§. 16. Wirthſchaftsſyſtem mit hoͤherer Dungproduktion.
Aus dem Vorhergehenden laͤßt ſich ſchon ſchließen, daß bei ſehr erhoͤhten Kornpreiſen, verbunden mit einer großen Fruchtbarkeit des Bodens, wir endlich auf einen Punkt kommen muͤſſen, wo eine noch ſtaͤrkere Dungerzeugung als in der Koppelwirthſchaft ſtatt findet, ſich reichlich bezahlen wird.
Daß aber eine noch hoͤhere Dungproduktion moͤglich iſt, liegt klar vor Augen; denn
- 1) hat die K. W. noch eine reine Brache, welche zwar in manchen andern Beziehungen ſehr nuͤtzlich iſt, zur Dungvermehrung ſelbſt aber ſehr wenig beitraͤgt, indem ſie nur den 5ten Theil des Dungs, den die Weide erzeugt, hervorbringt;
- 2) iſt die Weide ſelbſt bei weitem nicht ſo produktiv, als ſie ſeyn koͤnnte, indem ſie immer in die Schlaͤge kommt, die ſchon drei Kornſaaten nach der Duͤngung getragen haben, und deshalb auf einer geringen Stuffe des Reichthums ſtehen.
Der Nutzen der Brache beſteht hauptſaͤchlich in Folgendem:
- 1) wird der Dreeſch durch die Brache mit den gering- ſten Arbeitskoſten zur Aufnahme der Winterſaat tauglich gemacht; denn man kann zwar den Dreeſch auch durch die Fruͤhjahrsbearbeitung muͤrbe machen, aber dies iſt mit einer großen Arbeitsvermehrung verbunden, und koſtet 30 bis 50 prct. mehr als die regelmaͤßige Brachbearbeitung im Sommer, wo die Raſenfaͤulniß der Bearbeitung zu Huͤlfe kommt;
- 2) wird der Dung- und Humusgehalt des Bodens durch die Brache in eine ſo große Wirkſamkeit ge- ſetzt, daß dies durch keine Vorfrucht in dem Grade zu erreichen iſt.
So wird z. B. ein Boden, der nach der Brache 6 Koͤrner an Rocken traͤgt, nach gruͤn abgemaͤhten Wicken, nur ungefaͤhr 5 Koͤrner geben. Daß einzelne Jahre und gewiſſe Bodenarten hievon eine Ausnahme machen, kann die Regel nicht umſtoßen, daß die Brache die beſte Vorbereitung zur Winterſaat iſt; wohl aber wird das Verhaͤltniß in Zahlen ausgeſprochen (hier wie 6 zu 5 ange nommen) nach Verſchiedenheit des Bodens, der Bearbeitung und des Klimas ſehr verſchieden ſeyn.
Dieſer Minderertrag des Rockens nach den Wicken ruͤhrt aber nicht bloß von einer durch dieſe Frucht bewirkten Erſchoͤpfung des Bodens her, indem dieſer auch dann noch ſtatt findet, wenn der Acker nach der Aberntung der Wicken denſelben Dunggehalt wie die Brache hat; ſondern entſpringt daraus, daß die Bearbeitung des Bodens minder vollkommen geweſen iſt, und daß ein geringerer Theil der ganzen, im Boden befindlichen Dung- und Humusmaſſe, zur Nahrung fuͤr die Pflanzen zubereitet und geſchickt gemacht iſt, welches ich durch den Ausdruck «geringere Wirkſamkeit des Dungs» bezeichne.
Auf das Credit der Vorfrucht kommen zu ſtehen:
- 1) Werth des gewonnenen Viehfutters;
- 2) Werth des Dungs, den das Futter mehr gibt, als die Produktion deſſelben dem Acker koſtet — wodurch dann eine groͤßere Ausdehnung des Kornbaues moͤglich wird.
Das Debet der Vorfrucht enthaͤlt:
- 1) vermehrte Beſtellungskoſten,
- 2) Koſten der Ausſaat,
- 3) Verminderung des Ertrags der Winterſaat, welche der Vorfrucht unmittelbar folgt.
Es entſteht nun die Frage: bei welchem Getreidepreis und bei welchem Koͤrnerertrag des Ackers wird das Credit der Vorfrucht dem Debet derſelben gleich kommen?
Wenn die Data zu einer ſolchen Berechnung gegeben ſind, ſo muß ſich dieſer Punkt unſtreitig eben ſo ſcharf darſtellen laſſen, als dies bei der Beſtimmung der Graͤnze zwiſchen der Koppelwirthſchaft und der Dreifelderwirth- ſchaft geſchehen iſt. Aber dieſe Rechnung wird doch ſehr verwickelt werden, und ich vermag ſie fuͤr jetzt noch nicht zu geben; weil uͤber die Ausſaugung des Gruͤnfutters und der Wurzelgewaͤchſe eine ſo große Meinungsverſchiedenheit ſtatt findet, und der Verfaſſer ſelbſt erſt die Re- ſultate ſeiner hieruͤber angeſtellten Verſuche abwarten muß, ehe er ſeine Anſichten dem Publikum ausfuͤhrlich vorlegen und eine Berechnung darauf gruͤnden kann. Er begnuͤgt ſich daher mit der Anfuͤhrung einzelner Grundzuͤge, die, wie ich glaube, aus der durchgefuͤhrten Berechnung hervorgehen wuͤrden.
Bei einer mittelmaͤßigen Fruchtbarkeit des Ackers wird erſt bei einem ſehr hohen Kornpreis die Abſchaffung der Brache vortheilhaft ſeyn koͤnnen: denn wenn auch die vermehrte Arbeit durch hoͤhere Preiſe bald bezahlt wird, ſo iſt doch der verminderte Ertrag des Winterkorns von ſo großem Einfluß auf den Reinertrag, daß der vergroͤ- ßerte Kornbau, etwa bis zur Haͤlfte der ganzen Flaͤche, dieſen Verluſt nur ſchwer und nur bei ſehr hohen Kornpreiſen wird decken koͤnnen.
Der Werth des gewonnenen Viehfutters kann aber zur Deckung dieſes Verluſtes nicht ſehr viel beitragen, indem die gewoͤhnliche Viehzucht zwar ein bedeutendes, ſehr in die Augen fallendes, verkaͤufliches Produkt liefert, aber nur eine geringe, oder — wie die Folge ergeben wird — oft gar keine Landrente abwirft.
Fuͤr Boden von geringer Fruchtbarkeit, alſo von niederm Koͤrnerertrag, wird die Abſchaffung der Brache auch bei den hoͤchſten Kornpreiſen nicht mehr konſequent ſeyn.
Betrachten wir nun aber einen Boden von ſehr hoher Fruchtbarkeit, ſo aͤndern ſich dieſe Verhaͤltniſſe gar ſehr.
Mit der ſteigenden Dungkraft des Ackers ſteigt der Koͤrnerertrag bis zu einem gewiſſen Punkt wahrſcheinlich in gradem Verhaͤltniſſe.
Die Steigerung des Kornertrags kann aber nicht wie die der Dungkraft unbegraͤnzt ſeyn; ſie findet dieſe Graͤnze vielmehr in der Natur der Pflanze, die auch beim groͤß ten Ueberfluß an Nahrung ein gewiſſes Maß von Groͤße und Ertrag nicht uͤberſchreiten kann. Hat der Boden nun eine ſolche Dungkraft, daß die darauf geſaͤeten Pflanzen zum Maximum ihres Ertrags gelangen koͤnnen: ſo iſt jeder fernere Zuſatz von Dung unwirkſam, ja er wird ſogar ſchaͤdlich, indem er das Lagern des Getreides und dadurch einen verminderten Ertrag hervorbringt.
Geſetzt das Maximum des Rockenertrags fuͤr einen gegebenen Boden ſey = 10 Koͤrner. Erhoͤhen wir nun die Dungkraft dieſes Bodens noch um ⅕, ſo daß er die Faͤhigkeit bekaͤme 12 Koͤrner zu produziren, wenn die Natur der Pflanze dies erlaubte: ſo wird auf dieſem Boden nach reiner Brache nur Lagerkorn gebauet werden. Wenn nun aber ſtatt der Brache gruͤne Wicken genommen werden: ſo wird die Wirkſamkeit des im Boden befindlichen Dungs und Dungruͤckſtandes ſo weit vermindert, daß der Boden nun wiederum 10 Koͤrner produzirt.
Unter dieſen Umſtaͤnden faͤllt alſo der Nachtheil der Vorfrucht auf die nachfolgende Winterung ganz weg; auf dem Debet der Vorfrucht bleiben bloß noch die vermehrten Beſtellungskoſten und die Koſten der Ausſaat, welche aber ſchon bei maͤßigen Kornpreiſen durch den vermehrten Dunggewinn und dadurch erweiterten Kornbau erſetzt werden.
Es leidet alſo keinen Zweifel, daß unter dieſen Verhaͤltniſſen die Abſchaffung der Brache konſequent ſey — vorausgeſetzt, daß die phyſiſche Beſchaffenheit des Bodens und das Klima nicht von der Art ſind, daß die Brache durchaus nothwendig iſt.
Mit der Abſchaffung der Brache aͤndert ſich nun aber die ganze Form der Koppelwirthſchaft. Um die Bearbeitung des Dreeſches zur Vorfrucht zu erleichtern, wird man es vortheilhaft finden, den Dreeſch nicht mehr 3 Jahre, ſondern nur ein, hoͤchſtens zwei Jahre zur Weide liegen zu laſſen. Um die Verwilderung des Ackers, die wenn es keine reine Brache gibt, ſo leicht ſtatt findet, zu vermeiden, wird eine ausgezeichnete Aufmerkſamkeit auf die Folge, in welcher die Fruͤchte nach einander am be- ſten gedeihen, nothwendig. Man wird die Fruchtfolge ſo waͤhlen, daß fuͤr jede Frucht die moͤglichſt beſte Bearbeitung ſtatt finden kann, und daß die abgeerntete Frucht den Reichthum des Bodens in der groͤßten zu erreichenden Wirkſamkeit fuͤr die folgende Saat hinterlaͤßt — eine Vorſicht, die in der Koppelwirthſchaft auch nicht uͤberfluͤſ- ſig, aber nicht ſo nothwendig iſt, und die hier andern Ruͤckſichten weichen muß. — Mit einem Wort: hohe Fruchtbarkeit des Bodens, verbunden mit guten Kornpreiſen, verwandelt die Koppelwirthſchaft in eine Fruchtwechſelwirthſchaft.
Wenn fuͤr einen gegebenen Boden das Maximum des Mittelertrags an Rocken = 10 Koͤrner iſt, welches in der 7ſchlaͤgigen K. W. einen mittlern Reichthum von 373° in 1000 □R. vorausſetzt: ſo kann in dieſer Wirth- ſchaftsform ein Zuſatz von Reichthum keine Anwendung mehr finden, weil dieſer nur Lagerkorn und alſo verminderten Ertrag hervorbringen wuͤrde. Wer nun die Koppelwirthſchaft als die Graͤnze der Kultur anſieht, wird auf einem Boden von dieſem Reichthum die Schaͤtze, die ſich auf ſeinem Felde an Moder und Mergel finden, entweder gar nicht benutzen koͤnnen, oder er wird das, was er durch die Anwendung dieſer Mittel dem Acker gegeben hat, durch eine vergroͤßerte Kornausſaat augenblicklich wieder hinwegnehmen muͤſſen, und ſomit kein groͤ- ßeres produktives Kapital im Acker fundiren koͤnnen.
In der Fruchtwechſelwirthſchaft findet aber ein weit groͤßerer mittlerer Reichthum noch eine nuͤtzliche Anwendung: denn 1) iſt ſchon durch die gleichmaͤßigere Vertheilung des Reichthums in allen Schlaͤgen ein groͤßerer mitt lerer Reichthum erforderlich, um 10 Koͤrner an Rocken hervorzubringen, und 2) muß wegen der durch die Vorfrucht verminderten Wirkſamkeit des Dungs, der Reichthum des Rockenſchlags ſelbſt bedeutend hoͤher ſeyn, wenn dieſer das Maximum von 10 Koͤrnern liefern ſoll.
Aus der erſten Urſache iſt nach §. 9. in der 6ſchlaͤgigen F. W. W. der mittlere Reichthum 425°, wenn der Rockenſchlag nach Wicken 500° enthalten ſoll; aus der zweiten Urſache gehoͤren aber zur Hervorbringung von 10 Koͤrnern 600° Reichthum.
Das Maximum des Ertrags der Kartoffeln und des Gruͤnfutters liegt nicht ſo nahe als beim Getreide, und ihr Anbau iſt grade auf ſolchem Boden, der uͤber 500° Reichthum enthaͤlt, am vortheilhafteſten. Sollen nun die Schlaͤge unter ſich in dem Verhaͤltniß des Reichthums bleiben, wie dies in §. 9. angegeben iſt, ſo wird fuͤr einen Koͤrnerertrag an Rocken = 10, auch der Kartoffel- ſchlag 600° erhalten, und der mittlere Reichthum wird dann um ⅕ erhoͤht, alſo von 425° auf 425 × 1⅕ = 510° gebracht.
Da nun in der F. W. W. der Reichthum nur fuͤr die Winterſaat, nicht aber fuͤr die Kartoffeln, das Sommerkorn und das Gruͤnfutter eine mindere Wirkſamkeit hat, als in der K. W.: ſo iſt auch der Reinertrag dieſer Wirth- ſchaft ſehr viel hoͤher, als der der Koppelwirthſchaft von 10 Koͤrnern Ertrag.
Es findet alſo in der F. W. W. ein mittlerer Reichthum von 510° eine nuͤtzliche, produktive Anwendung, waͤhrend in der K. W. nur 373° mittlerer Reichthum nuͤtzlich verwandt werden koͤnnen; oder die F. W. W. kann 510° mittleren Reichthum zinstragend im Boden fundiren, die K. W. nur 373°.
In Staaten, deren Konſumtion durch die Produktion grade gedeckt wird, die alſo weder Korn ausfuͤhren noch einfuͤhren, ſteht ſicherlich die Bevoͤlkerung mit der Summe der erzeugten Lebensmittel in irgend einem Verhaͤltniß. Nun erzeugt die K. W. von gleicher Flaͤche eine viel groͤ- ßere Maſſe von Lebensmitteln, als die D. F. W., aber eine viel geringere, als die F. W. W., wenn der Koͤrnerertrag des Rockens in allen drei Wirthſchaftsarten gleich iſt; und wenn die K. W. von 10 Koͤrnern Ertrag etwa 3000 Menſchen auf der Quadratmeile ernaͤhrt ſo wird die D. F. W. nur ungefaͤhr fuͤr 2000, die F. W. W. aber vielleicht fuͤr 4000 Menſchen auf der Quadratmeile den Lebensunterhalt verſchaffen.
Die F. W. W. iſt ein herrliches Mittel, um einen reichen Boden hoch zu benutzen; aber fuͤr armen Boden iſt ſie ein Mittel, um den Reinertrag, den andre Wirth- ſchaftsarten hier gegeben haͤtten, zu vernichten.
Wenn man die Quantitaͤt Gras berechnet, die eine Dreeſchweide jaͤhrlich hervorbringt, und dieſe dann mit dem Heuertrag des rothen Maͤheklee’s vergleicht, ſo wird man, auch dann wenn man Boden von gleicher Dungkraft nimmt, einen ſehr betraͤchtlichen Unterſchied in der Produktion zu Gunſten des Maͤheklee’s finden.
Da nun dieſer Vorzug des Maͤheklee’s auch dann noch ſtatt findet, wenn die Weidepflanzen ſelbſt groͤßtentheils aus rothem Klee beſtehen: ſo geht hieraus hervor, daß die beſtaͤndige Stoͤrung, welche die Weidepflanzen in in ihrer Vegetation durch das Abbeißen und Zertreten erleiden, ſehr nachtheilig auf das Wachsthum des Graſes und des Klee’s wirkt.
Die Dungerzeugung, ſo wie der Futtergewinn werden alſo betraͤchtlich vermehrt, wenn man die Dreeſchweiden in Felder mit gruͤn gemaͤhten Futterkraͤutern verwandelt — welches Stallfuͤtterung, ſtatt Weidegang herbeifuͤhrt.
Mit der durch die Stallfuͤtterung erhoͤhten Dungerzeugung kann nun abermals der Kornbau erweitert werden, und wenn, nach einer oberflaͤchlichen Berechnung, die F. W. W. mit Weidegang c. c. 50 prct. der Ackerflaͤche mit Korn beſtellen kann; ſo wird die F. W. W. mit Stallfuͤtterung vielleicht 55 prct. der Ackerflaͤche dem Getreidebau widmen koͤnnen, und doch in demſelben Grad von Reichthum verbleiben 1
In waͤrmern Klimaten kann auf fruchtbarem Boden in die Stoppel des abgeernteten Getreides noch eine zweite Frucht, als Ruͤben, Spoͤrgel u. ſ. w. gebauet werden. Dies iſt gleichſam ein beſchleunigter Umlauf: man bauet in einem Jahre zwei Fruͤchte, zu deren Hervorbringung in kaͤltern Klimaten zwei Jahre gehoͤren. Da die Stoppelfrucht immer zum Viehfutter dient, und hiezu nur ſolche Gewaͤchſe genommen werden, die durch Verfuͤtterung mehr Dung wiedergeben, als die Produktion derſelben dem Acker gekoſtet hat: ſo hat die Ausſaugung der Getreidefrucht in der Dungerzeugung der Stoppelfrucht ein ſtetes Gegengewicht. Ein Theil der durch die Halmfrucht bewirkten Ausſaugung wird durch den Erſatz, den die Stoppelfrucht liefert, wieder aufgehoben, und ſo iſt es nicht zu verwundern, daß dieſe Wirthſchaften 60 bis 70 prct. der Ackerflaͤche mit Korn und Handelsgewaͤchſen be- ſtellen koͤnnen, ohne den Reichthum des Bodens zu er- ſchoͤpfen.
Allemal aber gehoͤrt neben einem ausgezeichnet fruchtbaren Boden ein hoher Werth der Produkte dazu, wenn dieſe im Sturm gewonnenen Ernten (wie ſich ein anonymer Schriftſteller ausdruͤckt) die Koſten bezahlen ſollen.
Nach dem Zeugniß bewaͤhrter Schriftſteller bewirkt der rothe Klee, in manchen Gegenden, gar keine Ausſaugung, ſondern vielmehr eine Bereicherung des Bodens.
In Mecklenburg ſprechen dagegen die Erfahrung und die uͤberwiegende Meinung den Satz aus, daß der rothe Klee als eine ausſaugende Frucht zu betrachten ſey.
Es iſt ferner in Mecklenburg und Neu-Pommern ſehr haͤufig bemerkt, daß Felder, welche aus der D. F. W. zur K. W. uͤbergegangen ſind, in den erſten Umlaͤufen ſehr uͤppigen Klee, ſowohl weißen als rothen getragen haben; daß aber in den ſpaͤtern Umlaͤufen dieſer Boden weder durch einen erhoͤhten Reichthum, noch durch den Mergel den erſten großen Klee-Ertrag wieder liefert.
Wie laͤßt ſich nun fuͤr dieſe anſcheinend widerſprechenden Thatſachen eine gemeinſchaftliche Urſache auffinden.
Mir ſcheint es, daß ſich dieſe Erfahrungen unter einen Geſichtspunkt auffaſſen laſſen, wenn man annimmt, daß in dem Dung irgend ein Stoff — gleichviel welcher es ſey und wie er genannt werde — enthalten ſey, der von den Halmfruͤchten nicht ergriffen wird, dagegen aber dem Klee ganz vorzuͤglich zuſagt.
Kommt nun der Klee auf einen Boden, der ſchon lange kultivirt iſt, bisher aber bloß Korn getragen hat: ſo findet der Klee dieſen Stoff als Ruͤckſtand aller fruͤhern Duͤngungen im Boden vor, und gedeiht wegen der ihm grade angemeſſenen, im Uebermaß vorhandenen Nahrung in einem ungemeinen Grade. Der Boden verliert dann durch den Klee einen Stoff der fuͤr das Korn indifferent war, und erhaͤlt dagegen durch die Stoppeln und Wurzeln des Klee’s eine Duͤngung zuruͤck, die fuͤr das Korn wirkſam iſt. Das Korn findet dann eine vermehrte Maſſe des demſelben zuſagenden Nahrungsſtoffes vor, und wenn man nun das Gedeihen des Korns, vor und nach dem Klee, zum Maßſtab der Ausſaugung nimmt, ſo muß der Klee weit mehr bereichernd als ausſaugend erſcheinen.
Sobald nun aber der Klee, in die regelmaͤßige Fruchtfolge aufgenommen, ſo oft wiedergekehrt iſt, daß der eigenthuͤmliche Nahrungsſtoff erſchoͤpft iſt: ſo findet derſelbe im naͤchſten und in allen folgenden Umlaͤufen von dieſem eigenthuͤmlichen Stoff nur ſo viel vor, als in der friſchen Duͤngung davon enthalten war. Da aber dies Quantum zur Ernaͤhrung des Klee’s nicht hinreicht, ſo greift der- ſelbe den fuͤr das Korn geeigneten Nahrungsſtoff im ver- ſtaͤrkten Maß an, und ſo zeigt ſich der Klee nun nicht mehr bereichernd, ſondern ausſaugend.
Wahrſcheinlich iſt der fuͤr den rothen und der fuͤr den weißen Klee geeignete Stoff, wenn auch nicht identiſch doch aͤhnlich, und da in der K. W. der weiße Klee in jedem Umlauf uͤber das ganze Feld kommt: ſo findet hier gar keine Anhaͤufung des Klee-Nahrungsſtoffs ſtatt. Bringt man nun zur Abwechſelung auf dieſen Boden einmal rothen Klee, ſo muß dieſer groͤßtentheils von den fuͤr das Korn geeigneten Stoffen leben, und zeigt ſich dann ausſaugend.
Mag nun aber dieſe Erklaͤrung begruͤndet oder unbegruͤndet ſeyn, ſo kann ich doch, nach meinen bisherigen Erfahrungen und Beobachtungen, den gruͤn gemaͤhten Wicken und dem rothen Klee — wenn dieſe in jedem Umlaufe regelmaͤßig wiederkehren — keine bereichernde Kraft beimeſſen; ſondern ich muß vielmehr annehmen, daß dieſe Gewaͤchſe, welche eine ſo große Maſſe Futter liefern, und welche, bei der regelmaͤßigen Wiederkehr, nur in dem Maße wachſen, als ſie Reichthum im Boden vorfinden, eine ausſaugende Wirkung auf den Boden ausuͤben. Es ſcheint mir aber gewiß, daß der rothe Klee, auch nach Abzug deſſen, was ſeine Produktion an Dung gekoſtet hat — auf einem fuͤr denſelben geeigneten Boden — einen betraͤchtlich groͤßern Dunguͤberſchuß liefert, als eine Dreeſchweide auf dieſem Boden zu geben vermag.
Das Credit der Stallfuͤtterung in Vergleichung mit dem Weidegang des Viehes enthaͤlt demnach:
- 1) vermehrtes Futter,
- 2) vergroͤßerte Dungerzeugung und dadurch bewirkte groͤßere Ausdehnung des Kornbaues.
Das Debet enthaͤlt:
- 1) die koſtſpieligere Ausſaat von Wicken und rothem Kleeſaamen;
- 2) die durch den Wickenbau vermehrten Beſtellungskoſten;
- 3) die Anfahrungskoſten des Gruͤnfutters nach dem Hofe;
- 4) die Koſten des Abfahrens des aus dem Gruͤnfutter erfolgten Dungs — welche beim Weidegang ganz erſpart werden.
Die durch die Stallfuͤtterung verurſachten Koſten ſind nicht unbedeutend, und nur auf einem Boden von hohem Werth wird der erweiterte Kornbau und das vermehrte Viehfutter dieſe Koſten decken und uͤberwiegen koͤnnen.
Ein Boden von geringer Fruchtbarkeit kann dieſe Koſten nicht wieder bezahlen, und fuͤr einen ſolchen Boden wird dieſe Wirthſchaft um ſo verderblicher, als die erwartete Futter- und Dungvermehrung in eine Verminderung umſchlaͤgt; indem die Futterkraͤuter hier ganz ver- ſagen, einen noch geringern Ertrag als der Weideklee und die Weidegraͤſer geben, und kaum die Koſten des verwandten Saamens erſetzen.
In einer Koppelwirthſchaft von 10 Koͤrnern Ertrag hat der 535 Ruthen vom Hofe entfernte Acker nach §. 11 noch die Haͤlfte des Werths von dem am Hofe liegenden Acker.
In der mit Stallfuͤtterung verbundenen Fruchtwech- ſelwirthſchaft werden die Arbeiten, deren Groͤße in gradem Verhaͤltniß mit der Entfernung vom Hofe ſtehen, naͤmlich das Einfahren der Feldfruͤchte und das Abfahren des Dungs, außerordentlich vermehrt. Wenn man hieruͤber eine eben ſo genaue Berechnung, als die fuͤr die Koppelwirthſchaft gegebene, anſtellte: ſo wuͤrde man wahrſcheinlich finden, daß fuͤr dieſe Wirthſchaftsart, der 300 Ruthen vom Hofe entfernte Acker ſchon auf die Haͤlfte des Werths des am Hofe liegenden Ackers herabſinkt.
Es laͤßt ſich alſo wohl mit Sicherheit annehmen, daß F. W. W. mit Stallfuͤtterung ſich nur bei kleinen Guͤtern uͤber das ganze Feld ausbreiten kann; daß aber auf großen Guͤtern, auch beim hohen Werth des Bodens, dieſes Wirthſchaftsſyſtem nur auf dem vordern Theil des Ackers vortheilhaft und ausfuͤhrbar ſey, der entferntere Acker dagegen durch K. W. hoͤher genutzt werde.
Da nun beim hohen Werth des Bodens — der aus der Fruchtbarkeit des Bodens und aus dem Preiſe der Erzeugniſſe gemeinſchaftlich entſpringt — die F. W. W. mit Stallfuͤtterung eintraͤglicher iſt, als die K. W., ſo koͤnnen wir umgekehrt ſchließen, daß mit dem ſteigenden Werth des Bodens die Guͤter von maͤßiger Groͤße mehr und mehr den Vorzug vor den großen Guͤtern erhalten; und in der That finden wir in allen Laͤndern, wo eine ſehr hohe Kultur des Bodens ſtatt findet, nur Guͤter von geringem oder maͤßigem Umfange.
