§. 4. Beſtimmung des Getreidepreiſes in den verſchiedenen Gegenden des iſolirten Staats.
Ehe wir nun zur Betrachtung der Wirthſchaft des zweiten und der folgenden Kreiſe uͤbergehen koͤnnen, muͤſ- ſen wir vorher zu beſtimmen ſuchen, wie der Preis des Getreides ſich mit der Entfernung von der Stadt aͤndert.
Wir haben angenommen:
- 1) daß die Zentralſtadt der einzige Marktplatz fuͤr das Getreide ſey;
- 2) daß in dem ganzen Staat kein ſchiffbarer Kanal ſey, und alles Getreide zu Wagen nach der Stadt gebracht werden muͤſſe.
Unter dieſen Umſtaͤnden normirt der Getreidepreis in der Stadt fuͤr das ganze Land. Auf dem Lande kann aber der Werth des Korns nicht ſo hoch ſeyn, als der Marktpreis in der Stadt iſt; denn um dieſen Preis zu erhalten, muß das Korn erſt nach der Stadt gefahren werden, und ſo viel, als dieſes koſtet, um ſo viel geringer iſt der Werth des Korns auf dem Lande, als in der Stadt.
Um das Verhaͤltniß der Werthsverminderung des Getreides in Zahlen auszuſprechen, iſt es nothwendig, einen Standpunkt aus der Wirklichkeit zu entnehmen, und die- ſen in den iſolirten Staat mit hinuͤber zu nehmen.
Auf dem Gute T. (Tellow), welches 5 Meilen von dem Marktplatz Roſtock entfernt iſt, haben die Transportkoſten fuͤr eine Fuhre Korn nach dieſer Stadt, im Durch- ſchnitt von 5 Jahren, betragen: 3 6/10 Roſtocker Scheffel Rocken und 1 52/100 Thaler N⅔ welches in Berliner Scheffeln und in Gold, den Ld’or zu 5 Thaler gerechnet, 2 57/100 Berliner Scheffel Rocken und 1 63/100 Thaler Gold ausmacht 1.
Die gewoͤhnliche Ladung fuͤr ein Geſpann von 4 Pferden betraͤgt 2400 ℔. Das Futter, was fuͤr die Pferde auf 2 Tage mitgenommen werden muß, wiegt ungefaͤhr 150 ℔; an Korn kann alſo geladen werden 2400 — 150 = 2250 ℔, welches 37½ Roſtocker oder 26,78 Berliner Scheffel ausmacht.
- Annahme. In der Zentralſtadt des iſolirten Staats ſey der Mittelpreis des Rockens fuͤr den Berliner Scheffel 1½ Thlr. Gold, und der Maßſtab fuͤr die Transportkoſten des Getreides ſey derſelbe, den wir aus der Wirklichkeit fuͤr das Gut T. gefunden haben.
Wir fragen nun, wie hoch wird unter dieſen Vorausſetzungen der Werth des Getreides in dem iſolirten Staat, auf dem 5 Meilen von der Stadt entlegenen Gute ſeyn?
Fuͤr eine Fuhre von 26,78 Berl. Schfl. Rocken werden in der Stadt eingenommen 26,78 × 1½ = 40,17 Thlr. Gold. Die Transportkoſten betragen 1,63 Thlr. Gold und 2,57 Schfl. Rocken. Zieht man dieſe ab, ſo bleiben von der Einnahme 38,54 Thlr. minus 2,57 Schfl. Rocken. Oder fuͤr 26,78 Schfl. Rocken, die nach der Stadt gefahren ſind, und fuͤr 2,57 Schfl., die der Transport gekoſtet hat, zuſammen alſo fuͤr 29,35 Schfl. Rocken, betraͤgt die Geldeinnahme 38,54 Thlr. Dies macht fuͤr 1 Schfl. 1,313 Thlr.
Fuͤr 10 Meilen Entfernung von der Stadt erfordert die Fuhre hin und zuruͤck 4 Tagereiſen.
An Futter muß alsdann mitgenommen werden 300 ℔. Die Kornladung betraͤgt alſo 2400 — 300 = 2100 ℔.
Die Transportkoſten betragen 2 × 2,57 = 5,14 Schfl. Rocken und 2 × 1,63 = 3,26 Thlr.
Durch eine aͤhnliche Rechnung, wie oben, ergibt ſich dann, daß bei der Entfernung von 10 Meilen der Werth des Scheffels Rocken auf dem Gute ſelbſt 1,136 Thaler betraͤgt.
Aus der Anwendung dieſer Berechnung auf groͤßere Entfernungen geht nun folgende Tabelle hervor:
- 1000 Berliner Schfl. Rocken ſind Gold
- werth: Thaler
- In der Stadt ſelbſt 1500
- Auf dem Gute 5 Meilen von der Stadt entfernt 1313
- 10 » 1136
- 15 » 968
- 20 » 809
- 25 » 656
- 30 » 512
- 35 » 374
- 40 » 242
- 45 » 116
- 49,95 Meilen 0
Unter dieſen Verhaͤltniſſen iſt alſo der Transport des Korns auf 50 Meilen unmoͤglich, weil die ganze Ladung oder deren Werth auf der Hin- und Zuruͤckreiſe von den Pferden und den dabei angeſtellten Menſchen verzehrt wird.
Aus dieſer Urſache muͤſſte in der Entfernung von 50 Meilen die Kultur des Bodens aufhoͤren, wenn auch die Hervorbringung des Korns gar keine Koſten verur- ſachte; da aber die Produktion des Getreides uͤberall Arbeit und Koſten erfordert, ſo wird der Reinertrag des Landbaues ſchon in weit geringerer Entfernung von der Stadt aufhoͤren, und mit dem Reinertrag endet auch die Kultur des Bodens.
Es mag unrichtig erſcheinen, bei der Berechnung der Transportkoſten fuͤr große Entfernungen anzunehmen, daß der Wagen das Futter, welches die Pferde auf der Hin- und Zuruͤckreiſe gebrauchen, gleich mitnimmt, da doch das Futter auf der Ruͤckreiſe wohlfeiler zu kaufen ſey, als es hier durch die Verminderung der Ladung koſtet.
Das Futter, was unterwegs gekauft wird, iſt nicht fuͤr den Preis, den es an dem Orte wirklich gilt, zu haben, ſondern es muß auch der Handelsvortheil, den der Wirth oder der Unterhaͤndler dafuͤr nimmt, mitbezahlt werden. Jedoch kann die Bezahlung dieſes Handelsprofits nicht ſo koſtbar werden, als die Mitnahme des Futters auf großen Reiſen.
Fuͤr weite Entfernungen kommt aber noch folgender Punkt in Betracht:
Die Transportkoſten ſind darnach berechnet, was ſie fuͤr eine Entfernung von 5 Meilen wirklich koſten. Die Pferde, welche im Sommer das Feld beſtellen, verfahren hier im Winter das Korn. Es brauchen alſo keine beſonderen Pferde dazu gehalten zu werden, und auf das Konto des Kornverfahrens kommen bloß diejenigen Koſten, welche durch die verſtaͤrkte Arbeit der Pferde ſelbſt hervorgebracht werden, als Hufbeſchlag, Abnutzung des Wagengeraͤths, vermehrtes Futter u. ſ. w.; nicht aber die Zinſen vom Kapitalwerth der Pferde, und das Futter, was die Pferde im Winter zu ihrem Lebensunterhalt gebrauchen.
Fuͤr weite Entfernungen muͤſſen aber zum Kornverfahren eigene Geſpanne gehalten werden, und dadurch vermehren ſich die Transportkoſten in Schfl. Rocken ausgedruͤckt, fuͤr die entfernten Gegenden ſehr betraͤchtlich.
Dieſe erhoͤheten Koſten betragen wahrſcheinlich reichlich ſo viel, als durch den Ankauf des Futters unterwegs erſpart werden kann; wenigſtens vermindern ſich die beiden hier wiſſentlich gemachten Fehler gegenſeitig, und ich habe unter mehreren Verſuchen die Transportkoſten auf eine andere Art zu berechnen, der hier gewaͤhlten Methode, als der zutreffendſten, den Vorzug geben muͤſſen.
In der Folge kommen wir oft in die Lage, den Werth des Rockens auch fuͤr ſolche Entfernungen von der Stadt, die in obiger Tabelle nicht angefuͤhrt ſind, wiſſen zu muͤſſen. Wir beduͤrfen deshalb einer allgemeinen For mel, und muͤſſen, ehe wir weiter gehen, folgende Frage loͤſen.
Wie hoch iſt der Werth des Rockens auf einem Gute, welches x Meilen vom Marktplatze entfernt iſt?
Die ganze Ladung eines Wagens betraͤgt 2400 ℔, oder da wir den Schfl. Rocken zu 84 ℔ annehmen, 2400/84 Schfl. Rocken. Hiervon geht aber das mitzunehmende Pferdefutter ab, welches auf 5 Meilen 150 ℔, auf x Meilen alſo 30x ℔ betraͤgt.
Zur Stadt gebracht werden alſo nur 2400 — 30x ℔, oder Schfl. Rocken; wofuͤr die Einnahme, den Schfl. Rocken zu 1½ Thlr. gerechnet Thaler betraͤgt.
Die Transportkoſten betragen auf 5 Meilen 2,57 Schfl. Rocken und 1,63 Thaler; auf x Meilen alſo Thaler.
Von der Einnahme = Thaler muͤſſen abgezogen werden die Transportkoſten = Dies gibt Thlr. — oder Thaler —
Dies iſt die reine Einnahme fuͤr die nach der Stadt gebrachte Ladung von Schfl. Rocken; Scheffel Rocken ſind alſo im Werth Thaler Schfl. Rocken, oder Schfl. Rocken Schfl. Rocken Thlr., alſo Sch. R. Thlr., oder 12000 + 65, 88x Sch. R. = 18000 — 361,92x Thaler.
Hieraus ergibt ſich der Werth eines Scheffels Rocken Thlr.
Dieſe Formel kann mit einer ſehr geringen Abweichung in folgende verkleinert werden: 1 Scheffel Rocken Thaler.
Berechnung der Fracht, die es koſtet, eine volle Ladung von 2400 ℔ nach der Stadt zu bringen.
Soll die ganze Ladung nach der Stadt kommen, ſo muͤſſen den mit Waaren oder Produkten beladenen Wagen, andere Wagen, die das fuͤr die Pferde noͤthige Futter fahren, beygeſellt ſeyn.
Fuͤr 5 Meilen Entfernung von der Stadt beſteht ſonſt die Ladung eines Wagens aus 2250 ℔ Korn oder Waaren, und aus 150 ℔ Futter. Hier wird alſo um 15 volle Ladungen à 2400 ℔ nach der Stadt zu bringen, ein Wagen mit Futter fuͤr die Pferde erfordert.
16 Geſpann Pferde, deren Arbeit 16 × (2,57 Schfl. Rocken + 1,63 Thlr.) koſtet, bringen alſo nur 15 La dungen nach der Stadt, welches an Fracht oder Transportkoſten fuͤr eine volle Ladung 16/15 (2,57 Schfl. Rocken + 1,63 Thlr.) ergibt.
Auf 10 Meilen Entfernung muß ſonſt ein Wagen 300 ℔ Futter mitnehmen, und die Ladung ſelbſt betraͤgt nur 2100 ℔. Auf 7 Wagen mit voller Ladung kommt alſo 1 Wagen mit Futter, und die Fracht fuͤr eine volle Ladung die nach der Stadt gebracht wird, betraͤgt alſo 8/7 (2,57 Schfl. Rocken + 1,63 Thlr.)
Auf x Meilen Entfernung betraͤgt das mitzunehmende Futter fuͤr jeden Wagen 30x ℔, und die Ladung bleibt 2400 — 30x ℔. Sollen nun einige Wagen ganz mit Korn beladen werden, ſo muß fuͤr jeden 30x ℔ Futter auf einem andern Wagen mitgenommen werden. Ein Wagen kann alſo das Futter fuͤr andere Wagen mitnehmen; oder auf Wagen mit voller Ladung gehoͤrt ein Wagen mit Futter.
+ 1 Wagen = Wagen, wovon jeder koſtet, die zu- ſammen alſo koſten, bringen volle Ladungen nach der Stadt.
Die Fracht fuͤr jede einzelne Ladung betraͤgt alſo = (2,57x Schfl. Rocken + 1,63x Thlr.) Nun iſt der Preis eines Schfl. Rocken in der x Meilen von der Stadt entfernten Gegend =
Setzen wir nun in obiger Formel fuͤr den Rocken dieſen Preis, ſo erhalten wir Dieſe Formel ſtimmt bis auf eine unbedeutende Kleinigkeit mit folgender uͤberein: .
Ich nehme nun hiernach, in allen folgenden Berechnungen, die Fracht oder die Transportkoſten fuͤr eine Ladung von 2400 ℔ zu Thlr. an.
