Der isolirte Staat — Erſter Abſchnitt. Geſtaltung des iſolirten Staats.

§. 19. Zweiter Kreis. Forſtwirthſchaft.

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§. 19. Zweiter Kreis. Forſtwirthſchaft.

Die Ebene des iſolirten Staats muß die Stadt nicht bloß mit Lebensmitteln verſorgen, ſondern auch den Bedarf derſelben an Brennholz, Bauholz, Nutzholz, Kohlen u. ſ. w. liefern.

Es entſteht nun die Frage, in welcher Gegend des iſolirten Staats die Erzeugung des Holzes ſtatt finden wird.

Nehmen wir den Preis, den das Holz in der Stadt hat als gegeben, z. B. 16 Thaler fuͤr den Faden Buͤchenbrennholz von 224 Kubikfuß, und rechnen die Transportkoſten eines Fadens pr. Meile zu 2 Thlr., ſo ergaͤbe ſich hieraus, daß aus einer groͤßern Entfernung als 8 Meilen gar kein Brennholz zur Stadt gebracht werden koͤnnte, wenn auch die Produktion des Holzes nichts koſtete und der Boden gar keine Landrente tragen ſollte.

Hieraus folgte dann, daß die entfernten Gegenden von der Produktion des Holzes zum Zweck des Verkaufs nach der Stadt ausgeſchloſſen waͤren, und daß die Holzerzeugung in der Naͤhe der Stadt geſchehen muͤſſe.

Nehmen wir dagegen bloß den Preis des Getreides als bekannt an (zu 172 Thlr. fuͤr den Schfl. Rocken) und fragen nun, wie hoch wird unter den gegebenen Verhaͤltniſſen der Preis des Holzes in der Stadt ſeyn, ſo wird dadurch die Aufgabe ſehr viel ſchwieriger.

Holz und Getreide haben keinen gemeinſchaftlichen Maßſtab ihres Gebrauchswerths: eins kann nicht durch das andre erſetzt werden.

«Warum, koͤnnte Jemand ſagen, ſollte der Faden «Holz nicht 40 Thlr. gelten koͤnnen, wenn auch der Schfl. «Rocken nur 1½ Thlr. gilt. Iſt dies aber moͤglich, ſo «ſind Eure Schluͤſſe, daß das Holz in der Naͤhe der Stadt «erzeugt werden muͤſſe, voͤllig unguͤltig; es kann vielmehr «aus großer Entfernung geliefert werden. Der Einwand «den Ihr macht, daß ein ſolches Preisverhaͤltniß nirgends «ſtatt finde, kann nichts entſcheiden: denn faſt uͤberall ſind «noch Reſte der alten Urwaͤlder vorhanden, und wo dieſe «ſich nicht mehr finden, wird der Markt doch mehr oder «minder von andern Gegenden mit Holz aus den Urwaͤl- «dern verſorgt. Die Erzeugung der Urwaͤlder hat dem «Menſchen aber keine Arbeit, Pflege und Kapitalanlage «gekoſtet, und ſie haben deshalb an dem Orte, wo ſie ſich «finden, kaum einen hoͤhern Tauſchwerth als das Waſſer, «ſo hoch auch der Gebrauchswerth ſeyn mag. In dem «iſolirten Staat aber, wo immer nur der endliche — an «das Zeitmaß nicht gebundene — Erfolg, Gegenſtand der «Unterſuchung iſt, muͤſſen alle Urwaͤlder als laͤngſt ver- «ſchwunden, und alle Waldungen als durch menſchliche «Arbeit hervorgebracht, betrachtet werden. Ihr muͤßt alſo «einen innern Zuſammenhang zwiſchen Getreide- und «Holzpreiſen nachweiſen, wenn Eure Schluͤſſe Guͤltigkeit «haben ſollen.»

Wir muͤſſen die Konſequenz dieſes Einwurfs einraͤumen, und nun verſuchen, ob wir der gemachten Forderung Genuͤge leiſten koͤnnen.

Der Preis eines Faden Holzes in der Stadt ſey alſo unbekannt, oder gleich 9 Thaler.

Denken wir uns nun eine Buͤchenwaldung von 100000 □R. in 100 Kaveln getheilt, wovon jaͤhrlich eine gehauen wird: ſo werden wir bei einer regelmaͤßigen Bewirthſchaftung eine Kavel mit einjaͤhrigen, eine Kavel mit zweijaͤhrigen u. ſ. w. bis zu hundertjaͤhrigen Baͤumen haben.

  • Der Ertrag der gefaͤllten Kavel ſey 500 Faden
  • Die Zwiſchennutzungen, die dadurch entſtehen, daß aus den Kaveln mit juͤngerm Holz die zu dicht ſtehenden Baͤume weggenommen werden, moͤgen ebenfalls betragen 500 Faden
  • Summe des Ertrags 1000 Faden.

Die mit der Bewirthſchaftung dieſer Forſt verbundenen Koſten, als Adminiſtrations- oder Aufſichtskoſten, Be- ſaamung oder Bepflanzung der abgeholzten Kavel, Nachpflanzung der ausgegangenen Baͤume u. ſ. w., wollen wir nach Abzug der Nutzung, die die Maſt und die Jagd liefern, zu 500 Thlr. jaͤhrlich anſchlagen.

So wie wir beim Landbau nicht den ganzen Reinertrag eines Guts, ſondern nur den Theil deſſelben der nach Abzug der Zinſen des in den Gebaͤuden und andern Werthsgegenſtaͤnden ſteckenden Kapitals uͤbrig bleibt, als Landrente betrachtet haben: ſo duͤrfen wir auch bei der Forſtwirthſchaft nicht den ganzen Ertrag, ſondern nur den Theil, der nach Abzug der Zinſen des in dem Holzbeſtande ſteckenden Kapitals uͤbrig bleibt, als Landrente, oder als Ertrag des Grund und Bodens an und fuͤr ſich ſelbſt, betrachten.

Der Ackerbau kann nicht ohne die Anlegung eines in Gebaͤuden u. ſ. w. ſteckenden Kapitals betrieben werden; die Betreibung der Forſtwirthſchaft ſetzt voraus, daß Baͤume von einjaͤhrigem bis hundert- oder mehrjaͤhrigem Alter vorhanden ſind.

Man koͤnnte den ganzen Holzbeſtand aller 100 Kaveln — einen hinreichend großen Markt vorausgeſetzt — auf einmal niederſchlagen, verkaufen, und das daraus geloͤſ’te Geld auf Zinſen geben; und nur in ſo fern als der jaͤhrliche Reinertrag aus dem Holze, den Betrag der auf dieſe Weiſe zu erlangenden Zinſen uͤberſtiege, koͤnnte man dem Grund und Boden ſelbſt einen Werth beilegen.

Geſetzt nun, der Holzbeſtand aller 100 Kaveln ſey = 15000 Faden; ſo wuͤrden, beim Zinsfuß von 5 prct., die Zinſen des im Holzbeſtande ſteckenden Kapitals gleich dem Werthe von 750 Faden Holz ſeyn. Werden dieſe von dem jaͤhrlichen Ertrag der Waldung = 1000 Faden abgezogen, ſo bleibt die Nutzung des Grund und Bodens ſelbſt = 250 Faden.

Auf dieſe 250 Faden fallen nun alle mit der Forſtwirthſchaft verbundenen Ausgaben: denn wenn jemand den ganzen Holzbeſtand niedergeſchlagen und zu einem Geldkapital gemacht haͤtte, ſo wuͤrden alle dieſe Ausgaben ihn nicht mehr treffen — und nur um den Mehrertrag von 250 Faden zu erhalten, werden die mit der Forſtbewirthſchaftung verbundenen Koſten noch ferner verwandt.

Sind nun die jaͤhrlichen Ausgaben = 500 Thlr., ſo betragen die Produktionskoſten fuͤr einen Faden, auf dem Stamme ſelbſt — alſo ohne Faͤll- und Schlaglohn — 2 Thaler.

In den Produktionskoſten — in dem Sinne, wie ich dieſen Ausdruck nehme — iſt keine Landrente enthalten: denn nur aus dem Ueberſchuß des wirklichen Preiſes uͤber die Produktionskoſten geht erſt die Landrente hervor.

Koſtet nun das Faͤllen und Zerſchlagen des Holzes einen halben Thaler pr. Faden: ſo wird der Faden an Ort und Stelle ſelbſt 2½ Thaler koſten.

Dieſer Preis iſt aber, ſo wie jeder andere in Geld ausgedruͤckte Preis nur fuͤr einen Standpunkt guͤltig, und aͤndert ſich mit der Aenderung der Getreidepreiſe. Die Loͤſung unſerer Aufgabe fordert aber Anſaͤtze die fuͤr jeden Standpunkt in dem iſolirten Staat guͤltig ſind.

Wir muͤſſen hier deshalb, eben ſo wie dies bei den Berechnungen uͤber den Ackerbau geſchehen iſt, ¼ der Ausgabe in Geld und ¾ derſelben in Rocken ausdruͤcken.

Von den Produktionskoſten eines Fadens = 2½ Thlr. bleiben alſo ¼ × 2½ = 0,62 Thlr. in Geld ausgedruͤckt, und in Korn muͤſſen ¾ × 2½ = 1,88 Thlr. angegeben werden. Iſt nun die Berechnung wornach der Faden 2½ Thlr. koſtet, fuͤr einen Standpunkt entworfen, wo der Schfl. Rocken 1,291 Thlr. gilt, ſo ſind 1,88 Thlr. im Werth gleich = 1,46 Schfl. Rocken; und ſomit betragen die Produktionskoſten eines Faden Holzes, allgemein ausgedruͤckt, 1,46 Schfl. Rocken × 0,62 Thlr.

Nun koͤnnen wir aber nach §. 4. den Preis des Rockens fuͤr jeden Standpunkt in dem iſolirten Staate berechnen: der Schfl. Rocken gilt naͤmlich in der x Meilen von der Stadt entfernten Gegend Thaler. Wird der Rocken zu dieſem Preiſe angerechnet, ſo ſind 1,88 Schfl. Rocken + 0,62 Thlr. = Thlr.; oder die Produktionskoſten, in der x Meilen von der Stadt entfernten Gegend betragen fuͤr 1 Faden Thaler.

Es fragt ſich ferner, wie hoch die Transportkoſten eines Fadens zu ſtehen kommen, wenn dieſer aus einer x Meilen entfernten Gegend nach der Stadt geliefert wird.

Die Transportkoſten einer Ladung von 2400 ℔ betragen nach §. 4. auf x Meilen Thaler.

Wenn nun der Faden 2 Ladungen ausmacht, ſo kommen die Transportkoſten eines Fadens auf Thlr. zu ſtehen.

Wird dann das Holz auf einem Boden erzeugt, der keine Landrente abwirft: ſo kann daſſelbe fuͤr einen Preis der hinreichend iſt, die Produktions- und Transportkoſten zu verguͤten, nach der Stadt geliefert werden.

In der Koppelwirthſchaft, deren Landrente wir hier zum Maßſtab nehmen muͤſſen, gibt die 28,6 Meilen von der Stadt entfernte Gegend keine Landrente mehr. Setzen wir nun die fuͤr die Produktions- und Transportko- ſten des Holzes gefundenen Formeln fuͤr x den Werth von 28,6: ſo ergibt ſich, daß der Preis eines Faden Holzes in der Stadt ſelbſt 55,6 Thlr. ſeyn muß.

Da nun das Holz fuͤr die Stadt ein unentbehrliches Beduͤrfniß iſt: ſo wird auch dieſer hohe Preis bezahlt werden muͤſſen, im Fall das Holz aus den naͤhern Gegenden nicht wohlfeiler geliefert werden kann.

Fuͤr das in den der Stadt naͤher gelegenen Gegenden gebauete Holz vermindern ſich die Transportkoſten; aber das Holz muß hier auf einem Boden erzeugt werden, der eine Landrente abwirft, und durch den Preis des Holzes muͤſſen nicht bloß die Produktions- und Transportkoſten, ſondern auch die Landrente bezahlt werden.

Die Landrente fuͤr eine Ackerflaͤche von 100000 □R., welche x Meilen von der Stadt entfernt iſt, betraͤgt nach §. 5. Thaler. Der Ertrag des Grund und Bodens an Holz iſt auf 100000 □R. 250 Faden; auf einen Faden faͤllt alſo (mit Weglaſſung der kleinen Bruͤche) an Landrente Thaler.

Die drei Beſtandtheile, aus denen der Preis des Holzes in der Stadt zuſammengeſetzt iſt, betragen dann:

  • a. Produktionskoſten Thaler
  • b. Transportkoſten »
  • c. Landrente Thaler
  • zuſammen Thlr.

Es muß alſo der Preis eines Faden Holzes in der Stadt Thlr. betragen, und wenn wir nun fuͤr x nach und nach andre Werthe annehmen, ſo muß ſich hieraus ergeben, aus welcher Gegend des iſolirten Staats das Holz am wohlfeilſten nach der Stadt geliefert werden kann.

  • Wenn x oder die Entfernung von der Stadt betraͤgt:
  • ſo iſt y oder der Preis eines Faden Holzes in der Stadt:
  • 28,6 Meilen 55,6 Thaler
  • 20 » 42,5 »
  • 10 » 25,8 »
  • 7 » 20,4 »
  • 4 » 14,9 »
  • 1 » 9,2 »
  • 0 » 7,2 »

Denken wir uns nun fuͤr einen Augenblick, daß die Erzeugung des Brennholzes in der Gegend geſchehe, wo der Boden keine Landrente gibt, ſo wuͤrde der Preis des Fadens in der Stadt ſelbſt 55,6 Thlr. betragen. Die Bewohner der naͤhern Gegenden wuͤrden dann aber bald bemerken, daß ſie ihren Boden durch die Holzkultur hoͤher nutzen koͤnnten, als durch den Getreidebau; ſie wuͤrden das Holz zu einem niedrigern Preiſe liefern und dadurch die entfernten Bewohner des iſolirten Staats mit ihrem Holz vom Markte verdraͤngen. Dies wuͤrde ſo fortgehen, bis am Ende die Holzkultur, zum Zweck des Verkaufs nach der Stadt, auf die der Stadt ganz nahe gelegene Gegend, von wo das Holz am wohlfeilſten geliefert werden kann, beſchraͤnkt waͤre.

Die Kultur eines Gewaͤchſes, welches erſt ein Jahrhundert nach der Saat eine volle Ernte gibt, kann aber nicht ploͤtzlich und augenblicklich von einer Gegend zur andern wandern. Es iſt daher nicht zu verwundern, wenn wir in der Wirklichkeit, Gegenden, die durch ihren Boden ſowohl als durch ihre Lage auf die Holzkultur verwieſen ſind, jetzt noch von allem Holz entbloͤßt finden.

Um endlich den Preis, den das Holz in der Zentral- ſtadt unſers iſolirten Staats haben wird, beſtimmen zu koͤnnen, muͤßte die Groͤße des Bedarfs gegeben ſeyn. Das Quantum, deſſen die Stadt bedarf, beſtimmt die Groͤße der Flaͤche die der Holzkultur gewidmet werden muß, und der Preis, zu welchem das Holz von dem entfernteſten Punkte dieſer Flaͤche nach der Stadt geliefert werden kann, iſt die Norm fuͤr den Preis des Holzes in der Stadt. Muͤßte z. B. die Holzkultur bis auf 7 Meilen von der Stadt ausgedehnt werden, ſo wuͤrde der Preis eines Fadens in der Stadt 20,4 Thaler betragen.

Der am aͤußerſten Rande dieſes der Holzkultur gewidmeten Kreiſes liegende Boden, gibt dann dieſelbe, oder vielmehr, eine ſehr wenig hoͤhere Landrente, als die- ſer Boden durch Ackerbau benutzt gegeben haͤtte. Eine gleiche Flaͤche, die der Stadt nur um eine Meile naͤher liegt, gibt aber durch Erſparung an den betraͤchtlichen Transportkoſten des Holzes, ſchon eine ſehr viel hoͤhere Landrente, und ſo muß die Landrente des durch die Holzproduktion benutzten Bodens mit der Annaͤherung zum Marktplatz in einem ſehr viel groͤßern Verhaͤltniß ſteigen, als bei der Nutzung des Bodens durch die Koppelwirthſchaft.

Wir ſind nun alſo dahin gelangt, den innern Zu- ſammenhang in dem Preisverhaͤltniß zweier Produkte — Getreide und Brennholz — die ſich eins durch das andere nicht erſetzen laſſen, nachweiſen zu koͤnnen.

Bei Produkten, die ſich eins durch das andre erſetzen laſſen, die alſo einen gemeinſchaftlichen Maßſtab ihres Gebrauchswerths haben, wird das Steigen oder Fallen der Preiſe auch fuͤr beide gemeinſchaftlich ſeyn, und das Preisverhaͤltniß ſelbſt zwiſchen beiden wird dadurch wenig oder gar nicht geaͤndert werden.

Bei Produkten aber, denen dieſer gemeinſchaftliche Maßſtab fehlt, kann eine Aenderung im Bedarf des einen oder andern Produkts eine große Veraͤnderung in dem Preisverhaͤltniß hervorbringen.

Wenn z. B. in unſerm iſolirten Staat, durch Erfindung der Sparoͤfen der Holzverbrauch in der Stadt ſo weit eingeſchraͤnkt wuͤrde, daß ein Kreis von 6 Meilen im Halbmeſſer — anſtatt fruͤher von 7 Meilen — um die Stadt zur Erzeugung des Holzbedarfs genuͤgte, ſo wuͤrde dadurch der Preis eines Faden um etwa 4 Thlr. oder um c c 20 prct. fallen.

Der hiedurch entbehrlich gewordene aͤußere Rand des Holzkreiſes, wuͤrde dann dem Ackerbau gewidmet werden und alſo Korn hervorbringen. Dieſer Theil iſt aber im Verhaͤltniß zu der ganzen dem Ackerbau gewidmeten Flaͤ- che ſo unbedeutend, daß dadurch nur ein geringes kaum merkliches Sinken des Getreidepreiſes hervorgebracht werden koͤnnte.

Stand fruͤher der Faden Brennholz in gleichem Preiſe mit 14 Schfl. Rocken, ſo wird derſelbe, nach dieſer Veraͤnderung, nur noch den Preis von c c 12 Schfl. Rocken behalten.

Erfindungen und Verbeſſerungen in der Produktion bringen eine aͤhnliche Wirkung wie die verminderte Kon- ſumtion hervor.

Der Verfaſſer hat bei den vorſtehenden Berechnungen uͤber die Forſtwirthſchaft die Angaben uͤber die Ausgaben und den Ertrag nicht — wie dies bei den Berechnungen uͤber den Ackerbau der Fall war — aus der Wirklichkeit entnehmen koͤnnen, ſondern er hat die Zahlen, um nur die Rechnung beginnen zu koͤnnen, nach einer Schaͤ- tzung annehmen muͤſſen. Eine Unterſuchung die mit Schaͤ- tzungen und Annahmen beginnt, kann aber, ſelbſt wenn ſie ſich in den Schluͤſſen und Folgerungen konſequent bleibt, nur zeigen, wie fuͤr ſolche Annahmen der Erfolg ſey, nicht wie derſelbe in der Wirklichkeit iſt.

Kann man aber die Graͤnze, innerhalb welcher die angenommenen Zahlen moͤglicher Weiſe von der Wirklichkeit abweichen koͤnnen, angeben; kann man nachweiſen, daß auch fuͤr dieſe moͤgliche Graͤnze die entwickelten Re- ſultate noch guͤltig ſind: ſo iſt dadurch auch die Richtigkeit derſelben dargethan.

Wir wollen nun dieſe Graͤnze moͤglichſt weit, weiter als irgend eine Wahrſcheinlichkeit dafuͤr vorhanden iſt, hinausſchieben, und annehmen, daß in dem einen Fall die Produktionskoſten des Holzes das achtfache unſerer Annahme, in dem andern Fall aber nur den achten Theil derſelben betragen.

Erſter Fall. Die Produktionskoſten ſollen das achtfache der obigen Annahme betragen.

Die Erhoͤhung der Produktionskoſten kann aus zwei verſchiedenen Urſachen hervorgehen: entweder 1) aus der Erhoͤhung der mit der Forſtkultur im Ganzen verbundenen Ausgaben, bei gleichbleibendem Holzertrage; oder 2) aus der Verminderung des Holzertrags bei gleichbleibenden Ausgaben.

a. Die mit der Forſtwirthſchaft im Ganzen verbundenen Ausgaben ſollen auf das achtfache unſerer Annahme ſteigen, der Holzertrag aber derſelbe bleiben.

Alsdann betragen

  • die Produktionskoſten
  • die Transportkoſten
  • die Landrente
  • Summe

Der Preis eines Faden Holzes

  • iſt dann fuͤr x = 20 55 Thlr.
  • x = 10 42 »
  • x = 0 27 »

b. Der Holzertrag ſoll nur den 8ten Theil unſerer Annahme betragen, die Ausgaben ſollen aber dieſelben bleiben. Alsdann betragen

  • die Produktionskoſten
  • die Transportkoſten
  • die Landrente 8 =
  • Summe

Der Preis eines Faden

  • iſt dann fuͤr x = 20 63 Thlr.
  • x = 10 61 »
  • x = 0 58 »

Zweiter Fall. Die Produktionskoſten ſollen nur den 8ten Theil von dem, was wir dafuͤr angenommen haben, betragen.

a. Die Ausgaben ſollen ſich bis auf den 8ten Theil vermindern, der Ertrag aber bleibe derſelbe. Alsdann ergeben ſich

  • die Produktionskoſten = Thlr.
  • die Transportkoſten =
  • die Landrente =
  • Summe

Der Preis eines Fadens iſt dann fuͤr

  • x = 20 41 Thlr.
  • x = 10 24 »
  • x = 0 5 »

b. Die Ausgaben im Ganzen ſollen dieſelben bleiben, der Ertrag ſteige dagegen auf das achtfache. Alsdann betragen

  • die Produktionskoſten Thlr.
  • die Transportkoſten
  • die Landrente : 8 =
  • Summe

Der Preis eines Fadens iſt alſo fuͤr

  • x = 20 40 Thlr.
  • x = 10 21 »
  • x = 0 1 »

Die hier in Betracht gezogenen Faͤlle geben immer das Reſultat, daß das in der Naͤhe der Stadt erzeugte Holz zu einem niedrigern Preiſe nach der Stadt geliefert werden kann, als das in einer fernern Gegend erzeugte Holz. Da wir nun mit Gewißheit behaupten duͤrfen, daß bei einer konſequenten Bewirthſchaftung — denn fuͤr die Inkonſequenz gibt es weder Regel noch Schranke — Ertrag und Ausgaben bei der Forſtkultur nicht außerhalb der hier geſteckten Graͤnzen liegen koͤnnen: ſo iſt auch der Satz «daß die Holzproduktion in der Naͤhe der Stadt ge- ſchehen muͤſſe» hiedurch erwieſen.

Wir haben durch dieſe Unterſuchung eine Formel erhalten, die nicht bloß zur Beſtimmung des Holzpreiſes dient, ſondern in der That von einer ſolchen allgemeinen Guͤltigkeit iſt, daß wir dadurch fuͤr den iſolirten Staat den Preis jedes landwirthſchaftlichen Produkts beſtimmen, und die Gegend, wo der Anbau deſſelben geſchehen muß, nachweiſen koͤnnen — wenn Produktionskoſten, Landrente und Bedarf bekannt ſind.

Um dieſes an einem Beiſpiel zu zeigen, wollen wir uns die Frage «zu welchem Preiſe kann der Schfl. Rocken zur Stadt geliefert werden, und in welcher Gegend iſt der Anbau deſſelben am vortheilhafteſten» vorlegen und zu beantworten ſuchen.

Nach §. 5. geben 100000 □R. Ackerland einen Rohertrag von 3144 Schfl. Rocken; eine Ladung enthaͤlt Schfl. Rocken; 3144 Schfl. ſind alſo gleich Ladungen.

Die mit der Erzeugung dieſer Ernte verbundenen Ausgaben, oder die Produktionskoſten, betragen 1976 Schfl. Rocken + 641 Thlr., welche auf 110 Ladungen vertheilt, fuͤr eine Ladung 18 Schfl. Rocken + 5,83 Thlr. ausmachen.

Fuͤr den Schfl. Rocken den Preis von Thaler geſetzt, ergeben ſich hieraus die Produktionskoſten fuͤr eine Ladung Thaler. Die Landrente von 100000 □R. Ackerland oder fuͤr 110 Ladungen Rocken betraͤgt ; auf eine Ladung faͤllt alſo an Landrente Fuͤr eine Ladung = 28,6 Schfl. Rocken betragen demnach

  • die Produktionskoſten
  • die Transportkoſten
  • die Landrente
  • Summe

Auf unſere Frage erhalten wir alſo die Antwort: daß aus allen Gegenden des iſolirten Staats (ſo weit der Boden durch Kornbau noch eine Landrente abwirft) der Schfl. Rocken zu 1½ Thaler nach der Stadt geliefert werden kann, und daß der Anbau des Getreides fuͤr alle Gegenden des iſolirten Staats gleich vortheilhaft iſt.

Dies muß ſo ſeyn, denn die Berechnung der Groͤße der Landrente fuͤr die verſchiedenen Gegenden beruht grade auf der Vorausſetzung, daß der Schfl. Rocken in der Stadt 1½ Thaler gelte. Dieſe Berechnung konnte alſo zu keiner Erweiterung der Einſicht fuͤhren; aber ſie gibt eine intereſſante Beſtaͤtigung von der Richtigkeit des beobachteten Verfahrens, und wird dadurch hoͤchſt wichtig, daß wir nun fuͤr alle Gewaͤchſe, wovon, im Verhaͤltniß zum Getreide, die Produktionskoſten und die auf daſſelbe fallende Landrente bekannt ſind, den Preis den daſſelbe in der Stadt haben muß, und die Gegend wo es erzeugt werden muß, beſtimmen koͤnnen.

Anwendung dieſer Formel auf verſchiedene andre Gewaͤchſe.

Erſtes Gewaͤchs, fuͤr welches die Landrente die- ſelbe wie beim Getreide iſt, die Produktionskoſten aber nur die Haͤlfte betragen.

  • Die Produktionskoſten betragen dann
  • die Transportkoſten fuͤr eine Ladung
  • die Landrente
  • Summe

Fuͤr x = 20 Meilen betraͤgt der Preis einer

  • Ladung 32,7 Thlr.
  • x = 10 » 29,7 »
  • x = 0 » 26,5 »

Dieſes Gewaͤchs kann alſo wohlfeiler aus der Naͤhe der Stadt, als aus der Ferne geliefert werden, und der Preis den daſſelbe in der Stadt haben wird, laͤßt ſich angeben, ſobald bekannt iſt, wie weit der Anbau deſſelben ſich ausdehnen muß, um den Bedarf der Stadt zu befriedigen.

Zweites Gewaͤchs. Gleiche Landrente, doppelte Produktionskoſten.

Hier betraͤgt die Summe der Koſten

  • Fuͤr x = 20 Meilen betraͤgt der Preis einer Ladung 63,2 Thlr.
  • x = 10 » 69,2 »
  • x = 0 » 75,7 »

Der Anbau dieſes Gewaͤchſes muß alſo in einer von der Stadt fernen Gegend ſtatt finden.

Drittes Gewaͤchs. Gleiche Produktionskoſten, halbe Landrente.

Fuͤr dieſes Gewaͤchs betraͤgt die Summe der Ko- ſten

  • Fuͤr x = 20 Meilen betraͤgt der Preis einer Ladung 41,5 Thlr.
  • x = 10 » 39,7 »
  • x = 0 » 37,9 »

Der Anbau dieſes Gewaͤchſes geſchieht in der Naͤhe der Stadt.

Viertes Gewaͤchs. Gleiche Produktionskoſten, doppelte Landrente.

Summe der Koſten

  • Fuͤr x = 20 Meilen betraͤgt der Preis einer Ladung 45,6 Thlr.
  • x = 10 » 49,1 »
  • x = 0 » 53,0 »

Der Anbau dieſes Gewaͤchſes gehoͤrt in die von der Stadt entfernte Gegend.

Aus der genauern Betrachtung der vier hier entwickelten Faͤlle, ergeben ſich folgende allgemeine Geſetze:

  • 1) Bei gleichen Produktionskoſten fuͤr eine Ladung, muß dasjenige Gewaͤchs, auf welches die groͤßte Landrente faͤllt, am fernſten von der Stadt gebauet werden.
  • 2) Bei gleicher, auf eine Ladung fallender Landrente, muß dasjenige Gewaͤchs, was die groͤßten Produktionskoſten erfordert, in groͤßerer Entfernung von der Stadt gebauet werden. Aufgabe. Zu welchem Preiſe kann ein Erzeugniß, welches bei gleichem Gewicht vierzehnmal ſo viele Produktionskoſten und die doppelten Transportkoſten, wie der Rocken erfordert, zur Stadt geliefert werden, wenn dieſes Erzeugniß gar keine Landrente abwerfen ſoll.
  • Die Produktionskoſten betragen dann
  • die Transportkoſten
  • Summe der Koſten
  • Fuͤr x = 30 Meilen iſt der Preis einer Ladung 266 Thlr. eines Pfundes 5,3 ß
  • x = 10 » 388 » 7,8 ß
  • x = 0 » 460 » 9,2 ß

Dieſes Erzeugniß kann alſo aus der 30 Meilen entfernten Gegend faſt zur Haͤlfte des Preiſes, den die unmittelbar an der Stadt gelegene Gegend dafuͤr haben mußte, nach der Stadt geliefert werden. Kann nun die entfernte Gegend den Bedarf der Stadt befriedigen: ſo muß die Hervorbringung dieſes Produkts fuͤr die der Stadt naͤhern Gegenden mit großem Verluſt verbunden ſeyn.

Nach dieſer Unterbrechung kehren wir jetzt zu der Betrachtung der Forſtkultur zuruͤck.

Wir haben bei unſern Berechnungen den jaͤhrlichen Holzertrag zu 1000 Faden, und den Holzbeſtand aller Kaveln zuſammen zu 15000 Faden angenommen. Hiernach verhaͤlt ſich der Zuwachs zu dem Beſtande wie 1 zu 15; oder der jaͤhrliche Holzzuwachs betraͤgt 1/15 des Holzbeſtandes.

Die Erfahrung hat aber vielfach gelehrt, daß es beim Ankauf eines Guts hoͤchſt gefaͤhrlich iſt, die mit dem Gute verbundene Waldung nach der Quantitaͤt des Holzbeſtandes abzuſchaͤtzen, und dann nach dieſer Schaͤtzung zu kaufen. Manche Kaͤufer haben dadurch großen Schaden gelitten, Einige ſogar ihr ganzes Vermoͤgen verloren. Es zeigte ſich naͤmlich ſpaͤter, daß das Holz keine volle Zin- ſen trug, d. h. daß der jaͤhrliche Holzertrag nicht 1/20, ſondern oft nur 1/30, oder gar nur 1/40 des Holzbeſtandes ausmachte, daß alſo auch das auf den Ankauf der Waldung verwandte Kapital nur 3⅓ oder gar nur 2½ prct. Zinſen brachte.

Auch beſitzen wir Abſchaͤtzungen von Waldungen, in welchen der jaͤhrliche Zuwachs, von Forſtkundigen ſelbſt, nur zu 1/40 des Holzbeſtandes angenommen wird.

Nehmen wir nun an, daß das was die Erfahrung lehrt, in der Natur des Baumes ſelbſt begruͤndet ſey, daß vermoͤge dieſer Natur der Baͤume die Waldungen nicht mehr als um 1/40 ihres Beſtandes jaͤhrlich zunehmen koͤnnen, und entwickeln wir dann die hierin liegenden Folgen: ſo gelangen wir zu ſehr merkwuͤrdigen Reſultaten.

  • 1) Der mit Holz beſtandene Boden bringt nicht bloß keine Landrente, ſondern der Ertrag des Bodens iſt ſogar negativ, indem die Zinſen des im Holzbeſtande ſteckenden Kapitals ſchon das Doppelte des jaͤhrlichen Ertrags ausmachen.
  • 2) Jeder Waldbeſitzer, der ſein eigenes Intereſſe kennt, muß das ſaͤmmtliche Holz auf einmal niederſchlagen und verkaufen, indem er durch das, aus dem Holz verkauf zu loͤſende Kapital die doppelten Zinſen bezieht, und den Grund und Boden der Waldung noch oben ein erhaͤlt, den er ebenfalls verkaufen kann. Iſt der Markt zu beſchraͤnkt, um alles Holz auf einmal, verkaufen zu koͤnnen, ſo muß der Beſitzer das jaͤhrlich gefaͤllte Revier nicht wieder mit Holz beſaamen — und ſo wird er, zwar langſamer aber nicht minder gewiß, mit der Ausrottung des Waldes zu Stande kommen.
  • 3) Ein ſolches allmaͤliges Ausrotten der Waͤlder muß den Preis des Holzes ſteigern; aber das iſt das Be- ſondere dieſes Falls, daß die hoͤchſten Holzpreiſe die Forſtkultur nicht vortheilhaft machen, und die Waͤlder nicht vor der fernern Ausrottung ſchuͤtzen koͤnnen: denn mit den erhoͤh’ten Holzpreiſen waͤchſt auch das in dem Holzbeſtande ſteckende Kapital, und die Zinſen von demſelben betragen immer doppelt ſo viel als die Einkuͤnfte aus der Waldung. Hohe Holzpreiſe machen alſo die Ausrottung der Waͤlder nur noch vortheilhafter und reizen um ſo mehr dazu an. Nur das Herabſinken des Zinsfußes bis unter 2½ prct. kann der Vernichtung der Waͤlder ein Ziel ſetzen. Tritt aber das Sinken des Zinsfußes nicht ein und ſoll ein ſo unentbehrliches Material, wie das Brennholz iſt, nicht gaͤnzlich von der Erde verſchwinden: ſo muͤſſen die Regierungen allen Privatperſonen die freie Dispoſition uͤber ihre Waldungen nehmen und die Beſitzer mit Gewalt zwingen, von ihrem Eigenthum nur den halben Nutzen zu ziehen, den ſie haben koͤnnten. Nach dieſer Verletzung des Eigenthumsrechts wird aber die Waldkultur mit der hoͤchſten Nachlaͤſſigkeit betrieben werden, und ſomit kann auch dieſe Maßregel nur auf eine kurze Zeit Huͤlfe gewaͤhren.

Betrachten wir nun dagegen den Wachsthum eines jungen Baumes, etwa den einer jungen Tanne, ſo finden wir, daß die zweijaͤhrige Tanne die einjaͤhrige an Maſſe vielleicht um das zehnfache uͤbertrifft, daß die dreijaͤhrige Tanne wiederum etwa das ſiebenfache der zweijaͤhrigen betraͤgt u. ſ. f., daß alſo der jaͤhrliche Zuwachs nicht bloß einen Theil der Maſſe, die der Baum ſchon hatte, ausmacht, ſondern dieſe Maſſe ſelbſt vielfach uͤbertrifft. In den folgenden Lebensjahren des Baumes ſteigt die abſolute Zunahme an Maſſe von Jahr zu Jahr, aber die relative Zunahme, d. h. der jaͤhrige Zuwachs im Verhaͤltniß zur Maſſe des Baumes, muß dennoch abnehmen, weil die Maſſe, mit der der Zuwachs verglichen wird, immer groͤ- ßer wird. Iſt nun etwa im fuͤnften Jahre der jaͤhrige Zuwachs der Maſſe, die der Baum ſchon hatte, gleich, ſo wird dann im ſechsten Jahre der Zuwachs etwa 9/10, im ſiebenten Jahre vielleicht 81/100 u. ſ. f. betragen.

Bei dieſer ſtuffenweiſen Abnahme des relativen Zuwachſes muͤſſen wir unſtreitig zuletzt auf einen Punkt kommen, wo der jaͤhrige Zuwachs 1/20 der Maſſe des Baumes betraͤgt.

Denken wir uns nun ſtatt des einzelnen Baumes ein ganzes Holzrevier, oder eine Kavel, worin lauter Baͤume von gleichem Alter ſtehen: ſo muß auch fuͤr dieſe ganze Flaͤche ein Zeitpunkt eintreten, wo der Holzzuwachs grade 1/20 des ganzen auf dieſer Flaͤche befindlichen Holzbeſtandes ausmacht.

Wird nun die Kavel grade in dieſem Zeitpunkt abgeholzt, und vergleicht man dann den Holzertrag mit der Summe des Holzbeſtandes aller der Kaveln, die mit Baͤumen von einjaͤhrigem bis zum haubaren Alter beſetzt ſind, ſo wird ſich ergeben, daß der jaͤhrige Ertrag mehr als 1/20 des Holzbeſtandes ausmacht: denn da der Zuwachs in der haubaren Kavel noch 1/20 betraͤgt, in allen Kaveln mit juͤngern Baͤumen aber bedeutend ſtaͤrker iſt, ſo muß auch der Zuwachs im Durchſchnitt, d. i. fuͤr alle Kaveln zuſammen, groͤßer als 1/20 ſeyn.

Iſt es alſo einerſeits voͤllig entſchieden, daß die Natur der Baͤume einen noch ſtaͤrkern relativen Zuwachs als 1/20 moͤglich macht, und iſt andererſeits die Erfahrung, daß in manchen Waͤldern der Zuwachs nur 1/40 betraͤgt, unbeſtreitbar: ſo folgt hieraus, daß die Bewirthſchaftung ſolcher Waldungen hoͤchſt unrichtig und fehlerhaft ſeyn muͤſſe.

In Waldungen, wo 100 und 200jaͤhrige Baͤume mit Baͤumen von 10 und 20jaͤhrigem Alter zuſammen- ſtehen und untermiſcht ſind, in welchen Baͤume vorhanden ſind, die uͤberhaupt nicht mehr wachſen, die aber einen großen Raum einnehmen und das junge Holz unterdruͤcken, wo folglich der abſolute Zuwachs ſelbſt ſehr geringe iſt, und dieſer mit einem ſehr großen Holzbeſtand verglichen werden muß; da kann auch leicht der relative Zuwachs bis zu 1/40 und noch tiefer herabſinken.

Eine ſolche Forſtkultur oder vielmehr Unkultur kann nur da gerechtfertigt werden, wo das Holz nicht abzuſetzen iſt, und der Boden ſelbſt einen ſo geringen Werth hat, daß die Koſten des Ausrodens der Baumſtaͤmme und der Verwandlung des Forſtgrundes in Ackerland nicht bezahlt werden.

In den fruͤhern Jahrhunderten mochte dies fuͤr einen großen Theil Deutſchlands der Fall ſeyn. Die Verhaͤltniſſe haben ſich ſeitdem ſehr geaͤndert; aber dieſe Aenderung der Verhaͤltniſſe hat nicht uͤberall eine Aenderung in der Behandlung der Forſten hervorgebracht, und wir finden auch in unſern Tagen noch viele Waldungen, die auf die herkoͤmmliche aber jetzt hoͤchſt unkonſequente Weiſe behandelt werden.

Aber auch da, wo die richtige Einſicht ſchon vorwal tet, koͤnnen die Waͤlder nur allmaͤlig aus ihrem Naturzuſtande geriſſen werden: denn ſo wie das Lebensalter der Baͤume das des Menſchen weit uͤbertrifft, ſo gehoͤren auch mehrere Menſchenalter dazu, um die richtige Forſtkultur uͤber eine ganze Waldflaͤche zu verbreiten.

Bei einer richtigen Forſtkultur werden nur Baͤume von gleichem Alter zuſammenſtehen duͤrfen, und dieſe werden gefaͤllt werden muͤſſen, ſo bald der relative Zuwachs bis auf 5 prct. heruntergeſunken iſt. Bei Hochwaldungen werden dann die Baͤume nicht auswachſen duͤrfen, die Umtriebszeit wird viel kuͤrzer, als das Lebensalter der Baͤume reicht, ſeyn muͤſſen; und es ſteht zur Frage, ob der Umtrieb der Buchenwaldung, den wir hier zu 100 Jahren angenommen haben, nach dieſen Grundſaͤtzen nicht noch kuͤrzer ſeyn muͤſſe.

Die Ruͤckſicht, daß das Holz von mehr ausgewach- ſenen Baͤumen als Brennmaterial einen hoͤhern Werth hat, und theurer bezahlt wird als das Holz von jungen Baͤumen, kann zwar den Umtrieb uͤber den Zeitpunkt hinaus, wo der relative Zuwachs 5 prct. betraͤgt verlaͤngern; aber doch nur auf wenige Jahre: denn dieſe Werthszunahme des Holzes als Brennmaterial kann nicht lange im uͤberwiegenden, oder auch nur gleichen Verhaͤltniß mit den durch den Zinſenverluſt ſteigenden Produktionskoſten, wachſen.

Ganz anders verhaͤlt ſich dies mit dem Bauholz. Dieſes muß eine gewiſſe Staͤrke haben, wenn es uͤberhaupt brauchbar ſeyn ſoll, und die Baͤume duͤrfen nicht eher gefaͤllt werden, als bis ſie dieſe Staͤrke erreicht haben. Der Umtrieb wird alſo viel laͤnger ſeyn muͤſſen als bei der Brennholzerzielung. Die Produktionskoſten des Bauholzes werden dadurch ſehr bedeutend vermehrt; da daſſelbe aber nicht entbehrt werden kann: ſo muß auch eine gleiche Maſſe, z. B. ein Kubikfuß, um ſo hoͤher bezahlt werden, je ſtaͤrker das Holz iſt, und zwar muß der Preis ſo hoch und in dem Maaße ſteigen, daß dadurch die Produktionskoſten des Bauholzes von jedem Grade der Staͤrke genau verguͤtigt werden.

Das Bauholz muß alſo bei gleichem Gewicht einen hoͤhern Preis haben als das Brennholz, und die Transportkoſten im Verhaͤltniß zum Werth betragen bei erſterem weniger als bei letzterem.

Aus dieſem Grunde muß auch in dem der Forſtkultur gewidmeten Kreiſe des iſolirten Staats die Erzeugung des Bauholzes in dem von der Stadt entfernteſten Theil dieſes Kreiſes geſchehen.

Der Abfall vom Bauholz wuͤrde als Brennholz benutzt die Transportkoſten nach der Stadt nicht tragen koͤnnen, aber durch das Verkohlen in ein Material von geringerm ſpezifiſchen Gewicht verwandelt, kann es noch mit Vortheil nach der Stadt gebracht werden; und ſo wird der aͤußere Rand des Holzkreiſes die Stadt nicht bloß mit Bauholz, ſondern auch noch mit Kohlen verſorgen.

An dem innern, der Stadt am naͤchſten liegenden Rand des Holzkreiſes wird es vielleicht vortheilhaft, ſchnellwuͤchſige Baͤume zu kultiviren, deren Holz als Brennmaterial freilich keinen ſo hohen Werth hat, als das Buͤchenholz, die aber von derſelben Flaͤche einen groͤßern jaͤhrlichen Ertrag an Holz liefern; waͤhrend die mehr entfernte Gegend nur noch Brennholz vom hoͤchſten Werth nach der Stadt bringen kann.

So wuͤrden in dem der Forſtkultur gewidmeten Kreiſe ſelbſt wieder mehrere Abtheilungen oder konzentriſche Ringe entſtehen, in denen die Kultur auf Erzielung verſchiedenartiger Baͤume gerichtet waͤre.

Dieſer Kreis muß die Stadt und den Kreis der freien Wirthſchaft mit Holz verſorgen; aber nicht die ruͤckwaͤrts, oder von der Stadt mehr entfernten Kreiſe. Dieſe erzielen naͤmlich ihren Bedarf an Holz ſelbſt, koͤnnen aber nichts zur Stadt liefern, und ſind in dieſer Beziehung fuͤr die Stadt indifferent; weshalb denn auch bei der Betrachtung der uͤbrigen Kreiſe der Holzkultur nicht weiter erwaͤhnt werden wird.

Geſetzt nun der Preis des Brennholzes ſey 21 Thlr. fuͤr den Faden, wie hoch wird dann die Landrente in den verſchiedenen Gegenden des Kreiſes der Forſtwirthſchaft ſeyn?

Die Einnahme fuͤr einen Faden betraͤgt 21 Thlr. oder Thlr. Die Produktionskoſten betragen fuͤr einen Faden Thlr. die Transportkoſten Thlr.

Dieſe beiden Ausgaben von der Einnahme abgezogen, ergibt ſich eine Landrente fuͤr die Flaͤche, worauf ein Faden Holz waͤchſt von Thlr.

Fuͤr eine Flaͤche von 100000 □R., auf welcher 250 Faden wachſen, betraͤgt alſo die Landrente () 250

  • Fuͤr x = 0 betraͤgt die Landrente 4548 Thlr.
  • x = 1 4017 »
  • x = 2 3492 »
  • x = 4 2458 »
  • x = 7 948 »

An dem aͤußern Rande des Holzkreiſes iſt die Landrente, die die Forſtkultur gibt, der des angraͤnzenden Ackerlandes gleich; aber dieſe Landrente ſteigt mit der Annaͤ- herung zu der Stadt, wegen der Erſparung der bedeutenden Transportkoſten, ſehr raſch, und betraͤgt bei der Stadt ſelbſt 4548 Thlr.; waͤhrend die reine Koppelwirthſchaft, wenn ſie eben ſo wie in den entfernten Gegenden betrieben wuͤrde, hier nur eine Landrente von 1111 Thlr. abwerfen koͤnnte.