt, scheint sich selbst zu widersprechen. An ihren Produktionsquellen jedoch tauschen sich die edlen Metalle direkt mit andern Waaren aus. Es findet hier Verkauf (auf Seite der Waarenbesitzer) ohne Kauf (auf Seite der Gold- und Silberbesitzer) statt85. Und spätere Verkäufe ohne nachfolgende Käufe vermitteln bloss die weitere Vertheilung der edlen Metalle unter alle Waarenbesitzer. So entstehn auf allen Punkten des Verkehrs Gold- und Silberschätze vom verschiedensten Umfang. Mit der Möglichkeit, die Waare als Tauschwerth oder den Tauschwerth als Waare festzuhalten, erwacht die Goldgier. Mit der Ausdehnung der Waarencirculation wächst die Macht des Geldes, der stets schlagfertigen, absolut gesellschaftlichen Form des Reichthums. „Gold ist ein wunderbares Ding! Wer dasselbe besitzt, ist Herr von allem, was er wünscht. Durch Gold kann man sogar Seelen in das Paradies gelangen lassen.“ (Columbus, im Brief aus Jamaica, 1503). Da dem Geld nicht anzusehn, was in es verwandelt ist, verwandelt sich alles, Waare oder nicht, in Geld. Alles wird verkäuflich und kaufbar. Die Circulation wird die grosse gesellschaftliche Retorte, worin alles hineinfliegt, um als Geldkrystall wieder herauszukommen. Dieser Alchymie widerstehen nicht einmal Heiligenknochen und noch viel weniger minder grobe res sacrosanctae, extra commercium hominum86. Wie im Geld aller qualitative Unterschied der Waaren ausgelöscht ist, löscht es seinerseits als radikaler Leveller alle Unterschiede aus87. Das Geld ist aber selbst Waare, ein äusserlich Ding, das Privateigenthum eines Jeden werden kann. Die gesellschaftliche Macht wird so zur Privatmacht der Privatperson. Die antike Gesellschaft denuncirt es daher als die Scheidemünze ihrer ökonomischen und sittlichen Ordnung88. Die moderne Gesellschaft, die schon in ihren Kinderjahren den Plutus an den Haaren aus den Eingeweiden der Erde herauszieht89, begrüsst im Goldgral die glänzende Incarnation ihres eigensten Lebensprinzips.
Die Waare als Gebrauchswerth befriedigt ein besondres Bedürfniss und bildet ein besondres Element des stofflichen Reichthums. Aber der Werth der Waare misst den Grad ihrer Attraktionskraft auf alle Elemente des stofflichen Reichthums, daher den gesellschaftlichen Reichthum ihres Besitzers. Dem barbarisch einfachen Waarenbesitzer, selbst einem westeuropäischen Bauer, ist der Werth unzertrennlich von der Werthform, Vermehrung des Gold- und Silberschatzes daher Werthvermehrung. Allerdings wechselt der Werth des Geldes, sei es in Folge seines eignen Werthwechsels, sei es des Werthwechsels der Waaren. Diess verhindert aber einerseits nicht, dass 200 Unzen Gold nach wie vor mehr Werth enthalten als 100, 300 mehr als 200 u. s. w., noch andrerseits dass die metallne Naturalform dieses Dings die allgemeine Aequivalentform aller Waaren bleibt, die unmittelbar gesellschaftliche Incarnation aller menschlichen Arbeit. Der Trieb der Schatzbildung ist von Natur masslos. Qualitativ oder seiner Form nach ist das Geld schrankenlos, d. h. allgemeiner Repräsentant des stofflichen Reichthums, weil in jede Waare unmittelbar umsetzbar. Aber zugleich ist jede wirkliche Geldsumme quantitativ beschränkt, daher auch nur Kaufmittel von beschränkter Wirkung. Dieser Widerspruch zwischen der quantitativen Schranke und der qualitativen Schrankenlosigkeit des Geldes treibt den Schatzbildner stets zurück zur Sisyphusarbeit der Accumulation. Es geht ihm wie dem Welteroberer, der mit jedem neuen Land nur eine neue Grenze erobert.
Um das Gold als Geld festzuhalten und daher als Element der Schatzbildung, muss es verhindert werden zu circuliren oder als Kaufmittel sich in Genussmittel aufzulösen. Der Schatzbildner opfert daher dem Goldfetisch seine Fleischeslust. Er macht Ernst mit dem Evangelium der Entsagung. Andrerseits kann er der Circulation nur in Geld entziehn, was er ihr in Waare giebt. Je mehr er producirt, desto mehr kann er verkaufen. Arbeitsamkeit, Sparsamkeit und Geiz bilden daher seine Kar dinaltugenden, viel verkaufen, wenig kaufen, die Summe seiner politischen Oekonomie90.
Neben der unmittelbaren Form des Schatzes läuft seine ästhetische Form, der Besitz von Gold- und Silberwaaren. Er wächst mit dem Reichthum der bürgerlichen Gesellschaft. „Soyons riches ou paraissons riches.“ (Diderot.) Es bildet sich so theils ein stets ausgedehnterer Markt für Gold und Silber, unabhängig von ihren Geldfunktionen, theils eine latente Zufuhrquelle des Geldes, die namentlich in gesellschaftlichen Sturmperioden fliesst.
Die Schatzbildung erfüllt verschiedne Funktionen in der Oekonomie der metallischen Circulation. Die nächste Funktion entspringt aus den Umlaufsbedingungen der Gold- oder Silbermünze. Man hat gesehn, wie mit den beständigen Schwankungen der Waarencirculation in Umfang, Preisen und Geschwindigkeit die Umlaufsmasse des Geldes rastlos ebbt und fluthet. Sie muss also der Contraktion und Expansion fähig sein. Bald muss Geld als Münze attrahirt, bald Münze als Geld repellirt werden. Damit die wirklich umlaufende Geldmasse dem Sättigungsgrad der Circulationssphäre stets entspreche, muss das in einem Lande befindliche Gold- oder Silberquantum grösser sein als das in Münzfunktion begriffene. Diese Bedingung wird erfüllt durch die Schatzform des Geldes. Die Schatzreservoirs dienen zugleich als Abfuhr- und Zufuhrkanäle des cirkulirenden Geldes, welches seine Umlaufskanäle daher nie überfüllt91.
b) Zahlungsmittel.
In der bisher betrachteten unmittelbaren Form der Waarencirkulation war dieselbe Werthgrösse stets doppelt vorhanden, Waare auf dem einen Pol, Geld auf dem Gegenpol. Die Waarenbesitzer traten daher nur in Contakt als Repräsentanten wechselseitig vorhandner Aequivalente. Mit der Entwicklung der Waarencirkulation entwickeln sich jedoch Verhältnisse, wodurch die Veräusserung der Waare von der Realisirung ihres Preises zeitlich getrennt wird. Es genügt die einfachsten dieser Verhältnisse hier anzudeuten. Die eine Waarenart erheischt längere, die andere kürzere Zeitdauer zu ihrer Produktion. Die Produktion verschiedner Waaren ist an verschiedne Jahreszeiten geknüpft. Die eine Waare wird auf ihrem Marktplatz geboren, die andre muss zu entferntem Markt reisen. Der eine Waarenbesitzer kann daher als Verkäufer auftreten, bevor der andre als Käufer. Bei steter Wiederkehr derselben Transactionen unter denselben Personen regeln sich die Verkaufsbedingungen der Waaren nach ihren Produktionsbedingungen. Der eine Waarenbesitzer verkauft vorhandne Waare, der andre kauft als blosser Repräsentant von Geld oder als Repräsentant von künftigem Gelde. Der Verkäufer wird Gläubiger, der Käufer Schuldner. Da die Metamorphose der Waare oder die Entwicklung ihrer Werthform sich hier verändert, erhält auch das Gold eine andre Funktion. Es wird Zahlungsmittel92.
Der Charakter von Gläubiger oder Schuldner entspringt hier aus der einfachen Waarencirkulation. Ihre Formveränderung drückt dem Verkäufer und Käufer diese neuen Stempel auf. Zunächst also sind es ebenso verschwindende und wechselweis von denselben Cirkulationsagenten gespielte Rollen wie die von Verkäufer und Käufer. Jedoch sieht der Gegensatz jetzt von Haus aus minder gemüthlich aus und ist grösserer 93 Krystallisation fähig94. Dieselben Charaktere können aber auch von der Waarencirculation unabhängig auftreten. Der Klassenkampf der antiken Welt z. B. bewegt sich hauptsächlich in der Form eines Kampfes zwischen Gläubiger und Schuldner, und endet in Rom mit dem Untergang des plebejischen Schuldners, der durch den Sklaven ersetzt wird. Im Mittelalter endet der Kampf mit dem Untergang des feudalen Schuldners, der seine politische Macht mit ihrer ökonomischen Basis einbüsst. Indess spiegelt die Geldform — und das Verhältniss von Gläubiger und Schuldner besitzt die Form eines Geldverhältnisses — hier nur den Antagonismus tiefer liegender ökonomischer Lebensbedingungen wieder.
Kehren wir zur Sphäre der Waarencirculation zurück. Die gleichzeitige Erscheinung der Aequivalente Waare und Geld auf den beiden Polen des Verkaufsprozesses hat aufgehört. Das Geld funktionirt jetzt erstens als Werthmass in der Preisbestimmung der verkauften Waare. Ihr kontraktlich festgesetzter Preis misst die Obligation des Käufers, d. h. die Geldsumme, die er an bestimmtem Zeittermin schuldet. Es funktionirt zweitens als ideelles Kaufmittel. Obgleich es nur im Geldversprechen des Käufers existirt, bewirkt es den Händewechsel der Waare. Erst am fälligen Zahlungstermin tritt das Zahlungsmittel wirklich in Circulation, d. h. geht aus der Hand des Käufers in die des Verkäufers über. Das Circulationsmittel verwandelte sich in Schatz, weil der Circulationsprozess mit der ersten Phase abbrach oder die verwandelte Gestalt der Waare der Circulation entzogen wurde. Das Zahlungsmittel tritt in die Circulation hinein, aber nachdem die Waare bereits aus ihr ausgetreten ist. Das Geld vermittelt nicht mehr den Prozess. Es schliesst ihn selbstständig ab, als absolutes Dasein des Tauschwerths oder allgemeine Waare. Der Verkäufer verwandelte Waare in Geld, um ein Bedürfniss durch das Geld zu befriedigen, der Schatzbildner, um die Waare in Geldform zu präserviren, der schuldige Käufer, um zahlen zu können. Zahlt er nicht, so finden Zwangsverkäufe seiner Habe statt. Die Werthgestalt der Waare, Geld, wird also jetzt zum Selbstzweck des Verkaufs durch eine den Verhältnissen des Circulationsprozesses selbst entspringende, gesellschaftliche Nothwendigkeit.
Der Käufer verwandelt Geld zurück in Waare, bevor er Waare in Geld verwandelt hat, oder vollzieht die zweite Waarenmetamorphose vor der ersten. Die Waare des Verkäufers circulirt, realisirt ihren Preis aber nur in einem privatrechtlichen Titel auf Geld. Sie verwandelt sich in Gebrauchswerth, bevor sie sich in Geld verwandelt hat. Die Vollziehung ihrer ersten Metamorphose folgt erst nachträglich.
In jedem bestimmten Zeitabschnitt des Circulationsprozesses repräsentiren die fälligen Obligationen die Preissumme der Waaren, deren Verkauf sie hervorrief. Die zur Realisirung dieser Preissumme nöthige Geldmasse hängt zunächst ab von der Umlaufsgeschwindigkeit der Zahlungsmittel. Sie ist bedingt durch zwei Umstände: die Verkettung der Verhältnisse von Gläubiger und Schuldner, so dass A, der Geld von seinem Schuldner B erhält, es an seinen Gläubiger C fortzahlt u. s. w. — und die Zeitlänge zwischen den verschiednen Zahlungsterminen. Die prozessirende Kette von Zahlungen oder nachträglichen ersten Metamorphosen unterscheidet sich wesentlich von der früher betrachteten Verschlingung der Metamorphosenreihen. Im Umlauf des Circulationsmittels wird der Zusammenhang zwischen Verkäufern und Käufern nicht nur ausgedrückt. Der Zusammenhang selbst entsteht erst in und mit dem Geldumlauf. Dagegen drückt die Bewegung des Zahlungsmittels einen schon vor ihr fertig vorhandnen gesellschaftlichen Zusammenhang aus.
Gleichzeitigkeit und Nebeneinander der Verkäufe beschränken den Ersatz der Münzmasse durch Umlaufsgeschwindigkeit. Sie bilden umgekehrt einen neuen Hebel in der Oekonomie der Zahlungsmittel. Mit der Concentration der Zahlungen an demselben Platz entwickeln sich naturwüchsig eigne Anstalten und Methoden ihrer Ausgleichung. So z. B. die virements im mittelaltrigen Lyon. Die Schuldforderungen von A an B, B an C, C an A u. s. w. brauchen bloss confrontirt zu werden, um sich wechselseitig bis zu einem gewissen Belauf als positive und negative Grössen aufzuheben. So bleibt nur eine Schuldbilanz zu saldiren. Je massenhafter die Concentration der Zahlungen, desto kleiner relativ die Bilanz, also die Masse der circulirenden Zahlungsmittel.
Die Funktion des Geldes als Zahlungsmittel schliesst einen unvermittelten Widerspruch ein. So weit sich die Zahlungen ausgleichen, funktionirt es nur ideell als Rechengeld oder Mass der Werthe. Soweit wirkliche Zahlung zu verrichten, tritt es nicht als Circulationsmittel auf, als nur verschwindende und vermittelnde Form des Stoffwechsels, sondern als die individuelle Incarnation der gesellschaftlichen Arbeit, selbstständiges Dasein des Tauschwerths, absolute Waare. Dieser Widerspruch eklatirt in dem Moment der Produktions- und Handelskrisen, der Geldkrise heisst95. Sie ereignet sich nur, wo die prozessirende Kette der Zahlungen und ein künstliches System ihrer Ausgleichung völlig entwickelt sind. Mit allgemeineren Störungen dieses Mechanismus, woher sie immer entspringen mögen, schlägt das Geld plötzlich und unvermittelt aus der nur ideellen Gestalt des Rechengeldes in hartes Geld um. Es wird unersetzlich durch profane Waaren. Der Gebrauchswerth der Waare wird werthlos und ihr Werth verschwindet vor seiner eignen Werthform. Eben noch erklärte der Bürger in prosperitätstrunknem Aufklärungsdünkel das Geld für leeren Wahn. Nur die Waare ist Geld. Nur das Geld ist Waare! gellt’s jetzt über den Weltmarkt. Wie der Hirsch schreit nach frischem Wasser, so schreit seine Seele nach Geld, dem einzigen Reichthum96. In der Krise wird der Gegensatz zwischen der Waare und ihrer Werthgestalt, dem Geld, bis zum absoluten Widerspruch gesteigert. Die Erscheinungsform des Geldes ist hier daher auch gleichgültig. Die Geldhungersnoth bleibt dieselbe, ob in Gold oder Creditgeld, Banknoten etwa, zu zahlen ist97.
Betrachten wir nun die Gesammtsumme des in einem gegebenen Zeitabschnitt umlaufenden Geldes, so ist sie, bei gegebener Umlaufsgeschwindigkeit der Cirkulations- und Zahlungsmittel, gleich der Summe der zu realisirenden Waarenpreise plus der Summe der fälligen Zahlungen minus der sich ausgleichenden Zahlungen. Selbst Preise, Geschwindigkeit des Geldumlaufs, und Oekonomie der Zahlungen gegeben, decken sich daher nicht länger die während einer Periode, eines Tags z. B., umlaufende Geldmasse und cirkulirende Waarenmasse. Es läuft Geld um, das der Cirkulation längst entzogne Waaren repräsentirt. Es laufen Waaren um, deren Geldäquivalent erst in der Zukunft erscheint. Andrerseits sind die jeden Tag contrahirten und die denselben Tag fälligen Zahlungen durchaus incommensurable Grössen98.
Das Creditgeld entspringt unmittelbar aus der Funktion des Geldes als Zahlungsmittel, indem Schuldcertificate für die verkauften Waaren selbst wieder zur Uebertragung der Schuldforderungen cirkuliren. Andrerseits, wie sich das Creditwesen ausdehnt, so die Funktion des Geldes als Zahlungsmittel. Als solches erhält es eigne Existenzformen, worin es die Sphäre der grossen Handelstransaktionen behaust, während die Gold- oder Silbermünze hauptsächlich in die Sphäre des Kleinhandels zurückgedrängt wird99.
Bei gewissem Höhegrad und Umfang der Waarenproduktion greift die Funktion des Geldes als Zahlungsmittel über die Sphäre der Waarencirculation hinaus. Es wird die allgemeine Waare der Contrakte100. Renten, Steuern u. s. w. verwandeln sich aus Naturallieferungen in Geldzahlungen. Wie sehr diese Umwandlung durch die Gesammtgestalt des Produktionsprozesses bedingt wird, beweist z. B. der zweimal gescheiterte Versuch des römischen Kaiserreichs alle Abgaben in Geld zu erheben. Das ungeheure Elend des französischen Landvolks unter Ludwig XIV., das Boisguillebert, Marschall Vauban u. s. w. so beredt denunciren, war nicht nur der Steuerhöhe geschuldet, sondern auch der Verwandlung von Naturalsteuer in Geldsteuer101. Wenn andrerseits die Naturalform der Grundrente, in Asien zugleich das Hauptelement der Staatssteuer, dort auf Produktionsverhältnissen beruht, welche sich mit der Unwandelbarkeit von Naturverhältnissen reproduciren, erhält jene Zahlungsform rückwirkend die alte Produktionsform. Sie bildet eines der Selbsterhaltungsgeheimnisse des türkischen Reichs. Zieht der durch Europa aufoctroyirte auswärtige Handel in Japan die Verwandlung von Naturalrente in Geldrente nach sich, so ist es um seine musterhafte Agrikultur geschehn. Ihre engen ökonomischen Existenzbedingungen werden sich auflösen.
In jedem Land setzen sich gewisse allgemeine Zahlungstermine fest. Sie beruhn theilweis, von andern Cirkelläufen der Reproduktion abgesehn, auf den an Wechsel der Jahreszeit gebundnen Naturbedingungen der Produktion. Sie regeln ebenso Zahlungen, die nicht direkt der Waarencirculation entspringen, wie Steuern, Renten u. s. w. Die Geldmasse, die zu diesen über die ganze Oberfläche der Gesellschaft zersplitterten Zahlungen an gewissen Tagen des Jahres erheischt ist, verursacht periodische, aber ganz oberflächliche Perturbationen in der Oekonomie der Zahlungsmittel102. Aus dem Gesetz über die Umlaufsgeschwin digkeit der Zahlungsmittel folgt, dass für alle periodischen Zahlungen, welches immer ihre Quelle, die nothwendige Masse der Zahlungsmittel in umgekehrtem Verhältniss zur Länge der Zahlungsperioden steht103.
Die Entwicklung des Geldes als Zahlungsmittel ernöthigt Geldaccumulationen für die Verfallstermine der geschuldeten Summen. Während die Schatzbildung als selbstständige Bereicherungsform verschwindet mit dem Fortschritt der bürgerlichen Gesellschaft, wächst sie umgekehrt mit demselben in der Form von Reservefonds der Zahlungsmittel.
c) Weltgeld.
Mit dem Austritt aus der innern Circulationssphäre streift das Geld die dort aufschiessenden Lokalformen vom Massstab der Preise, Münze, Scheidemünze und Werthzeichen wieder ab und fällt in die ursprüngliche Barrenform der edlen Metalle zurück. Im Welthandel entfalten die Waaren ihren Werth universell. Ihre selbstständige Werthgestalt tritt ihnen daher hier auch gegenüber als Weltgeld. Erst auf dem Weltmarkt funktio- 104 nirt das Geld in vollem Umfang als die Waare, deren Naturalform zugleich unmittelbar gesellschaftliche Verwirklichungsform der menschlichen Arbeit in abstracto ist. Seine Daseinsweise wird seinem Begriff adäquat.
In der innern Cirkulationssphäre kann nur eine Waare zum Werthmass und daher als Geld dienen. Auf dem Weltmarkt herrscht doppeltes Werthmass, Gold und Silber105.
Das Weltgeld funktionirt als allgemeines Zahlungsmittel, allgemeines Kaufmittel und absolut gesellschaftliche Materiatur des Reichthums überhaupt (universal wealth). Die Funktion als Zahlungsmittel, zur Ausgleichung internationaler Bilanzen, herrscht vor. Daher das Losungswort des Merkantilsystems — Handelsbilanz106! Zum internationalen Kaufmittel dienen Gold und Silber wesentlich, so oft das herkömmliche Gleichgewicht des Stoff wechsels zwischen verschiednen Nationen plötzlich gestört wird. Endlich als absolut gesellschaftliche Materiatur des Reichthums, wo es sich weder um Kauf noch Zahlung handelt, sondern um Uebertragung des Reichthums von einem Land zum andern, und wo diese Uebertragung in Waarenform entweder durch die Conjunkturen des Waarenmarkts oder den zu erfüllenden Zweck selbst ausgeschlossen wird107.
Wie für seine innere Circulation, braucht jedes Land für die Weltmarktscirculation einen Reservefonds. Die Funktionen der Schätze entspringen also theils aus der Funktion des Geldes als inneres Circulations- und Zahlungsmittel, theils seiner Funktion als Weltgeld. In der letzteren Rolle ist stets die wirkliche Geldwaare, leibhaftes Gold und Silber erheischt, wesswegen James Steuart Gold und Silber, im Unterschied von ihren nur lokalen Stellvertretern, ausdrücklich als money of the world charakterisirt.
Die Bewegung des Gold- und Silberstroms ist eine doppelte. Einerseits wälzt er sich von seinen Quellen über den ganzen Weltmarkt, wo er von den verschiednen nationalen Circulationssphären in verschiednem Umfang abgefangen wird, um in die inneren Umlaufskanäle einzugehn, verschlissene Gold- und Silbermünzen zu ersetzen, das Material von Luxuswaaren zu liefern und zu Schätzen zu erstarren108. Diese erste Bewegung ist vermittelt durch direkten Austausch der in Waare realisirten Nationalarbeiten mit der in edlen Metallen realishten Arbeit der Gold und Silber producirenden Länder. Andrerseits laufen Gold und Silber fortwährend hin und her zwischen den verschiednen nationalen Circulationssphären, eine Bewegung, die den unaufhörlichen Oscillationen des Wechselkurses folgt109.
Länder entwickelter bürgerlicher Produktion beschränken die in Bankreservoirs massenhaft concentrirten Schätze auf das zu ihren spezifischen Funktionen erheischte Minimum110. Mit gewisser Ausnahme zeigt auffallendes Ueberfüllen der Schatzreservoirs über ihr Durchschnittsniveau Stockung der Waarencirculation an oder unterbrochenen Fluss der Waarenmetamorphose111.
