Der isolirte Staat — Erſter Abſchnitt. Geſtaltung des iſolirten Staats.

§. 17. Reſultate einer Vergleichung zwiſchen der belgiſchen Wirthſchaft und der mecklenburgiſchen Wirthſchaft.

3.305 Wörter

§. 17. Reſultate einer Vergleichung zwiſchen der belgiſchen Wirthſchaft und der mecklenburgiſchen Wirthſchaft.

Wir legen hier fuͤr beide Wirthſchaftsarten einen Boden zum Grunde, auf welchem die relative Ausſaugung des Rockens ⅙ betraͤgt.

Fruchtfolge der belgiſchen Wirthſchaft, die wir hier zum Gegenſtand der Betrachtung nehmen:

  • 1) Kartoffelln,
  • 2) Rocken und Stoppelruͤben,
  • 3) Hafer,
  • 4) Klee,
  • 5) Weizen und Stoppelruͤben.

Die Fruchtfolge der mecklenburgiſchen Wirthſchaft, welche wir bei dieſer Vergleichung zum Grunde legen, iſt die gewoͤhnliche in der ſiebenſchlaͤgigen Koppelwirth- ſchaft ſtatt findende Fruchtfolge, die wir oben ſchon angefuͤhrt haben.

Reichthum und Ertrag der belgiſchen Wirthſchaft.

  • (jeden Schlag zu 10000 □R. den Reichthum
  • Ctr. zu 100 ℔ gerechnet.) Grade Ertrag
  • 1) Kartoffeln 7680 11500 Schfl.
  • 2) Rocken 6974 1056 Schfl.
  • Ruͤben — 6500 Ctr.
  • 3) Hafer 7650 1650 Schfl.
  • 4) Klee 6910 3150 Ctr. Heu
  • 5) Weizen 7349 1056 Schfl.
  • Ruͤben — 6500 Ctr.
  • In 50000 □R. ſind enthalten 36563°
  • dies macht fuͤr 10000 □R. … 7313°

Reichthum und Ertrag der mecklenburgiſchen Wirthſchaft.

  • 1) Rocken 6336° 1056 Schfl.
  • 2) Gerſte 5280 1056 Schfl.
  • 3) Hafer 4488 1267 Schfl.
  • 4) Weide 3854 898 Ctr. Heu
  • 5) Weide 4145 898 Ctr. Heu
  • 6) Weide 4435 898 Ctr. Heu
  • 7) Brache — enthaͤlt im Fruͤhjahr 4726 180 Ctr. Heu
  • Hiezu die Duͤngung aus dem Stroh 1552
  • In 70000 □R. ſind enthalten 34816°
  • dies macht fuͤr 10000 □R. … 4973°

Bei gleichem Koͤrnerertrag an Winterkorn verhaͤlt ſich alſo der mittlere Reichthum des mecklenburgiſchen Ackers zu dem des belgiſchen wie 4973° zu 7313° oder wie 100 zu 147.

Meine Berechnungen liefern als endliches Reſultat folgende Ueberſicht der Koſten und der Landrente:

A. der belgiſchen Wirthſchaft, auf 100000 □R.

B. der mecklenburgiſchen Wirthſchaft auf 100000 □R.

1.

Es iſt zuvoͤrderſt zu bemerken, daß der Ertrag des Winterkorns in Belgien mit dem Ertrage, den Weizen zu T. im Durchſchnitt gegeben hat, faſt genau zuſammenfaͤllt. Der Verſuch, den Weizen zu T. zu einem noch hoͤhern Mittelertrag zu bringen, har aufgegeben werden muͤſſen, weil der Weizen ſich dann lagerte und einen verminderten Ertrag lieferte. Wir koͤnnen alſo den belgiſchen Mittelertrag von 10,56 Koͤrnern zugleich als das Maximum des Mittelertrags auf gutem Hoͤheboden anſehen.

2.

Mit dem Ertrage von 10,56 Koͤrnern iſt in der Koppelwirthſchaft eine Landrente von 1600 Thlr. N⅔ verbunden, und weil der Koͤrnerertrag nicht weiter geſteigert werden kann: ſo iſt auch in der reinen Koppelwirth- ſchaft, wo reine Brache gehalten und aller Dung derſelben zugefuͤhrt wird, eine hoͤhere Landrente nicht zu erreichen.

Dagegen liefert die belgiſche Wirthſchaft bei demſelben Koͤrnerertrage eine Landrente von 2779 Thlr. N⅔; oder bei dem Ertrage von 10,56 Koͤrnern verhaͤlt ſich die Landrente der mecklenburgiſchen Wirthſchaft zu der der belgiſchen Wirthſchaft wie 100 zu 174.

Der Rohertrag beider Wirthſchaftsarten verhaͤlt ſich wie 5137 zu 11081, oder wie 100 zu 216.

Denken wir uns nun dieſe beiden verſchiedenen Wirthſchaften uͤber zwei Staaten von gleichem Umfange verbreitet: ſo muß in dem Reichthum, der Bevoͤlkerung und der Macht beider Staaten ein ungeheurer Unterſchied ſtatt finden.

Die Bevoͤlkerung ſteht wahrſcheinlich, wenn auch nicht im direkten doch im nahen Verhaͤltniß mit dem rohen Ertrage, und vor allem wird die Zahl der produktiven Arbeiter mit dem Rohertrage in naher Verbindung ſtehen. Wir haben oben, aber freilich als eine bloße Muthmaßung, angenommen, daß die Koppelwirthſchaft von 10 Koͤrnern Ertrag einer Bevoͤlkerung von 3000 Menſchen auf der Quadratmeile Nahrung verſchaffe. Hiernach wuͤrde eine K. W. von 10,56 Koͤrnern Ertrag c c 3200 Menſchen auf der Quadratmeile ernaͤhren; und da in dieſer Beziehung die K. W. ſich zur B. W. wie 100: 216 verhaͤlt: ſo wuͤrde der Staat, in welchem die belgiſche Wirthſchaft betrieben wird, c c 6900 Einwohner auf der Quadratmeile enthalten koͤnnen.

Es lohnt wohl der Muͤhe, dieſe hypothetiſche Berechnung mit der Wirklichkeit zu vergleichen, und ſie dadurch zu berichtigen.

Nach Haſſels Handbuch der Erdbeſchreibung und Statiſtik, enthielten im Jahr 1817

Dieſe 6 Provinzen, in welchen der belgiſche Ackerbau am vorzuͤglichſten betrieben wird, enthalten alſo auf 420,54 □Meilen 3150299 Einwohner; dies macht fuͤr eine Quadratmeile 7491 Einwohner.

So viel ich weiß, bedarf Belgien in der Regel keiner Korneinfuhr. Iſt dies nun richtig, und ernaͤhrt alſo Belgien ſeine Bevoͤlkerung ſelbſt, ſo bleibt unſere Berechnung noch hinter der Wirklichkeit zuruͤck.

Wenn der Reichthum eines Staats nicht weiter zunimmt, ſondern im beharrenden Zuſtande iſt; ſo wird die Landrente von der unproduktiven Klaſſe der Nation verzehrt. Die Zahl der unproduktiven Menſchen die ein Staat ernaͤhren kann, haͤngt alſo weſentlich mit der Groͤße der Landrente zuſammen.

Da auch das Militaͤr zu dieſer Klaſſe der Staatsbuͤrger gehoͤrt: ſo wird der Staat ein um ſo groͤßeres Heer aufſtellen und unterhalten koͤnnen, alſo um ſo maͤchtiger nach Außen ſeyn, je groͤßer die Landrente iſt.

3.

Welches iſt nun aber der Hebel, die eigentliche Grundurſache des Uebergewichts des belgiſchen Ackerbaues? Iſt dies Uebergewicht an Klima, Boden und geographiſche Lage gebunden; oder ſteht es in der Macht des Landwirths, eine aͤhnliche — wenn auch nicht gleiche — hohe Kultur einzufuͤhren?

Um dieſe Fragen zu beantworten, muͤſſen wir den Reichthum, den der Acker bei der belgiſchen Wirthſchaft enthaͤlt, mit dem bei der mecklenburgiſchen Wirthſchaft vergleichen.

Nach der zu Anfang dieſes Paragraphen gelieferten Berechnung, erfordert die belgiſche Wirthſchaft einen mittlern Reichthum des Ackers von 731,3° in 1000 □R.; die mecklenburgiſche Wirthſchaft aber nur 497,3° erſtere alſo mehr 234°

Die B. W. enthaͤlt auf gleichem Flaͤchenraum und bei gleichem Koͤrnerertrage einen um beinahe 50 prct. hoͤhern Reichthum des Ackers, als die M. W.

Alſo wird die groͤßere Landrente der B. W. zwar von gleichem Flaͤchenraum, aber nicht von gleichem Reichthum des Ackers gewonnen; und welchen Antheil auch Klima, Boden, Fruchtfolge, Nationalcharakter der Belgen u. ſ. w. an dem hoͤhern Ertrag des belgiſchen Ackers haben moͤgen, immer iſt der hohe Reichthum des Bodens die Grundbedingung, ohne welche alle andern guͤnſtigen Einwirkungen nicht den hohen Ertrag hervorbringen koͤnnen.

4.

Vergleichung beider Wirthſchaftsarten bei niedrigern Stuffen der Fruchtbarkeit des Ackers.

Betrachten wir die oben mitgetheilten Tableaux uͤber die Landrente beider Wirthſchaften genauer, ſo finden wir, daß der glaͤnzende Vorzug der B. W. immer mehr und mehr verſchwindet, je mehr der Koͤrnerertrag abnimmt; ja beim Ertrage von 6 Koͤrnern gibt die K. W. ſchon eine hoͤhere Landrente als die B. W., und die Landrente der letztern Wirthſchaft wird ſchon bei 5,68 Koͤrnern = 0, waͤhrend die Landrente der K. W. erſt bei dem Ertrage von 5,32 Koͤrnern verſchwindet.

Dieſes Reſultat wird noch auffallender, wenn man erwaͤgt, daß die belgiſche Wirthſchaft bei gleichem Koͤrnerertrage einen viel groͤßern Reichthum enthaͤlt, als die mecklenburgiſche.

Die belgiſche Wirthſchaft bedarf zur Produktion von 10,56 Koͤrnern auf 100000 □R. Acker eines Reichthums von 73130°; dies macht fuͤr den Ertrag von einem Korn 6925°.

Die mecklenburgiſche Wirthſchaft bedarf zur Hervorbringung eines gleichen Koͤrnerertrags in 100000 □R. Acker nur 49730° Reichthum, alſo fuͤr 1 Korn 4710°.

Beim Ertrage von 6 Koͤrnern enthaͤlt demnach die B. W. 6 × 6925 = 41550° die K. W. 6 × 4710 = 28260°

Die belgiſche Wirthſchaft gibt hier bei einem um 13290° hoͤhern Reichthum eine geringere Landrente als die Koppelwirthſchaft.

Bei dem Ertrage von 5,68 Koͤrnern, wo die Landrente der belgiſchen Wirthſchaft = 0 wird, enthaͤlt der Acker noch Reichthum.

Die Landrente der mecklenburgiſchen Wirthſchaft ver- ſchwindet dagegen erſt, wenn der Acker nur 5,32 Koͤrner traͤgt, und alſo einen Reichthum von enthaͤlt.

Ein Acker, der in 100000 □R. 39334° Reichthum enthaͤlt und der durch B. W. genutzt gar keine Landrente abwirft, wird durch K. W. genutzt einen Ertrag von Koͤrnern geben, und eine Landrente von Thlr. abwerfen. Wenn nun umgekehrt auf einem Boden von dieſer Fruchtbarkeit die B. W. eingefuͤhrt wird: ſo wird dadurch die ganze Landrente von 925,1 Thlr., welche die K. W. hier bisher gegeben hat, vernichtet.

Dies mag wohl zur Warnung dienen, keine Wirth- ſchaft aus fremden Laͤndern nachzuahmen und bei ſich einzufuͤhren, wenn man nicht alle Verhaͤltniſſe, worin dieſe ihre Begruͤndung findet, klar uͤberſchauet, und das innere Weſen des Landbaues zuvor erforſcht hat.

Dies mag ferner erklaͤren, warum die Anſetzung von Koloniſten aus Belgien und der Pfalz faſt immer ungluͤckliche Reſultate geliefert hat: man gab ihnen in der Regel einen Boden, wo die Fortfuͤhrung ihrer heimathlichen Wirthſchaft eine Thorheit war, wo ſie verderben mußten, wenn ſie nicht zur landuͤblichen Wirthſchaft uͤbergingen — und ſo wurde ihr Beiſpiel, anſtatt zur Nacheiferung zu reizen, eine Warnung gegen alle Neuerungen.

In dem noͤrdlichen Brabant liegen noch jetzt große mit Heide bewachſene Flaͤchen oͤde und wuͤſt. Da dieſer Boden in ſeiner phyſiſchen Beſchaffenheit nicht zu dem ganz ſchlechten gehoͤrt, indem er noch Heide und theilweiſe Eichen traͤgt, und in einer Ebene liegt, die nur wenig uͤber den Waſſerſpiegel des nahen Meers erhaben iſt; da ferner dieſe Flaͤche rings von großen Staͤdten umgeben iſt, in deren Naͤhe das Land einen hohen Werth hat: ſo muß es nothwendig befremden, daß ſelbſt die belgiſche Induſtrie an der Urbarmachung dieſes Bodens ſcheiterte.

Woher mag dies ruͤhren?

Daß der koſtſpielige belgiſche Landbau ſich auf einem Boden von dieſer Art nicht bezahlt macht, iſt gewiß; daß die belgiſchen Fruchtfolgen einen armen Boden nicht bereichern, ſondern voͤllig erſchoͤpfen, iſt ebenfalls gewiß. Haben nun die Belgen — wie es der Fall zu ſeyn ſcheint — hier eine aͤhnliche, wenn auch nicht gleiche Wirthſchaft als auf ihrem reichen Boden verſucht: ſo mußten dieſe Ver- ſuche nothwendig fehlſchlagen.

Vielleicht wuͤrde hier dem mecklenburgiſchen Landwirth gelingen, was dem belgiſchen Landwirth bisher mißlang; vielleicht, ich moͤchte ſagen, wahrſcheinlich waͤren dieſe Heiden laͤngſt in kultivirtes Land umgeſchaffen, wenn die Koppelwirthſchaft an den Ufern der Maas bekannt und landuͤblich geweſen waͤre.

Die K. W. von 10,56 Koͤrnern und die B. W. von 7,18 Koͤrnern Ertrag enthalten gleichen Reichthum, naͤmlich 49730° in 100000 □R.

  • Die K. W. gibt von dieſem Reichthum eine Landrente von 1600 Thlr. N⅔
  • Die B. W. gibt von dieſem Reichthum eine Landrente von 854,3 » »

Der Reichthum des Bodens wird alſo durch K. W. viel hoͤher genutzt als durch B. W., und dieſe wird erſt da vortheilhaft, wo der Reichthum des Bodens ſo hoch ſteigt, daß die K. W. denſelben wegen Lagern des Getreides nicht mehr nutzen kann.

5.

Die B. W. beſtellt von der ganzen Ackerflaͤche 60 prct. mit Getreide und erhaͤlt ſich dabei in gleicher Frucht barkeit, waͤhrend die M. W. nur 43 prct. der Ackerflaͤche mit Getreide beſtellen darf, wenn ſie ſich in und durch ſich ſelbſt in gleicher Kraft erhalten ſoll.

Die Belgen erreichen dies Reſultat dadurch, daß ſie

  • 1) den Klee, als die wichtigſte dungerzeugende Frucht, in einen eben ſo reichen Boden bringen, als das Winterkorn ſelbſt, waͤhrend die Mecklenburger ihre Weide nur in ſolche Schlaͤge nehmen, die durch drei Kornſaaten bereits einen großen Theil ihres Reichthums verloren haben;
  • 2) daß ſie den Klee nicht vom Vieh abweiden laſſen, wodurch ſonſt eine bis auf die Haͤlfte verminderte Kleeproduktion, und eine ungefaͤhr um ein Drittel verminderte Dungerzeugung entſtehen wuͤrde, ſondern ihn abmaͤhen und mit dem Vieh auf dem Stall verfuͤttern — und dieſe beiden Urſachen zuſammen bewirken, daß der einzige belgiſche Kleeſchlag = 20 prct. der Ackerflaͤche in der Dungerzeugung den drei mecklenburgiſchen Weideſchlaͤgen = 43 prct. der Ackerflaͤche faſt gleich kommt;
  • 3) daß ſie die Stoppel des Wintergetreides noch in demſelben Jahre mit Ruͤben beſtellen, und ſo von demſelben Felde nach der ausſaugenden Halmfrucht noch eine Frucht gewinnen, die mehr Dung wiedergibt, als ſie dem Acker entnommen hat.

Meine Berechnungen uͤber den Geldertrag und die Koſten, ſo wie uͤber die Dungkonſumtion und den Dungerſatz der einzelnen Schlaͤge — die ich gerne vorgelegt haͤtte, um das pruͤfende und berichtigende Urtheil des Publikums daruͤber zu vernehmen, die ich hier aber nicht mittheilen kann, weil ſie zu vieler Eroͤrterungen und Erklaͤ- rungen beduͤrften, und dadurch zu vielen Raum einnehmen wuͤrden — ergeben, daß der Kartoffelnſchlag von 10000 □R. durch den Werth, den die Kartoffeln als Vieh futter haben, nach Abzug der verwandten Arbeitskoſten nur einen Gelduͤberſchuß von 25,5 Thlr. N⅔ liefern, und daß der Dungerſatz, den die Kartoffeln durch ihre Verfuͤtterung geben, die Dungkonſumtion, die ihre Ernte bewirkt hat, nur um 46,2° uͤberwiegt.

Hiernach waͤren alſo die Kartoffeln in beiden Beziehungen als eine neutrale Frucht zu betrachten; man koͤnnte die Brache an ihre Stelle ſetzen, ohne daß dadurch weder der Geldertrag noch die Dungerzeugung weſentlich veraͤndert wuͤrde. Aber der Kartoffelnbau erſpart die in der Koppelwirthſchaft ſo koſtſpielige Brachbearbeitung zum groͤßern Theil, indem nach den Kartoffeln nur einmal, bei der Brachbearbeitung aber viermal zum Rocken gepfluͤgt werden muß — und dadurch wird der Kartoffelnbau von großer Bedeutung fuͤr den Reinertrag der belgi- ſchen Wirthſchaft.

Der Anbau der Futtergewaͤchſe gibt in Belgien ſo wenig als anderswo einen bedeutenden Reinertrag; aber der Bau des Klees und der Ruͤben wird durch die Dungerzeugung, die allein einen ausgedehnten Kornbau moͤglich macht, der Bau der Kartoffeln durch die Erſparung der Brachbearbeitung wichtig und nothwendig.

6.

Aus der zu Anfang dieſes Paragraphen gelieferten Gegeneinanderſtellung des Ertrags und des im Acker befindlichen Reichthums geht hervor

Wenn man Weizen und Rocken zuſammen nimmt, ſo gehoͤren in Belgien zur Produktion von 1 Schfl. Winterkorn 3,78° Reichthum. In Mecklenburg gehoͤren dagegen zu einem Schfl. Winterkorn 6° »

Alſo ſind 6° Reichthum nach reiner Brache fuͤr den Pflanzenwachsthum eben ſo wirkſam als 6,78° nach einer Vorfrucht. Das Verhaͤltniß der Wirkſamkeit des Dungs nach reiner Brache zu der nach einer Vorfrucht iſt alſo wie 6,78 : 100 = 11,3 : 10; oder wo nach reiner Brache 11,3 Koͤrner wachſen koͤnnten, da wachſen nach der Vorfrucht nur 10 Koͤrner.

Wo die Bearbeitung des Bodens minder vollkommen als in Belgien iſt, da wird auch der Nachtheil der Vorfrucht auf die Wirkſamkeit des Reichthums immer groͤßer, und fuͤr eine gewoͤhnliche Bearbeitung moͤchte das fruͤher angenommene Verhaͤltniß von 12: 10 ziemlich zutreffend ſeyn.

Fuͤr den Hafer, der niemals nach der Brache koͤmmt, muͤßte der Reichthum des Bodens in Belgien eben ſo wirkſam ſeyn, als in Mecklenburg. Wir finden aber, daß in Belgien zu der Produktion von einem Schfl. Hafer 4,64°, in Mecklenburg nur 3,54° Reichthum gehoͤren. Die Erklaͤrung uͤber dieſe Abweichung finden wir in der verſchiedenen Beſtellung des Hafers. Die Belgen bringen naͤmlich die ſtarke Duͤngung zum Hafer, wenn unter dieſen Klee geſaͤet werden ſoll, erſt mit der Saatfurche unter. Bei dieſer Behandlung iſt nun die Duͤngung fuͤr den Hafer ſelbſt faſt ganz unwirkſam. Aber wahr- ſcheinlich wollen die Belgen grade dies, damit der Hafer ſich nicht lagere und den Klee erſticke, und damit dem Klee die ganze Duͤngung, ohne Abzug, zu Nutzen komme.

Daß der Klee in Belgien von demſelben Reichthum faſt den doppelten Ertrag gibt, liegt theils im belgiſchen Klima, welches dem Kleewuchs viel guͤnſtiger iſt, haupt- ſaͤchlich aber darin, daß wir ihn in Mecklenburg abweiden und zertreten laſſen, waͤhrend derſelbe in Belgien vom Viehtritt nicht geſtoͤrt, ſondern regelmaͤßig abgemaͤhet wird.

7.

Wenn man von dem Ertrage des Getreides und der Kartoffeln die Ausſaat abzieht, und den hieraus hervorgehenden Ueberſchuß mit der Summe der auf die Produktion derſelben verwandten Arbeitskoſten vergleicht: ſo ergibt ſich hieraus, wie viel ein Scheffel von jedem dieſer Gewaͤchſe an Arbeitskoſten (alſo mit Ausſchluß der allgemeinen Kulturkoſten) erfordert hat.

Meine Berechnungen geben hieruͤber folgende Re- ſultate:

Es iſt zu bemerken, daß bei dieſer Berechnung der Preis von 1 Thlr. 12 ß. N⅔ fuͤr den Berliner Schfl. Rocken zum Grunde liegt, und daß, da die Arbeitskoſten mit dem Preiſe des Getreides ſteigen oder fallen, dieſe Berechnung auch nur fuͤr dieſen einen Getreidepreis guͤltig iſt.

Die Arbeitskoſten zur Produktion eines Scheffels Rocken betragen in Mecklenburg 25,9 ß., in Belgien dagegen nur 18,7 ß. Hier zeigt ſich der große Einfluß, den der Kartoffelnbau ſtatt der Brache auf die Erſparung der Arbeitskoſten hat.

Den Rocken nach Kartoffeln zu nehmen, iſt eine ſchlechte Fruchtfolge. Deſſen ungeachtet ernten die Belgen das Maximum, was dieſe Frucht im Durchſchnitt mehre rer Jahre geben kann; es zeigt ſich hier alſo, daß ein Fehler in der Fruchtfolge auf einem reichen Boden und durch eine hoͤchſt ſorgfaͤltige Bearbeitung unſchaͤdlich gemacht werden kann. Ein ſolcher Verſtoß gegen die Regeln des Fruchtwechſels wuͤrde ſich dagegen auf aͤrmern Boden ſtrenge beſtrafen.

Bemerkungen und Erklaͤrungen.

Was den Verfaſſer zu der Vergleichung zwiſchen der belgiſchen und der mecklenburgiſchen Wirthſchaft bewog, war das genauere Studium von Schwerz herrlichem Werke uͤber die belgiſche Landwirthſchaft. Er fand in die- ſem Werke eine ſolche Menge ſchaͤtzbarer Data, er fand die Angaben mit ſolcher Vorſicht und Umſicht gewaͤhlt, und in denſelben einen ſolchen innern Zuſammenhang, daß er glaubte, durch die Zuſammenſtellung und Vergleichung derſelben mit ſeinen eigenen Erfahrungen, eine fuͤr ihn ſelbſt hoͤchſt lehrreiche Arbeit zu unternehmen — und dieſe Erwartung hat ihn nicht getaͤuſcht.

Als der Verfaſſer dieſe Vergleichung unternahm, war es nicht ſeine Abſicht, ſie dieſer Schrift, welche zum groͤ- ßern Theil bereits vor 6 Jahren zum erſtenmal niederge- ſchrieben wurde, einzuverleiben; aber nach Vollendung derſelben fand er in den Reſultaten einen ſo nahen Zu- ſammenhang mit den in dieſer Schrift bereits entwickelten Saͤtzen, daß er glaubte die Reſultate ſelbſt dem Publikum hier mittheilen zu duͤrfen — obgleich er die Mangelhaftigkeit dieſer Vergleichung, fuͤr welche die Einheit des Standpunktes fehlt, ſehr wohl erkennt, und deshalb dieſe Arbeit nur fuͤr einen Verſuch ausgeben kann und will.

Wo die Berechnungen auf Punkte kamen, die in dem Schwerzſchen Werke nicht angefuͤhrt ſind, da mußte die Luͤcke durch die fuͤr T. gefundenen Verhaͤltniſſe ergaͤnzt werden — dies war zum Theil bei der Beſtimmung der Erntekoſten, beſonders aber bei der Beſtimmung der allgemeinen Kulturkoſten unvermeidlich.

Wo, zur Fortfuͤhrung der Berechnung, Annahmen uͤber die Ausſaugung der Wurzelgewaͤchſe und des Gruͤnfutters, ſo wie uͤber Quantitaͤt und Werth des Erſatzes den ſie liefern, nicht zu vermeiden waren, da hat der Verfaſſer die Saͤtze angenommen, welche, nach ſeiner Erfahrung und nach der Summe ſeiner Beobachtungen ihm als die richtigſten erſcheinen; aber er iſt weit entfernt dieſe Saͤtze ſchon fuͤr entſchieden zu halten, er ſieht vielmehr der Zeit, wo ſeine Anſicht durch entſcheidende Ver- ſuche und durch Erfahrungen im Großen berichtigt werden wird, mit Verlangen entgegen.

Die große Abweichung, welche in den von Schwerz angefuͤhrten Marktpreiſen der Viehkartoffeln, des Klee’s, des Strohes und anderer zum Viehfutter beſtimmten Gewaͤchſe, von dem Futterwerth, den ich dieſen Gewaͤchſen anrechne, ſtatt findet, macht hier eine Erklaͤrung nothwendig.

In den Marktpreiſen dieſer Gewaͤchſe ſind enthalten:

  • a. der Futterwerth,
  • b. der Dungwerth,
  • c. die Transportkoſten dieſer Gewaͤchſe, von dem Orte ihrer Erzeugung bis zum Marktplatz.

Die ſorgfaͤltigſte Pruͤfung und vergleichende Berechnung hat mich nun uͤberzeugt, daß auch in Belgien der Reinertrag vom Vieh, und alſo auch der Futterwerth dieſer Gewaͤchſe nur geringe iſt, und daß der groͤßere Theil des hohen Marktpreiſes, den dieſe Gewaͤchſe in Belgien haben, aus dem hohen Werth, den der Dung in dieſem Lande hat, entſpringt.

Meine Berechnungen ergeben fuͤr 100000 □R. Acker in der belgiſchen Wirthſchaft einen Pachtpreis von 3797,2 Thlr. N⅔.

Die wirkliche Pacht des Ackers, fuͤr den dieſe Berechnung entworfen iſt, betraͤgt nach Herrn Dieroxens Angabe im 2ten Theil S. 398 des Schwerzſchen Werks 54 Florins pr. Bunder, welches fuͤr 100000 □R. Acker — 3706 Thlr. N⅔ ausmacht.

Zwiſchen meiner Berechnung und der wirklich bezahlten Pacht findet alſo eine Differenz von 91,2 Thlr., oder von c cprct. ſtatt.

Die Kornpreiſe ſind in meiner Berechnung ſo angenommen, wie Herr Dieroxen ſie in ſeinen Notizen angibt, wornach der Berliner Schfl. Rocken auf 1 Thlr. 12 ß. N⅔ kommt. Bei der Vergleichung der belgiſchen mit der mecklenburgiſchen Wirthſchaft mußten nothwendig fuͤr beide Wirthſchaftsarten dieſelben Getreidepreiſe zum Grunde gelegt werden, und es iſt hier deshalb der mecklenburgiſchen Wirthſchaft der Schfl. Rocken ebenfalls zu 1 Thlr. 12 ß. N⅔ angerechnet. Dieſer Preis ſtimmt zwar beinahe, aber doch nicht voͤllig genau mit dem Preiſe uͤberein, der in dem uͤbrigen Theil dieſer Schrift angenommen iſt. Aus dieſem Grunde, und auch weil in der Vertheilung der allgemeinen Kulturkoſten und in einigen Anſaͤtzen der Statik, kleine Aenderungen getroffen ſind, kann nun die hier fuͤr die K. W. gefundene Landrente nicht voͤllig mit der fruͤher fuͤr dieſe Wirthſchaft berechneten Landrente uͤbereinſtimmen.

Es kann ferner die Berechnung uͤber die belgiſche Wirthſchaft, weil ſie nicht von einem und demſelben Standpunkt mit unſern fruͤhern Unterſuchungen ausgegangen iſt, nicht dazu dienen, den Platz, den die belgiſche Wirthſchaft in unſerm iſolirten Staat einnehmen koͤnnte, nachzuweiſen. Die hier gelieferte Vergleichung muß deshalb als eine eingeſchobene, fuͤr ſich beſtehende Abhandlung betrachtet werden.