Der isolirte Staat — Erſter Abſchnitt. Geſtaltung des iſolirten Staats.

§. 7. Einige Saͤtze aus der Statik des Landbaues.

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§. 7. Einige Saͤtze aus der Statik des Landbaues.

Die Erzeugung der Getreideernten bewirkt eine Verminderung der im Acker enthaltenen Pflanzennahrung. Ein Acker, der 100 Schfl. Rocken getragen hat, iſt um dasjenige Quantum Pflanzennahrung, was zur Erzeugung die- ſer 100 Schfl. verwandt iſt, aͤrmer geworden.

Keine Frucht vermag es, ſich des ganzen im Acker befindlichen Reichthums an Pflanzennahrung in einem Jahre anzueignen.

Das Verhaͤltniß zwiſchen dem, was die Ernte dem Acker in einem Jahre an Pflanzennahrung entzogen hat, und dem ganzen Reichthum des Ackers, nenne ich die relative Ausſaugung. Dieſe ergiebt ſich aus der Abnahme der Groͤße der nach einander folgenden Ernten: iſt z. B. der Ertrag des 1ſten Rocken 100 Schfl. geweſen, und eine 2te Rockenernte gibt dann bei gleicher Beſtellung, gleicher Witterung und gleichen ſonſt noch einwirkenden Umſtaͤnden nur 80 Schfl.; ſo ſagen wir, daß die relative Aus- ſaugung des Rockens ⅕ betragen habe.

Aus der relativen Ausſaugung ſchließen wir nun auf den ganzen Reichthum des Ackers: war z. B. der Ertrag des erſten Rockens 100 Schfl., die relative Ausſaugung ⅕, ſo enthielt der Acker vor der Ernte Pflanzennahrung 1 fuͤr 500 Schfl. Rocken, nach der Ernte nur noch fuͤr 400 Schfl.

Das Quantum Pflanzennahrung, was dem Acker durch die Ernte von einem Berliner Scheffel Rocken entzogen wird, wird ein Grad genannt und durch «1°» bezeichnet.

Die Ausſaugung der uͤbrigen Getreidearten wird durch das Verhaͤltniß, worin dieſe im Werth und in der Nahrhaftigkeit gegen den Rocken ſtehen, beſtimmt, und ich nehme an, daß die Ernte von

  • 1 Schfl. Weizen eine Ausſaugung bewirkt von. 1⅓°
  • 1 Schfl. zweizeiliger Gerſte ¾°
  • 1 geſtrichnen Schfl. Hafer ½°

Fuͤr eine ſiebenſchlaͤgige Koppelwirthſchaft auf einem Gerſtenboden 1ſte Klaſſe nehme ich nun nach den auf dem Gute T. gemachten Erfahrungen und Beobachtungen, folgendes Verhaͤltniß des Ertrags der verſchiedenen Schlaͤge an: wenn der 1ſte Schlag Ertrag 100 Sch. R. von 1000 □R., ſo gibt der 2te Schlag 100 Sch. Gerſte, und der 3te Schlag 120 Sch. Hafer.

  • Der 4te, 5te und 6te Schlag liefern dann auf jede 270 □R. den Weidebedarf fuͤr eine Kuh, die taͤglich 17 ℔ auf Heu reduzirtes Gras verzehrt, und 140 Tage auf dem Dreeſch ſelbſt (alſo mit Aus- ſchluß der Stoppel- und Wieſenbehuͤtung) ihre Nahrung findet.
  • Der 7te Schlag gibt in der Dreeſchbrache den fuͤnften Theil der Grasproduktion, den ein Weideſchlag liefert.

Nach den auf dem Gute T. in den Jahren 1811 und 1816 angeſtellten Probewiegungen uͤber das Verhaͤltniß des Korns zum Stroh, verglichen mit den, auf einigen andern Mecklenburgiſchen Guͤtern angeſtellten Wie gungen, habe ich als Durchſchnittsverhaͤltniß angenommen, daß mit

  • 1 Schfl. Rocken an Stroh geerntet wird 190 ℔
  • 1 Schfl. Weizen — wenn der Weizen ſtehend war 190 ℔
  • 1 Schfl. Weizen — wenn ⅓ des Weizens aus Lagerkorn beſteht 200 ℔
  • 1 Schfl. zweizeiliger Gerſte 93 ℔
  • 1 Schfl. Hafer 64,5 ℔

Der Weizen gibt bei gleichem Koͤrnerertrage eine geringere Strohmaſſe, als der Rocken; aber das Weizen- ſtroh hat ein ſpezifiſch groͤßeres Gewicht als das Rocken- ſtroh, und ich habe auch in ſpaͤtern Jahren das Gewicht des mit einem Schfl. Weizen geernteten Strohes nicht geringer gefunden, als beim Rocken; jedoch mag dies Verhaͤltniß bei ſchwachem Weizen mit kurzem Stroh anders ſeyn.

Eine moͤglichſt ſorgfaͤltige Berechnung des auf dem Gute T. in den 5 Jahren von 1810 bis 15 verfuͤtterten und eingeſtreueten Strohes und des verfuͤtterten Heues und Korns, verglichen mit der Zahl der abgefahrnen Fuder Dung, ergibt als Reſultat, daß 1 Fuder Dung aus der Verfuͤtterung und Einſtreuung von 878 ℔ trockenem Futter entſtanden iſt. Nimmt man nun, wie gewoͤhnlich, das Gewicht eines vierſpaͤnnigen Fuders Dung zu 200℔ an, ſo hat ein Pfund trockenes Futter 2,28 ℔ Dung gegeben. Es ergibt ſich hier eine in der That uͤberraſchende Uebereinſtimmung mit der Annahme des Herrn Staatsraths Thaer, der, durch Beobachtungen im Großen geleitet, ſchon vor vielen Jahren den Faktor fuͤr die Dungvermehrung zu 2,3 beſtimmte.

Fuͤr den Faktor 2,3 den ich nun bei den fernern Berechnungen zum Grunde lege, gehoͤren zu einem Fuder Dung von 2000 ℔ = 870 ℔ trockenes Futter, und ich werde in der Folge unter 1 Fuder Dung, immer diejenige Dungmaſſe verſtehen, die durch Verfuͤtterung und Einſtreuung von 870 ℔ trockenes Futter entſtanden iſt.

Wir koͤnnen hiernach die Quantitaͤt Dung, welche die Kornernten durch das Stroh zuruͤckgeben, berechnen.

Fuͤr 100 Scheffel Rocken betraͤgt die Strohernte 100 × 190 = 19000 ℔ Stroh, und hieraus erfolgen = 21,8 Fuder Dung.

Fuͤr 100 Schfl. Gerſte iſt der Strohgewinn 93 × 100 = 9300 ℔, und der Dunggewinn = 10,7 Fuder die Ernte von 120 Scheffel Hafer bringt 120 × 64,5 = 7740 ℔ Stroh und = 8,9 Fuder Dung.

Es iſt allgemein bekannt, daß die Weide, oder das Dreeſchliegen den Boden bereichert.

Nach vieljaͤhrigen Beobachtungen hat es ſich mir als ſehr wahrſcheinlich ergeben, daß die Pflanzennahrung, welche von den auf der Weide wachſenden Graͤſern und Kleearten konſumirt wird, durch die im Boden zuruͤckbleibenden und beim Umbruch des Dreeſches in Verweſung uͤbergehenden Wurzeln dieſer Gewaͤchſe wieder erſetzt werde, daß alſo aller waͤhrend der Beweidung auf den Dreeſch fallende Dung als eine Vermehrung des Dunggehalts des Bodens zu betrachten iſt — jedoch unter der Bedingung, daß der Dreeſch nicht aͤlter als 3 Jahr werde.

Aus der Zahl der Kuͤhe, die die Weide ernaͤhrt, laͤßt ſich die Grasproduktion des Dreeſches berechnen. Eine Kuh verzehrt in 140 Tagen à 17 ℔ — 2380 ℔ auf Heu reducirtes Gras, welche auf 270 □R., als dem Weidebedarf einer Kuh, gewachſen ſind. Auf 1000 □R. iſt die Produktion demnach = 8815 ℔ Heu. Der aus der Weide in einem Jahre hervorgehende Dunggewinn betraͤgt hiernach = 10,1 Fuder, auf einem Gerſtenboden der einen Rockenertrag von 10 Koͤrnern gegeben hat.

Der Brache meſſen wir eine doppelte Wirkung bei: naͤmlich erſtens, daß ſie die im Boden befindliche Pflanzennahrung zu einem hoͤhern Grade von Wirkſamkeit bringt; und zweitens, daß ſie den Reichthum des Bodens durch die auf der Brache wachſenden Graͤſer und Kraͤuter, welche theils untergepfluͤgt, theils vom Vieh abgefreſſen und in Dung verwandelt werden, wirklich vermehrt.

In der Vermehrung des Reichthums ſchaͤtze ich die Dreeſchbrache gleich ⅕ einer Dreeſchweide, und die Muͤrbebrache in der Dreifelderwirthſchaft, wenn ſie erſt zu Johannis umgebrochen wird, gleich ⅓ einer Dreeſchweide.

In einer Wirthſchaft, die in einem beharrenden Zu- ſtande iſt, d. h. die im Ertrage und im Reichthum des Bodens ſich gleich bleibt, muß die Ausſaugung mit dem Erſatze im Gleichgewicht ſeyn. Reduziren wir nun den Ertrag, den die ausſaugenden Getreideſaaten gegeben haben, auf Scheffel Rocken und druͤcken den Erſatz, den der Acker durch Duͤngung und Weide erhalten hat, in Fuder Dung aus: ſo ergibt ſich aus der Gleichſtellung der Aus- ſaugung und des Erſatzes, fuͤr wie viele Scheffel Rocken Nahrung in einem Fuder Dung enthalten iſt, oder was daſſelbe iſt, durch wie viele Scheffel Rocken dem Boden ein Fuder Dung entzogen wird.

Die Anwendung dieſer Rechnung auf verſchiedene Bodenarten hat ergeben, daß dies Verhaͤltniß nach der Guͤte des Bodens verſchieden iſt. Die Produktion einer gleichen Ernte koſtet dem guten Boden weniger Dung als dem ſchlechten.

Bei unſern folgenden Berechnungen iſt ein Boden zum Grunde gelegt, der ſich in der ſiebenſchlaͤgigen Koppelwirthſchaft ohne aͤußern Zuſchuß in gleicher Dungkraft erhaͤlt — und auf dieſem Boden, der mit dem Gerſtenboden 1ſte Klaſſe wahrſcheinlich zuſammenfaͤllt, koſtet die Produktion von 3,2 Schfl. Rocken dem Acker ein Fuder Dung, oder ein Fuder Dung iſt gleich 3,2°.

Herr von Wulffen hat in der Statik den ſo folgenreichen Satz aufgeſtellt, daß die Fruchtbarkeit als das Produkt zweier Faktoren, der Kraft des Bodens und des Reichthums, anzuſehen ſey.

Sobald wir nun verſchiedene Bodenarten gegen einander ſtellen, duͤrfen wir nicht bloß den Reichthum in Betracht ziehen, ſondern wir muͤſſen auch den Faktor fuͤr die Einwirkung des Bodens in die Rechnung mitaufnehmen.

Da wir hier aber nur einen und denſelben Boden vor Augen haben, ſo wird der Faktor der Bodeneinwirkung eine beſtaͤndige Groͤße. Vergleicht man nun denſelben Boden unter verſchiedenen Graden des Reichthums mit einander, ſo wird der Faktor der Bodeneinwirkung durch ſich ſelbſt dividirt immer = 1, alſo indifferent fuͤr das Produkt. Fuͤr unſern ſpeziellen Zweck duͤrfen wir alſo dieſen beſtaͤndigen Faktor weglaſſen, und den Reichthum als den einzigen veraͤnderlichen Faktor auch allein in Rechnung bringen.

Fruchtbarkeitszuſtand einer ſiebenſchlaͤgigen Koppelwirthſchaft, jeden Schlag zu 1000 □R. gerechnet.

Fruchtbarkeitszuſtand einer Dreifelderwirthſchaft, jedes Feld zu 1000 □R. gerechnet.

In der Koppelwirthſchaft war die Dungerzeugung eines Weideſchlags 10,1 Fuder fuͤr einen Reichthum des Bodens von 265°. Ein Boden, deſſen Reichthum = 325°, wie der nach der Gerſtenernte iſt, wuͤrde zur Weide niedergelegt × 10,1 = 12,4 Fuder Dung erzeugen. Da nun angenommen iſt, daß die Dungerzeugung einer Muͤrbebrache ⅓ von der eines Weideſchlags betraͤgt: ſo ſind hier dafuͤr = 4,1 Fuder in Rechnung gebracht.