Der isolirte Staat — Erſter Abſchnitt. Geſtaltung des iſolirten Staats.

§. 11. Ueber den Einfluß, den die Entfernung des Ackers vom Hofe auf die Arbeitskoſten hat.

2.562 Wörter

§. 11. Ueber den Einfluß, den die Entfernung des Ackers vom Hofe auf die Arbeitskoſten hat.

In dieſer Hinſicht ſind die Arbeiten in folgende 4 Klaſſen zu theilen:

1ſte Klaſſe. Arbeiten, deren Groͤße ganz von der Entfernung abhaͤngt, z. B. Dungfahren und Einfahren des Korns.

2te Klaſſe. Arbeiten, die des Tags ein zweimaliges Hin- und Hergehen erfordern, die aber durch Regen haͤufig unterbrochen werden, z. B. Maͤhen, Binden und andere Erntearbeiten. Ich nehme an, daß dieſe Unterbrechung im Durchſchnitt taͤglich einmal ſtatt findet, ſo daß fuͤr dieſe Klaſſe der dreifache Zeitverluſt, den das Hin- und Zuruͤckgehen verurſacht, in Rechnung kommt.

3te Klaſſe. Arbeiten, die ein zweimaliges Hin- und Zuruͤckgehen erfordern, durch den Regen aber nicht leicht, wenigſtens nicht ſo haͤufig als die Erntearbeiten unterbrochen werden. Dahin gehoͤren Haken, Eggen, Saͤen, Graben machen u. ſ. w.

Das Haken mit Ochſen ſcheint zwar nicht zu dieſer Klaſſe zu gehoͤren, da die Haͤker des Morgens nach dem Felde gehen und erſt des Abends zuruͤckkehren, alſo den Weg nach dem Orte der Arbeit nur einmal des Tags hin- und zuruͤck machen. Die Ochſen muͤſſen aber, da ſie taͤglich 3 mal gewechſelt werden, den Weg 4 mal zuruͤcklegen, wodurch ſie bei weiten Entfernungen ſehr angegriffen werden. Man kann deshalb das Haken fuͤglich mit zu dieſer Klaſſe rechnen.

4te Klaſſe. Arbeiten, die auf dem Hofe ſelbſt geſchehen, als Dreſchen, Dungaufladen, Kornabladen u. ſ. w. Dieſe bleiben immer gleich, die Entfernung des Ackers vom Hofe mag ſeyn, welche ſie wolle.

Die Koſten der Beduͤngung des Feldes, und das Einholen des Korns vom Felde gehoͤren zu verſchiedenen Klaſſen.

Bei der Beduͤngung des Feldes gehoͤrt die Geſpannarbeit zur 1ſten Klaſſe, das Streuen des Dungs auf dem Felde zur 3ten, und das Aufladen auf dem Hofe zur 4ten Klaſſe der Arbeiten.

Die genauere Berechnung hat ergeben, daß von den geſammten Koſten der Beduͤngung des Feldes

  • zur 1ſten Klaſſe gehoͤren 7/10
  • 3ten » » 1/10
  • 4ten » » 2/10

Von den Arbeiten beim Einbringen des Korns gehoͤrt die Geſpannarbeit zur 1ſten Klaſſe, das Aufſtaken und Laden des Korns auf dem Felde zur 2ten, und das Abſtaken und Taſſen oder Banſen zur 4ten Klaſſe.

Von den in meinen Arbeitsrechnungen unter der Rubrik «Auf- und Abladen» zuſammengefaßten Arbeiten, betragen die Koſten der Arbeit auf dem Felde faſt ganz genau ⅓, und die der Arbeit auf dem Hofe ⅔ des Ganzen.

Die mittlere Entfernung des Ackers vom Hofe betraͤgt auf dem Gute T., welches bei einer nicht ganz regelmaͤßigen Figur 160000 □R. Ackerland enthaͤlt, c c 210 Ruthen.

Wie aͤndern ſich nun die Arbeitskoſten, wenn dieſe Entfernung ſich aͤndert, und welcher Antheil der Arbeitskoſten bleibt dann noch, wenn die Entfernung des Ackers vom Hofe = 0 iſt?

Die Arbeitszeit der Leute betraͤgt hier vom 24ſten Maͤrz an bis zum 24ſten October, als in welcher Zeit die mehrſten Feldarbeiten geſchehen, im Durchſchnit 10⅔ Stunden.

Die Arbeiter gebrauchen, nach meiner Beobachtung, zum Hin- und Zuruͤckgehen von 210 Ruthen c c 32 Minuten.

Fuͤr die Arbeiten der 2ten Klaſſe, die ein dreimaliges Hin- und Zuruͤckgehen erfordern, gehen alſo taͤglich 3 × 32 = 96 Minuten fuͤr die eigentliche Arbeit verloren, welches 3/20 der ganzen Arbeitszeit ausmacht.

Von den Arbeiten der 2ten Klaſſe erfordert das Hin- und Zuruͤckgehen 2 × 32 = 64 Minuten, und die Arbeitszeit wird dadurch um 1/10 verkuͤrzt.

Nach den ſchon oͤfters angefuͤhrten Berechnungen vom Gute T. betragen auf 70000 □R. Acker von 210 Ruthen mittlerer Entfernung

  • die Beſtellungskoſten 569,8 Thlr. N⅔
  • die Erntekoſten ....... 499,5 Thlr.

Nach einer ſpeziellen Berechnung, deren Mittheilung hier zu viel Raum einnehmen wuͤrde, gehoͤren zur

Von den Bearbeitungskoſten, welche 70000 □R. Acker in der Entfernung von 210 Ruthen vom Hofe und beim Ertrage von 10 Koͤrnern erfordern, kommen (mit Weglaſſung der Bruͤche)

  • a. von den Beſtellungskoſten = 570 Thlr. N⅔
  • auf die Entfernung vom Hofe 57 Thlr. N⅔
  • oder 10 prct. vom Ganzen;
  • unabhaͤngig von der Entfernung ſind 513 Thlr.
  • b. von den Erntekoſten = 500 Thlr.
  • auf die Entfernung vom Hofe 176 Thlr.
  • oder 35,2 prct. vom Ganzen;
  • unabhaͤngig von der Entfernung ſind 324 Thlr.
  • Die Ernte der hier angegebenen Ackerflaͤche liefert nach Abzug der Arbeitskoſten und der allgemeinen Kulturkoſten eine Landrente von 954 Thlr. N⅔
  • Wenn wir nun die durch die Entfernung verurſachten Koſten einſtweilen bei Seite ſetzen, oder was daſſelbe iſt, die Entfernung = 0 annehmen, ſo werden von den in Ausgabe gebrachten
  • 570 Thlr. Beſtellungskoſten erſpart 57 » »
  • 500 Thlr. Erntekoſten 176 » »
  • Bei der Entfernung = 0 wird alſo die Landrente betragen 1187 Thlr. N⅔
  • Mit jeden 210 Ruthen Entfernung aͤndert ſich die Landrente um 233 » »
  • Es iſt demnach N⅔ Thaler
  • fuͤr 0 Entfernung die Landrente 1187
  • 210 Ruthen 954
  • 420 » 721
  • 630 » 488
  • 840 » 255
  • 1050 » 22
  • 1070 » 0

Fuͤr Acker von niederem Koͤrnerertrag bleiben die Beſtellungskoſten dieſelben, und die Erntekoſten nehmen mit dem Ertrage ab. Daſſelbe Verhaͤltniß findet fuͤr die Koſten, die die Entfernung des Ackers vom Hofe verur- ſacht, ſtatt.

Fuͤr einen Ertrag von 9 Koͤrnern gehoͤren der Entfernung an:

  • a. von den Beſtellungskoſten 57 Thlr. N⅔
  • b. von den Erntekoſten 176 × 9/10 = 158 » »
  • 215 » »

Die Landrente ſteigt oder faͤllt alſo mit jeden 210 Ruthen Entfernung um 215 Thaler.

Mit einem Korn-Ertrag vermindern ſich die Koſten der Entfernung um 18 Thlr. (genauer um 17,6 Thlr.) dieſe ſind alſo fuͤr den Ertrag von 8 Koͤrnern = 215 — 18 = 197 Thlr.

Hiernach iſt nun folgende Tabelle berechnet:

Zuſaͤtze.

A. Ueber die mittlere Entfernung des Ackers vom Hofe.

Der Ausdruck «mittlere Entfernung» bedarf, da er in einem andern als dem gewoͤhnlichen Sinn genommen iſt, einer Erklaͤrung.

Wenn man bei der Beduͤngung eines Schlags, der eine regelmaͤßige Figur, z. B. ein gleichſchenkliches Dreieck bildet, die Weite des Weges, die die Pferde mit dem 1ſten, 2ten, 3ten und allen folgenden, bis zur vollendeten Beduͤngung des ganzen Schlags, abgefahrnen Fuder machen, ausmißt, aufzeichnet und ſummirt, und dann die ſo gefundene Summe durch die Zahl der abgefahrnen Fuder dividirt: ſo ergibt ſich die mittlere Entfernung, in dem Sinne wie wir dieſe hier genommen haben. Nimmt man nun auf einer Linie, die den Schlag, in der Richtung vom Hofe nach der Graͤnze zu, in zwei gleiche Theile theilt, einen Punkt, der ſo weit vom Hofe entfernt iſt, als die gefundene mittlere Entfernung ausweiſ’t: ſo iſt dieſer Punkt gleichſam der Repraͤſentant fuͤr die Entfernung aller Theile des ganzen Schlags, und es wuͤrde in Hinſicht der Weite des beim Dungfahren zu machenden Wegs ganz gleichguͤltig ſeyn, ob man den Dung nach allen Theilen des Schlags fuͤhre, oder ob man allen Dung nach dieſem Punkte auf einen Haufen braͤchte.

Mir iſt nicht bekannt, daß in der Mathematik ſchon eine Formel dargeſtellt ſey, wornach dieſe mittlere Entfernung zu berechnen waͤre; und alle meine Bemuͤhungen, ein allgemeines Geſetz dafuͤr aufzufinden, ſind bis jetzt immer vergeblich geweſen.

Fuͤr den praktiſchen Gebrauch muß es einſtweilen genuͤgen, wenn man die Entfernung des Schwerpunkts — welcher zwar nicht mit dem Punkte der mittlern Entfernung zuſammenfaͤllt, aber, bei regelmaͤßigen Dreiecken, auch nicht bedeutend davon abweicht — bei Vergleichungen zum Maßſtab nimmt.

Einfacher wird die Aufgabe noch, wenn man fuͤr das Mergelfahren, ſtatt des Dungfahrens die mittlere Entfernung ſucht. Man kann ſich dann das zu befahrende Feld, welches aber regelmaͤßig z. B. ein rechtwinklichtes Viereck ſeyn muß, in lauter kleine Quadrate getheilt denken, wo auf jeden Durchſchnittspunkt eine Karre Mergel kommt. Die Summe aller Entfernungen, von jedem einzelnen Durchſchnittspunkt bis zur Spitze des Vierecks (der Mergelgrube) dividirt durch die Zahl der Durchſchnittspunkte, gibt dann die mittlere Entfernung.

B. Ueber die Lage der Hoͤfe in Mecklenburg.

Wenn man die Lage der Hoͤfe auf den mehrſten Guͤtern in Mecklenburg und Vorpommern betrachtet: ſo muß man uͤber die Widerſinnigkeit der Anlage erſtaunen.

Sichtlich tragen ſie die Spuren ihrer erſten Entſtehung noch an ſich, und ſind als hiſtoriſche Denkmaͤler der erſten Anſiedelungen zu betrachten. Wo ein See, ein Fluß, ein Bach iſt, da lehnen ſich die Hoͤfe daran, und aller Acker liegt in einer oft unabſehbaren Strecke an einer Seite des Hofes. Der erſte Kultivator einer wilden und bisher oͤden Gegend hatte ganz recht, wenn er ſeinen Wohnſitz an einem See, Fluß oder Bach aufſchlug, weil er ſich dadurch das erſte und nothwendigſte Beduͤrfniß, das Waſſer, auf die mindeſt koſtbarſte Weiſe verſchaffte, und weil er zuerſt nur ſo wenig Acker in Kultur nahm, daß die Entfernung deſſelben vom Hofe hoͤchſt unbedeutend blieb. Als aber in den folgenden Jahrhunderten Wohlſtand und Bevoͤlkerung ſtiegen, der Ackerbau ſich ausdehnte, die Viehheerden vermehrt wurden — da trieb der Beſitzer des Hofes ſein Vieh ſo weit, bis er auf ein natuͤrliches Hinderniß, einen Bach, einen Moraſt u. ſ. w. ſtieß, oder bis ein Graͤnznachbar ihn an der weitern Ausbreitung mit Gewalt hinderte. In der neuern Zeit ſind nun ſelbſt dieſe Viehweiden groͤßtentheils zu Acker gemacht worden, der aber wegen ſeiner großen Entfernung haͤufig einen negativen Reinertrag gibt.

So ſind unſere Guͤter entſtanden und im Lauf der Zeit verwandelt; aber die Hoͤfe der großen Guͤter ſtehen noch auf derſelben Stelle, wo einſt der erſte Anſiedler ſeine Huͤtte aufſchlug.

In Gegenden, wo es keine Fluͤſſe und Seen gibt, iſt zwar die Sache minder ſchlimm; aber auch hier laufen haͤufig die Gutsgraͤnzen geſchlungen oder mit ſteten Aus- und Einbiegungen neben einander hin, und zugleich iſt es nicht ſelten, daß von zwei benachbarten Guͤ- tern, der Acker des einen bis nahe an den Hof des andern reicht, waͤhrend dieſes Gut ſich mit ſeinem Acker wieder dem Hofe eines dritten Guts naͤhert.

Wir ſind durch unſere vorhergehenden Berechnungen in den Stand geſetzt, den Verluſt, der aus dieſer unregelmaͤßigen Lage der Hoͤfe entſpringt, fuͤr einen gegebenen Fall, in Zahlen auszuſprechen, und der Gegenſtand iſt wichtig genug, um noch einen Augenblick dabei zu verweilen.

Geſetzt das Gut A habe ein Stuͤck Acker von 70000 □R. à 8 Koͤrner Ertrag, welches von dem Hofe des Guts A 400 Ruthen, von dem des benachbarten Guts B aber nur 100 Ruthen entfernt iſt. Das Gut B beſitze dagegen ein Stuͤck Acker von gleicher Groͤße und Guͤte, welches ebenfalls 400 Ruthen entfernt iſt, dem Hofe des Guts C aber bis auf 100 Ruthen nahe liegt.

Um wie viel wird nun die Landrente des Guts B ſteigen, wenn es das 400 Ruthen entfernte Stuͤck an C abtritt, und dagegen das 100 Ruthen entfernte Stuͤck von A wieder erhaͤlt?

Fuͤr das Gut B geben 70000 □R. Acker à 8 Koͤrner Ertrag,

  • 1) auf 100 Ruthen Entfernung eine Landrente von 763 ÷ 197 × 100/210 = 669 Thlr.
  • 2) auf 400 Ruthen Entfernung eine Landrente von 763 ÷ 197 × 400/210 = 388 »
  • Durch den Umtauſch gewinnt das Gut B 281 Thlr. Landrente und an Kapitalwerth beim Zinsfuß von 5 prct. 5620 »
  • Das Gut C gewinnt durch die Erwerbung von 70000 □R. Acker, welche nur 100 Ruthen vom Hofe entfernt ſind,
  • an Landrente 669 »
  • an Kapitalwerth 13380 »

Durch dieſe Veraͤnderung gewinnt alſo

  • das Gut B an Kapitalwerth 5620 »
  • das Gut C » » » 13380 »
  • zuſammen 19000 Thlr.
  • das Gut A verliert dagegen 7760 »
  • bleiben 11240 Thlr.

Die drei Guͤter zuſammen haben alſo bloß durch die beſſere Vertheilung des Ackers 11240 Thlr. an Kapitalwerth gewonnen.

Es iſt zu bemerken, daß der aus dieſem Umtauſch des Grundeigenthums hervorgehende Gewinn, nicht wie der Gewinn bei einem gewoͤhnlichen, ſo genannten guten Handel, wo der eine Kontrahent ſo viel verliert als der andere gewinnt, zu betrachten iſt; ſondern dieſer Gewinn iſt ein reiner Zuſchuß zum Nationaleinkommen und zum Nationalvermoͤgen.

Bedenkt man nun, daß faſt auf keinem Gute die Gebaͤude in der Mitte der Feldmark ſtehen, daß faſt jedes Gut durch Abrundung und Austauſch gewinnen kann: ſo muß man erſtaunen und trauern uͤber die Groͤße des Kapitals, das fuͤr den Nationalreichthum auf dieſe Weiſe ohne irgend einen Erſatz verloren geht. Wollte man die- ſen Verluſt an Nationalvermoͤgen fuͤr Mecklenburg in Geld anſchlagen: ſo wuͤrde bei den niedrigſten Anſaͤtzen die Rechnung doch immer einige Millionen Thaler ergeben.

Aber warum, kann und muß man fragen, ſind denn dieſe Gutsgraͤnzen ſo unveraͤnderlich, unveraͤnderlicher ſogar als die Graͤnzen der Staaten?

Dem Austauſch ſteht zuerſt die Anhaͤnglichkeit an dem bisher beſeſſenen Eigenthum entgegen. Man uͤber- ſchaͤtzt nur zu leicht den Werth des Grundſtuͤcks, das man ſchon lange in Beſitz gehabt, oder gar von den Vorfahren ererbt hat, und an deſſen Verbeſſerung man eigene Muͤhe und Koſten verwandt hat. Aber dieſe Anhaͤnglichkeit, im ſteten Widerſtreit mit der klaren Einſicht und dem wohlverſtandenen Intereſſe, wuͤrde doch nicht Generationen und Jahrhunderte hindurch den Umtauſch verhindert haben, wenn nicht andere reellere Hinderniſſe mitgewirkt haͤtten.

Dieſe finden wir nun genuͤgend in Folgendem:

  • 1) In der Groͤße der Abgaben, die in Mecklenburg nicht bloß beim Verkauf ganzer Guͤter, ſondern auch beim Verkauf einzelner Gutspertinenzien erlegt werden, und die beim Umtauſch ſogar doppelt, d. h. von dem Werth jedes der beiden an einen andern Beſitzer uͤbergegangenen Grundſtuͤcke, entrichtet werden muͤſſen;
  • 2) in den Koſten, welche die Vermeſſung des angekauften oder verkauften Stuͤcks, die Umſchreibung im Steuerkataſter u. ſ. w. verurſacht;
  • 3) in den Schuldenverhaͤltniſſen der Guͤter, wodurch naͤmlich kein Stuͤck des Guts ohne ſpezielle Einwilli gung aller Gutsglaͤubiger weder verkauft noch vertauſcht werden kann.

Die hohe Abgabe beim Verkauf ganzer Guͤter iſt der Kultur des Bodens nicht hinderlich, ſondern vielmehr guͤn- ſtig, indem ſie das leichtſinnige Uebergehen der Guͤter von einer Hand in die andere hemmt und vermindert; aber ſicherlich iſt die Abgabe auf den Austauſch einzelner Gutstheile hoͤchſt nachtheilig fuͤr den Nationalwohlſtand.

Da dieſe Abgabe in Verbindung mit den andern Schwierigkeiten ſtark genug iſt, um faſt alle Austauſchungen zu verhindern: ſo wuͤrde auch die Aufhebung derſelben kein Opfer ſeyn, oder doch nur ein ſehr geringes Defizit in den Staatsrevenuͤen hervorbringen. Wollte man auch dieſes Defizit decken: ſo koͤnnte dies durch eine geringe Erhoͤhung der Abgabe beim Verkauf ganzer Guͤter ohne allen Nachtheil fuͤr die Landeskultur geſchehen.

Ob und wie nun aber die dritte, aus den Schuldverhaͤltniſſen der Guͤter hervorgehende Schwierigkeit zu entfernen ſey — daruͤber wage ich kein Urtheil zu faͤllen. Aber es iſt voraus zu ſehen, daß wenn wir, in unſerm alt gewordenen Welttheil, die Feſſeln, die die Zeit und das Herkommen um uns geſchlungen hat, nicht zu loͤſen wiſſen, wir dann im Ackerbau und an Nationalwohlſtand gegen die friſch aufbluͤhenden Staaten der neuen Welt gar bald zuruͤckſtehen werden.

Auf den Doͤrfern, wo die Bauern im Dorfe zuſammenwohnen und ihren Acker nicht zuſammenhaͤngend, ſondern Stuͤck um Stuͤck liegen haben, und wo dieſe Stuͤcke dann vom Dorf bis zur Feldſcheide reichen, da iſt der Verluſt an Landrente noch ſehr viel groͤßer als bei den ſchlecht arrondirten, aber in großen Flaͤchen zuſammenhaͤngenden Guͤtern. Dieſe Doͤrfer erleiden alle Nachtheile der großen Guͤter, ohne daß ſie irgend einen ihrer Vortheile genießen. Ein Staat der lauter ſolche Bauerdoͤrfer haͤtte, koͤnnte nur ein unbedeutendes Nationaleinkommen beſitzen, und wuͤrde deshalb in der Vertheidigung gegen einen aͤußern Feind hoͤchſt ohnmaͤchtig ſeyn.

Die Kraft der Menſchen und der Zugthiere wird hier durch ein muͤſſiges Hin- und Hergehen auf dem Felde verſchwendet; und wenn ſonſt eine mit dem Landbau be- ſchaͤftigte Arbeiterfamilie, auf fruchtbarem Boden gar wohl die Lebensmittel fuͤr zwei Familien erzielen kann: ſo verzehrt ſie hier faſt alles wieder, was ſie durch ihre Arbeit dem Boden abgewonnen hat, und ſie kann zum Unterhalt der Stadtbewohner nur ſehr wenig an Lebensmitteln abgeben.

Die Abhuͤlfe iſt hier aber ſchwierig, weil der entlegene Boden dieſer Doͤrfer gewoͤhnlich ſo mager iſt, daß er die Koſten des Aufbaues neuer Gebaͤude nicht bezahlen, und auch keine Familie ernaͤhren wuͤrde. — Doch dieſer Gegen- ſtand gehoͤrt nicht weiter zu unſerer Unterſuchung.