Der isolirte Staat — Erſter Abſchnitt. Geſtaltung des iſolirten Staats.

§. 3. Erſter Kreis. Freie Wirthſchaft.

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§. 3. Erſter Kreis. Freie Wirthſchaft.

Die feinern Gartengewaͤchſe, welche theils den Transport auf Wagen aus weiterer Ferne nicht ertragen koͤnnen, wie Blumenkohl, Erdbeeren, Salat u. m. a., und deshalb nach der Stadt getragen werden muͤſſen, theils nur in kleinen Quantitaͤten und ganz friſch abzuſetzen ſind, koͤnnen nur in der Naͤhe der Stadt gebauet werden.

Die Gaͤrten werden alſo die naͤchſten Umgebungen der Stadt einnehmen.

Außer den feinern Gartengewaͤchſen iſt die friſche Milch eines der nothwendigen Beduͤrfniſſe der Stadt, deren Erzielung in dieſem erſten Kreiſe geſchehen muß: denn die Milch iſt nicht bloß ſehr ſchwierig und koſtbar zu transportiren, ſondern ſie wird auch, beſonders bei großer Hitze, nach wenigen Stunden ungenießbar, und kann deshalb aus groͤßern Entfernungen nicht zur Stadt gebracht werden.

Der Preis der Milch muß ſo hoch ſteigen, daß das Land, was zum Zweck der Milcherzeugung verwandt wird, durch kein andres Produkt ſo hoch genutzt werden kann. Da die Ackerpacht in dieſem Kreiſe ſehr hoch iſt, ſo kommt vermehrte Arbeit hier wenig in Betracht. Von der klein- ſten Flaͤche die groͤßte Menge Viehfutter zu gewinnen, iſt hier die Aufgabe. Man wird alſo moͤglichſt vielen Klee bauen und Stallfuͤtterung treiben: denn es iſt entſchieden, daß man bei der Stallfuͤtterung, wo der Klee zur rechten Zeit gemaͤht werden kann, von derſelben Flaͤche weit mehr Vieh unterhalten kann, als bei der Beweidung, wo die jungen Pflanzen durch das Zertreten und Abbeißen ſtets in ihrem Wachsthum geſtoͤrt werden. Oder, wenn man der groͤßern Reinlichkeit wegen die Weide dennoch vorziehen ſollte, ſo koͤnnen die Weideplaͤtze nur klein ſeyn, und das Vieh wird doch groͤßtentheils mit abgemaͤhtem gruͤnen Klee und mit dem Abfall von Kartoffeln, Kohl, Ruͤben u. ſ. w. unterhalten werden.

Der unterſcheidende Charakter dieſes Kreiſes iſt, daß hier der Dung aus der Stadt angekauft, und nicht wie in den entferntern Gegenden, auf den Guͤtern ſelbſt erzeugt wird.

Dies gibt dieſem Kreiſe das Uebergewicht uͤber die entferntern, und macht es moͤglich, daß hier Produkte verkauft werden koͤnnen, die die andern Kreiſe zur Erhaltung der Fruchtbarkeit des Bodens ſelbſt behalten muͤſſen.

Verkauf von Heu und Stroh iſt hier Hauptzweck. Da die entferntern Gegenden hierbei nicht in Konkurrenz treten koͤnnen, ſo muß der Preis dieſer Produkte ſo hoch ſteigen, daß das Land dadurch am hoͤchſten genutzt wird. Das Korn iſt hier nur Nebenſache, denn dies kann wegen minderer Landrente und geringern Arbeitslohns in den abgelegenen Kreiſen wohlfeiler gebauet werden. Man wuͤrde den Kornbau ganz aufgeben, wenn dieſer nicht zur Gewinnung des Strohes nothwendig waͤre, und man opfert durch dickes Saͤen einen Theil der Kornernte auf, um nur mehr Stroh zu erhalten.

Außer dem Heu und Stroh muß dieſer Kreis die Stadt noch mit allen den Produkten verſehen, die durch den Transport aus einer weiten Entfernung zu koſtbar werden. Dieſe ſind: Kartoffeln, Kohl, Ruͤben, gruͤner Klee u. m. a.

Die kleinen, nicht verkaͤuflichen Kartoffeln, und der Abfall von Kohl, Ruͤben u. ſ. w. koͤnnen als Futter fuͤr die Milchkuͤhe hier ebenfalls am hoͤchſten benutzt werden.

Reine Brache findet in dieſem Diſtrikte aus zwei verſchiedenen Urſachen nicht ſtatt: erſtens, weil die Landrente zu hoch iſt, um einen großen Theil des Feldes unbenutzt laſſen zu duͤrfen; zweitens, weil durch den unbe- ſchraͤnkten Ankauf des Dungs die Kraft des Bodens ſo hoch gehoben werden kann, daß die Gewaͤchſe, auch ohne die ſorgfaͤltige Bearbeitung des Bodens durch die Brache, dem Maximum ihres moͤglichen Ertrages nahe kommen.

Man wird die Fruͤchte ſo hintereinander folgen laſ- ſen, daß jedes Gewaͤchs den Boden in einem fuͤr daſſelbe guͤnſtigen Zuſtande vorfindet; aber man wird nicht, des bloßen Wechſels wegen, Fruͤchte bauen, die durch ihr Preisverhaͤltniß unvortheilhaft fuͤr dieſe Gegend ſind. Hier findet alſo die ſogenannte freie Wirthſchaft — die in der Fruchtfolge keiner Vorausbeſtimmung unterworfen iſt — ihren Platz.

Der Dungankauf aus der Stadt iſt am vortheilhafteſten fuͤr den Theil des Kreiſes, der der Stadt am naͤch- ſten liegt. Mit jeder Viertelmeile groͤßerer Entfernung nimmt dieſer Vortheil raſch ab, indem dadurch nicht allein die Anfuhr des Duͤngers, ſondern auch das Verfahren der erbaueten Produkte vertheuert wird. Bei zunehmender Entfernung von der Stadt kommen wir bald in eine Gegend, wo es ſchon zweifelhaft wird, ob man noch mit Vortheil Dung aus der Stadt holen kann, und wir muͤſſen dann bald die Gegend treffen, wo es entſchieden vortheilhafter iſt, den Dung ſelbſt zu produziren, als ihn zu kaufen — und hier iſt dann die Graͤnze des erſten, und der Anfang des zweiten Kreiſes.