Erklaͤrungen und Bemerkungen zu den nachfolgenden bildlichen Darſtellungen des iſolirten Staats.
Dieſe, von einem meiner Freunde gezeichneten, bildlichen Darſtellungen ſind zwar zum Verſtaͤndniß der in die- ſer Schrift abgehandelten Gegenſtaͤnde nicht nothwendig, und ich habe mich auch nirgends darauf bezogen, aber ſie gewaͤhren einen leichten und bequemen Ueberblick der aus unſern Unterſuchungen hervorgegangenen Reſultate, und ich glaube deshalb, daß ſie dem Leſer, der dieſe Schrift mit Aufmerkſamkeit geleſen hat, nicht unwillkommen ſeyn werden.
Zugleich geben ſie Gelegenheit, einige Bemerkungen, die in der Schrift ſelbſt ohne den Zuſammenhang zu unterbrechen keinen Platz fanden, mitzutheilen.
ad Tafel I.
Dieſe Tafel ſtellt den iſolirten Staat in der Geſtalt dar, die derſelbe, nach den im erſten Abſchnitt dieſer Schrift gemachten Vorausſetzungen und daraus gezogenen Folgerungen, gewinnen muß.
Nach §. 26. dehnt ſich der Kreis der Viehzucht bis auf 50 Meilen von der Stadt aus; hier iſt derſelbe, um den Raum zu erſparen, nur bis 40 Meilen von der Stadt gezeichnet.
Auf dieſer Tafel, ſo wie auf allen folgenden Tafeln, iſt nur die eine Haͤlfte der ſich um die Stadt bildenden Kreiſe verzeichnet, weil die andre Haͤlfte dieſer nicht bloß aͤhnlich ſondern vollkommen gleich iſt, und man ſich dieſelbe leicht hinzudenken kann.
ad Tafel II.
Dieſe Tafel ſtellt die Geſtalt des iſolirten Staats dar, wenn derſelbe von einem ſchiffbaren Fluß durchſtroͤmt wird.
Bei dieſer Darſtellung liegt die Vorausſetzung zum Grunde, daß die Schiffsfracht 1/10 der Landfracht betraͤgt.
Die Fruchtwechſelwirthſchaft, welche auf der erſten Tafel nur einen ſchmalen Streifen. einnimmt, erweitert ſich hier ungemein, und erſtreckt ſich laͤngs des Fluſſes bis an die Graͤnze des Staats. Dagegen weicht der Kreis der Viehzucht zuruͤck, und verſchwindet in der Naͤhe des Fluſſes gaͤnzlich.
Eine aͤhnliche Wirkung, wenn gleich im mindern Maaße, bringt die Anlegung einer Kunſtſtraße hervor. Werden dieſe Kunſtſtraßen nach allen Gegenden der Ebene gezogen, ſo erweitern ſich alle Kreiſe mit hoͤherer Bodenkultur, aber ſie behalten dann die regelmaͤßige Form wie auf Tafel I.
Der nicht illuminirte Streifen bezeichnet das Gebiet einer kleinen Stadt. Unter Gebiet der Stadt wird nach §. 28. die Landflaͤche, welche die kleine Stadt mit Lebensmitteln verſorgt und welche nichts nach der Haupt- ſtadt liefert, verſtanden.
Wir koͤnnen uns dieſe kleine Stadt mit ihrem Gebiet auch als einen eigenen unabhaͤngigen Staat denken. In §. 28. haben wir gezeigt, daß der Getreidepreis in dieſen kleinen Staaten ganz und gar abhaͤngig von dem Preiſe in der Zentralſtadt iſt.
Geſetzt nun, der Hauptſtaat verbiete die Getreideeinfuhr aus den Nebenſtaaten, wie wird dies auf den Getreidepreis in einem unfern von der Zentralſtadt liegenden Nebenſtaat mit einem abgerundeten Gebiet wirken?
Nach der Sperrung wird der Getreidepreis in dem Nebenſtaat nicht weiter durch den Preis in der Zentral- ſtadt regulirt; der Nebenſtaat tritt nun in Beziehung auf den Getreidehandel in die Verhaͤltniſſe eines iſolirt liegenden Staats, und der Preis des Getreides wird nun nach eben den Geſetzen, die wir fuͤr den iſolirten Staat — als Einheit betrachtet — gefunden haben, beſtimmt, d. h. der Preis in der kleinen Stadt des Nebenſtaats muß ſo hoch ſeyn, daß dadurch dem entfernteſten Produzenten die Produktions- und Transportkoſten erſetzt werden. Da aber das Gebiet der Stadt nur klein iſt und da das Getreide nicht aus weiter Ferne herbeige- ſchafft zu werden braucht, ſo kann auch der Getreidepreis in der kleinen Stadt ſich nur wenig uͤber die Produktionskoſten erheben, und die Landrente, die der Grund und Boden in dieſem Nebenſtaat ſonſt gab, verſchwindet dann faſt ganz.
Sehr merkwuͤrdig bleibt es, daß die Sperrung dieſe Wirkung auf einen Staat, der doch nur ſein eigenes Beduͤrfniß an Getreide erzielt, und der fruͤher eben ſo wenig Korn als jetzt nach der Zentralſtadt lieferte, ausuͤben kann, und der Natur der Sache nach ausuͤben muß.
In einem aͤhnlichen Verhaͤltniß, wie die Nebenſtaaten zu der Zentralſtadt, ſtehen die europaͤiſchen Staaten zu dem reichen Staat, der den hoͤchſten Getreidepreis zahlen kann, zu England und namentlich zu deſſen Haupt- ſtadt, London.
Auch in dieſen europaͤiſchen Staaten wird, ſelbſt dann wenn ſie weder Korn einfuͤhren noch ausfuͤhren, der Getreidepreis durch den Weltmarkt von London beherrſcht, und wenn dieſer Markt geſchloſſen wird, ſinkt der Preis des Getreides durch ganz Europa.
ad Tafel III.
Hier iſt der Ertrag des Bodens zu 10 Koͤrnern, der Mittelpreis des Getreides in der Stadt ſelbſt aber verſchieden, von 1,5 Thlr. fuͤr den Schfl. Rocken bis zu 0,6 Thlr. herunter, angenommen.
Dieſe Tafel zeigt nun bildlich, welchen Einfluß der Getreidepreis in der Stadt ſelbſt auf die Ausdehnung der kultivirten Ebene ausuͤbt. Auf dieſer Tafel iſt aber nur der Halbmeſſer der kultivirten Ebene und der einzelnen konzentriſchen Kreiſe angegeben. Will man nun hiernach fuͤr einen gegebenen Getreidepreis, z. B. fuͤr 1,05 Thlr., eine aͤhnliche Darſtellung wie auf Tafel I. von dem iſolirten Staat entwerfen, ſo muß man mit einem Zirkel die Entfernung von der Stadt bis zu dem Punkt, wo 1,05 Thlr. ſteht, meſſen, und mit dieſem Halbmeſſer einen Kreis um die Stadt ziehen.
Auf gleiche Weiſe verfaͤhrt man bei der Aufzeichnung der einzelnen konzentriſchen Kreiſe, deren Halbmeſſer auf der von der Stadt nach dem Punkt «1,05 Thlr.» gezogenen graden Linie zu meſſen iſt.
Da in der vorliegenden Schrift des Einfluſſes, den die veraͤnderten Mittelpreiſe in der Stadt ſelbſt auf die Ebene des iſolirten Staats haben, gar nicht erwaͤhnt iſt, ſo iſt es nothwendig hier die Formel mitzutheilen, nach welcher die Dimenſionen auf dieſer Tafel berechnet ſind.
Wenn man den Preis des Rockens in der Stadt zu a Thlr. und auf dem Lande zu b Thlr. pr. Schfl. annimmt, und eben ſo verfaͤhrt wie in §. 4. fuͤr den Mittelpreis von 1½ Thlr.: ſo ergibt ſich der Werth eines Scheffels Rocken auf dem Lande oder ; oder abgekuͤrzt: Hieraus folgt dann
Nun wird nach §. 14. die Landrente der Dreifelderwirthſchaft bei dem Ertrage von 10 Koͤrnern = 0, wenn der Schfl. Rocken einen Werth von 0,38 Thlr. (genauer 0,381 Thlr.) auf dem Lande hat. Um die Graͤnze des Kreiſes der D. W. zu finden, muß alſo b zu 0,38 Thlr. angenommen werden.
Setzen wir nun fuͤr a nach einander die Werthe von 1,5, 1,35, 1,20 u. ſ. f., ſo finden wir nach obiger Formel den Werth von x fuͤr jede verſchiedene Groͤße von a.
Es ergibt ſich hieraus, daß
- bei dem Mittelpreiſe
- der Halbmeſſer der kultivirten Ebene betraͤgt
- von 1½ Thaler 34,7 Meilen
- 1,35 » 31,7 »
- 1,20 » 28,6 »
- 1,05 » 25,0 »
- 0,90 » 20,9 »
- 0,75 » 16,1 »
- 0,60 » 10,4 »
Nach §. 14. ſcheiden ſich die Kreiſe der Koppel- und der Dreifelderwirthſchaft in der Gegend wo der Schfl. Rocken 0,51 Thlr. (genauer 0,516 Thlr.) gilt. Setzt man nun b = 0,51, ſo ergibt ſich durch eine aͤhnliche Berechnung die Graͤnze der Koppelwirthſchaft fuͤr die ver- ſchiedenen Werthe von a, oder fuͤr die verſchiedenen Mittelpreiſe in der Hauptſtadt.
Mit der Groͤße der kultivirten Ebene und der Summe der erzeugten Lebensmittel ſteht nothwendig die Volks menge in der Stadt im genaueſten Verhaͤltniß, ſo daß jede Verengung der kultivirten Ebene auch eine Verminderung der Groͤße der Stadt zur Folge hat.
Die Groͤße des Kreiſes der freien Wirthſchaft, ſo wie die der Forſtwirthſchaft ſteht in direktem Verhaͤltniß mit der Groͤße der Stadt und alſo auch mit der der kultivirten Ebene. Die Fruchtwechſelwirthſchaft — wovon hier aber auch dasjenige gilt, was in der Anmerkung zu §. 21. daruͤber geſagt iſt — hat bei dem Preiſe von 1½ Thlr. eine Ausdehnung von 9,4 Meilen; mit den fallenden Preiſen nimmt dieſe Ausdehnung aber raſch ab, und wird ſchon bei dem Preiſe von 0,9 Thlr. = 0.
Nimmt man den Kreis der Koppel- und den der Fruchtwechſelwirthſchaft zuſammen, ſo haben dieſe Kreiſe
- bei dem Preiſe
- eine Ausdehnung
- macht vom Halbmeſ- ſer der Ebene
- von 1½ Thlr. von 21,4 Meilen = 62 prct.
- 1,05 » 13,4 » = 54 »
- 0,6 » 1,6 » = 15 »
Der Kreis der Dreifelderwirthſchaft hat
- bei dem Preiſe
- eine Ausdehnung
- macht vom Halbmeſ- ſer der Ebene
- von 1½ Thlr. von 4,5 Meilen = 13 prct.
- 1,05 » 5,4 » = 21 »
- 0,6 » 6,2 » = 60 »
Es zeigt ſich hier alſo dem Auge, wie die Abnahme der Getreidepreiſe nicht bloß eine Verengung der kultivirten Ebene (in der Wirklichkeit ein Zuruͤckziehen der Kultur von den ſchlechtern Bodenarten) ſondern gleichzeitig auch eine Abnahme der intenſiven Kultur des Bodens bewirkt.
Wenn man den Flaͤcheninhalt, den die kultivirte Ebene bei dem Preiſe von 1½ Thlr. hat, gleich 1000 ſetzt, ſo iſt nach den Dimenſionen auf dieſer Tafel
- bei dem Preiſe der Flaͤcheninhalt der Ebene
- von 1,35 Thlr. 844
- 1,20 » 687
- 1,05 » 525
- 0,90 » 367
- 0,75 » 217
Mit Ausnahme der letzten Zahl zeigt ſich in der den Flaͤcheninhalt bezeichnenden abnehmenden Reihe eine gewiſſe Regelmaͤßigkeit, indem ſich der Flaͤcheninhalt beinahe wie das Quadrat der Getreidepreiſe verhaͤlt.
Wenn wir annehmen
- 1) daß von allem zum Verkauf nach der Stadt gebrachten Korn eine Abgabe entrichtet wird;
- 2) daß der Getreidepreis in der Stadt ſelbſt unveraͤndert, naͤmlich ſtets 1½ Thlr. fuͤr den Schfl. Rocken bleibt;
ſo hat dies fuͤr den Landwirth eben die Folge, als wenn der Getreidepreis geſunken waͤre, und dieſe 3te Tafel dient dann zugleich, ein anſchauliches Bild von der Wirkung dieſer Abgabe zu geben.
Wird z. B. eine Abgabe — ſey es, daß dieſe als Eingangszoll oder als Mahlſteuer erhoben wird — von 0,3 Thlr. fuͤr den Schfl. Rocken eingefuͤhrt, ſo erhaͤlt der Landwirth nur noch den Preis von 1,2 Thlr. fuͤr den Schfl., und die kultivirte Ebene verengt ſich dann von 34,7 bis zu 28,6 Meilen.
Denken wir uns nun eine fortgeſetzte Steigerung der Abgabe, ſo bewirkt dies eine ſtete Abnahme der Ausdehnung der kultivirten Ebene: ſteigt die Auflage bis zu 0,9 Thlr. pr. Schfl., ſo bleibt der Halbmeſſer dieſer Ebene nur noch 10,4 Meilen, und bei noch mehr erhoͤhter Abgabe muß endlich der ganze Staat verſchwinden. Es zeigt ſich hier alſo anſchaulich, wie bloß durch hohe Abgaben ein fruchtbarer Boden in eine Wuͤſte verwandelt werden kann.
Da nun einerſeits bei der aͤußerſten Hoͤhe der Abgabe kein Objekt zur Beſteuerung mehr uͤbrig bleibt, und die Staatskaſſe dann keine Einnahme mehr hat; und da andernſeits, wenn gar keine Abgabe erhoben wird, der Staat zwar die groͤßte Ausdehnung erhaͤlt, die Staatskaſſe aber ebenfalls ohne Einnahme bleibt: ſo muß es einen Punkt geben, bei welchem die Abgabe das Maximum des Ertrags liefert, und es fragt ſich nun, bei welcher Hoͤhe der Abgabe dieſes Maximum in dem vorliegenden Fall ſtatt findet.
Unter den hier aufgefuͤhrten Faͤllen gewaͤhrt alſo die Abgabe von 0,45 Thlr. pr. Schfl. den hoͤchſten Ertrag fuͤr die Staatskaſſe. Jede fernere Steigerung der Abgabe vermindert den Ertrag derſelben, und was ſehr bemerkenswerth iſt, die Abgabe von 0,75 Thlr. pr. Schfl. gewaͤhrt keine hoͤhere Einnahme als die von 0,22 Thlr.
Es zeigt ſich hier alſo, daß wenn auch die Staatsgewalt ſich vom Volk losſagt und dieſes nur als Mittel um Abgaben zu erheben betrachtet, ſie dennoch durch eine unmaͤßige Steigerung der Abgaben ihren eigenen Zweck gaͤnzlich verfehlt.
ad Tafel IV.
Dieſe Tafel ſtellt den Einfluß, den der veraͤnderte Ertrag des Bodens bei gleichbleibendem Getreidepreiſe — naͤmlich 1½ Thlr. fuͤr den Schfl. Rocken — auf den iſolirten Staat ausuͤbt, dar.
So wie auf der vorigen Tafel fuͤr die verſchiedenen Abſtufungen der Getreidepreiſe, ſo iſt hier fuͤr jeden Koͤrnerertrag von 10 bis zu 4 herunter nur der Halbmeſſer der kultivirten Ebene und der verſchiedenen konzentriſchen Kreiſe angegeben.
Die Dimenſionen auf dieſer Tafel gruͤnden ſich auf die Berechnungen in §. 14., und ſind fuͤr die Ausdehnung der kultivirten Ebene folgende:
Die Vergleichung dieſer Tafel mit der vorigen ergibt, daß die Verminderung des Bodenertrags eine noch ſtaͤrkere Abnahme der intenſiven Kultur bewirkt als eine gleichmaͤßige Abnahme des Getreidepreiſes. So betraͤgt z. B. bei dem Preiſe von 1½ Thlr. × 5/10 = 0,75 Thlr. fuͤr den Schfl. Rocken die Ausdehnung der Koppelwirth- ſchaft noch 38 prct. vom Halbmeſſer der kultivirten Ebene, waͤhrend bei dem Ertrage von 10 × 5/10 = 5 Koͤrnern die Koppelwirthſchaft ſchon ganz verſchwunden iſt.
